"Irgendwann habe ich geliebt, mit jeder Pore und mit voll triefendem Kitsch und da habe ich aufgehört zu denken. Was für eine Befreiung. Denn es war nicht nur Reflex, es war plötzlich implodieren und weich werden. So weich, dass ich immer nur lächeln konnte, denn ich habe nichts mehr gespürt, außer mich selbst zerfließen", sagt Helene Hegemann.
Da ist diese samtige Rose in meiner Hand und the smell of your neck. Irgendwann versiegen meine Tränen und ich bebe nur noch an deiner Brust, zähle deine Stirnfalten und weiß, dass du die drei verbotenen Worte gesagt hast. Indirekt gesagt. Ich bin ganz ruhig mit einem Schlag, nur mein Kopf stürmt voran in den nächsten Tag, es juckt unter meinen schweren Haaren, du schließt die Augen. Eigentlich ist es zum Weinen. Keiner ahnt, was es bedeutet, Tag für Tag aufzuwachen und ich sein zu müssen, pathologisch und ohnmächtig und getrieben. Ich habe J. einmal geschrieben: "Nicht Sehnen ist Mangel. Das Ende des Sehnens ist Mangel", und mich ängstigt, dass ich Recht gehabt haben könnte. Das Schlimmste ist nicht mal, den Faden zu verlieren und kopflos durch die hellen Stunden zu rennen, das Schlimmste ist nicht verorten zu können, wonach ich sehn-süchte. Nach nichts, dass ich besitzen kann, nicht mehr, und das macht mich wütend und traurig.
Tip Tapping - Dillion auf Repeat, die ganze Nacht...
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Mittwoch, 21. August 2013
Montag, 5. August 2013
Doppelter Boden in zwei Akten.
Erster Akt.
Wir fahren durch die Allee, der heiße Föhn presst den Geruch von grünen Blättern und heißem Asphalt in unsere Nasen. Mein Helm hat kein Visier und trotz der 50er-Jahre-Sonnenbrille tränen meine Augen ein wenig. Ich umklammere seinen Bauch unter der Motorradjacke und wir rufen uns gegen den Fahrtwind kleine Sätze zu - Hast du den gesehen? - Wahnsinnig schönes Auto! - Wie gut der Wald duftet! - Das fühlt sich wie Urlaub an! - Ich bin so glücklich. - Ich auch. - Ich kann nicht aufhören, zu grinsen.
In dem kleinen Vorort stellen wir unser Gefährt ab und setzen uns auf die Treppe mit Blick auf die Kirche, essen Eis, rauchen und reden über die Zukunft. Lennards Hand sind warm und trocken auf meinem Knie und er küsst meine Schulter.
Wir stellen uns vor, ganz weit weg zu sein. Offenbach bietet so viel Urlaubs-Gefühl an staubigen Sonntagen: ein südfranzösisches Touri-Dorf mit viel Beton, niedlichen Häusern und wilden Blumen. Die hitzigen Weiten von Kansas, als wir die stoppeligen Äcker durchqueren. Die schlecht befestigte Straße durch den Wald, marmoriert von dem Licht, das durch die Blätter fällt: eine kanarische Insel. An einer verkommenen Fabrik vorbeirauschen und die Abgase der Autos riechen schmeckt nach den kroatischen Großstädten.
Wir parken vor der Gaststätte meines Stiefvaters, unsere Gegend könnte mit ihren Fachwerkhäusern und dem spätsommerlichen Charme das Elsaß darstellen, stoplern lachend in den Biergarten. Unter der großen Kastanie falten wir die Hände auf dem Tisch ineinander und halten den Film an. Das bleibt, sage ich, dieser Moment, in einem Rahmen. Du bist so schön, antwortet er. Wir kommen kaum zum Essen, so viel gibt es zu erzählen. Ich bin berührt und spüre, wie meine Augen feucht werden.
- Findest du, dass ich zu verständnisvoll bin?, fragt er.
- Nein, ganz im Gegenteil. Es rührt mich, dass du... Dass wir das können. Dass wir einander wirklich verstehen. Dass wir nichts zu sein vorgeben müssen, dass wir nicht sind.
Ich bin sehr nah am Wasser gebaut im Moment, aber das stört mich nicht. Ich bin sehr ehrlich zu ihm, er findet es nachvollziehbar und nicht weiter beunruhigend, dass ich hin und wieder um T. trauern muss. Er weiß, dass es für mich kein Zurück gibt, und ich weiß es auch, tief in mir drin. Mein Herz ist ganz leicht.
Nach dem Essen spielt uns mein Stiefvater in seinem winzigen Büro Jazz vor. Ich betrachte die beiden, wie sie über Gitarristen reden und über Konzerte. Marmeladenglasmomente im Küchendunst.
Zweiter Akt.
Die letzten Minuten von Ich - Einfach unverbesserlich II. Wir stellen fest, dass es für eine gelungene Hochzeit unbedingt Minions braucht. Und plötzlich, ganz ohne Vorwarnung, schieb sich eine graue Wand in meinen Kopf. Ich bin tausend Lichtjahre von ihm entfernt. Mein Körper und ich trennen uns. Gedankenschnellzüge in Richtung Psychiatrie. Ich zittere. Lennard zieht mich zu sich. Das Beben wird stärker und droht, mich zu zerreißen - das sind die Orte, an die er mir nicht folgen kann, das sind die Abgründe, für die ich kein Verständnis von ihm erwarte. Ich weine auf seiner nackten Brust und atme viel zu schnell, zwischen den Schluchzern formuliere ich zusammenhanglose Erklärungen: Ich fühle mich so hässlich. Ich hasse meinen Körper so sehr dafür, dass er blutet. Ich will keine Frau sein, Lennard, ich will keine fette, von hormonellen Zyklen getriebene Frau sein. Ich will nicht essen müssen, warum muss ich essen? Ich will nicht verhüten müssen, wenn ich dünn wäre wäre ich nicht mehr fruchtbar, alles so viel einfacher. Ich fühle mich so aussätzig und hässlich, schau mich nicht an, bitte, ich hasse mich so sehr, ich glaube ich verliere den Verstand, Lennard, kennst du diesen Moment in dem du die Klippen siehst in deinem Kopf und du weißt dass du springen musst damit alles aufhört ich kann nicht mehr so leben ich will es nicht mehr halt meinen Kopf fest bitte.
Und er hält meinen Kopf fest. Seine Stimme ist ruhig und fest. Sein Mund formt Sätze: Du bist wunderschön, Phoebe, ich sehe dich an und sehe nichts, das in irgendeiner Form hässlich sein könnte. Auch mit achzig Kilo wärst du wunderschön, auch mit fünfzig Kilo. Scheißegal. Du bist es. Du bist hier. Du bist bei Verstand, Darling, ich halte dich, spürst du es? Du hast deine Tage, weil du irgendwann Kinder bekommen möchtest, und das ist etwas Gutes und nichts, weswegen du dich grämen musst. Du bist eine gesunde Frau, Phoebe, und du bist schön, du bist wirklich schön.
Mit jedem beschwichtigenden Wort rege ich mich mehr auf, meine Paranoia verbietet mir, auch nur eine Silbe zu glauben. Ich wende mich ab. Alleine auf dem Balkon blase ich Rauch in die türkisfarbene Nacht und schüttele mich vor Ekel und Trauer und Fremde. Ich will meine Haut abstreifen, ein neues Gesicht angenäht bekommen, eines ohne Makel. Ich will jedes Gramm Fett an meinem Körper mit bloßen Händen und einem scharfen Skalpell von den Knochen schneiden. Ich will meine Gebärmutter im Biomüll entsorgen und meinen wiedergeborenen Körper 2.0 vierundzwanzig Stunden durchficken lassen, bis er schlaff auf den Dielen zusammensinkt, wund und betstätigt und geheilt von heiligen Händen und Schwänzen. Ich schlage mir gegen die Schläfen.
Ich bin nackt unter meinem kurzen blauen Kleid und ich werde bluten und ich werde essen und ich werde immer diese dialektische Distanz zu dem Menschen haben, den ich liebe. Meine Augen sind rot im Badezimmerspiegel, meine Haare sehen furchtbar aus. Ich habe einen Pickel auf der Stirn, ich weiß dass er das sieht und den ganzen Tag schon gesehen hat und kotze mir ins Gesicht. Hässlich, hässlich, hässlich. Lennard wartet im Bett auf mich. Ich gehe da jetzt hin und höre auf, zu heulen. Klappt nicht. Als ich seine Silhouette in Mondlicht warten sehe, schießen wieder Sturzbäche aus meinen Augen.
Das Leben ist ambivalent.
- Der Tag war so schön und ich werde ihn so in Erinnerung behalten, auch wenn es dir jetzt sehr schlecht geht. Du bist immer noch die Frau, der ich mein Herz schenke, auch wenn du zweifelst und Schwäche zeigst und nicht sehen kannst, was ich sehe, wenn ich dich anschaue.
Ich streife mir den Stoff von der Haut, mit dem Rücken zu ihm, damit er mein hässliches Gesicht nicht sehen kann das seine Behauptung lügen straft. Er umfasst meine Taille und streichelt mich, bis die Tränen abebben. Irgendwann zuckt er und schläft ein. Ich liege noch vier Stunden wach und versuche, den Wahnsinn in mir geräuschlos aufzudröseln.
Wir fahren durch die Allee, der heiße Föhn presst den Geruch von grünen Blättern und heißem Asphalt in unsere Nasen. Mein Helm hat kein Visier und trotz der 50er-Jahre-Sonnenbrille tränen meine Augen ein wenig. Ich umklammere seinen Bauch unter der Motorradjacke und wir rufen uns gegen den Fahrtwind kleine Sätze zu - Hast du den gesehen? - Wahnsinnig schönes Auto! - Wie gut der Wald duftet! - Das fühlt sich wie Urlaub an! - Ich bin so glücklich. - Ich auch. - Ich kann nicht aufhören, zu grinsen.
In dem kleinen Vorort stellen wir unser Gefährt ab und setzen uns auf die Treppe mit Blick auf die Kirche, essen Eis, rauchen und reden über die Zukunft. Lennards Hand sind warm und trocken auf meinem Knie und er küsst meine Schulter.
Wir stellen uns vor, ganz weit weg zu sein. Offenbach bietet so viel Urlaubs-Gefühl an staubigen Sonntagen: ein südfranzösisches Touri-Dorf mit viel Beton, niedlichen Häusern und wilden Blumen. Die hitzigen Weiten von Kansas, als wir die stoppeligen Äcker durchqueren. Die schlecht befestigte Straße durch den Wald, marmoriert von dem Licht, das durch die Blätter fällt: eine kanarische Insel. An einer verkommenen Fabrik vorbeirauschen und die Abgase der Autos riechen schmeckt nach den kroatischen Großstädten.
Wir parken vor der Gaststätte meines Stiefvaters, unsere Gegend könnte mit ihren Fachwerkhäusern und dem spätsommerlichen Charme das Elsaß darstellen, stoplern lachend in den Biergarten. Unter der großen Kastanie falten wir die Hände auf dem Tisch ineinander und halten den Film an. Das bleibt, sage ich, dieser Moment, in einem Rahmen. Du bist so schön, antwortet er. Wir kommen kaum zum Essen, so viel gibt es zu erzählen. Ich bin berührt und spüre, wie meine Augen feucht werden.
- Findest du, dass ich zu verständnisvoll bin?, fragt er.
- Nein, ganz im Gegenteil. Es rührt mich, dass du... Dass wir das können. Dass wir einander wirklich verstehen. Dass wir nichts zu sein vorgeben müssen, dass wir nicht sind.
Ich bin sehr nah am Wasser gebaut im Moment, aber das stört mich nicht. Ich bin sehr ehrlich zu ihm, er findet es nachvollziehbar und nicht weiter beunruhigend, dass ich hin und wieder um T. trauern muss. Er weiß, dass es für mich kein Zurück gibt, und ich weiß es auch, tief in mir drin. Mein Herz ist ganz leicht.
Nach dem Essen spielt uns mein Stiefvater in seinem winzigen Büro Jazz vor. Ich betrachte die beiden, wie sie über Gitarristen reden und über Konzerte. Marmeladenglasmomente im Küchendunst.
Zweiter Akt.
Die letzten Minuten von Ich - Einfach unverbesserlich II. Wir stellen fest, dass es für eine gelungene Hochzeit unbedingt Minions braucht. Und plötzlich, ganz ohne Vorwarnung, schieb sich eine graue Wand in meinen Kopf. Ich bin tausend Lichtjahre von ihm entfernt. Mein Körper und ich trennen uns. Gedankenschnellzüge in Richtung Psychiatrie. Ich zittere. Lennard zieht mich zu sich. Das Beben wird stärker und droht, mich zu zerreißen - das sind die Orte, an die er mir nicht folgen kann, das sind die Abgründe, für die ich kein Verständnis von ihm erwarte. Ich weine auf seiner nackten Brust und atme viel zu schnell, zwischen den Schluchzern formuliere ich zusammenhanglose Erklärungen: Ich fühle mich so hässlich. Ich hasse meinen Körper so sehr dafür, dass er blutet. Ich will keine Frau sein, Lennard, ich will keine fette, von hormonellen Zyklen getriebene Frau sein. Ich will nicht essen müssen, warum muss ich essen? Ich will nicht verhüten müssen, wenn ich dünn wäre wäre ich nicht mehr fruchtbar, alles so viel einfacher. Ich fühle mich so aussätzig und hässlich, schau mich nicht an, bitte, ich hasse mich so sehr, ich glaube ich verliere den Verstand, Lennard, kennst du diesen Moment in dem du die Klippen siehst in deinem Kopf und du weißt dass du springen musst damit alles aufhört ich kann nicht mehr so leben ich will es nicht mehr halt meinen Kopf fest bitte.
Und er hält meinen Kopf fest. Seine Stimme ist ruhig und fest. Sein Mund formt Sätze: Du bist wunderschön, Phoebe, ich sehe dich an und sehe nichts, das in irgendeiner Form hässlich sein könnte. Auch mit achzig Kilo wärst du wunderschön, auch mit fünfzig Kilo. Scheißegal. Du bist es. Du bist hier. Du bist bei Verstand, Darling, ich halte dich, spürst du es? Du hast deine Tage, weil du irgendwann Kinder bekommen möchtest, und das ist etwas Gutes und nichts, weswegen du dich grämen musst. Du bist eine gesunde Frau, Phoebe, und du bist schön, du bist wirklich schön.
Mit jedem beschwichtigenden Wort rege ich mich mehr auf, meine Paranoia verbietet mir, auch nur eine Silbe zu glauben. Ich wende mich ab. Alleine auf dem Balkon blase ich Rauch in die türkisfarbene Nacht und schüttele mich vor Ekel und Trauer und Fremde. Ich will meine Haut abstreifen, ein neues Gesicht angenäht bekommen, eines ohne Makel. Ich will jedes Gramm Fett an meinem Körper mit bloßen Händen und einem scharfen Skalpell von den Knochen schneiden. Ich will meine Gebärmutter im Biomüll entsorgen und meinen wiedergeborenen Körper 2.0 vierundzwanzig Stunden durchficken lassen, bis er schlaff auf den Dielen zusammensinkt, wund und betstätigt und geheilt von heiligen Händen und Schwänzen. Ich schlage mir gegen die Schläfen.
Ich bin nackt unter meinem kurzen blauen Kleid und ich werde bluten und ich werde essen und ich werde immer diese dialektische Distanz zu dem Menschen haben, den ich liebe. Meine Augen sind rot im Badezimmerspiegel, meine Haare sehen furchtbar aus. Ich habe einen Pickel auf der Stirn, ich weiß dass er das sieht und den ganzen Tag schon gesehen hat und kotze mir ins Gesicht. Hässlich, hässlich, hässlich. Lennard wartet im Bett auf mich. Ich gehe da jetzt hin und höre auf, zu heulen. Klappt nicht. Als ich seine Silhouette in Mondlicht warten sehe, schießen wieder Sturzbäche aus meinen Augen.
Das Leben ist ambivalent.
- Der Tag war so schön und ich werde ihn so in Erinnerung behalten, auch wenn es dir jetzt sehr schlecht geht. Du bist immer noch die Frau, der ich mein Herz schenke, auch wenn du zweifelst und Schwäche zeigst und nicht sehen kannst, was ich sehe, wenn ich dich anschaue.
Ich streife mir den Stoff von der Haut, mit dem Rücken zu ihm, damit er mein hässliches Gesicht nicht sehen kann das seine Behauptung lügen straft. Er umfasst meine Taille und streichelt mich, bis die Tränen abebben. Irgendwann zuckt er und schläft ein. Ich liege noch vier Stunden wach und versuche, den Wahnsinn in mir geräuschlos aufzudröseln.
Mittwoch, 24. Juli 2013
Manchmal frage ich mich... [edited]
...ob ich meinen vollkommen "normalen" Körper und BMI vielleicht besser akzeptieren könnte, wenn ich nicht in einen Mann verliebt wäre, der explizit auf dünne Frauen steht ("Aber du bist genau so wunderbar, wie du bist. Ich liebe deinen Körper", hatte ich erwähnt dass ich sowieso niemandem ein Wort glaube?).
Wenn ich Bilder auf tumblr hochladen würde von meinen zellulitösen Oberschenkeln, die beim Gehen aneinander reiben, und das Ganze mit dem Hashtag realtights versehen. Wer weiß.
Vielleicht wenn ich in feministischer Manier die Gesellschaft hinterfragte, die mir dieses Schönheitsideal aufstempelt, welchem ich immer hinterherhecheln werde. Oder meinem Vater in die Fresse schlagen könnte, wenn er mich beim Essengehen fragt, ob ich wirklich Kohlenhydrate zum Abendbrot essen will ("Und überhaupt, Lachs, Sahne? Das ist aber nicht vegan!").
Ich müsste vielleicht all die Bilder von meiner Festplatte löschen, die mich mit BMI-kurz-vorm-Hungertod zeigen, damit ich sie nicht mehr anhimmeln kann.
Der Gedanke fühlt sich an wie Aufgeben.
Edit 15:33:
Lustig, da finde ich gerade bei der Zerstreuung auf vice.de einen Artikel, der das Ganze noch zuspitzt und weiterführt:
"Wie dem auch sei, bis irgendwann später—auf keinen Fall vor 25—will jede das haben, was alle anderen haben, es ist widerlich. Die einzige universell sichere Tatsache ist, dass alle Mädchen dünn sein wollen, aber jede sagt: „Ieeh, dünn ist eklig“, während sie zu Modemagazinen masturbieren. Und eigentlich machen es sich weiße Mädchen auch zu Rihanna, so viel ist sicher.
Du darfst deinen Körper nicht mögen (das wäre „eingebildet“), aber wenn du coole feministische Freunde hast, dann darfst du auch nicht versuchen, ihn zu verändern. Und wenn deine Freunde eher so dem, ähm, Standard-Problemtyp entsprechen, dann darfst du auch nicht nicht versuchen, ihn zu verändern. Die Folge sind eine Kultur von Unaufrichtigkeit, Feindseligkeit und (am schlimmsten) wiederholte „Du bist schön“- und „Du bist hinreißend“- und „Ich würde für deine Beine töten“-Schwüre. COOL. Stell dir vor, wie ich bei dem Gedanken Luft in meine Handfläche kotze."
Was denkt ihr darüber?
Wenn ich Bilder auf tumblr hochladen würde von meinen zellulitösen Oberschenkeln, die beim Gehen aneinander reiben, und das Ganze mit dem Hashtag realtights versehen. Wer weiß.
Vielleicht wenn ich in feministischer Manier die Gesellschaft hinterfragte, die mir dieses Schönheitsideal aufstempelt, welchem ich immer hinterherhecheln werde. Oder meinem Vater in die Fresse schlagen könnte, wenn er mich beim Essengehen fragt, ob ich wirklich Kohlenhydrate zum Abendbrot essen will ("Und überhaupt, Lachs, Sahne? Das ist aber nicht vegan!").
Ich müsste vielleicht all die Bilder von meiner Festplatte löschen, die mich mit BMI-kurz-vorm-Hungertod zeigen, damit ich sie nicht mehr anhimmeln kann.
Der Gedanke fühlt sich an wie Aufgeben.
Edit 15:33:
Lustig, da finde ich gerade bei der Zerstreuung auf vice.de einen Artikel, der das Ganze noch zuspitzt und weiterführt:
"Wie dem auch sei, bis irgendwann später—auf keinen Fall vor 25—will jede das haben, was alle anderen haben, es ist widerlich. Die einzige universell sichere Tatsache ist, dass alle Mädchen dünn sein wollen, aber jede sagt: „Ieeh, dünn ist eklig“, während sie zu Modemagazinen masturbieren. Und eigentlich machen es sich weiße Mädchen auch zu Rihanna, so viel ist sicher.
Du darfst deinen Körper nicht mögen (das wäre „eingebildet“), aber wenn du coole feministische Freunde hast, dann darfst du auch nicht versuchen, ihn zu verändern. Und wenn deine Freunde eher so dem, ähm, Standard-Problemtyp entsprechen, dann darfst du auch nicht nicht versuchen, ihn zu verändern. Die Folge sind eine Kultur von Unaufrichtigkeit, Feindseligkeit und (am schlimmsten) wiederholte „Du bist schön“- und „Du bist hinreißend“- und „Ich würde für deine Beine töten“-Schwüre. COOL. Stell dir vor, wie ich bei dem Gedanken Luft in meine Handfläche kotze."
Was denkt ihr darüber?
Montag, 22. Juli 2013
Resignation totale.
Frage mich, was zur Hölle eigentlich mein Problem ist.
Auf dem Boden neben dem Bett sammeln sich Joghurtbecher, Schokoladenverpackungen, Tassen, Schüsseln, Teller, Tabakkrümel, der Inhalt von umgekippten Aschenbechern, mehrere Ausgaben der ZEIT (noch unberührt), Mückensprays, ein Ventilator (ohne Schutzabdeckung), Tabletten, BHs, Kleidung en masse, Taschentücher, leere Wasserflaschen, Haarnadeln.
In mir sammeln sich Essensreste (fetthaltig, zuckerlastig, das vierfache meines Tagesbedarfs) und wüste Gefühle (ich kann nicht verstehen, dass er es wirklich ernst meint mit mir).
Und diese Hitze! (I got that summertime, summertime sadness)
Ich muss zur Arbeit gehen. Sieben Tage die Woche. Es gibt kein Verzagen, nur Verantwortung, Druck, funktionieren müssen um jeden Preis, ich warte auf den Zusammenbruch in mir oder um mich herum, auf Kraterbildung, auf das Ende des Sommers. Warum so traurig, warum so resigniert, meine Liebe?
Ich kann das faulend-fette Mich und das ominöse Es und das dröhnende Alles nicht mehr ertragen.
Ich will nur noch schlafen, bis die Welle vorbei ist.
Auf dem Boden neben dem Bett sammeln sich Joghurtbecher, Schokoladenverpackungen, Tassen, Schüsseln, Teller, Tabakkrümel, der Inhalt von umgekippten Aschenbechern, mehrere Ausgaben der ZEIT (noch unberührt), Mückensprays, ein Ventilator (ohne Schutzabdeckung), Tabletten, BHs, Kleidung en masse, Taschentücher, leere Wasserflaschen, Haarnadeln.
In mir sammeln sich Essensreste (fetthaltig, zuckerlastig, das vierfache meines Tagesbedarfs) und wüste Gefühle (ich kann nicht verstehen, dass er es wirklich ernst meint mit mir).
Und diese Hitze! (I got that summertime, summertime sadness)
Ich muss zur Arbeit gehen. Sieben Tage die Woche. Es gibt kein Verzagen, nur Verantwortung, Druck, funktionieren müssen um jeden Preis, ich warte auf den Zusammenbruch in mir oder um mich herum, auf Kraterbildung, auf das Ende des Sommers. Warum so traurig, warum so resigniert, meine Liebe?
Ich kann das faulend-fette Mich und das ominöse Es und das dröhnende Alles nicht mehr ertragen.
Ich will nur noch schlafen, bis die Welle vorbei ist.
Freitag, 12. Juli 2013
"Es bringt halt auch nichts, im Kreis zu rennen aus Angst, dass das Haus einstürzen könnte. Entweder man nimmt die Angst an - konstruktiv - und verlässt das Haus, oder man entspannt sich. Wenn das Haus einstürzen sollte, wirst du es schlecht aufhalten können"
Was passiert, wenn ich einen Schritt vor die Tür mache und mir den vermeintlichen Schaden mit etwas Abstand ansehe?
Was passiert, wenn ich die Füße still halte und meiner Angst keinen Raum mehr gebe?
Werde ich wachsen?
Werde ich mit Porzellan um mich werfen oder mit wohldurchdachten Worten?
Es wird doch alles gut?
Was passiert, wenn ich die Füße still halte und meiner Angst keinen Raum mehr gebe?
Werde ich wachsen?
Werde ich mit Porzellan um mich werfen oder mit wohldurchdachten Worten?
Es wird doch alles gut?
Freitag, 28. Juni 2013
Zwiebeltränen.
Keine Ahnung, was ich erzählen soll. Von der Bügelmaschine? Von meiner konstruktiven Therapiesitzung? Von meiner sexuellen Frustration? Von der Tatsache, dass Lulu nächste Woche nach Israel fliegt? Davon, dass ich mein Chaos nicht gebändigt bekomme, nirgendwo, in keinster Weise? Von ungarischen Zigaretten? Von seinen Albträumen? Von unerschöpflicher Müdigkeit? Von Woody Allens "Stadtneurotiker"? Von meinem Tabletten-Notstand? Vielleicht von den überwältigenden, viel zu schönen Gefühlen, wenn er mich an seinen Körper zieht?
Von Plänen, die keine sind. Davon, wie ich beide Staffeln "Girls" innerhalb von zwei Tagen sehe und Rotz und Wasser heule, als Adam Hannahs Tür eintritt, um sie aus dem Bett zu heben. Ich könnte von dem Buch erzählen, das Penny mir geliehen hat. Von dem kurzen Moment unter der Dusche, als ich meinen Körper für "okay" befinden konnte. Von dem Fleck auf meinem Eckzahn, den Flecken auf meiner Bettwäsche, den weißen Flecken auf meiner Landkarte der obszönen Gedankenspiele, der Angst und dem drumherum.
Von asiatischem Essen. Von Sehnsucht. Von Euphemismen.
Von Plänen, die keine sind. Davon, wie ich beide Staffeln "Girls" innerhalb von zwei Tagen sehe und Rotz und Wasser heule, als Adam Hannahs Tür eintritt, um sie aus dem Bett zu heben. Ich könnte von dem Buch erzählen, das Penny mir geliehen hat. Von dem kurzen Moment unter der Dusche, als ich meinen Körper für "okay" befinden konnte. Von dem Fleck auf meinem Eckzahn, den Flecken auf meiner Bettwäsche, den weißen Flecken auf meiner Landkarte der obszönen Gedankenspiele, der Angst und dem drumherum.
Von asiatischem Essen. Von Sehnsucht. Von Euphemismen.
Zwiebeltränen und echten Tränen, die sich vermischen, als wir in der
Küche stehen und ich ein stumpfes Messer schwinge - mein Herz schreibt
Romane, die ich nie verfassen werde.
Samstag, 22. Juni 2013
Inside your pretending / crimes have been swept aside / somewhere where they can forget.
Gibt es etwas demütigenderes, als Unterwäsche anzuprobieren und seinen weichen Körper in Pseudo-Reizwäsche gezwängt in diesem furchtbar grellen Licht ausgeleuchtet zu sehen? Kleine Panikattacke, ich schwitze ohne Ende. Drei Höschen landen auf dem Band (weiß, schwarz, Spitze, alle in verschiedenen Größen). Die Kassiererin sieht aus wie Miss Piggy. Ich greife eine Packung Toffifee, mein Spiegelbild in der Rolltreppe ist die reinste Folter.
Ja, es geht immer noch demütigender! Vor dem Kaufhof laufe ich T.s Exfrau inklusive Sohnemann in die Arme. Ich ignoriere sie und schäme mich dafür. Aus dem Augenwinkel versuche ich, ihre Kleidergröße einzuschätzen. Willkommen im Kopfkino einer traurigen Existenz: Nacktbilder von T.s anderer Exfreundin (durchtrainiert, braungebrannt, nasses Haar), Bikinifotos von seiner Exfrau (kurvig, Sonnenbrand, enorme Oberweite), meine Wenigkeit hingegossen auf seinem Bett (milchig-weiße Haut, zerstrubbelte kurze Haare, blau-gefleckte Brüste und frisch vernarbte Unterarme) und in unserem Flur-Spiegel vor zwei Jahren (Knochen, Knochen, glühende Augen, endlose Beine und Schatten und Knochen). Verdammte Scheiße.
Gibt es etwas demütigenderes als das Wissen, wer man sein könnte, hätte man die Kraft dazu? Wer man war und wie man sich geschämt hat? Wie man sich hat benutzen lassen? Wie man gelogen hat?
Ich senke den Blick und stolpere zur Bushaltestelle, höre Portishead ("Did you really want? Did you really want?"). Auf Toffifee folgen Käsespätzle, auf Weinen folgt Wut, auf Bilder folgt Leere, vier Zigaretten. Einsamkeit ist nicht unbedingt die Abwesenheit von Gesellschaft, sie kann auch Reizüberflutung sein, Schritte im Treppenhaus, das Wissen um sechs Milliarden Vollidioten. Einsamkeit in meiner Glasglocke Selbsthass.
Histrionische Persönlichkeitsstörung, sehr spaßig. Hat was mit Hysterie zu tun und mit Oberflächlichkeit. Ich möchte nicht sehen, dass die Frauen, mit denen ich in der Klinik war, wieder nach Heroin-Chic aussehen. Ich möchte nicht meine Oberschenkel kaschieren müssen, Berührungen nur noch im Dunkeln genießen können. Eigentlich möchte ich mir wehtun, aber meine Eitelkeit ist stärker (Narben kommen einfach Scheiße im Sommer). Gibt es etwas demütigenderes als nicht gesehen zu werden?
Ja, es geht immer noch demütigender! Vor dem Kaufhof laufe ich T.s Exfrau inklusive Sohnemann in die Arme. Ich ignoriere sie und schäme mich dafür. Aus dem Augenwinkel versuche ich, ihre Kleidergröße einzuschätzen. Willkommen im Kopfkino einer traurigen Existenz: Nacktbilder von T.s anderer Exfreundin (durchtrainiert, braungebrannt, nasses Haar), Bikinifotos von seiner Exfrau (kurvig, Sonnenbrand, enorme Oberweite), meine Wenigkeit hingegossen auf seinem Bett (milchig-weiße Haut, zerstrubbelte kurze Haare, blau-gefleckte Brüste und frisch vernarbte Unterarme) und in unserem Flur-Spiegel vor zwei Jahren (Knochen, Knochen, glühende Augen, endlose Beine und Schatten und Knochen). Verdammte Scheiße.
Gibt es etwas demütigenderes als das Wissen, wer man sein könnte, hätte man die Kraft dazu? Wer man war und wie man sich geschämt hat? Wie man sich hat benutzen lassen? Wie man gelogen hat?
Ich senke den Blick und stolpere zur Bushaltestelle, höre Portishead ("Did you really want? Did you really want?"). Auf Toffifee folgen Käsespätzle, auf Weinen folgt Wut, auf Bilder folgt Leere, vier Zigaretten. Einsamkeit ist nicht unbedingt die Abwesenheit von Gesellschaft, sie kann auch Reizüberflutung sein, Schritte im Treppenhaus, das Wissen um sechs Milliarden Vollidioten. Einsamkeit in meiner Glasglocke Selbsthass.
Histrionische Persönlichkeitsstörung, sehr spaßig. Hat was mit Hysterie zu tun und mit Oberflächlichkeit. Ich möchte nicht sehen, dass die Frauen, mit denen ich in der Klinik war, wieder nach Heroin-Chic aussehen. Ich möchte nicht meine Oberschenkel kaschieren müssen, Berührungen nur noch im Dunkeln genießen können. Eigentlich möchte ich mir wehtun, aber meine Eitelkeit ist stärker (Narben kommen einfach Scheiße im Sommer). Gibt es etwas demütigenderes als nicht gesehen zu werden?
Sonntag, 16. Juni 2013
Wasser bei die Fische.
Es ist ja nicht so als hätten sie nicht Recht behalten. Discounter-Cookies kauend verschwinde ich leicht bekleidet in den Tiefen der Bettengrotte, die Füße klammern sich an Metallstäbe und Zipfel von IKEA-Bettwäsche. Wenn ich die letzten Tropfen Wasser trinke, schraubt sich immer diese Kamel-Karawanen-Assoziation in meine Gedanken, Wüste, Weite, quälender Durst.
Hässlich und dumpf, wie ich bin, schließe ich die Welt aus und zweifle. "Ich glaube, Leben heißt für mich reine Gegenwart. Ich neige dazu, in der Vergangenheit zu verweilen oder mir die Zukunft auszumalen. Wirklich leben bedeutet wohl, den Moment wie er ist auszukosten und dabei mit sich selbst im Reinen zu sein, weil es in der Vergangenheit nichts mehr gibt, was traurig stimmt und in der Zukunft nichts, was ängstigt.", schreibt Anna und trifft mit dem Kopf den Nagel, meinen Nagel. Nüsse in Honig und Salz sind auch nur Fluchtfahrzeuge in meinem perfiden Überfall-Szenario; der Ekel vor dem eigenen Körper kann nur Mittel sein, nie das Ende. Ich will nur wissen, warum das Früher so unglücklich war. Das Jetzt benutzen wissen, irgendwann.
Es ist ja nicht so, als hätten sie nicht Recht behalten, mit all ihrem Metaphern und Hypothesen und geschmackvoll eingerichteten Gesprächssituationen, mit der Wut und der Sanktionierung, mit den großen Ideologien. Vielleicht ist es Zeit, die Affenzehen zu lösen, den Affentorso aufzurichten und ein paar Schritte mit geschlossenen Augen zu machen. Was ist das, Spaß? Was ist das, Hunger? Was ist das, Akzeptanz und Einsicht? Es ist dieser verzweifelte Durst im Sommer.
Hässlich und dumpf, wie ich bin, schließe ich die Welt aus und zweifle. "Ich glaube, Leben heißt für mich reine Gegenwart. Ich neige dazu, in der Vergangenheit zu verweilen oder mir die Zukunft auszumalen. Wirklich leben bedeutet wohl, den Moment wie er ist auszukosten und dabei mit sich selbst im Reinen zu sein, weil es in der Vergangenheit nichts mehr gibt, was traurig stimmt und in der Zukunft nichts, was ängstigt.", schreibt Anna und trifft mit dem Kopf den Nagel, meinen Nagel. Nüsse in Honig und Salz sind auch nur Fluchtfahrzeuge in meinem perfiden Überfall-Szenario; der Ekel vor dem eigenen Körper kann nur Mittel sein, nie das Ende. Ich will nur wissen, warum das Früher so unglücklich war. Das Jetzt benutzen wissen, irgendwann.
Es ist ja nicht so, als hätten sie nicht Recht behalten, mit all ihrem Metaphern und Hypothesen und geschmackvoll eingerichteten Gesprächssituationen, mit der Wut und der Sanktionierung, mit den großen Ideologien. Vielleicht ist es Zeit, die Affenzehen zu lösen, den Affentorso aufzurichten und ein paar Schritte mit geschlossenen Augen zu machen. Was ist das, Spaß? Was ist das, Hunger? Was ist das, Akzeptanz und Einsicht? Es ist dieser verzweifelte Durst im Sommer.
Mittwoch, 22. Mai 2013
Fluchtpunkt.
Schokolade (zwei Tafeln), Milchkaffee mit Sojamilch (2
Liter), Meeresfrüchte (aus Nougat, 1 Packung à 250g), Müsli (100g),
Pistazien (halbe Tüte), Salat mit gebratenem Tofu (lecker!), Erdbeeren
(Hand voll), Ciabatta mit Butter und Käse (zu viel), Brot (roh),
Fleischsalat (pur), eine Tüte gesalzene Mandeln. Das war noch ein "guter" Tag.
Mir fehlt es an Körperspannung, ich fühle mich wie ein schlaksiger Schrat von dreizehn Jahren mit unproportionierten Fettpölsterchen an Armen, Beinen, Hüften und Bauch. Das Gesicht nicht zu vergessen.
Ich krümme den Nacken und verschwinde in Opas grauem Pullover, quadratisch praktisch gut kompakt.
Innen hält sich die Waage: Sicherheit und Abwesenheit, totale Ambivalenz. Pläne, Konzentration und Funken - Selbsthass, Angst und Lethargie. Depression. Merke: Ausgeglichen ungleich gut, wenn man es mathematisch aufzieht.
Jeder weitere Atemzug macht die Luft schwerer. Der Puls klingelt in den Ohren. Ich öffne den Mund, um meiner Mutter zu antworten, aber da kommt nichts. Keine Stimme und keine Bewegung.
Nicht mal Lust, eine Zigarette zu rauchen, gar nichts, nothing, rien, niente.
Alles ist so flach und eben. Ich bin nicht zu erreichen, wenn ich hier bin.
Gleichzeitig sehne ich mich danach, erreicht zu werden, auch wenn ich weiß dass es unmöglich ist.
Ich bin der Punkt am Horizont. Ich bin der tote Affe im Sand. Ich bin in meinem schäbigen Gehirn gefangen.
In die Schlafstarre mit diesem grotesken Körper!
Worte heraufbeschwören und schlucken, Berührpunkte erinnern (auch wenn man nichts fühlt außer dem chaotischen Grauen eines post-katastrophalen Szenarios aus Sicht der Gegner).
Mir fehlt es an Körperspannung, ich fühle mich wie ein schlaksiger Schrat von dreizehn Jahren mit unproportionierten Fettpölsterchen an Armen, Beinen, Hüften und Bauch. Das Gesicht nicht zu vergessen.
Ich krümme den Nacken und verschwinde in Opas grauem Pullover, quadratisch praktisch gut kompakt.
Innen hält sich die Waage: Sicherheit und Abwesenheit, totale Ambivalenz. Pläne, Konzentration und Funken - Selbsthass, Angst und Lethargie. Depression. Merke: Ausgeglichen ungleich gut, wenn man es mathematisch aufzieht.
Jeder weitere Atemzug macht die Luft schwerer. Der Puls klingelt in den Ohren. Ich öffne den Mund, um meiner Mutter zu antworten, aber da kommt nichts. Keine Stimme und keine Bewegung.
Nicht mal Lust, eine Zigarette zu rauchen, gar nichts, nothing, rien, niente.
Alles ist so flach und eben. Ich bin nicht zu erreichen, wenn ich hier bin.
Gleichzeitig sehne ich mich danach, erreicht zu werden, auch wenn ich weiß dass es unmöglich ist.
Ich bin der Punkt am Horizont. Ich bin der tote Affe im Sand. Ich bin in meinem schäbigen Gehirn gefangen.
In die Schlafstarre mit diesem grotesken Körper!
Worte heraufbeschwören und schlucken, Berührpunkte erinnern (auch wenn man nichts fühlt außer dem chaotischen Grauen eines post-katastrophalen Szenarios aus Sicht der Gegner).
Samstag, 18. Mai 2013
Wenn drei Feuerzeuge neben dir liegen und keines beim letzten Versuch eine Flamme spendet, die groß genug wäre um damit Brand zu stiften.
Benutzte Müslischalen und Kaffeetassen, Tabakkrümel, Bücherberge und aufgeschlagene Zeitungen voller rätselhafter Codes, ein Haufen dreckiger Wäsche, Knoten in der Brust, Kontoauszüge, ein verhasstes Mobiltelefon und ich, inmitten meiner Schatten von grau zu schwarz zu unsichtbar.
Mein Chaos ist perfekt durchchoreographiert, es beginnt bei meinen klebrigen Fingern und endet zwischen Zwerchfell und geteerten Lungenflügeln in einem zitternden, gefräßigen Schlund: Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich Angst habe. Kann gar nicht so viel weinen, wie ich Schmerzen verspüre.
Ja, das ist wehleidig und ich bin es zumindest meiner Therapeutin schuldig (wenn nicht sogar meiner Mutter), strategisch vorzugehen, es ist Krieg. Aber wo anfangen?
Wenn man unendlich ist, gibt es keine körperlichen Grenzen und keine metaphysichen, der Tod lümmelt auf dem Teppich vor der Glotze und sortiert Rasierklingen, sein Blick ist weit und seine Finger aschgrau. Er nickt mir unmerklich zu - Guten Morgen, Frau R., ich wollte Ihnen nur mittteilen, dass ich bereit bin. Bereit, wenn Sie es sind, Clarice.
Wer sitzt daneben? Zwei Silhoutten meiner Selbst, eine ausgezehrte Kreatur ohne sekundäre Geschlechtsmerkmale und ein Koloss mit Schokoladenmund. Seid ihr die Optionen? Ich suche den Raum ab nach einem vernünftigen Selbstbild, vielleicht Phoebe mit Abiturzeugnis oder Phoebe in einem Auto oder Phoebe Hand in Hand mit einem Menschen, der sie glücklich macht. Das sprengt offenbar meine Phantasie, wir sind immer noch alleine, meine Monster und ich.
Der Tod bedient sich bei meinem Tabak.
Die ausgezehrte Kreatur kokst und wippt manisch mit dem Fuß.
Der Koloss schlägt rhytmisch den breiigen Schädel gegen die Dachschräge.
Gute Gastgeberin, die ich sein möchte, bleibe ich passiv und lausche.
Flugzeuge im Bauch und über meinem Fenster, jemand kehrt im Hof. Ich schwitze. Mein Gesicht ist taub und aufgedunsen, alle Türen offen rast das Herz den Gedanken nach und pumpt und pumpt.
Meine Schuldgefühle bringen mich um den Verstand: Nie wieder jemanden vor den Kopf stoßen, nie wieder jemanden fordern, nie wieder fett sein. Ich denke über Gebete nach und über Filmsequenzen (Denn sie wissen nicht, was sie tun; The Dark Knight). Alles so weit weg, mein Körper zu eng und zu groß, meine Augen zu blind, ich hasse meinen Vater und meine Schwäche mit verzweifelter Intensität.
Frau L. sagt, da ist ein Überlebenstrieb. Wo zur Hölle ist mein Geld? Wo ist meine Selbstachtung (rhetorische Frage, klar)?
J. kommt später auf einen Kaffee vorbei und ich weiß noch nicht, welche Haut ich tragen werde um ihr die Milch für den Kaffee aufzuschäumen. Die Furcht ist meine Glasglocke und mein Segelboot.
Einmal nur in einer Umarmung ankommen!
Mein Chaos ist perfekt durchchoreographiert, es beginnt bei meinen klebrigen Fingern und endet zwischen Zwerchfell und geteerten Lungenflügeln in einem zitternden, gefräßigen Schlund: Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich Angst habe. Kann gar nicht so viel weinen, wie ich Schmerzen verspüre.
Ja, das ist wehleidig und ich bin es zumindest meiner Therapeutin schuldig (wenn nicht sogar meiner Mutter), strategisch vorzugehen, es ist Krieg. Aber wo anfangen?
Wenn man unendlich ist, gibt es keine körperlichen Grenzen und keine metaphysichen, der Tod lümmelt auf dem Teppich vor der Glotze und sortiert Rasierklingen, sein Blick ist weit und seine Finger aschgrau. Er nickt mir unmerklich zu - Guten Morgen, Frau R., ich wollte Ihnen nur mittteilen, dass ich bereit bin. Bereit, wenn Sie es sind, Clarice.
Wer sitzt daneben? Zwei Silhoutten meiner Selbst, eine ausgezehrte Kreatur ohne sekundäre Geschlechtsmerkmale und ein Koloss mit Schokoladenmund. Seid ihr die Optionen? Ich suche den Raum ab nach einem vernünftigen Selbstbild, vielleicht Phoebe mit Abiturzeugnis oder Phoebe in einem Auto oder Phoebe Hand in Hand mit einem Menschen, der sie glücklich macht. Das sprengt offenbar meine Phantasie, wir sind immer noch alleine, meine Monster und ich.
Der Tod bedient sich bei meinem Tabak.
Die ausgezehrte Kreatur kokst und wippt manisch mit dem Fuß.
Der Koloss schlägt rhytmisch den breiigen Schädel gegen die Dachschräge.
Gute Gastgeberin, die ich sein möchte, bleibe ich passiv und lausche.
Flugzeuge im Bauch und über meinem Fenster, jemand kehrt im Hof. Ich schwitze. Mein Gesicht ist taub und aufgedunsen, alle Türen offen rast das Herz den Gedanken nach und pumpt und pumpt.
Meine Schuldgefühle bringen mich um den Verstand: Nie wieder jemanden vor den Kopf stoßen, nie wieder jemanden fordern, nie wieder fett sein. Ich denke über Gebete nach und über Filmsequenzen (Denn sie wissen nicht, was sie tun; The Dark Knight). Alles so weit weg, mein Körper zu eng und zu groß, meine Augen zu blind, ich hasse meinen Vater und meine Schwäche mit verzweifelter Intensität.
Frau L. sagt, da ist ein Überlebenstrieb. Wo zur Hölle ist mein Geld? Wo ist meine Selbstachtung (rhetorische Frage, klar)?
J. kommt später auf einen Kaffee vorbei und ich weiß noch nicht, welche Haut ich tragen werde um ihr die Milch für den Kaffee aufzuschäumen. Die Furcht ist meine Glasglocke und mein Segelboot.
Einmal nur in einer Umarmung ankommen!
Freitag, 17. Mai 2013
Hasenherz.
Die Hochs sind zu hoch, die Tiefs zu tief.
Wobei die Tiefs überwiegen: Kilmometer für Kilometer in Richtung Erdkern sinken und die Frage, wozu frieren, wozu Worten Atem geben, wozu?
Die Weltenschwere, nennst du das. Und sagst, dass das kleine Glück immerzu wartet.
Ich hasse mich so sehr.
Wobei die Tiefs überwiegen: Kilmometer für Kilometer in Richtung Erdkern sinken und die Frage, wozu frieren, wozu Worten Atem geben, wozu?
Die Weltenschwere, nennst du das. Und sagst, dass das kleine Glück immerzu wartet.
Ich hasse mich so sehr.
Radiohead - How To Disappear Completely
Iron and Wine - Waiting For A Superman
Tocotronic - Die Neue Seltsamkeit
Iron and Wine - Waiting For A Superman
Tocotronic - Die Neue Seltsamkeit
Mittwoch, 24. April 2013
Male mir deine Innere Leere.
"Jetzt natürlich die Frage - vor was hast Du Angst, allen nicht gerecht
zu werden und wer sind die 'Alle' und was machen die 'Alle' und haben
die 'Alle' eine Sozialversicherung oder sind es auch nur kleine Dämonen
auf den Eltern, die Skat spielen und warten, dass sie einen piesacken
können ?
Was ist Deine innere Leere ? Ist Deine Innere Leere ein Raum ? Groß ? Klein ? Verwinkelt ? Male mir doch mal bitte Deine innere Leere / beschreibe sie.
Also Phoebe (ich fange selten so an), Weltschmerz, welche Art von Weltschmerz ? Das alles doof ist ? Das nichts passt, das Alle (da haben wir wieder Mr./Mrs Alle) was gegen einen haben, bitte definiere das genauer.
Ich weiß, das sind alle psychologische Fragen, aber ich bin nicht Deine Psychologin, ich will Dir helfen, das ist alles und ich frage auch um Dich besser zu verstehen / Dich begreifen zu können.
Zum Schneiden, ist es eher die Angst vor der Tat bei Dir oder das Gefühl beim Schneiden, bitte erkläre es mir.
Ich sehe das auch so, vor allem, Du darfst stolz auf Dich sein, Du bist weiter als damals, als Du Dich geschnitten hast, schaue zurück und sehe Dir den Weg an den Du gegangen bist. Du hast mehr erreicht, mehr erfahren, Du hast Dich von einem Übel befreit, (ich meine Mr. T), gehst neue Wege, die nicht einfach sind, aber Du gehst sie."
Okay. Durchatmen. Teer husten. Los!
'Alle' sind sowohl sozialversicherungspflichtig Beschäftigte als auch kleine, fratzige Dämonen (die Mau-Mau spielen, Skat beherrschen sie nicht). Ich habe Angst vor der Konfrontation mit meiner Mutter, Angst, dass sie mich nicht (aus)halten kann, weil ich zu kompliziert und verrückt und teuer und mindestens 15 Kilo zu schwer bin, mindestens 15 cm zu groß. Ich habe Angst, dass sie vielleicht Recht hat und ich mich nicht hinreichend um einen Job bemühe. Sie hat mir vorgeworfen, dass ich alle Süßigkeiten wegfressen, die "privaten" aus ihrem Schlafzimmer. Geht's noch symbolgeladener? Freud hätte seine Freude an uns. "Kannst du nicht einfach das Nutellaglas leeren und die Marmelade und den Frischkäse und dir Pizzen backen?" - "Habe ich doch schon. War leer. Tut mir leid, dass ich so krank bin, Mama, ich habe auch keinen Spaß daran, glaub mir. Und es tut mir besser, wenn du mich nicht so unter Druck setzt im Bezug auf die Arbeit. Ich kümmere mich täglich darum!" Facepalm. Sie zetert, sie wäre ja wohl die jenige, die unter Druck steht - selbst arbeitssuchend - und alle wollen ständig Geld von ihr. Meine Versicherung, meine Fernschule, mein Fitnessstudio, meine Schwester, ich.
Ich habe Angst vor mir selbst und vor meinen Gefühlen, weil ich sie nicht mal ansatzweise begreifen kann. Ich bin exhibitionistisch ohne Mantel, ohne Selbstschutz, ohne Begrenzungen.
Meine Dämonen klatschen rhythmisch Karten auf den Tisch - die Binge-Karte, die Trauma-Karte, die Selbsthass-Karte. Mein Kopf ruckelt unter dem Gestampfe ihrer hässlichen Füße.
Meine Innere Leere ist ein Vakuum. Da ist nichts: keine Wände, keine Gefühle, kein Denken, nur NICHTS. Mein Körper sagt "Panik" und mein Kopf fühlt sich an, als hätte man ihn ausgesaugt, rien ne va plus. Ich höre, sehe, schmecke noch, aber alles ist extrem weit weg und wird nur auf der unbewussten Ebene registriert. Es ist eigentlich ganz heimelig in der Inneren Leere, wenn auch kalt und langweilig. Aber wenigstens sicher. Nicht erreicht mich, nichts berührt mich, ich könnte auch tot sein.
Weltschmerz! Haha! Mein Weltschmerz zieht folgende Gedankenschleife mit sich (in der Art von klappernden Blechdosen hinter einem Hochzeitswagen): Die Welt ist beschissen. Nichts und niemand kann sie besser machen. Die Existenz ist sinnlos, insbesondere meine eigene. Ich werde nie etwas "schaffen" können, nie etwas bedeutungsvolles leisten. Dafür ist hier auch kein Platz. Die anderen (Mr und Mrs Alle) sind auch beschissen, jawohl. Egoistisches Pack. Idioten. Mich inbegriffen. Was spielen wir hier eigentlich, wann fangen endlich die Zuschauer an mit den Buhrufen? Warum starren sie uns, mich, alle so an? Darf ich bitte hinter die Bühne gehen und meinen Kopf gegen den Garderobenspind schlagen? Den sinnlosen, der Ontologie entlehnten Garderobenspind. Hinein! Weg! Aus.
Das Schneiden, der Druck, sich zu verstümmeln... Der Reiz liegt nicht nur in dem Moment, in dem das Fleisch sich teilt und die rote Suppe herausrinnt (Mundwinkel, Mündigkeit!) oder die Haut verkohlt und stechend brennt unter einem Zigarettenstummel. Genauso befriedigend ist es, noch Tage später eine Narbe zu sehen (und immer wieder zu öffnen), die leise murmelt: Du hast dich schon bestraft, es ist okay. Immer, wenn der Druck wieder kommt, verweise ich auf eine frische Wunde und die Dämonen nicken anerkennend. Ich sitze hier ganz ruhig und spiele in Gedanken wieder und wieder durch, wie ich die Rasierklingen aus dem Papier nehme, sie feierlich ansetze und Blut. Ich tue es nicht. Ich will es nur.
Was ist Deine innere Leere ? Ist Deine Innere Leere ein Raum ? Groß ? Klein ? Verwinkelt ? Male mir doch mal bitte Deine innere Leere / beschreibe sie.
Also Phoebe (ich fange selten so an), Weltschmerz, welche Art von Weltschmerz ? Das alles doof ist ? Das nichts passt, das Alle (da haben wir wieder Mr./Mrs Alle) was gegen einen haben, bitte definiere das genauer.
Ich weiß, das sind alle psychologische Fragen, aber ich bin nicht Deine Psychologin, ich will Dir helfen, das ist alles und ich frage auch um Dich besser zu verstehen / Dich begreifen zu können.
Zum Schneiden, ist es eher die Angst vor der Tat bei Dir oder das Gefühl beim Schneiden, bitte erkläre es mir.
Ich sehe das auch so, vor allem, Du darfst stolz auf Dich sein, Du bist weiter als damals, als Du Dich geschnitten hast, schaue zurück und sehe Dir den Weg an den Du gegangen bist. Du hast mehr erreicht, mehr erfahren, Du hast Dich von einem Übel befreit, (ich meine Mr. T), gehst neue Wege, die nicht einfach sind, aber Du gehst sie."
Okay. Durchatmen. Teer husten. Los!
'Alle' sind sowohl sozialversicherungspflichtig Beschäftigte als auch kleine, fratzige Dämonen (die Mau-Mau spielen, Skat beherrschen sie nicht). Ich habe Angst vor der Konfrontation mit meiner Mutter, Angst, dass sie mich nicht (aus)halten kann, weil ich zu kompliziert und verrückt und teuer und mindestens 15 Kilo zu schwer bin, mindestens 15 cm zu groß. Ich habe Angst, dass sie vielleicht Recht hat und ich mich nicht hinreichend um einen Job bemühe. Sie hat mir vorgeworfen, dass ich alle Süßigkeiten wegfressen, die "privaten" aus ihrem Schlafzimmer. Geht's noch symbolgeladener? Freud hätte seine Freude an uns. "Kannst du nicht einfach das Nutellaglas leeren und die Marmelade und den Frischkäse und dir Pizzen backen?" - "Habe ich doch schon. War leer. Tut mir leid, dass ich so krank bin, Mama, ich habe auch keinen Spaß daran, glaub mir. Und es tut mir besser, wenn du mich nicht so unter Druck setzt im Bezug auf die Arbeit. Ich kümmere mich täglich darum!" Facepalm. Sie zetert, sie wäre ja wohl die jenige, die unter Druck steht - selbst arbeitssuchend - und alle wollen ständig Geld von ihr. Meine Versicherung, meine Fernschule, mein Fitnessstudio, meine Schwester, ich.
Ich habe Angst vor mir selbst und vor meinen Gefühlen, weil ich sie nicht mal ansatzweise begreifen kann. Ich bin exhibitionistisch ohne Mantel, ohne Selbstschutz, ohne Begrenzungen.
Meine Dämonen klatschen rhythmisch Karten auf den Tisch - die Binge-Karte, die Trauma-Karte, die Selbsthass-Karte. Mein Kopf ruckelt unter dem Gestampfe ihrer hässlichen Füße.
Meine Innere Leere ist ein Vakuum. Da ist nichts: keine Wände, keine Gefühle, kein Denken, nur NICHTS. Mein Körper sagt "Panik" und mein Kopf fühlt sich an, als hätte man ihn ausgesaugt, rien ne va plus. Ich höre, sehe, schmecke noch, aber alles ist extrem weit weg und wird nur auf der unbewussten Ebene registriert. Es ist eigentlich ganz heimelig in der Inneren Leere, wenn auch kalt und langweilig. Aber wenigstens sicher. Nicht erreicht mich, nichts berührt mich, ich könnte auch tot sein.
Weltschmerz! Haha! Mein Weltschmerz zieht folgende Gedankenschleife mit sich (in der Art von klappernden Blechdosen hinter einem Hochzeitswagen): Die Welt ist beschissen. Nichts und niemand kann sie besser machen. Die Existenz ist sinnlos, insbesondere meine eigene. Ich werde nie etwas "schaffen" können, nie etwas bedeutungsvolles leisten. Dafür ist hier auch kein Platz. Die anderen (Mr und Mrs Alle) sind auch beschissen, jawohl. Egoistisches Pack. Idioten. Mich inbegriffen. Was spielen wir hier eigentlich, wann fangen endlich die Zuschauer an mit den Buhrufen? Warum starren sie uns, mich, alle so an? Darf ich bitte hinter die Bühne gehen und meinen Kopf gegen den Garderobenspind schlagen? Den sinnlosen, der Ontologie entlehnten Garderobenspind. Hinein! Weg! Aus.
Das Schneiden, der Druck, sich zu verstümmeln... Der Reiz liegt nicht nur in dem Moment, in dem das Fleisch sich teilt und die rote Suppe herausrinnt (Mundwinkel, Mündigkeit!) oder die Haut verkohlt und stechend brennt unter einem Zigarettenstummel. Genauso befriedigend ist es, noch Tage später eine Narbe zu sehen (und immer wieder zu öffnen), die leise murmelt: Du hast dich schon bestraft, es ist okay. Immer, wenn der Druck wieder kommt, verweise ich auf eine frische Wunde und die Dämonen nicken anerkennend. Ich sitze hier ganz ruhig und spiele in Gedanken wieder und wieder durch, wie ich die Rasierklingen aus dem Papier nehme, sie feierlich ansetze und Blut. Ich tue es nicht. Ich will es nur.
Samstag, 20. April 2013
Demo gegen Brei.
Jetzt bin ich wirklich krank, motherfucker yeah!
Mein Kopf fühlt sich an, als säße er zwischen meinen Bronchien, meine Nase läuft und läuft wie der gute alte VW-Käfer, Ohrenschmerzen, Jackpot.
Hinzu kommt ein gewissenloser Drang zum Fettzellen-Ausbau. Schokolade? Schokolade! Weizen? Butter? Kiloweise.
Vorhin fuhr ich mit Lennard - auf dem Rückweg vom Gartencenter - durch die Geisterstadt Dietzenbach, Iggy Pop fauchte aus den Boxen und meine Finger umschlossen die seinen auf der Kupplung.
Wir redeten über Alpträume und Kaffeesahne und Nichtraucher-Autos, teilten eine Laugenbrezel (ich esse das Salz).
Der Sturm im Wasserglas. Er fragte, ob ich über das Brei-Sein reden wollte, meine metaphorische Zustandsbeschreibung aus der letzten Therapiesitzung. Ich negierte und trommelte "The Passenger" auf das Armatourenbrett.
Es gibt Momente, in denen man die eigene Unzulänglichkeit zum Gegenstand machen sollte, dies war keiner davon. Zu viele einfache Kohlenhydrate im Blut, zu viel Rotze in den Nasennebenhöhlen, zu viele Elefanten der Angst auf den krummen Schultern. Meine Wirbelsäule leidet unter einer bestimmten Form der Skoliose, man könnte es auch Buckel nennen. Meine Fähigkeit zum Seelenstriptease vor Männern, die mich in Träumen heimsuchen, steigt umgekehrt proportional zur empfundenen Attraktivität meines Körpers.
Ich finde rot-fleckige Gesichter und glasige Augen in Kombination mit Fressbauch und Herpesbläschen nicht besonders sexy. Kann man vielleicht drüber streiten. Er fand es offenbar auch nicht.
Im Endeffekt gebe ich mir hier und jetzt den Freibrief, weiterzufressen, bis ich wieder auf dem Damm bin. Aus Faulheit und Frustration und einfach, weil ich mir noch mehr Gründe liefern möchte, mich zu bemitleiden.
Nicht dass das falsch verstanden wird - mein Tag war wunderschön. Mein Immunsystem schwächelt nur ein bisschen, wenn es darum geht, Rückenpiekser von divine men oder die Invasion der autodestruktiven Dämonen meiner Seele abzuwehren. Letztere tragen übrigens T-Shirts mit Bansky-Motiven zu stoischen Mienen und schwenken Banner mit der Aufschrift: "Chocolate Killer" und "Drag behind!".
Hübsche kleine Manifestation der Schwäche in Zeiten der Angst.
Mein Kopf fühlt sich an, als säße er zwischen meinen Bronchien, meine Nase läuft und läuft wie der gute alte VW-Käfer, Ohrenschmerzen, Jackpot.
Hinzu kommt ein gewissenloser Drang zum Fettzellen-Ausbau. Schokolade? Schokolade! Weizen? Butter? Kiloweise.
Vorhin fuhr ich mit Lennard - auf dem Rückweg vom Gartencenter - durch die Geisterstadt Dietzenbach, Iggy Pop fauchte aus den Boxen und meine Finger umschlossen die seinen auf der Kupplung.
Wir redeten über Alpträume und Kaffeesahne und Nichtraucher-Autos, teilten eine Laugenbrezel (ich esse das Salz).
Der Sturm im Wasserglas. Er fragte, ob ich über das Brei-Sein reden wollte, meine metaphorische Zustandsbeschreibung aus der letzten Therapiesitzung. Ich negierte und trommelte "The Passenger" auf das Armatourenbrett.
Es gibt Momente, in denen man die eigene Unzulänglichkeit zum Gegenstand machen sollte, dies war keiner davon. Zu viele einfache Kohlenhydrate im Blut, zu viel Rotze in den Nasennebenhöhlen, zu viele Elefanten der Angst auf den krummen Schultern. Meine Wirbelsäule leidet unter einer bestimmten Form der Skoliose, man könnte es auch Buckel nennen. Meine Fähigkeit zum Seelenstriptease vor Männern, die mich in Träumen heimsuchen, steigt umgekehrt proportional zur empfundenen Attraktivität meines Körpers.
Ich finde rot-fleckige Gesichter und glasige Augen in Kombination mit Fressbauch und Herpesbläschen nicht besonders sexy. Kann man vielleicht drüber streiten. Er fand es offenbar auch nicht.
Im Endeffekt gebe ich mir hier und jetzt den Freibrief, weiterzufressen, bis ich wieder auf dem Damm bin. Aus Faulheit und Frustration und einfach, weil ich mir noch mehr Gründe liefern möchte, mich zu bemitleiden.
Nicht dass das falsch verstanden wird - mein Tag war wunderschön. Mein Immunsystem schwächelt nur ein bisschen, wenn es darum geht, Rückenpiekser von divine men oder die Invasion der autodestruktiven Dämonen meiner Seele abzuwehren. Letztere tragen übrigens T-Shirts mit Bansky-Motiven zu stoischen Mienen und schwenken Banner mit der Aufschrift: "Chocolate Killer" und "Drag behind!".
Montag, 8. April 2013
Ja, Einschlafen können wäre auch ganz nett.
Amüsanterweise hat es letzte Nacht trotz emotionaler Aufgewühltheit relativ gut geklappt, und heute Nachmittag erst recht - eine Hand auf Lennards Bauch, Game Of Thrones Staffel 1 Folge 3 im Hintergrund und friedlich wegdämmern.
Meine Nächte sind zur Zeit wenig erholsam. Ich grübele, Licht an, rauchen, Fenster auf, Fenster zu, Solitär, weitergrübeln. Hinzu kommt, dass ich, wenn ich dann schlafe, schwitze wie ein Atomkraftwerk. Ich kann Laken und Bettdecke morgens theoretisch auswringen. Schätze, dass letzteres sowohl an meinem unkoordinierten Stoffwechsel als auch an den Nachwirkungen von Valdoxan liegt.
Das Ranking meiner Grübel-Gedanken wird unangefochten angeführt vom leidigen Finanz-Problem.
Ich bin a) chronisch pleite und b) absolut nicht in der Lage, mit Geld umzugehen.
Fixkosten: BASE (16€) + Fitness (28€) + Nahverkehr (ca 90€) + Tabak (ca 70€) = 204€
Unmengen gebe ich für Lebensmittel aus, zum Teil Fressgelage, zum Teil Kaffee to go, zum Teil Einkäufe für die Familie. Könnten so um die 100€/Monat zusammenkommen. Plus diverse Lust-Käufe wie Bücher oder DVDs von amazon (selten), Zeitungen oder Zeitschriften (zu oft), Kosmetik (relativ selten) oder Kleidung (könnte weniger werden). Legen wir hierfür nochmal rund 40€ obendrauf.
Es gibt also auf der einen Seite einen "Bedarf" in der Höhe von ca 344€, auf der anderen Seite meinen Vater und meine Mutter, die mir in unregelmäßigen Abständen kleinere oder größere Scheine in die Hand drücken.
Planen oder kalkulieren ist nicht wirklich möglich. Ich versuche, Tabak auf Vorrat zu kaufen und bei Fressalien so zu sparen, dass ich meine Fahrtkosten überwiegend abdecken kann und nicht schwarz fahren muss, aber es reicht hinten und vorne nicht. Ich will und kann die Schuld nicht meinen Eltern zuschieben. Ich bin es, die Kette raucht. Den Überblick verliert. Impulsive Lustkäufe tätigt. Jeden verdammten Tag Lebensmittel kauft. Noch immer keinen Job hat.
Ja, ich habe ein schlechtes Gewissen und ja, meine Eltern verstärken es indem sie mir pausenlos und unzensiert von ihrer eigenen finanziellen Notlage vorjammern.
Ich hasse es, abhängig zu sein und hasse es, dass mein Gehirn rattert und klingelt wie eine Kasse zur Rush-Hour bei REWE. Und ich komme nicht raus.
Es gibt noch unzählige weitaus scheußlichere Gedankenschleifen, doch momentan ist es tatsächlich das blöde Geld, das mich wachhält.
Nächster Versuch - Jetzt.
Meine Nächte sind zur Zeit wenig erholsam. Ich grübele, Licht an, rauchen, Fenster auf, Fenster zu, Solitär, weitergrübeln. Hinzu kommt, dass ich, wenn ich dann schlafe, schwitze wie ein Atomkraftwerk. Ich kann Laken und Bettdecke morgens theoretisch auswringen. Schätze, dass letzteres sowohl an meinem unkoordinierten Stoffwechsel als auch an den Nachwirkungen von Valdoxan liegt.
Das Ranking meiner Grübel-Gedanken wird unangefochten angeführt vom leidigen Finanz-Problem.
Ich bin a) chronisch pleite und b) absolut nicht in der Lage, mit Geld umzugehen.
Fixkosten: BASE (16€) + Fitness (28€) + Nahverkehr (ca 90€) + Tabak (ca 70€) = 204€
Unmengen gebe ich für Lebensmittel aus, zum Teil Fressgelage, zum Teil Kaffee to go, zum Teil Einkäufe für die Familie. Könnten so um die 100€/Monat zusammenkommen. Plus diverse Lust-Käufe wie Bücher oder DVDs von amazon (selten), Zeitungen oder Zeitschriften (zu oft), Kosmetik (relativ selten) oder Kleidung (könnte weniger werden). Legen wir hierfür nochmal rund 40€ obendrauf.
Es gibt also auf der einen Seite einen "Bedarf" in der Höhe von ca 344€, auf der anderen Seite meinen Vater und meine Mutter, die mir in unregelmäßigen Abständen kleinere oder größere Scheine in die Hand drücken.
Planen oder kalkulieren ist nicht wirklich möglich. Ich versuche, Tabak auf Vorrat zu kaufen und bei Fressalien so zu sparen, dass ich meine Fahrtkosten überwiegend abdecken kann und nicht schwarz fahren muss, aber es reicht hinten und vorne nicht. Ich will und kann die Schuld nicht meinen Eltern zuschieben. Ich bin es, die Kette raucht. Den Überblick verliert. Impulsive Lustkäufe tätigt. Jeden verdammten Tag Lebensmittel kauft. Noch immer keinen Job hat.
Ja, ich habe ein schlechtes Gewissen und ja, meine Eltern verstärken es indem sie mir pausenlos und unzensiert von ihrer eigenen finanziellen Notlage vorjammern.
Ich hasse es, abhängig zu sein und hasse es, dass mein Gehirn rattert und klingelt wie eine Kasse zur Rush-Hour bei REWE. Und ich komme nicht raus.
Es gibt noch unzählige weitaus scheußlichere Gedankenschleifen, doch momentan ist es tatsächlich das blöde Geld, das mich wachhält.
Nächster Versuch - Jetzt.
Mittwoch, 3. April 2013
How soon is now? / Ambivalenz
Hände flechten
Licht trinken
Gedanken spielen
Lippen streifen
Kontrolle üben
und ein Liter Eiscreme danach.
Unter einer mikrodünnen Haut wölben sich Gebirgszüge der Unsicherheit, blaue Adern dickflüssiger Verletzlichkeit und reines Fett. Ich habe ein Elefantengehirn (und Elefantenbeine), mich umgibt eine Wolke aus teerigem Rauch und Bedürftigkeit.
Wir sitzen zu sechst in der Sofalandschaft, Penny, Howard, Lennard, ich und zwei schwarze Hunde, deren Namen auf Ypsilon enden. Wir sehen Slumdog Millionaire, trinken Sprite und rauchen Selbstgedrehte.
Ich fühle mich richtig und falsch zugleich. "Warum lachst du?", fragt Penny. Ich weiß es nicht, ich lache weiter. "Warum du lachst!"
Körperlose Angst.
"Weil ich daran denken muss, wie ich diesen Film das letzte Mal gesehen habe", sage ich schnell, obwohl das nicht stimmt. Ich kreise mit dem Fuß, damit er nicht einschläft, meine Hände zittern. Lennards Finger finden meine und sein Daumen massiert meinen Handrücken, er wirkt müde und erschlagen. Ich erwache, und es ist stickig; geräuschlos hieve ich mein Elefantenbein auf das Sofa. Er legt eine warme Hand auf mein Knie.
Wenn jeder nur für sich selbst sorgen würde, wären wir dann eine Ellenbogenbecken voller Egoisten? Oder gibt es eine universelle Ratio, die den Einzelnen dazu bringen würde, Entscheidungen im Sinne eines Gemeinwohls, einer übergeordneten Moral zu treffen?
Ich hasse es, zu klein zu sein für mein Gewicht und zu groß, viel zu groß für meinen Kopf. In meinem Leben bin ich deplaziert und provisorisch. Ich suche immer das Du, obwohl mein Ich gar nicht die Kraft besitzt, ihm etwas entgegenzusetzen. Sei es ein Nein oder ein aufrichtiges Ja. Mein Körper ist bloß der hinzugerufene, sonnenbebrillte Dolmetscher, die Hände in den Hosentaschen versteckt.
Was geben, wenn man nichts hat?
Wieviel nehmen dürfen? Eine Portion oder zwei? Kann man alles bestellen und die Reste einpacken lassen? Ist es dreist, den Teller abzulecken?
Ist es okay, Angst zu haben? Vor der Gier, vor dem Körper, vor dem Alleinsein? Vor dem anderen Körper, vor der Leere, vor dem Rausch und dem Ende?
Ich bin fünf Jahre alt und erkläre meinem Stoffhasen Lena, dass mein Papa böse ist, kalt. Er ist blau.
Ich sitze im Badezimmer auf dem Boden und Lena hält mich fest. Ich sage, dass Mama lieb ist, aber nicht, wenn sie trinkt. Und dass wir ein Auge auf sie haben müssen. Sie soll nicht trinken und sie soll nicht weggehen, das ist sehr wichtig, denn ihr könnte etwas passieren. Die Ziffern auf dem Funkwecker sind blutrot. Ich beginne zu zählen, Sekunden, Kacheln, Atemzüge.
Die Stille rasselt, oder sind das Schreie im Wohnzimmer? Ich muss Lena die Ohren zuhalten, was schwierig ist, weil sie sehr lang sind. Ich verknote sie und wickele ein kleines Handtuch um den Hasenkopf.
Licht trinken
Gedanken spielen
Lippen streifen
Kontrolle üben
und ein Liter Eiscreme danach.
Unter einer mikrodünnen Haut wölben sich Gebirgszüge der Unsicherheit, blaue Adern dickflüssiger Verletzlichkeit und reines Fett. Ich habe ein Elefantengehirn (und Elefantenbeine), mich umgibt eine Wolke aus teerigem Rauch und Bedürftigkeit.
Wir sitzen zu sechst in der Sofalandschaft, Penny, Howard, Lennard, ich und zwei schwarze Hunde, deren Namen auf Ypsilon enden. Wir sehen Slumdog Millionaire, trinken Sprite und rauchen Selbstgedrehte.
Ich fühle mich richtig und falsch zugleich. "Warum lachst du?", fragt Penny. Ich weiß es nicht, ich lache weiter. "Warum du lachst!"
Körperlose Angst.
"Weil ich daran denken muss, wie ich diesen Film das letzte Mal gesehen habe", sage ich schnell, obwohl das nicht stimmt. Ich kreise mit dem Fuß, damit er nicht einschläft, meine Hände zittern. Lennards Finger finden meine und sein Daumen massiert meinen Handrücken, er wirkt müde und erschlagen. Ich erwache, und es ist stickig; geräuschlos hieve ich mein Elefantenbein auf das Sofa. Er legt eine warme Hand auf mein Knie.
Wenn jeder nur für sich selbst sorgen würde, wären wir dann eine Ellenbogenbecken voller Egoisten? Oder gibt es eine universelle Ratio, die den Einzelnen dazu bringen würde, Entscheidungen im Sinne eines Gemeinwohls, einer übergeordneten Moral zu treffen?
Ich hasse es, zu klein zu sein für mein Gewicht und zu groß, viel zu groß für meinen Kopf. In meinem Leben bin ich deplaziert und provisorisch. Ich suche immer das Du, obwohl mein Ich gar nicht die Kraft besitzt, ihm etwas entgegenzusetzen. Sei es ein Nein oder ein aufrichtiges Ja. Mein Körper ist bloß der hinzugerufene, sonnenbebrillte Dolmetscher, die Hände in den Hosentaschen versteckt.
Was geben, wenn man nichts hat?
Wieviel nehmen dürfen? Eine Portion oder zwei? Kann man alles bestellen und die Reste einpacken lassen? Ist es dreist, den Teller abzulecken?
Ist es okay, Angst zu haben? Vor der Gier, vor dem Körper, vor dem Alleinsein? Vor dem anderen Körper, vor der Leere, vor dem Rausch und dem Ende?
Ich bin fünf Jahre alt und erkläre meinem Stoffhasen Lena, dass mein Papa böse ist, kalt. Er ist blau.
Ich sitze im Badezimmer auf dem Boden und Lena hält mich fest. Ich sage, dass Mama lieb ist, aber nicht, wenn sie trinkt. Und dass wir ein Auge auf sie haben müssen. Sie soll nicht trinken und sie soll nicht weggehen, das ist sehr wichtig, denn ihr könnte etwas passieren. Die Ziffern auf dem Funkwecker sind blutrot. Ich beginne zu zählen, Sekunden, Kacheln, Atemzüge.
Die Stille rasselt, oder sind das Schreie im Wohnzimmer? Ich muss Lena die Ohren zuhalten, was schwierig ist, weil sie sehr lang sind. Ich verknote sie und wickele ein kleines Handtuch um den Hasenkopf.
Sonntag, 2. Dezember 2012
Zirpen und ziehen.
Angst. Nackte Angst in allen Zellen.
Es ist nicht so, dass sie in irgendeiner Weise zielgerichtet wäre oder einen genauer zu ortenden Ursprung in mir hätte, nein, sie ist einfach nur da.
Ich habe Angst, in meinem Zimmer zu sein mit nichts als Tabakkrümeln, zu wenig beachteten Kuscheltieren und Büchern, die ich nicht lesen will.(ich könnte weinen, wenn ich das schreibe, so weh tut es diese Dinge in meinem Zimmer zu haben)
Habe Angst, im Wohnzimmer zu sein mit meiner rosigen, lebendigen Schwester, die Biathlon sieht und Tee mit Milch trinkt. Habe Angst, mich hier im Arbeitszimmer zu befinden und sinnlose Texte zu tippen. Angst, zu versagen. Angst vor meinem Steifvater im Schlafzimmer, Angst, dass er es mir übel nimmt dass ich ihm dieses Jahr nichts zum Geburtstag geschenkt habe (kein Geld) und nicht einmal persönlich gratuliert habe (Scheiß-Tag).
Mein Bauch ist rot gesprenkelt von Wärmflaschen-Verbrühungen und fett und voll vom vielen Essen die letzten Tage, ich habe Angst, dass T. ihn heute Abend sehen und eklig finden wird. Dass er wieder sagt, ich solle endlich wieder Sport machen. Mich nicht so gehen lassen. Angst, dass er heute trinkt.
Ich habe panische Angst vor Sex. Vor Begeheren und Begehrt-Werden, vor Kontrollverlust. Davor, dass noch einmal jemand über mich sagen wird: Die alte Fotze, die ist doch nymphoman und den ganzen Tag feucht, die macht immer die Beine breit. (Das hat S. der Typ mit dem ich im Sommer eine Verzweiflungs-Klinik-Affäre hatte, neuerdings verlautbaren lassen)
Hatte ich schon erwähnt, dass ich Angst habe, raus zu gehen, weil es kalt ist und ich nicht wüsste, wohin mich meine wackelnden Füße tragen würden? Vielleicht in den Wald. Vielleicht würde ich irgendwo auf den gefrorenen Boden sinken und könnte nicht mehr aufstehen. Und dann?
Es ist ein widerliches Gefühl, sehr körperlich, Rastlosigkeit und Scheu, einen Gedanken zu Ende zu denken.
Was könnte passieren?
Alles würde zusammenbrechen, meine Schwester und meine Mutter und mein Zimmer und der Wald da draußen, sie könnten mich wegsperren oder vergessen. Ich bekomme schon Panik, dass man mich vergessen hat, wenn man mich ein paar Minuten warten lässt. Ich will dann am liebsten Sturm klingeln bei meiner Therapeutin, aber ich traue mich nicht.
Will tot sein endlich.
Es ist nicht so, dass sie in irgendeiner Weise zielgerichtet wäre oder einen genauer zu ortenden Ursprung in mir hätte, nein, sie ist einfach nur da.
Ich habe Angst, in meinem Zimmer zu sein mit nichts als Tabakkrümeln, zu wenig beachteten Kuscheltieren und Büchern, die ich nicht lesen will.
Habe Angst, im Wohnzimmer zu sein mit meiner rosigen, lebendigen Schwester, die Biathlon sieht und Tee mit Milch trinkt. Habe Angst, mich hier im Arbeitszimmer zu befinden und sinnlose Texte zu tippen. Angst, zu versagen. Angst vor meinem Steifvater im Schlafzimmer, Angst, dass er es mir übel nimmt dass ich ihm dieses Jahr nichts zum Geburtstag geschenkt habe (kein Geld) und nicht einmal persönlich gratuliert habe (Scheiß-Tag).
Mein Bauch ist rot gesprenkelt von Wärmflaschen-Verbrühungen und fett und voll vom vielen Essen die letzten Tage, ich habe Angst, dass T. ihn heute Abend sehen und eklig finden wird. Dass er wieder sagt, ich solle endlich wieder Sport machen. Mich nicht so gehen lassen. Angst, dass er heute trinkt.
Ich habe panische Angst vor Sex. Vor Begeheren und Begehrt-Werden, vor Kontrollverlust. Davor, dass noch einmal jemand über mich sagen wird: Die alte Fotze, die ist doch nymphoman und den ganzen Tag feucht, die macht immer die Beine breit. (Das hat S. der Typ mit dem ich im Sommer eine Verzweiflungs-Klinik-Affäre hatte, neuerdings verlautbaren lassen)
Hatte ich schon erwähnt, dass ich Angst habe, raus zu gehen, weil es kalt ist und ich nicht wüsste, wohin mich meine wackelnden Füße tragen würden? Vielleicht in den Wald. Vielleicht würde ich irgendwo auf den gefrorenen Boden sinken und könnte nicht mehr aufstehen. Und dann?
Es ist ein widerliches Gefühl, sehr körperlich, Rastlosigkeit und Scheu, einen Gedanken zu Ende zu denken.
Was könnte passieren?
Alles würde zusammenbrechen, meine Schwester und meine Mutter und mein Zimmer und der Wald da draußen, sie könnten mich wegsperren oder vergessen. Ich bekomme schon Panik, dass man mich vergessen hat, wenn man mich ein paar Minuten warten lässt. Ich will dann am liebsten Sturm klingeln bei meiner Therapeutin, aber ich traue mich nicht.
Will tot sein endlich.
Samstag, 1. Dezember 2012
Alltag.
Ich bin so unfassbar dick und ich komme
nicht mit.
Sie hat mich fest im Griff, diese unnachgiebige chronische Depression, sie hat eine kalte Hand auf meine Schulter gelegt und dirigiert mich zum Kühlschrank. Ich öffne ihn und verschlinge sehr schnell zwei sündhaft teure Tiramisu-Desserts, kurz ist es hell, dann schließe ich die Tür.
Meine Mutter ruft mich, sie liegt im Bademantel meiner toten Oma im Bett. „Magst du mir so ein superleckeres Dessert aus dem Kühlschrank bringen?“ Tut mir leid, ich habe beide schon gegessen. Aber ich wollte eh noch einkaufen gehen, die gibt es auch beim tegut, ich bringe sie mit. „Das glaube ich nicht, dass es die da gibt. Das ist eine ganz exklusive Marke und überhaupt, warum fragst du nicht vorher? Was soll das? Warum isst du zwei Stück?“
Ich sage nichts. Draußen verschlingt mich das schimmelige Nachmittagslicht. Ich wühle meine Hände in den Männerparka meiner Schwester und gehe um des Gehens willen, ein Schritt, noch einer, noch einer, Tapp Tapp. Ich spüre es entgleiten. Die Leere pumpt mich voll, nur die Vergänglichkeit, eine Schrittlänge vor mir, leistet mir Gesellschaft.
Ich fummele mein Handy aus der Rocktasche und wähle T.s Nummer. Er geht erst beim fünften Klingeln ran, sein Sohn ist bei ihm. Wir reden genau eine Minute vierzehn Sekunden, er klingt aufgeräumt und warm.
Alles ist so tot und weit, dass ich schreien möchte. Ich kaufe ein, futtere ein Duplo und einen Kinderriegel ohne etwas zu schmecken, gehen gehen Treppe rauf Tür auf Tasche abstellen.
„Na, warst du erfolgreich?“ Wieso sollte man beim Einkaufen erfolgreich sein? „Hast du das Dessert bekommen?“ Nein, aber eine andere Sorte von der gleichen Marke und das ist mir ehrlich gesagt auch ziemlich egal. Ihr nicht. Na schön.
Fühle mich klippenhaft und kotzübel und so schrecklich fremd. Sie klopft an meine Kinderzimmertür. Ich sitze mit dem Rücken zur Heizung und qualme eine, beobachte die Nebelschlieren, die in der Mitte des Raumes hängen, genau zwischen meinen ganzen fremden dunklen mit Bullshit bedeckten IKEA-Möbeln.
Was das eben sollte? Glaubst du mir macht das Spaß? Diese ganze Scheiße? Glaubst du ich esse so etwas teures, weil ich Hunger oder Appetit habe?
Sie dreht sich eine Zigarette und nimmt auf meinem winzigen Bett Platz. Als ich aus der Psychiatrie kam, wünschte ich mir nichts mehr als ein kleines Bett, maximal 100cm breit, nur für mich und ein paar Kissen. Ein Nest, ein Kinderbett für eine erwachsene Kindfrau.
Meine Mutter schweigt, ich schweige. Ich bin kalt und verwaist, und ich spüre dass ihr das weh tut.
Sie lächelt zaghaft. „Hast du dich über den Besuch von J. gefreut?“ J. lebt in Leipzig seit Beginn des Semesters. Ich will etwas sagen, denke nach, versuche in mich hinein zu spüren, aber da ist nur Not.
„Nein. Nicht richtig.“ - „Warum das?“ - „Weil ich mich gerade über gar nichts freuen kann.“
Meine Mutter seufzt ganz komisch und stippt Asche in mein Windlicht. „Es ist schweinekalt hier. Ist die Heizung richtig an?“ Ich verneine. Meine Heizung ist kaputt, muss permanent entlüftet werden, deswegen ist es immer kalt (kalt und stinkt nach Räucherstäbchen und Zigarettenrauch), aber das stört mich gerade wirklich nicht.
Sie offensichtlich schon. Sie entlüftet meine Heizung und guckt mich traurig an. Gut, dass ich so vollgefressen bin, dass ich kaum Schuldgefühle und Ängste empfinden kann.
Die Rasierklingen sind in meinem Kosmetiktäschchen. Ein Meter von hier. Ich muss sie nur nehmen.
Ich tue es nicht, weil ich keine Lust habe, die nächsten Tage wieder frische Schnitte vor allen verbergen zu müssen.
Ich komme nicht mit. Das Leben verläuft in Zeitlupen-Endlosschleifen und verwaschenen Farben, die Dialoge sind schlecht synchronisiert. Und doch ist es mir zu anstrengend, mich darauf einzulassen. Ich sitze also im Vorführsaal und registriere, dass der vorgeführte Streifen mich nicht berührt, geschweige denn mitreißt, und statt rauszugehen starre ich weiter auf die Leinwand in der Hoffnung, dass noch etwas kommen mag. Etwas noch groteskeres als das, was ich jetzt sehe. Etwas, das mich veranlassen wird zu sagen, „Hat sich doch gelohnt den Film zu Ende zu gucken“, wenn ich die letzten Popcorn von meiner Jacke schnippe und mich zum Gehen wende. Wenigstens will ich sagen können, okay, das war eben sehr „arthouse“, sehr verwoben, sehr hintergründig. Eben das, was man über Filme sagen kann, die man nicht versteht, deren Erzählsträngen man nicht folgen kann, die aber dennoch im Kopf kleben bleiben wie Honigfinger.
Aber was sollte das sein?
Weitere Episoden über sinnloses Essen, sinnloses Geld-Ausgeben, sinnlose Bemühungen, Normalität und Freude zu simulieren?
Am 5.12. gibt es neue Medis für Phoebe, darauf setze ich meine letzten Coins.
Sie hat mich fest im Griff, diese unnachgiebige chronische Depression, sie hat eine kalte Hand auf meine Schulter gelegt und dirigiert mich zum Kühlschrank. Ich öffne ihn und verschlinge sehr schnell zwei sündhaft teure Tiramisu-Desserts, kurz ist es hell, dann schließe ich die Tür.
Meine Mutter ruft mich, sie liegt im Bademantel meiner toten Oma im Bett. „Magst du mir so ein superleckeres Dessert aus dem Kühlschrank bringen?“ Tut mir leid, ich habe beide schon gegessen. Aber ich wollte eh noch einkaufen gehen, die gibt es auch beim tegut, ich bringe sie mit. „Das glaube ich nicht, dass es die da gibt. Das ist eine ganz exklusive Marke und überhaupt, warum fragst du nicht vorher? Was soll das? Warum isst du zwei Stück?“
Ich sage nichts. Draußen verschlingt mich das schimmelige Nachmittagslicht. Ich wühle meine Hände in den Männerparka meiner Schwester und gehe um des Gehens willen, ein Schritt, noch einer, noch einer, Tapp Tapp. Ich spüre es entgleiten. Die Leere pumpt mich voll, nur die Vergänglichkeit, eine Schrittlänge vor mir, leistet mir Gesellschaft.
Ich fummele mein Handy aus der Rocktasche und wähle T.s Nummer. Er geht erst beim fünften Klingeln ran, sein Sohn ist bei ihm. Wir reden genau eine Minute vierzehn Sekunden, er klingt aufgeräumt und warm.
Alles ist so tot und weit, dass ich schreien möchte. Ich kaufe ein, futtere ein Duplo und einen Kinderriegel ohne etwas zu schmecken, gehen gehen Treppe rauf Tür auf Tasche abstellen.
„Na, warst du erfolgreich?“ Wieso sollte man beim Einkaufen erfolgreich sein? „Hast du das Dessert bekommen?“ Nein, aber eine andere Sorte von der gleichen Marke und das ist mir ehrlich gesagt auch ziemlich egal. Ihr nicht. Na schön.
Fühle mich klippenhaft und kotzübel und so schrecklich fremd. Sie klopft an meine Kinderzimmertür. Ich sitze mit dem Rücken zur Heizung und qualme eine, beobachte die Nebelschlieren, die in der Mitte des Raumes hängen, genau zwischen meinen ganzen fremden dunklen mit Bullshit bedeckten IKEA-Möbeln.
Was das eben sollte? Glaubst du mir macht das Spaß? Diese ganze Scheiße? Glaubst du ich esse so etwas teures, weil ich Hunger oder Appetit habe?
Sie dreht sich eine Zigarette und nimmt auf meinem winzigen Bett Platz. Als ich aus der Psychiatrie kam, wünschte ich mir nichts mehr als ein kleines Bett, maximal 100cm breit, nur für mich und ein paar Kissen. Ein Nest, ein Kinderbett für eine erwachsene Kindfrau.
Meine Mutter schweigt, ich schweige. Ich bin kalt und verwaist, und ich spüre dass ihr das weh tut.
Sie lächelt zaghaft. „Hast du dich über den Besuch von J. gefreut?“ J. lebt in Leipzig seit Beginn des Semesters. Ich will etwas sagen, denke nach, versuche in mich hinein zu spüren, aber da ist nur Not.
„Nein. Nicht richtig.“ - „Warum das?“ - „Weil ich mich gerade über gar nichts freuen kann.“
Meine Mutter seufzt ganz komisch und stippt Asche in mein Windlicht. „Es ist schweinekalt hier. Ist die Heizung richtig an?“ Ich verneine. Meine Heizung ist kaputt, muss permanent entlüftet werden, deswegen ist es immer kalt (kalt und stinkt nach Räucherstäbchen und Zigarettenrauch), aber das stört mich gerade wirklich nicht.
Sie offensichtlich schon. Sie entlüftet meine Heizung und guckt mich traurig an. Gut, dass ich so vollgefressen bin, dass ich kaum Schuldgefühle und Ängste empfinden kann.
Die Rasierklingen sind in meinem Kosmetiktäschchen. Ein Meter von hier. Ich muss sie nur nehmen.
Ich tue es nicht, weil ich keine Lust habe, die nächsten Tage wieder frische Schnitte vor allen verbergen zu müssen.
Ich komme nicht mit. Das Leben verläuft in Zeitlupen-Endlosschleifen und verwaschenen Farben, die Dialoge sind schlecht synchronisiert. Und doch ist es mir zu anstrengend, mich darauf einzulassen. Ich sitze also im Vorführsaal und registriere, dass der vorgeführte Streifen mich nicht berührt, geschweige denn mitreißt, und statt rauszugehen starre ich weiter auf die Leinwand in der Hoffnung, dass noch etwas kommen mag. Etwas noch groteskeres als das, was ich jetzt sehe. Etwas, das mich veranlassen wird zu sagen, „Hat sich doch gelohnt den Film zu Ende zu gucken“, wenn ich die letzten Popcorn von meiner Jacke schnippe und mich zum Gehen wende. Wenigstens will ich sagen können, okay, das war eben sehr „arthouse“, sehr verwoben, sehr hintergründig. Eben das, was man über Filme sagen kann, die man nicht versteht, deren Erzählsträngen man nicht folgen kann, die aber dennoch im Kopf kleben bleiben wie Honigfinger.
Aber was sollte das sein?
Weitere Episoden über sinnloses Essen, sinnloses Geld-Ausgeben, sinnlose Bemühungen, Normalität und Freude zu simulieren?
Am 5.12. gibt es neue Medis für Phoebe, darauf setze ich meine letzten Coins.
Auf dem Konzert war ich Donnerstag mit meiner Schwester...
Dienstag, 30. Oktober 2012
Fische, Milben, Vogelköpfe, das Leben und Stehpartys.
Danke für eure ehrlichen Antworten. Ich finde es sehr berührend und ermutigend zu lesen, dass eure Ängste den meinen sehr ähneln und ich mich in vielen Aussagen wiederspiegele.
Das mit der Angst ist ein großes Thema.
Vor anderthalb Jahren, in einer Gruppenrunde in der Psychiatrie, haben wir intensiv darüber geredet. Ein Mitinsasse war 45 und Offizier bei der Luftwaffe mit paranoiden Psychosen. Er hörte Stimmen und glaubte, er bekäme Anweisungen von irgendwelchen Geheimdiensten. Bis die Medikamentendosierung stimmte, wandelte er umher und dachte, jeder einzelne Arzt oder Pfleger wolle ihn vergiften und an die Russen ausliefern, weswegen er sich sogar Faustkämpfe mit ihnen lieferte.
Ich empfand das damals als befremdlich und insgeheim ein wenig komisch, wie in einem mittelmäßigen Hollywood-Film eben. Aber diese Dimension der Angst habe ich selbst nie erfahren. Diesen Verfolgungswahn, Stimmen hören und so weiter.
Alles was ich kenne, sind die verschiedenen Graustufen dessen, was ihr beschreibt, plus meine persönliche Urangst vor Verlusten (= Beziehungen, einstürztenden Häusern, um meiner Mutter).
Man könnte jetzt darüber diskutieren, was erträglicher ist, und ich würde mich sicherlich jenen Diskutanten anschließen, die plädieren: "eine ausgewachsene Psychose in Verbindung mit sozialer Phobie und Paranoia ist natürlich sehr viel tragischer als Verlust- und Versagensängste, Unsicherheit, Leere und ein paar knackige Panikattacken sonntagmorgens!". Was letzteres aber nicht verharmlost oder abwertet.
Ich will damit nur sagen, dass wir glücklich sein sollten, uns mit einigermaßen hoher Wahrscheinlichkeit meistens unseres eigenen Verstandes bedienen zu können, überwiegend "Herr im eigenen Haus" zu sein.
Dennoch: Ich kenne das, jenen Zustand in dem die eigene Essstörung/Depression/Persönlichkeitsstörung die Oberhand ergreift und mich zu steuern scheint, mein Denken, Fühlen und Handeln beeinflussen will.
Und leider, leider lasse ich sie auch viel zu häufig gewähren und mich leiten. Aber warum?
Warum wähle ich nicht die Selbstbestimmung?
Warum lebe ich in einer Diktatur meiner kranken Persönlichkeitsanteile?
Warum fresse, hungere, heule, schlafe, leide, schneide ich (mich)?
Die Antwort ist so einfach, dass man sie beinahe zu übersehen glaubt:
"Sie haben Angst, Phoebe."
Ich antworte meiner Therapeutin, ich hätte keine Angst so wie früher, wäre furchtlos inzwischen.
Sie widerspricht mir und erklärt, die Angst sei der Motor, der mein gestörtes Selbstbild und Verhalten am Laufen hält, weil sie mich lähmt und meinen Verstand verzerrt.
Angst ist eine Reaktion des limbischen Systems auf Stress.
Stress wirkt sich auf die Hormonproduktion im Gehirn aus, ebenso auf die Psyche (haha, das ist ja was ganz neues).
Teufelskreis durchbrechen?
Paranoia zulassen?
Ängste verdrängen?
Sich seiner Furcht stellen?
Psychotisch werden?
Wahnhafte Angst?
Stress aushalten Stressniveau senken.
Angst nehmen lassen Angst festhalten.
Alles stürzt zusammen sich fallenlassen vertrauen.
"Ich habe nur noch Angst vor Fischen, Milben, Vogelköpfen, dem Leben und Stehpartys. Und davor, fett zu sein. Was wollen sie hören?"
Das mit der Angst ist ein großes Thema.
Vor anderthalb Jahren, in einer Gruppenrunde in der Psychiatrie, haben wir intensiv darüber geredet. Ein Mitinsasse war 45 und Offizier bei der Luftwaffe mit paranoiden Psychosen. Er hörte Stimmen und glaubte, er bekäme Anweisungen von irgendwelchen Geheimdiensten. Bis die Medikamentendosierung stimmte, wandelte er umher und dachte, jeder einzelne Arzt oder Pfleger wolle ihn vergiften und an die Russen ausliefern, weswegen er sich sogar Faustkämpfe mit ihnen lieferte.
Ich empfand das damals als befremdlich und insgeheim ein wenig komisch, wie in einem mittelmäßigen Hollywood-Film eben. Aber diese Dimension der Angst habe ich selbst nie erfahren. Diesen Verfolgungswahn, Stimmen hören und so weiter.
Alles was ich kenne, sind die verschiedenen Graustufen dessen, was ihr beschreibt, plus meine persönliche Urangst vor Verlusten (= Beziehungen, einstürztenden Häusern, um meiner Mutter).
Man könnte jetzt darüber diskutieren, was erträglicher ist, und ich würde mich sicherlich jenen Diskutanten anschließen, die plädieren: "eine ausgewachsene Psychose in Verbindung mit sozialer Phobie und Paranoia ist natürlich sehr viel tragischer als Verlust- und Versagensängste, Unsicherheit, Leere und ein paar knackige Panikattacken sonntagmorgens!". Was letzteres aber nicht verharmlost oder abwertet.
Ich will damit nur sagen, dass wir glücklich sein sollten, uns mit einigermaßen hoher Wahrscheinlichkeit meistens unseres eigenen Verstandes bedienen zu können, überwiegend "Herr im eigenen Haus" zu sein.
Dennoch: Ich kenne das, jenen Zustand in dem die eigene Essstörung/Depression/Persönlichkeitsstörung die Oberhand ergreift und mich zu steuern scheint, mein Denken, Fühlen und Handeln beeinflussen will.
Und leider, leider lasse ich sie auch viel zu häufig gewähren und mich leiten. Aber warum?
Warum wähle ich nicht die Selbstbestimmung?
Warum lebe ich in einer Diktatur meiner kranken Persönlichkeitsanteile?
Warum fresse, hungere, heule, schlafe, leide, schneide ich (mich)?
Die Antwort ist so einfach, dass man sie beinahe zu übersehen glaubt:
"Sie haben Angst, Phoebe."
Ich antworte meiner Therapeutin, ich hätte keine Angst so wie früher, wäre furchtlos inzwischen.
Sie widerspricht mir und erklärt, die Angst sei der Motor, der mein gestörtes Selbstbild und Verhalten am Laufen hält, weil sie mich lähmt und meinen Verstand verzerrt.
Angst ist eine Reaktion des limbischen Systems auf Stress.
Stress wirkt sich auf die Hormonproduktion im Gehirn aus, ebenso auf die Psyche (haha, das ist ja was ganz neues).
Teufelskreis durchbrechen?
Paranoia zulassen?
Ängste verdrängen?
Sich seiner Furcht stellen?
Psychotisch werden?
Wahnhafte Angst?
Stress aushalten Stressniveau senken.
Angst nehmen lassen Angst festhalten.
Alles stürzt zusammen sich fallenlassen vertrauen.
"Ich habe nur noch Angst vor Fischen, Milben, Vogelköpfen, dem Leben und Stehpartys. Und davor, fett zu sein. Was wollen sie hören?"
Montag, 15. Oktober 2012
Fern-Sehen.
Vorgestern bin ich die Treppe herunter
gefallen.
Wollsocken, selbstgestrickt von Oma,
glitten über glatte Treppenfliesen und ein unglücklicher Körper
schlug zwanzig Mal auf, bevor er auf den ebenso glatten Flurfliesen
zur Ruhe kam.
Ich hatte versucht, mich mit den Armen abzufedern und mir damit lilafarbene Hämatome auf dem rechten Unterarm, eine Schürfwunde am Handgelenk und Prellungen an Rücken und Arsch zugezogen. Es war ziemlich still in der Wohnung, meine Mutter telefonierte, meine Schwester lag auf dem Sofa und blätterte in der NEON. Der Aufprall meines massigen Leibes hörte sich an wie ein Sack Mehl, den irgendjemand unsanft abgeladen hatte.
Dieses Gefühl, diese zwei Sekunden des Kontrollverlustes, den Gesetzen der Schwerkraft ausgeliefert, lässt sich schwer in Worte fassen. Ich weiß, dass ich dachte „Genickbruch, Schädelfraktur, hoffentlich haue ich mir keinen Zahn aus!“. Ich bin so eitel, pfui.
Meine Mutter rutschte mit rutschfesten Hausschlappen in den Flur, um mich aufzulesen.
Dem Mehlsack kamen die Tränen erst, als sie ihn in die Arme nahm. Ich weinte nicht wegen der Prellungen oder weil ich mich so erschrocken hatte, nein, ich weinte ob dieser Berührung.
Meine Schwester stand unschlüssig auf einem Bein hinter ihr und taxierte mich.
Ich versuchte, den Schmerz, den ich verspürte, es war kein körperlicher, zu definieren, zu orten, aber es gelang mir nicht.
Dieses Fallen, das es braucht, um gehalten zu werden.
Wie unerträglich eine tröstende Umarmung sein kann, wenn es einen innerlich zerreißt vor Selbsthass, Angst, Hilflosigkeit.
Das Gefühl, Lichtjahre weit weg zu sein von meiner Mutter, sie durch Milchglas zu sehen.
Ich hatte versucht, mich mit den Armen abzufedern und mir damit lilafarbene Hämatome auf dem rechten Unterarm, eine Schürfwunde am Handgelenk und Prellungen an Rücken und Arsch zugezogen. Es war ziemlich still in der Wohnung, meine Mutter telefonierte, meine Schwester lag auf dem Sofa und blätterte in der NEON. Der Aufprall meines massigen Leibes hörte sich an wie ein Sack Mehl, den irgendjemand unsanft abgeladen hatte.
Dieses Gefühl, diese zwei Sekunden des Kontrollverlustes, den Gesetzen der Schwerkraft ausgeliefert, lässt sich schwer in Worte fassen. Ich weiß, dass ich dachte „Genickbruch, Schädelfraktur, hoffentlich haue ich mir keinen Zahn aus!“. Ich bin so eitel, pfui.
Meine Mutter rutschte mit rutschfesten Hausschlappen in den Flur, um mich aufzulesen.
Dem Mehlsack kamen die Tränen erst, als sie ihn in die Arme nahm. Ich weinte nicht wegen der Prellungen oder weil ich mich so erschrocken hatte, nein, ich weinte ob dieser Berührung.
Meine Schwester stand unschlüssig auf einem Bein hinter ihr und taxierte mich.
Ich versuchte, den Schmerz, den ich verspürte, es war kein körperlicher, zu definieren, zu orten, aber es gelang mir nicht.
Dieses Fallen, das es braucht, um gehalten zu werden.
Wie unerträglich eine tröstende Umarmung sein kann, wenn es einen innerlich zerreißt vor Selbsthass, Angst, Hilflosigkeit.
Das Gefühl, Lichtjahre weit weg zu sein von meiner Mutter, sie durch Milchglas zu sehen.
Nur Leere in mir, kein Wunsch, keine
Idee, kein Ziel, keine Freude an nichts.
Ein paar Stunden später.
Meine Mutter, meine Schwester und ich fuhren zur Buchmesse. Sie plauderten über den Schulausflug nach Marbach, ich plauderte mit durch ein zehntausend Kilometer langes Rohr, das mich mit ihnen verband. Ich will gar nicht auf die Buchmesse gehen, wollte ich sagen. Aber du hast es dir doch gewünscht, hast es vorgeschlagen. Ich weiß, aber ich will gar nicht.
Ein paar Stunden später.
Meine Mutter, meine Schwester und ich fuhren zur Buchmesse. Sie plauderten über den Schulausflug nach Marbach, ich plauderte mit durch ein zehntausend Kilometer langes Rohr, das mich mit ihnen verband. Ich will gar nicht auf die Buchmesse gehen, wollte ich sagen. Aber du hast es dir doch gewünscht, hast es vorgeschlagen. Ich weiß, aber ich will gar nicht.
Und das ist außerdem alles viel zu
teuer scheiße ich bin ein verfickter Geldschlucker und nur traurig
und ziehe alle runter mit meinem leeren Blick aber ich kann nicht ich
habe Angst ich will nicht dass sie das für mich tun ich will nicht
kann nicht nicht nein nicht nicht.
Ich war so unglücklich wie in meinem ganzen Leben noch nicht.
Ich war so unglücklich wie in meinem ganzen Leben noch nicht.
Es war diese tiefe, durch Mark und Bein
gehende, vollkommen lähmende Traurigkeit.
Ich wusste, es würde nie wieder ein Lichtstrahl durch meine Netzhaut dringen.
Kein Mensch würde mir folgen können dorthin, wo ich mich aufhielt.
Irgendwer sagte etwas mit Oma und sofort stiegen mir dicke Tränen in die Augen. Ich hatte zu wenig an sie gedacht, seit sie tot ist. Ich war ein ekelhafter Scheißmensch und hässlich und fett.
Meine Hämatome leuchteten blau-grünlich und schmerzten.
Wir schafften es bis in die Eingangshalle der Buchmesse, bevor ich kapitulierte.
Stattdessen gingen wir in eine ehemalige Studentenkneipe meiner Mutter und aßen etwas.
Ich bestellte eine traurige Kürbissuppe und heulte Rotz und Wasser. Innerlich. Meine Mutter war so unfassbar lieb, so lieb, dass es nicht zum Aushalten war. Ich wollte sie nicht alleine lassen, aber ich war so todmüde.
Mein Inneres fühlte sich klobig und kalt an, als hätte jemand einen Messingfötus im achten Monat in mich eingepflanzt.
Ich stehe wieder auf dem Grenzwall zum Wahn, zum Verrücktsein, und rutsche mit Omas Wollsocken auf und ab.
Ich wusste, es würde nie wieder ein Lichtstrahl durch meine Netzhaut dringen.
Kein Mensch würde mir folgen können dorthin, wo ich mich aufhielt.
Irgendwer sagte etwas mit Oma und sofort stiegen mir dicke Tränen in die Augen. Ich hatte zu wenig an sie gedacht, seit sie tot ist. Ich war ein ekelhafter Scheißmensch und hässlich und fett.
Meine Hämatome leuchteten blau-grünlich und schmerzten.
Wir schafften es bis in die Eingangshalle der Buchmesse, bevor ich kapitulierte.
Stattdessen gingen wir in eine ehemalige Studentenkneipe meiner Mutter und aßen etwas.
Ich bestellte eine traurige Kürbissuppe und heulte Rotz und Wasser. Innerlich. Meine Mutter war so unfassbar lieb, so lieb, dass es nicht zum Aushalten war. Ich wollte sie nicht alleine lassen, aber ich war so todmüde.
Mein Inneres fühlte sich klobig und kalt an, als hätte jemand einen Messingfötus im achten Monat in mich eingepflanzt.
Ich stehe wieder auf dem Grenzwall zum Wahn, zum Verrücktsein, und rutsche mit Omas Wollsocken auf und ab.
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