Wenn dein Leben so absurd und verstörend ist, dass du darüber nicht einmal schreiben kannst: I wanna shoot my ego down.
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Montag, 2. September 2013
Nummer fünf und sechs.
Wenn dein Leben so absurd und verstörend ist, dass du darüber nicht einmal schreiben kannst: I wanna shoot my ego down.
Sonntag, 25. August 2013
Singing in the rain.
Wir sind geboren um frei zu sein - Ton Steine Scherben
Digital -Joy Division
Der Beat ist so laut, dass die Ohren schmerzen. Uhrwerk Orange, hochpolitische Diskurse, alte Platten an mein Herz pressen und durch die Stadt rennen.
Am 28.9. kommt mein Tattoo unter die Titten:
Digital -Joy Division
Der Beat ist so laut, dass die Ohren schmerzen. Uhrwerk Orange, hochpolitische Diskurse, alte Platten an mein Herz pressen und durch die Stadt rennen.
Am 28.9. kommt mein Tattoo unter die Titten:
"Dionysos bedeutet Identifizierung, Apollon Objektivierung. Dionysos ist Empathie, die sympathetische Emotion, die uns in andere Menschen, an andere Orte, in andere Zeiten versetzt. Apollon ist das unerbittlich Kalte, das Trennende der westlichen Person und des westlich kategorialen Denkens. Dionysos bedeutet Energie, Ekstase, Hysterie, Promiskuität, Emotionalität – Rücksichts- und Wahllosigkeit im Denken und Handeln. Apollon dagegen ist fixe Idee, Voyeurismus, Idolatrie, Faschismus ist Frigidität und Aggressivität des Blicks, die Versteinerung der Objekte."
"Apollon zieht die Grenzlinien, die gleichbedeutend sind mit Zivilisation, aber Stereotypie, Enge, Unterdrückung zur Folge haben. Dionysos ist ungebändigte Kraft, wahnsinnig, rücksichtslos, destruktiv, zerstörerisch. Apollon verkörpert Gesetz, Geschichte, Tradition, die Würde und Sicherheit des Sittlichen und der Form. Dionysos dagegen verkörpert das Neue, ist ebenso begeisternd wie gewalttätig, fegt alles weg, um ganz von vorne anzufangen. Apollon ist ein Tyrann, Dionysos ein Vandale."
Camille Paglia, Die Masken der Sexualität, 127
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Sonntag, 18. August 2013
"Dreißig ist das neue Zwanzig, der Mann ist die neue Frau, Freiheit ist das neue Gefängnis und reich ist das neue schlau..."
Es war wunderschön.
Mein erstes Therapiegespräch nach den Ferien (ihren Ferien, nicht meinen) war ermüdent. Zahnfleisch tut weh. Mit abgekauten Fingernägeln in schorfigen Wunden bohren und sie danach ablecken - Style. Mit tonnenschwerer Reisetasche durch die Stadt rennen, Kaffee mit Penny, Fernbus. Leipzig am Abend, Harry Potter zitieren, schlafen wie ein Stein, Songs im Kopf, Alkohol im Herzen, lautlos atmen über aufgeheiztem Stein. Rückfahrt. Kokosmilch-Curry und A Beautiful Mind mit ihm.
Ich schlage meinen Freund versehentlich mit dem Handtuch bei dem Versuch, einen Haarturban zu binden. "Das war die Rache für vorhin". - "Das nennt man Quickie, Liebste." - "So was gibt es in meiner Welt nicht.", wir lachen und ziehen uns an. Ich bin wahnsinnig frustriert und armselig, meine Haare duften nach Nüssen und Sommer, es regnet, ich verliere die Balance.
Mein erstes Therapiegespräch nach den Ferien (ihren Ferien, nicht meinen) war ermüdent. Zahnfleisch tut weh. Mit abgekauten Fingernägeln in schorfigen Wunden bohren und sie danach ablecken - Style. Mit tonnenschwerer Reisetasche durch die Stadt rennen, Kaffee mit Penny, Fernbus. Leipzig am Abend, Harry Potter zitieren, schlafen wie ein Stein, Songs im Kopf, Alkohol im Herzen, lautlos atmen über aufgeheiztem Stein. Rückfahrt. Kokosmilch-Curry und A Beautiful Mind mit ihm.
Ich schlage meinen Freund versehentlich mit dem Handtuch bei dem Versuch, einen Haarturban zu binden. "Das war die Rache für vorhin". - "Das nennt man Quickie, Liebste." - "So was gibt es in meiner Welt nicht.", wir lachen und ziehen uns an. Ich bin wahnsinnig frustriert und armselig, meine Haare duften nach Nüssen und Sommer, es regnet, ich verliere die Balance.
Donnerstag, 15. August 2013
Mixtape.
Meine Oma lebt noch. Wir sind in China. Lennard und ich schlafen in einer winzigen Koje neben einem Panda-Gehege. Er steht auf, ohne mich zu wecken. Mein Handy summt. Es ist T.. Er erzählt von dem Weihnachtsfest mit seiner Familie. Seine Stimme ist weich und tief, er ist blau. Ich weine. Ich sage - T., ich bin in China mit meinem neuen Freund und meiner Familie. Er hört mich nicht, die Verbindung ist zu schlecht. Wo bist du? - In China! Es ist schrecklich heiß hier. Ich liege unter einem Moskitonetz und presse das Telefon gegen mein Ohr, dass es wehtut. Mir geht es ganz gut, ja, aber ich schwitze wie ein Otter. Er lacht heiser. Ich will dich hier auf meinem Bett, sagt er. Ich weiß, dass er wichst. Er spricht leiser, ich will dir wehtun. Ich stöhne leise, meine Hände wandern über meinen schwitzigen Bauch nach unten. Plötzlich höre ich Stimmen, mein Onkel ruft mich. Ich lasse das Handy auf der Koje liegen und gehe nackt nach draußen. Lennrad quält sich gerade aus seinen Laufschuhen. Meine Oma sitzt in einer weißen Hollywoodschaukel und hält einen Drink in der rechten Hand. Lennard mustert mich. Ich spüre, dass er mich durchschaut. Die Pandas sind heute Nacht gestorben, sagt er leise und zieht mich an sich.
Kustpause.
Es geht mal wieder nach Leipzig zu meiner J. (und Sophie Hunger) und dann mit ihr zusammen zurück. Ich freue mich so wahnsinnig auf sie, es gibt unendlich viel zu reden. Lennard will uns am Samstag in Frankfurt am Bahnhof abholen - in Pennys Sitcom wird diese Folge mit Sicherheit ein Quotenhit, Arbeitstitel: "Mein Freund, seine Exfreundin und ich".
Das Mixtape, das ich ihr mitbringe, ist mein Sommer:
Die Flucht - Enno Bunger
Smoke - 100 Monkeys
Love Is Not A Cliché - Garland Jeffreys
We Are The People - Empire Of The Sun
Mammoth - Interpol
A Nervous Tic Motion Of The Head To The Left - Andrew Bird
Take Me Out - Franz Ferdinand
All Along The Watchtower - The Frattellis
Lust For Life - Iggy Pop
Different Pulses - Asaf Avidan
Evil - Interpol
Glück - Prinz Pi
The Last One - Au Revoir Simone
Rest My Chemistry -Interpol
Sail - Awolnation
Twentysomething - Jamie Cullum
American Days Are Over - The Reborn Identity
Wishful Thinking - Pulp at John Peel Sessions
Burning Berlin Down - Bittersweet
The Future - Leonard Cohen
Can't Hold Us - Macklemore
If Looks Could Kill - Camera Obscura
Pink Night - Jason Collett
Home - Daughter
Unser Platz - Prinz Pi
Desperado - Johnny Cash
White Blank Page - Mumford & Sons
Wonderful Life - Nick Cave
Sail Away - The Rapture
Who Did That To You - Django Unchained Soundtrack
Restless - Kakkmaddafakka
Die Neue Seltsamkeit - Tocotronic
Golden Brown - The Stranglers
Dreaming Of You - The Coral
In Your Nature - Zola Jesus
Left Myself Behind - Toy
100x - Prinz Pi
Je Cours - Stromae
Signal To Noise - Peter Gabriel
Kustpause.
Es geht mal wieder nach Leipzig zu meiner J. (und Sophie Hunger) und dann mit ihr zusammen zurück. Ich freue mich so wahnsinnig auf sie, es gibt unendlich viel zu reden. Lennard will uns am Samstag in Frankfurt am Bahnhof abholen - in Pennys Sitcom wird diese Folge mit Sicherheit ein Quotenhit, Arbeitstitel: "Mein Freund, seine Exfreundin und ich".
Das Mixtape, das ich ihr mitbringe, ist mein Sommer:
Die Flucht - Enno Bunger
Smoke - 100 Monkeys
Love Is Not A Cliché - Garland Jeffreys
We Are The People - Empire Of The Sun
Mammoth - Interpol
A Nervous Tic Motion Of The Head To The Left - Andrew Bird
Take Me Out - Franz Ferdinand
All Along The Watchtower - The Frattellis
Lust For Life - Iggy Pop
Different Pulses - Asaf Avidan
Evil - Interpol
Glück - Prinz Pi
The Last One - Au Revoir Simone
Rest My Chemistry -Interpol
Sail - Awolnation
Twentysomething - Jamie Cullum
American Days Are Over - The Reborn Identity
Wishful Thinking - Pulp at John Peel Sessions
Burning Berlin Down - Bittersweet
The Future - Leonard Cohen
Can't Hold Us - Macklemore
If Looks Could Kill - Camera Obscura
Pink Night - Jason Collett
Home - Daughter
Unser Platz - Prinz Pi
Desperado - Johnny Cash
White Blank Page - Mumford & Sons
Wonderful Life - Nick Cave
Sail Away - The Rapture
Who Did That To You - Django Unchained Soundtrack
Restless - Kakkmaddafakka
Die Neue Seltsamkeit - Tocotronic
Golden Brown - The Stranglers
Dreaming Of You - The Coral
In Your Nature - Zola Jesus
Left Myself Behind - Toy
100x - Prinz Pi
Je Cours - Stromae
Signal To Noise - Peter Gabriel
Montag, 12. August 2013
Update: Körperumfang visuell.
Freitag, 2. August 2013
Einmal noch.
Lulu weint mein graues T-Shirt nass und es ist okay. Das Mixtape von T. läuft und ich heule und wüte und raffe Kassenbons und Besteck vom Boden auf, ich warne sie vor dem Fehler, den ich begangen habe. Ich sage, dass der T., den ich vermisse und den ich irgendwo immer liebe, dass dieser T. nicht mehr existiert, sage, dass ich weitergehe, dass ich stark bin, dass sie auch stark sein wird. Dass es richtig ist, wenn sie jemanden küsst, der sie so glücklich macht wie Lennard mich glücklich zu machen vermag.
Mir fällt die letzte Geburtstagskarte von T. in die Hände, eine winzige Prinzessin trohnt auf einem großen Berg Geschenke, Tränen tropfen auf die Pappe: "Alles Gute, xxx, dein T." Darunter ein ungelenk gemaltes Strichmännchen mit einem Pfeil - Phoebe. Alles erzittert, Bilder stürmen auf mich ein. Es ist gut. Es geht mir gut. Ich darf weinen um uns, darf weinen um die Verletzungen, die wir uns zugefügt haben. Um Neil Young und die Eagles, um die alte Matratze auf dem Boden, um grün-glasige Blicke, um den Geschmack von Gin und Wodka und Pepsi Light auf seiner Zunge, um seine Stimme wie sie seine Geschichte preisgibt, seinen Duft, um den BDSM-Sex, um seinen klugen Sohn, um seine Tränen auf meinem nackten Rücken, um unsere dreckige Küche, um taumelnde Nachtspaziergänge durch das FrankfurterVillenviertel, um Träume und ewige Lügen, um Luftschlösser, um unseren Balkon in der Psychiatrie, um die Brandnarben auf seinem linken Oberarm und meine Pulsader-Schnitte, um Woodstock, um Sylvester nackt und stumm mit Rotwein in den Laken, um unsere Sitcoms, unsere hitzigen Diskussionen, um seinen Blick in meinem Gesicht, um alle ersten Male, um die Scham, um den Hass, die Vergötterung, um zwei Jahre. Um meine erste Liebe.
Es tut sehr weh in diesem Moment-
Ich glaube, ich muss trauern, weil ich sonst drohe steckenzubleiben. Wenn ich mit Lulu weine, ist es nur befreiend. Nur richtig.
Es gibt da einen Menschen, der in mir etwas weckt, von dem ich nie geglaubt hätte, dass ich es noch besitze: Hoffnung. So abgedroschen es klingt: Selbstachtung. Zärtlichkeit. Es gibt diesen Menschen, der ein unspezifisches Flattern und Ziehen in meinem Oberbauch auslöst, wenn er mich mandeläugig anlächelt. Der mir Mut macht und Kraft gibt. Der kein Monster ist.
Ich habe eine Scheißangst, glücklich zu sein, das ist es wohl.
Ich idealisiere den Schmerz, weil er herorischer ist und destruktiv und unberechenbar. Glück ist so trivial. Ist es das wirklich? Glück ist, um sechs Uhr morgens von kitzelnden Sonnenstrahlen geweckt zu werden und meine Hand auf Lennards Bauch zu schieben, Glück ist, wenn er sie im Halbschlaf an sich zieht und drückt und mit geschlossenen Augen lächelt. Glück ist die heilige Dreifaltigkeit aus Morgensex, Zigarette und Kaffee. Glück ist ein Regenguss. Glück ist auch, selig grinsend ein Telefonat mit meiner J. zu beenden. Glück ist wenn Lulu mit tränenverklebten Augen sagt: "Hey, ich fände es schön wenn du nachher rüberkommst und bei mir schläfst. Ich hab dich lieb." Glück ist narzisstisch und selbstlos zugleich, Glück ist Liebe und das Gegenteil von Böse.
Ich weiß dass das alles ich bin. Ich kann lieben. Ich kann das größste Arschloch auf Erden sein, und ich kann es bereuen und versuchen, nie mehr so tief zu fallen.
Ich kann glücklich sein! Und bin es. Hier, jetzt, mit T.s Musik im Hintergrund und all den hässlichen alten Päckchen und all den Erwartungen an die Zukunft, nicht mehr anorektisch dünn, tief verstört und doch lebe ich.
You don't see the bottom from the top, einmal noch, für dich. Let it float on down the stream / And we can cry a little / For a time that could have been / Live it all my love / Live it well my love / Live it long my love.
Tränen getrocknet, Zimmer aufgeräumt, Zweifel beseitigt, Nostalgie aus-gelebt. Weiter...
Dienstag, 30. Juli 2013
"And each wasted word makes a wasted line"
Das Chaos in meinem Zimmer aufrechtzuerhalten ist eine Art verqueres Experiment für mich: Was wird passieren, wenn ich den Boden nicht mehr sehen kann? Inmitten all dieser Stationen des richtigen Lebens (in dem ich pausenlos Putzen gehe, mit Lennard liebevolle SMS austausche, auf Pennys Balkon Muffins esse oder mit Mo bei Saturn herumschleiche) kehre ich zurück in meinen zeitlosen Raum, der nach kaltem Zigarettenrauch stinkt. Zwischen all diesen Tagen, die sich wie Telefonbuchseiten mit fahrigen Fingern umblättern lassen - Suche nach Sinn und Namen und Nummern - ruhe ich in meinem verdreckten Museum der unangetasteten Dinge. Hier stapeln sie sich Erinnerungen und Mahnschreiben.
Ein kleines Paralleluniversum der dysfunktionalen Phoebe: Unter meinem Bett liegt eine Netto-Tüte mit den letzten Reliquien von T. neben den Silikon-Cupcake-Förmchen von Lulu, die längst in der Spülmaschine sein sollten. Nächtelang lese ich Prosa im Internet, sehe mir fürchterlich schlechte Pornos und alte Wallander-Folgen an. Zerpflücke Uni-Texte von Freunden wie ein größenwahnsinniger Ghostwriter. Die Tage im Zimmer Sodom gleichen den Nächten, immer liege ich, immer essend, ich rauche den ekelhaften britischen Tabak und leere die Asche in Joghurtbecher, die mit der Zeit unter getragenen Kleidchen und Holzfällerhemden verschwinden.
Natürlich bin ich nackt. Natürlich widere ich mich an für dieses Leben in diesem Raum - aber draußen funktioniert es noch. Draußen ist meine Haut reingemalt und glattrasiert, mein Chaos und Dreck wird mir als mehr oder weniger sympathische "Verpeiltheit" und "Schlampigkeit", meine Sexbessesenheit als "lustvolles Dasein" angeschrieben. Wenn ich trotzig bin, applaudieren sie. Wenn ich nicht aufhören kann zu weinen, drückt er mich an sich und entschuldigt sich für Dinge, die meine Fehler sind. Ist all das Teil des großen, unbewussten Experimentes zur Unschärferelation? Because it cut to drops each time I tryto make your way across the bottom line.
Ein kleines Paralleluniversum der dysfunktionalen Phoebe: Unter meinem Bett liegt eine Netto-Tüte mit den letzten Reliquien von T. neben den Silikon-Cupcake-Förmchen von Lulu, die längst in der Spülmaschine sein sollten. Nächtelang lese ich Prosa im Internet, sehe mir fürchterlich schlechte Pornos und alte Wallander-Folgen an. Zerpflücke Uni-Texte von Freunden wie ein größenwahnsinniger Ghostwriter. Die Tage im Zimmer Sodom gleichen den Nächten, immer liege ich, immer essend, ich rauche den ekelhaften britischen Tabak und leere die Asche in Joghurtbecher, die mit der Zeit unter getragenen Kleidchen und Holzfällerhemden verschwinden.
Natürlich bin ich nackt. Natürlich widere ich mich an für dieses Leben in diesem Raum - aber draußen funktioniert es noch. Draußen ist meine Haut reingemalt und glattrasiert, mein Chaos und Dreck wird mir als mehr oder weniger sympathische "Verpeiltheit" und "Schlampigkeit", meine Sexbessesenheit als "lustvolles Dasein" angeschrieben. Wenn ich trotzig bin, applaudieren sie. Wenn ich nicht aufhören kann zu weinen, drückt er mich an sich und entschuldigt sich für Dinge, die meine Fehler sind. Ist all das Teil des großen, unbewussten Experimentes zur Unschärferelation? Because it cut to drops each time I tryto make your way across the bottom line.
Mittwoch, 24. Juli 2013
Tanz der Moleküle.
Auf meinem Laptop steht ein Glas Gin Tonic, ich höre MIA., ich bin glücklich.
Verrückte Welt. Vor einer Stunde lag Lennard auf meiner Brust, meine Hände spielten mit seinem Fünf-Tage-Bart. Er küsste mein Schlüsselbein: "Dein Herz schlägt so schnell."
"Du hast recht... Das ist alles nur wegen dir!"
Er lächelte leise. "Was mache ich denn?"
"Du machst mich so verliebt", flüsterte ich in sein Haar.
"Und du mich...".
Wir spürten den feinen Windhauch von der geöffneten Balkontür auf der Haut und die Sekunden dehnten sich in kleine Universen. Er küsste mich, wir küssten uns, auf dem Sofa, im Flur, als ich meine Füße in die alten Gladiatorensandalen zwängte. Seine Hände lagen in meinem Kreutz und hielten mich fest an sich gedrückt. "Danke. Du hast mir so sehr geholfen", sein Atem an meinem Ohr. Es war wie in einem dieser Filme, in denen sich die Protagonisten für immer verabschieden und nicht voneinander lassen können, sich trennen und wie Magnete wieder und wieder aneinander schellen, nur schöner. Mein ganzer Körper summte und tobte und zitterte vor Glück und vor Lust und vor Seligkeit. Er brachte mich runter zur Haustür, Küsse im Mondlicht. Ich wand mich aus seinen Händen und floss durch den Garten zum Hoftor, sah ihn ebenso debil lächelnd im Türrahmen lehnen. Du bist so schön, wenn du lachst.
Vor einem Fachwerkhaus spielten drei Katzenkinder. Die Glöckchen um ihren Hals rasselten leise und melodisch, neugierig tapste eines auf mich zu und ließ sich streicheln. Mein Vogelherz tanzt noch jetzt.
Verrückte Welt. Vor einer Stunde lag Lennard auf meiner Brust, meine Hände spielten mit seinem Fünf-Tage-Bart. Er küsste mein Schlüsselbein: "Dein Herz schlägt so schnell."
"Du hast recht... Das ist alles nur wegen dir!"
Er lächelte leise. "Was mache ich denn?"
"Du machst mich so verliebt", flüsterte ich in sein Haar.
"Und du mich...".
Wir spürten den feinen Windhauch von der geöffneten Balkontür auf der Haut und die Sekunden dehnten sich in kleine Universen. Er küsste mich, wir küssten uns, auf dem Sofa, im Flur, als ich meine Füße in die alten Gladiatorensandalen zwängte. Seine Hände lagen in meinem Kreutz und hielten mich fest an sich gedrückt. "Danke. Du hast mir so sehr geholfen", sein Atem an meinem Ohr. Es war wie in einem dieser Filme, in denen sich die Protagonisten für immer verabschieden und nicht voneinander lassen können, sich trennen und wie Magnete wieder und wieder aneinander schellen, nur schöner. Mein ganzer Körper summte und tobte und zitterte vor Glück und vor Lust und vor Seligkeit. Er brachte mich runter zur Haustür, Küsse im Mondlicht. Ich wand mich aus seinen Händen und floss durch den Garten zum Hoftor, sah ihn ebenso debil lächelnd im Türrahmen lehnen. Du bist so schön, wenn du lachst.
Vor einem Fachwerkhaus spielten drei Katzenkinder. Die Glöckchen um ihren Hals rasselten leise und melodisch, neugierig tapste eines auf mich zu und ließ sich streicheln. Mein Vogelherz tanzt noch jetzt.
Freitag, 12. Juli 2013
In Your Nature.
Eyes above me
eyes are blown
and now just when the wall becomes a hole
I don't want to know
Found me shaking
out of realm
a hunted world
where it never shows
I don't want to go
Feel it corming
through the skin
swallow me whole
let it bury me in
and there I go
It's coming down
like a sharp, curve in the sky
and I don't even know why
If it's in your nature, you'll never win
if it's in your nature, you'll never win
You used to be that
the war was brought
but now the end becomes us again
we never let it in
And in the shadows
a burning light
it's getting deeper for the fight
So run off, run off
let it drip down
you run off, run off
like it was born for you
If it's in your nature, you'll never win
if it's in your nature, you'll never win
And then you go down that old regarded road
and I'm not the one to say "Oh, I told you so"
and you know
oh you know
If it's in your nature, you'll never win
if it's in your nature, you'll never win
If it's in your nature, you'll never win
if it's in your nature, you'll never win
Zola Jesus
Sonntag, 23. Juni 2013
My job, my hood. / Soundtrack des Tages.
Jau, ich gehe arbeiten. Montag bis Sonntag um acht Uhr bequeme ich mich in die Gaststätte meines Stiefvaters und putze. Toiletten, Biergarten, Gastraum, Saalbau.
Es ist ganz nett, eine Beschäftigung zu haben (wenn auch im Niedriglohnsektor), ich genieße es, nichts mit Menschen zu tun zu haben sondern autistisch vor mich hin wedeln zu können. Wenn ich um halb acht Kaffee und die erste Zigarette konsumiere, knistert der Balkon ganz herrlich, ein paar Vogel singen sehr diskret. Was will man mehr?
Heute Abend kommt Lennard zurück vom Festival.
Every Day Is Like Sunday - Morrisey
Trudging back over pebbles and sand
And a strange dust lands on your hands
(and on your face...)
Sail - Awolnation
Maybe I should cry for help
Or maybe I should kill myself (myself)
Blame it on my A.D.D baby
She Just Wants To Be - R.E.M
It's not that the transparency
Of her earlier incarnations
Now looked back on
Were rich and loaded
With beautiful vulnerability
But now she knows
Now is greater
And she knows that.
In Your Nature - Zola Jesus
Found me shaking
Out of realm
A hunted world
Where it never shows
I don't want to go
Wishful Thinkung (The John Peel Sessions) - Pulp
And I still have dull aching pain
Desire to reach and touch you once again
Distractions cannot sate the need
It grows once more, it grows once more
Es ist ganz nett, eine Beschäftigung zu haben (wenn auch im Niedriglohnsektor), ich genieße es, nichts mit Menschen zu tun zu haben sondern autistisch vor mich hin wedeln zu können. Wenn ich um halb acht Kaffee und die erste Zigarette konsumiere, knistert der Balkon ganz herrlich, ein paar Vogel singen sehr diskret. Was will man mehr?
Heute Abend kommt Lennard zurück vom Festival.
Every Day Is Like Sunday - Morrisey
Trudging back over pebbles and sand
And a strange dust lands on your hands
(and on your face...)
Sail - Awolnation
Maybe I should cry for help
Or maybe I should kill myself (myself)
Blame it on my A.D.D baby
She Just Wants To Be - R.E.M
It's not that the transparency
Of her earlier incarnations
Now looked back on
Were rich and loaded
With beautiful vulnerability
But now she knows
Now is greater
And she knows that.
In Your Nature - Zola Jesus
Found me shaking
Out of realm
A hunted world
Where it never shows
I don't want to go
Wishful Thinkung (The John Peel Sessions) - Pulp
And I still have dull aching pain
Desire to reach and touch you once again
Distractions cannot sate the need
It grows once more, it grows once more
Samstag, 22. Juni 2013
Inside your pretending / crimes have been swept aside / somewhere where they can forget.
Gibt es etwas demütigenderes, als Unterwäsche anzuprobieren und seinen weichen Körper in Pseudo-Reizwäsche gezwängt in diesem furchtbar grellen Licht ausgeleuchtet zu sehen? Kleine Panikattacke, ich schwitze ohne Ende. Drei Höschen landen auf dem Band (weiß, schwarz, Spitze, alle in verschiedenen Größen). Die Kassiererin sieht aus wie Miss Piggy. Ich greife eine Packung Toffifee, mein Spiegelbild in der Rolltreppe ist die reinste Folter.
Ja, es geht immer noch demütigender! Vor dem Kaufhof laufe ich T.s Exfrau inklusive Sohnemann in die Arme. Ich ignoriere sie und schäme mich dafür. Aus dem Augenwinkel versuche ich, ihre Kleidergröße einzuschätzen. Willkommen im Kopfkino einer traurigen Existenz: Nacktbilder von T.s anderer Exfreundin (durchtrainiert, braungebrannt, nasses Haar), Bikinifotos von seiner Exfrau (kurvig, Sonnenbrand, enorme Oberweite), meine Wenigkeit hingegossen auf seinem Bett (milchig-weiße Haut, zerstrubbelte kurze Haare, blau-gefleckte Brüste und frisch vernarbte Unterarme) und in unserem Flur-Spiegel vor zwei Jahren (Knochen, Knochen, glühende Augen, endlose Beine und Schatten und Knochen). Verdammte Scheiße.
Gibt es etwas demütigenderes als das Wissen, wer man sein könnte, hätte man die Kraft dazu? Wer man war und wie man sich geschämt hat? Wie man sich hat benutzen lassen? Wie man gelogen hat?
Ich senke den Blick und stolpere zur Bushaltestelle, höre Portishead ("Did you really want? Did you really want?"). Auf Toffifee folgen Käsespätzle, auf Weinen folgt Wut, auf Bilder folgt Leere, vier Zigaretten. Einsamkeit ist nicht unbedingt die Abwesenheit von Gesellschaft, sie kann auch Reizüberflutung sein, Schritte im Treppenhaus, das Wissen um sechs Milliarden Vollidioten. Einsamkeit in meiner Glasglocke Selbsthass.
Histrionische Persönlichkeitsstörung, sehr spaßig. Hat was mit Hysterie zu tun und mit Oberflächlichkeit. Ich möchte nicht sehen, dass die Frauen, mit denen ich in der Klinik war, wieder nach Heroin-Chic aussehen. Ich möchte nicht meine Oberschenkel kaschieren müssen, Berührungen nur noch im Dunkeln genießen können. Eigentlich möchte ich mir wehtun, aber meine Eitelkeit ist stärker (Narben kommen einfach Scheiße im Sommer). Gibt es etwas demütigenderes als nicht gesehen zu werden?
Ja, es geht immer noch demütigender! Vor dem Kaufhof laufe ich T.s Exfrau inklusive Sohnemann in die Arme. Ich ignoriere sie und schäme mich dafür. Aus dem Augenwinkel versuche ich, ihre Kleidergröße einzuschätzen. Willkommen im Kopfkino einer traurigen Existenz: Nacktbilder von T.s anderer Exfreundin (durchtrainiert, braungebrannt, nasses Haar), Bikinifotos von seiner Exfrau (kurvig, Sonnenbrand, enorme Oberweite), meine Wenigkeit hingegossen auf seinem Bett (milchig-weiße Haut, zerstrubbelte kurze Haare, blau-gefleckte Brüste und frisch vernarbte Unterarme) und in unserem Flur-Spiegel vor zwei Jahren (Knochen, Knochen, glühende Augen, endlose Beine und Schatten und Knochen). Verdammte Scheiße.
Gibt es etwas demütigenderes als das Wissen, wer man sein könnte, hätte man die Kraft dazu? Wer man war und wie man sich geschämt hat? Wie man sich hat benutzen lassen? Wie man gelogen hat?
Ich senke den Blick und stolpere zur Bushaltestelle, höre Portishead ("Did you really want? Did you really want?"). Auf Toffifee folgen Käsespätzle, auf Weinen folgt Wut, auf Bilder folgt Leere, vier Zigaretten. Einsamkeit ist nicht unbedingt die Abwesenheit von Gesellschaft, sie kann auch Reizüberflutung sein, Schritte im Treppenhaus, das Wissen um sechs Milliarden Vollidioten. Einsamkeit in meiner Glasglocke Selbsthass.
Histrionische Persönlichkeitsstörung, sehr spaßig. Hat was mit Hysterie zu tun und mit Oberflächlichkeit. Ich möchte nicht sehen, dass die Frauen, mit denen ich in der Klinik war, wieder nach Heroin-Chic aussehen. Ich möchte nicht meine Oberschenkel kaschieren müssen, Berührungen nur noch im Dunkeln genießen können. Eigentlich möchte ich mir wehtun, aber meine Eitelkeit ist stärker (Narben kommen einfach Scheiße im Sommer). Gibt es etwas demütigenderes als nicht gesehen zu werden?
Dienstag, 11. Juni 2013
Wo?
Bloß aufpassen -
dass das Glas Cuvée nicht kippt und meinen weißen Teppich in einen hässlichen Tatort verwandelt.
Bloß die Bässe laut genug aufdrehen, dicke Kopfhörer -
"In deinem Bett bin ich sicher vor den Klippen der Welt -
Meine Rebellion ist an deinen Lippen zerschellt -
Du bist der Abspann vom Film und ich sitze noch da".
Bloß die Contenance wahren.
Eigentlich geht das ganz gut, ich bin transzendent, werde ruhiger und wärmer.
Meine Augen tränen ein bisschen -
vielleicht vom beißenden Rauch -
vielleicht von den Bildern auf "A Softer World".
Es fühlt sich nur so gut an -
dass es wehtut (und die Sehnsucht nicht abreißt).
Mein Kopf ist Brei -
wäre er auch ohne Wein, ich kann kaum einen Satz zuende bringen -
geschweige denn einen sinnvollen.
Ich melde mich wieder, wenn ich es verorten kann.
Wichtige Neuerung: "I Wanna Be Adored" ist Vergangenheit. Das war unser Lied. Es gibt dieses uns nicht mehr und ich möchte nicht durch meinen Blog an T. erinnert werden. Neuer Arbeitstitel: "New Dawn Fades", weil es wohl der Song meines Lebens bleiben wird:
A change of speed, a change of style.
A change of scene, with no regrets,
A chance to watch, admire the distance,
Still occupied, though you forget.
Different colours, different shades,
Over each mistakes were made.
I took the blame.
Directionless so plain to see,
A loaded gun won't set you free.
So you say.
We'll share a drink and step outside,
An angry voice and one who cried,
'we'll give you everything and more,
The strain's too much, can't take much more.'
Oh, I've walked on water, run through fire,
Can't seem to feel it anymore.
It was me, waiting for me,
Hoping for something more,
Me, seeing me this time, hoping for something else.
dass das Glas Cuvée nicht kippt und meinen weißen Teppich in einen hässlichen Tatort verwandelt.
Bloß die Bässe laut genug aufdrehen, dicke Kopfhörer -
"In deinem Bett bin ich sicher vor den Klippen der Welt -
Meine Rebellion ist an deinen Lippen zerschellt -
Du bist der Abspann vom Film und ich sitze noch da".
Bloß die Contenance wahren.
Eigentlich geht das ganz gut, ich bin transzendent, werde ruhiger und wärmer.
Meine Augen tränen ein bisschen -
vielleicht vom beißenden Rauch -
vielleicht von den Bildern auf "A Softer World".
Es fühlt sich nur so gut an -
dass es wehtut (und die Sehnsucht nicht abreißt).
Mein Kopf ist Brei -
wäre er auch ohne Wein, ich kann kaum einen Satz zuende bringen -
geschweige denn einen sinnvollen.
Ich melde mich wieder, wenn ich es verorten kann.
Wichtige Neuerung: "I Wanna Be Adored" ist Vergangenheit. Das war unser Lied. Es gibt dieses uns nicht mehr und ich möchte nicht durch meinen Blog an T. erinnert werden. Neuer Arbeitstitel: "New Dawn Fades", weil es wohl der Song meines Lebens bleiben wird:
A change of speed, a change of style.
A change of scene, with no regrets,
A chance to watch, admire the distance,
Still occupied, though you forget.
Different colours, different shades,
Over each mistakes were made.
I took the blame.
Directionless so plain to see,
A loaded gun won't set you free.
So you say.
We'll share a drink and step outside,
An angry voice and one who cried,
'we'll give you everything and more,
The strain's too much, can't take much more.'
Oh, I've walked on water, run through fire,
Can't seem to feel it anymore.
It was me, waiting for me,
Hoping for something more,
Me, seeing me this time, hoping for something else.
Samstag, 8. Juni 2013
Passive Agressive.
Autosuggestiv The Stone Roses hören bringt's wirklich. Es ist immer noch ekelhaft warm (ich bin wirklich ein Winter-Mensch), ich bin immer noch die vollgefressene, unförmige, ungeduschte, unausgelastete, asexuelle, wehleidige Ausgabe meiner Selbst, aber es geht. Irgendwie. Besser als gestern.
Der Gedanke alles hinzuschmeißen, heute Nacht noch präsent, ist wieder abgetaucht. Irgenwie gewöhnt man sich daran, dass die Schübe kommen und gehen, sinuskurvenförmig Ping-Pong mit meinem Lebensmut und meiner geistigen Verfassung spielen. Abwarten und Kaffee trinken - Selbstwirksamkeit ist was anderes, Eigenverantwortung auch.
Vorgestern: Frau L. fragt mich, warum ich zu allem "Ja und Amen" sage. Ich muss passen, spiele mit Lulus Uhr an meinem Handgelenk und halte Tränen zurück. Sie mustert mich lange und wartet. "Wissen Sie, wenn ich könnte, würde ich wahnsinnig gerne allen mal meine Meinung sagen, unzensiert." - "Wer sind alle?" - "Alle eben." - "Und was würden Sie sagen?" - "Was ich wirklich denke." - "Was hält Sie denn davon ab? Glauben Sie, Ihr Umfeld könnte Ihre Agression nicht aushalten?"
Jackpot, Sie haben es erfasst. Ich glaube, dass meine wahre, bedürftige, verletzliche, zickig-launische, lustlose, unendlich wütende, großspurige, habgierige, dümmliche, eifersüchtige, dramatische, suizidale, nervtötende, emotional in vielerlei Hinsicht traumatisierte, hungrige, polternde, winzig kleine, unstete Persönlichkeit niemand, wirklich niemand ertragen könnte. Deswegen schlucke ich lieber. Alles. "Ich schlucke alles, wissen Sie?!", ich werde laut und reiße die Augen auf.
Frau L. ist ganz ruhig. "Ihr Problem ist, dass Sie nur diese eine Sicht auf Sie selbst zulassen. Sie denken, jeder würde Sie verurteilen und Sie exakt so negativ einschätzen, wie Sie selbst es tun. Sie wollen ja auch nichts anderes hören, Komplimente sind Lügen, Nettigkeiten sind eigennützig, Sie ertragen weder Umarmungen noch Zuspruch. Wer Ihnen sagt, dass er an Sie glaubt, setzt Sie unter Druck. Sie lassen niemanden an sich."
"Im Gegenteil, ich lasse viel zu viel viel zu nah an mich." - "Das ist kein Widerspruch. Aber Ihre Beziehungen sind einseitig, solange Sie Ihr Selbstbild verteidigen." - "Das ist Selbstschutz." - "Ich weiß. Aber wovor schützen Sie sich? Was sollte ich Ihnen schlimmes antun?" - "Sie könnten über mich triumphieren, mich manipulieren, mir meine Kritikfähigkeit nehmen..." Sie schüttelt den Kopf.
Ich erzähle ihr von meinen Fressgelagen und dass ich Schwierigkeiten habe, das Haus zu verlassen. Ich jammere. Ich heule rum, dass ich nicht kotzen kann, "...nur neulich, wissen Sie, da habe ich meinen Kotzpunkt gefunden, glaube ich. Beim Oralsex. Seitdem denke ich, wenn ich nur lange und tief genug in meiner Kehle bohre, müsste ich es doch schaffen... Denke ständig daran, ein Ass im Ärmel." Ich schildere grausame Träume von inzestuöisen Vergewaltigungen durch meine Mutter, taste mich durch Kindheitserinnerungen (Wie ich meinen Vater beim Masturbieren erwischte - Teil 1-4, Wie meine betrunkenen Eltern alle Hemmungen verloren - das Archiv, ect). Am Ende der Sitzung schlage ich meine Schienbeine, um mich wieder zu spüren. Wütend bin ich und stumm.
Der Gedanke alles hinzuschmeißen, heute Nacht noch präsent, ist wieder abgetaucht. Irgenwie gewöhnt man sich daran, dass die Schübe kommen und gehen, sinuskurvenförmig Ping-Pong mit meinem Lebensmut und meiner geistigen Verfassung spielen. Abwarten und Kaffee trinken - Selbstwirksamkeit ist was anderes, Eigenverantwortung auch.
Vorgestern: Frau L. fragt mich, warum ich zu allem "Ja und Amen" sage. Ich muss passen, spiele mit Lulus Uhr an meinem Handgelenk und halte Tränen zurück. Sie mustert mich lange und wartet. "Wissen Sie, wenn ich könnte, würde ich wahnsinnig gerne allen mal meine Meinung sagen, unzensiert." - "Wer sind alle?" - "Alle eben." - "Und was würden Sie sagen?" - "Was ich wirklich denke." - "Was hält Sie denn davon ab? Glauben Sie, Ihr Umfeld könnte Ihre Agression nicht aushalten?"
Jackpot, Sie haben es erfasst. Ich glaube, dass meine wahre, bedürftige, verletzliche, zickig-launische, lustlose, unendlich wütende, großspurige, habgierige, dümmliche, eifersüchtige, dramatische, suizidale, nervtötende, emotional in vielerlei Hinsicht traumatisierte, hungrige, polternde, winzig kleine, unstete Persönlichkeit niemand, wirklich niemand ertragen könnte. Deswegen schlucke ich lieber. Alles. "Ich schlucke alles, wissen Sie?!", ich werde laut und reiße die Augen auf.
Frau L. ist ganz ruhig. "Ihr Problem ist, dass Sie nur diese eine Sicht auf Sie selbst zulassen. Sie denken, jeder würde Sie verurteilen und Sie exakt so negativ einschätzen, wie Sie selbst es tun. Sie wollen ja auch nichts anderes hören, Komplimente sind Lügen, Nettigkeiten sind eigennützig, Sie ertragen weder Umarmungen noch Zuspruch. Wer Ihnen sagt, dass er an Sie glaubt, setzt Sie unter Druck. Sie lassen niemanden an sich."
"Im Gegenteil, ich lasse viel zu viel viel zu nah an mich." - "Das ist kein Widerspruch. Aber Ihre Beziehungen sind einseitig, solange Sie Ihr Selbstbild verteidigen." - "Das ist Selbstschutz." - "Ich weiß. Aber wovor schützen Sie sich? Was sollte ich Ihnen schlimmes antun?" - "Sie könnten über mich triumphieren, mich manipulieren, mir meine Kritikfähigkeit nehmen..." Sie schüttelt den Kopf.
Ich erzähle ihr von meinen Fressgelagen und dass ich Schwierigkeiten habe, das Haus zu verlassen. Ich jammere. Ich heule rum, dass ich nicht kotzen kann, "...nur neulich, wissen Sie, da habe ich meinen Kotzpunkt gefunden, glaube ich. Beim Oralsex. Seitdem denke ich, wenn ich nur lange und tief genug in meiner Kehle bohre, müsste ich es doch schaffen... Denke ständig daran, ein Ass im Ärmel." Ich schildere grausame Träume von inzestuöisen Vergewaltigungen durch meine Mutter, taste mich durch Kindheitserinnerungen (Wie ich meinen Vater beim Masturbieren erwischte - Teil 1-4, Wie meine betrunkenen Eltern alle Hemmungen verloren - das Archiv, ect). Am Ende der Sitzung schlage ich meine Schienbeine, um mich wieder zu spüren. Wütend bin ich und stumm.
Mittwoch, 29. Mai 2013
Doch.
In you I see dirty
In you I count stars
In you I feel so pretty
In you I taste god
In you I feel so hungry
In you I crash cars
We must never be apart-
(Smashing Pumpking - Ava Adore)
Es ist großartig und schauerhaft und warm. Alles leuchtet, der Regen und die Netzhaut. Ich schlafe tagsüber, wühle mich durch spinnenhafte Träume und halbseidene Gespräche mit meiner Schwester ("Danke für den Tabak"); ich fahre in Zeitlupe mit meiner Mutter zur Therapie und lasse in den Sitzungen Seifenblasen aufsteigen und bersten, nicht ohne Tränen zu vergießen und unvermittelt breit zu grinsen.
In der Uni, Gasthören in Pennys wirtschaftsgeographischer Vorlesung über Innovation und Invention, vermale ich unleserlich krakelige Buchstabenkombinationen zu Sinnzusammenhängen und genieße das Kribbeln im Gehirn - wie schön Lernen doch sein kann, wie befriedigend Studieren sein muss. Wir fahren zurück, Kaffee auf ihrem Sonnenbalkon, und assoziieren einen halben Tag lang. Ich bin sehr glücklich, sie nun in meinem Leben zu wissen, kann auf ihre klugen Beobachtungen und ihr lautes Lachen bauen, wir helfen einander. Die Angst, dass binnen eines Wimpernschlages zwischenmenschliche Kartenhäuser laut krachend in sich zusammenfallen könnten - sie ist versiegt. Menschen sind keine Karten mehr, sondern Grashalme im Wind.
Stunden später liege ich auf Lennards Schulter und fühle mich frei. Das metallene Band um meine Brust ist gelockert, der Atmen fließt wie seine Stimme in die Nacht. "Wie geht es dir jetzt?", fragt er vorsichtig. "Ich bin so erfüllt von dem Gefühl, erkannt zu werden und gleichzeitig zu begreifen, mich und dich und uns. Unendlich glücklich, das bin ich". Ich drehe mich zur Balkontür und spüre seinen Atem in meinem Nacken, seinen Körper in meinem Rücken. Erschaudern, zittriges, stolperndes Herz, fast schon zu viel der Nähe, so unerträglich klar ist der Moment. In meinem Kopf ein Wirbel von Farben und Eindrücken und die Erfahrung seiner Hände auf meiner Haut. Es kann ungemein verbindend sein, Sex mit dem Gehirn zu haben.
Die Zeit schlendert und bleibt hin und wieder stehen, so ergiebig und wohlwollend wie sie es nur in diesen magischen Nächten tut. Irgendwann ergreift der Körper das Wort und kommuniziert jene Phänomene, die mit Sprache allein nicht zu erfassen sind: Nervenenden, Elektrizität, extatische Zuckungen, das Rascheln der Laken, hedonistisches Ultimatum.
Heute morgen dann registriere ich, dass es mich trägt.
In you I count stars
In you I feel so pretty
In you I taste god
In you I feel so hungry
In you I crash cars
We must never be apart-
(Smashing Pumpking - Ava Adore)
Es ist großartig und schauerhaft und warm. Alles leuchtet, der Regen und die Netzhaut. Ich schlafe tagsüber, wühle mich durch spinnenhafte Träume und halbseidene Gespräche mit meiner Schwester ("Danke für den Tabak"); ich fahre in Zeitlupe mit meiner Mutter zur Therapie und lasse in den Sitzungen Seifenblasen aufsteigen und bersten, nicht ohne Tränen zu vergießen und unvermittelt breit zu grinsen.
In der Uni, Gasthören in Pennys wirtschaftsgeographischer Vorlesung über Innovation und Invention, vermale ich unleserlich krakelige Buchstabenkombinationen zu Sinnzusammenhängen und genieße das Kribbeln im Gehirn - wie schön Lernen doch sein kann, wie befriedigend Studieren sein muss. Wir fahren zurück, Kaffee auf ihrem Sonnenbalkon, und assoziieren einen halben Tag lang. Ich bin sehr glücklich, sie nun in meinem Leben zu wissen, kann auf ihre klugen Beobachtungen und ihr lautes Lachen bauen, wir helfen einander. Die Angst, dass binnen eines Wimpernschlages zwischenmenschliche Kartenhäuser laut krachend in sich zusammenfallen könnten - sie ist versiegt. Menschen sind keine Karten mehr, sondern Grashalme im Wind.
Stunden später liege ich auf Lennards Schulter und fühle mich frei. Das metallene Band um meine Brust ist gelockert, der Atmen fließt wie seine Stimme in die Nacht. "Wie geht es dir jetzt?", fragt er vorsichtig. "Ich bin so erfüllt von dem Gefühl, erkannt zu werden und gleichzeitig zu begreifen, mich und dich und uns. Unendlich glücklich, das bin ich". Ich drehe mich zur Balkontür und spüre seinen Atem in meinem Nacken, seinen Körper in meinem Rücken. Erschaudern, zittriges, stolperndes Herz, fast schon zu viel der Nähe, so unerträglich klar ist der Moment. In meinem Kopf ein Wirbel von Farben und Eindrücken und die Erfahrung seiner Hände auf meiner Haut. Es kann ungemein verbindend sein, Sex mit dem Gehirn zu haben.
Die Zeit schlendert und bleibt hin und wieder stehen, so ergiebig und wohlwollend wie sie es nur in diesen magischen Nächten tut. Irgendwann ergreift der Körper das Wort und kommuniziert jene Phänomene, die mit Sprache allein nicht zu erfassen sind: Nervenenden, Elektrizität, extatische Zuckungen, das Rascheln der Laken, hedonistisches Ultimatum.
Heute morgen dann registriere ich, dass es mich trägt.
Samstag, 25. Mai 2013
Montag, 13. Mai 2013
"Und sind wir umstellt von unserem Scheitern, dann bauen wir auf Räuberleitern."
Der Druck fällt, Brust schwingt wieder federleicht,
kein Monster mehr, das aus dem Nebel steigt,
mehr Monster werden kommen, doch sie kommen
erst mit dem Dunst raus am Abend.
- Und sollen sie doch kommen, denn wenn sie komm’,
werd’ ich alle erschlagen.
(Prinz Pi - Unser Platz)
Abgesehen von den obligatorischen Geldsorgen geht es mir wirklich gut. Amen.
Zusammenfassung der letzten fünf Tage in Stichworten: Aufbäumen der anorektischen Gedanken in der Therapie - Fressgelage extrem - Sehnsucht - spontaner Nachmittag mit Penny auf ihrem Balkon - interpersonelle Konflikte dekonstruieren - Bowling mit den Leuten ihres Freundes - Vorstellungsgespräch am Samstagvormittag bei einer Nachhilfeschule um die Ecke - wunderschön entspannter Nachmittag mit Lennard inklusive ernstem und aufrichtigem "Beziehungsgespräch" - Spieleabend zu viert ("Das Spiel dauert neunzig Minuten und am Ende gewinnt immer Penny") - zwei professionell gebaute Joints um halb zwei Uhr morgens - die Musik unserer Eltern und endlose Lachflashs - der beste Sex meines bisherigen Lebens - unterbrochen von einem plötzlichen Übelkeitsanfall seinerseits (ich dachte, so etwas passiert nur in Filmen) - Zigarette nackt auf dem Balkon - Sorge - Besserung - gemeinsames, zugedröhntes Einschlafen - gemeinsames, zugedröhnt-verkatertes Aufstehen um halb neun morgens - Knack-und-Back-Brötchen mit Erdnussbutter und Marmelade - Sims-City-Let's-Play schauen und im gleichen Rhytmus atmen - übereinander herfallen - vollends erfüllt und high ins Auto meiner Mutter springen und zu meinem Opa fahren - unterwegs mit Lulu deutschen Hip-Hop hören (Käptn Peng, Prinz Pi, Casper) - Opa aufpicken und zusammen essen gehen - in einer wunderschönen Altstadt im Odenwald das einzige und ekelhafte vegetarische Gericht bestellen (zerkochtes, ungesalzenes Gemüse mit Sauce Hollandaise) - das "Grab" meiner Oma besuchen, welches eigentlich ein Baum ist, vor dem ihre Urne vergraben wurde - Kakao trinken und durch den Wald tanzen - eine Kinderschaukel, losgelöstes Lachen, Erinnerungen leben, Glück - auf der Rückfahrt im Auto Radiohead hören und einschlafen - zu Hause weiterpennen - die Nacht mit klugen Texten, wilden Theorien und Pornos verbringen - Montagfrüh mit Lulu Kaffee trinken - Fitnesstudio: 1000 kcal verbrennen - philosophische Texte im Bus lesen - zärtliche SMS mit Lennard austauschen - die Sparkasse hassen, welche mein Geld zurückhält - von Mama Strumpfhosen gekauft bekommen - für Lulu vegane Zucchini-Spaghettie-Carbonara kochen - mit ihm am Telefon Alltagsgeschichten austauschen und verliebt sein in eine dunkle Stimme Ohr Herz und Kopf - die Glotze anmachen und den Tag mit kritischen Dokus und Frank Plasberg ausklingen lassen
Ich sitze hier seit einer Stunde in Lulus tollsten Mantel gehüllt (Raucherzimmer wollen gut gelüftet sein) und pulsiere vor Lebenswut. Im positivsten Sinne. Lernen, Abnehmen, Arbeiten, unter Menschen sein statt unter Geistern.
Dienstag, 7. Mai 2013
But that's what happens when it's you who's standing in the path of a ligthning bolt.
Ich bin so unendlich.
Der Tag ist grau, die Luft frisch gewaschen und die Zukunft verheißungsvoll. Lass es einfach so weitergehen, so wie heute, gestern und die Tage davor, immer weiter.
Morning, it's another pure grey morning
Don't know what the day is holding
When I get uptight
And I walk right into the path of a lightning bolt...
Don't know what the day is holding
When I get uptight
And I walk right into the path of a lightning bolt...
Chances, people tell you not to take chances
When they tell you there aren't any answers
And I was starting to agree
But I awoke suddenly in the path of a lightning bolt
Fortune, people talking all about fortune
Do you make it or does it just call you.
In the blinking of an eye
Just another passerby in the path of a lightning bolt
Everyone I see just wants to walk with gritted teeth
But I just stand by and I wait my time
They say you gotta tow the line they want the water not the wine
But when I see the signs I jump on that lightning bolt
When they tell you there aren't any answers
And I was starting to agree
But I awoke suddenly in the path of a lightning bolt
Fortune, people talking all about fortune
Do you make it or does it just call you.
In the blinking of an eye
Just another passerby in the path of a lightning bolt
Everyone I see just wants to walk with gritted teeth
But I just stand by and I wait my time
They say you gotta tow the line they want the water not the wine
But when I see the signs I jump on that lightning bolt
Samstag, 4. Mai 2013
#Staub wischen mit Yoko.
Am Mittwoch habe ich T. gesehen und meine letzten Sachen von ihm geholt: Unterhosen, ein paar Zeitschriften, ein altes Duschgel mit Kakaobutter, jede verfickte Postkarte die ich ihm je geschrieben habe, jeder Liebesbrief, sogar die Neil Young-CD die er von mir zu Weihnachten bekommen hat - er stellt eine gelbe Aldi-Tüte auf den Asphalt zwischen uns und schweigt ungläubig. Vollkommen betrunken sind seine grünen Augen merkwürdig glasig und hell, die Pupillen winzig und unruhig zuckend. Seine Stimme bricht, als er mir ein letztes Mal nachläuft und meinen Namen brüllt: Phoebe! Das kann nicht das letzte Mal gewesen sein! Ich brauche dich! Ich liebe dich und werde dich immer lieben! Stirb!
Ich gehe für immer.
Jetzt liege ich hier, ein dickes Walross voll mit indischem Essen und Schokolade, und kann mir selbst nicht erklären, wie ich ihn geliebt habe. Ich kann es fühlen, aber nicht rechtfertigen. Ich lese seine letzten SMS, die noch nicht blockiert wurden: Schrate sind Freunde der Honigbienen und der Haselmäuse. Dieser Punkt ist der Fleck auf deinem Zeh. Vergiss die Schrate, ich liebe dich.
Bedeuten diese Worte irgendetwas für irgendjemanden? Außer uns? Außer dem Muttermal am Fuß, dem Sommer in seinem alten Garten, bevor alles schlecht wurde was uns geschmeckt hatte?
Der Bruch ist so tief, dass wir nicht einmal die selbe Sprache sprechen konnten. Mittwoch. Unheimlich, wie weit entfernt er schien, wie seine Worte an mir vorbeirauschten ohne mich auch nur zu streifen - es war nur sein Anblick, der bedeutete und schmerzte. Ich sagte ihm, wir könnten keine Freunde sein. Er hörte nicht zu. Drehte ungelenkt eine Zigarette, versuchte mich zu küssen. Ich schrie ihn an. Er wich aus, die Augen so ekelhaft verschleiert und grell, versuchte wieder und wieder, mich an sich zu ziehen. Ich konnte seinen Körper riechen unter all dem Schnaps und floh.
Ich gehe für immer, T.
Wie leistet man Trauerarbeit? Vielleicht ist man Yoko Ono und bastelt ein Video aus golden-verstaubten Vintage-Erinnerungen, singt "Walking on thin ice, I'm paying the price for throwing the dice in the air".
Vielleicht verdrängt man. Vielleicht liebt man heimlich weiter, obwohl der andere schon längst den seelischen Aggregatzustand von Staub erreicht hat. Vielleicht hasst man auch, ihn, sich. Ich?
Ich verliebe mich.
Ich verliebe mich und kann förmlich dabei zusehen, wie Farben auf der inneren Leinwand und Wortfelder der Zweisamkeit durch neue, andere, schönere, leichtere, nicht weniger komplizierte ersetzt werden.
Ist das, was darunter war, dann weg?
Ist das, was darüber kommt, dann falsch? Ist es Flucht oder Fluch oder die Wirklichkeit, die mich ereilt?
Ich bin verflucht glücklich und alles andere als abgebrüht. Ich bin hochgradig nervös und neurotisch, fresse mir zwanghaft Kilo um Kilo auf die Rippen, als müsste ich mich dafür bestrafen.
Derart lebendig zu sein, mit solcher Intensität hingerissen zu werden, überfordert die geprügelte, geschändete Hülle. Ich häute mich und kann mich doch nicht abstreifen, die Schande bleibt (geschändet), die Zerrissenheit (zerrissen) und die Angst (gekauft, getrieben, getötet) lassen sich nicht von einer Battaillon rosa-glitzernder Schmetterlinge in Schach halten.
Es ist bestimmt richtig, dass wir uns die Zeit geben: "Es macht mich einfach glücklich."
Lennard lächelt, "Mich auch. Und das reicht doch für den Moment". Das ist keine Frage und keine Aufforderung, es ist eine Tatsache, versuche ich ihm zu glauben und zuversichtlich zu sein, was ich bin. Er wendet das Auto, ich krame nach dem Schlüssel, er winkt mit der freien Hand und ruft - Cherie!
Ich muss lachen und krabbele die Treppen zu unserer Wohnung hoch, im Kopf noch immer abstrus-assoziative Beat-Gedichte spinnend, die wir bei offenen Fenstern in den Nachthimmel gebrüllt hatten. Santana hören, irre lachen, zusammenhanglose Bilder finden, du bist Ginsberg, ich bin ein Gordischer Knoten mit wehendem Haar. Du bist neugierig und ich schreie, weil die Kurve zu scharf ist. Wir nehmen Ebenen ein mit Zen-Gelassenheit und Humor.
Ich verliebe mich und gleichzeitig trauere ich, und das widerspricht sich in keinster Weise.
Ich kann implodieren und rennen und bekennen und das Glück zelebrieren.
Wenn wir alles aussprechen, kann alles. Wenn wir aufrichtig sind und respektvoll, was riskieren wir denn?
Ich gehe für immer.
Jetzt liege ich hier, ein dickes Walross voll mit indischem Essen und Schokolade, und kann mir selbst nicht erklären, wie ich ihn geliebt habe. Ich kann es fühlen, aber nicht rechtfertigen. Ich lese seine letzten SMS, die noch nicht blockiert wurden: Schrate sind Freunde der Honigbienen und der Haselmäuse. Dieser Punkt ist der Fleck auf deinem Zeh. Vergiss die Schrate, ich liebe dich.
Bedeuten diese Worte irgendetwas für irgendjemanden? Außer uns? Außer dem Muttermal am Fuß, dem Sommer in seinem alten Garten, bevor alles schlecht wurde was uns geschmeckt hatte?
Der Bruch ist so tief, dass wir nicht einmal die selbe Sprache sprechen konnten. Mittwoch. Unheimlich, wie weit entfernt er schien, wie seine Worte an mir vorbeirauschten ohne mich auch nur zu streifen - es war nur sein Anblick, der bedeutete und schmerzte. Ich sagte ihm, wir könnten keine Freunde sein. Er hörte nicht zu. Drehte ungelenkt eine Zigarette, versuchte mich zu küssen. Ich schrie ihn an. Er wich aus, die Augen so ekelhaft verschleiert und grell, versuchte wieder und wieder, mich an sich zu ziehen. Ich konnte seinen Körper riechen unter all dem Schnaps und floh.
Ich gehe für immer, T.
Wie leistet man Trauerarbeit? Vielleicht ist man Yoko Ono und bastelt ein Video aus golden-verstaubten Vintage-Erinnerungen, singt "Walking on thin ice, I'm paying the price for throwing the dice in the air".
Vielleicht verdrängt man. Vielleicht liebt man heimlich weiter, obwohl der andere schon längst den seelischen Aggregatzustand von Staub erreicht hat. Vielleicht hasst man auch, ihn, sich. Ich?
Ich verliebe mich.
Ich verliebe mich und kann förmlich dabei zusehen, wie Farben auf der inneren Leinwand und Wortfelder der Zweisamkeit durch neue, andere, schönere, leichtere, nicht weniger komplizierte ersetzt werden.
Ist das, was darunter war, dann weg?
Ist das, was darüber kommt, dann falsch? Ist es Flucht oder Fluch oder die Wirklichkeit, die mich ereilt?
Ich bin verflucht glücklich und alles andere als abgebrüht. Ich bin hochgradig nervös und neurotisch, fresse mir zwanghaft Kilo um Kilo auf die Rippen, als müsste ich mich dafür bestrafen.
Derart lebendig zu sein, mit solcher Intensität hingerissen zu werden, überfordert die geprügelte, geschändete Hülle. Ich häute mich und kann mich doch nicht abstreifen, die Schande bleibt (geschändet), die Zerrissenheit (zerrissen) und die Angst (gekauft, getrieben, getötet) lassen sich nicht von einer Battaillon rosa-glitzernder Schmetterlinge in Schach halten.
Es ist bestimmt richtig, dass wir uns die Zeit geben: "Es macht mich einfach glücklich."
Lennard lächelt, "Mich auch. Und das reicht doch für den Moment". Das ist keine Frage und keine Aufforderung, es ist eine Tatsache, versuche ich ihm zu glauben und zuversichtlich zu sein, was ich bin. Er wendet das Auto, ich krame nach dem Schlüssel, er winkt mit der freien Hand und ruft - Cherie!
Ich muss lachen und krabbele die Treppen zu unserer Wohnung hoch, im Kopf noch immer abstrus-assoziative Beat-Gedichte spinnend, die wir bei offenen Fenstern in den Nachthimmel gebrüllt hatten. Santana hören, irre lachen, zusammenhanglose Bilder finden, du bist Ginsberg, ich bin ein Gordischer Knoten mit wehendem Haar. Du bist neugierig und ich schreie, weil die Kurve zu scharf ist. Wir nehmen Ebenen ein mit Zen-Gelassenheit und Humor.
Ich verliebe mich und gleichzeitig trauere ich, und das widerspricht sich in keinster Weise.
Ich kann implodieren und rennen und bekennen und das Glück zelebrieren.
Wenn wir alles aussprechen, kann alles. Wenn wir aufrichtig sind und respektvoll, was riskieren wir denn?
Sonntag, 28. April 2013
Memo an mich selbst:
"Mir geht es auch ganz gut, ich ärgere mich nur wegen der Wimperntusche.
Habe ein paar schöne Ballett-Filme gesehen und ordentlich Kaffee gesoffen, morgen geht's zum Sport und... ich bin denke ich dabei, mit meinem "Leben" besser klar zu kommen. Allein der Gedanke, ihn umstimmen zu wollen bzgl Treffen heute, weil meine Eltern um halb fünf angefangen haben Wein zu trinken (und mir das exrtrem auf die Nüsse geht), ist idiotisch. Ich will doch nur flüchten. Weg von hier, in einen Menschen hinein, was auch immer. Spreche mir gut zu: Du hälst das / dich jetzt mal aus und machst das beste daraus. Konfrontation und so. Wird schon wieder. Wird gut!"
Habe ein paar schöne Ballett-Filme gesehen und ordentlich Kaffee gesoffen, morgen geht's zum Sport und... ich bin denke ich dabei, mit meinem "Leben" besser klar zu kommen. Allein der Gedanke, ihn umstimmen zu wollen bzgl Treffen heute, weil meine Eltern um halb fünf angefangen haben Wein zu trinken (und mir das exrtrem auf die Nüsse geht), ist idiotisch. Ich will doch nur flüchten. Weg von hier, in einen Menschen hinein, was auch immer. Spreche mir gut zu: Du hälst das / dich jetzt mal aus und machst das beste daraus. Konfrontation und so. Wird schon wieder. Wird gut!"
| Nick Cave and The Bad Seeds - Push The Sky Away |
| Daughter - Get Lucky |
| The xx - Stars |
| Interpol - Pioneer To The Falls |
Manchmal...
Manchmal wird Ausharren belohnt, manchmal harrt die Lösung drei Straßenecken weiter, manchmal lohnt der Sprung in den Tag ohne Licht.
Manchmal sieht man einen Film und erkennt sein ganzes verrücktes Leben, Identität und Sehnsucht und Vergangenheit, in einer einzigen, blau ausgeleuchteten Bettszene.
Manchmal weint man und lacht und produziert Schlieren mausgrauen Rauches und starrt auf den Bildschirm, erkennt, begreift, verknüpft, erleichtert.
Manchmal ist es leicht, sich nicht zu überessen.
Manchmal reicht die liebevolle Stimme der besten Freundin am Telefon, um Ängsten die Luft zu nehmen, um Zweifel versiegen zu lassen und Vertrauen zu finden in sich selbst.
Manchmal tut es gut, eine Nacht in der Schwebe zu schlafen - Hängematte ohne Hängematte - und dann wieder bedacht zu werden, Tiraden der existenziellen Unlust herunterzuschlucken und sich stattdessen hinzugeben. Manchmal wird es gut. Manchmal braucht man keine Worte, keine Pläne, manchmal ist der Körper ein Sprachrohr und das Herz ein Pfadfinder im Dickicht der unerbetenen Wünsche.
Manchmal genügt man selbst, auch wenn es wacklig und rührend und sumpfig und stürmisch ist.
Manchmal, ich sein.
_______________________________________________________________________________________________
Filmtipp:
Musiktipp: Fyfe Dangerfield - Faster than the setting sun
Kalenderspruch des Tages: Loslassen! Alles wird gut.
Manchmal sieht man einen Film und erkennt sein ganzes verrücktes Leben, Identität und Sehnsucht und Vergangenheit, in einer einzigen, blau ausgeleuchteten Bettszene.
Manchmal weint man und lacht und produziert Schlieren mausgrauen Rauches und starrt auf den Bildschirm, erkennt, begreift, verknüpft, erleichtert.
Manchmal ist es leicht, sich nicht zu überessen.
Manchmal reicht die liebevolle Stimme der besten Freundin am Telefon, um Ängsten die Luft zu nehmen, um Zweifel versiegen zu lassen und Vertrauen zu finden in sich selbst.
Manchmal tut es gut, eine Nacht in der Schwebe zu schlafen - Hängematte ohne Hängematte - und dann wieder bedacht zu werden, Tiraden der existenziellen Unlust herunterzuschlucken und sich stattdessen hinzugeben. Manchmal wird es gut. Manchmal braucht man keine Worte, keine Pläne, manchmal ist der Körper ein Sprachrohr und das Herz ein Pfadfinder im Dickicht der unerbetenen Wünsche.
Manchmal genügt man selbst, auch wenn es wacklig und rührend und sumpfig und stürmisch ist.
Manchmal, ich sein.
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Filmtipp:
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Kalenderspruch des Tages: Loslassen! Alles wird gut.
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