Wenn dein Leben so absurd und verstörend ist, dass du darüber nicht einmal schreiben kannst: I wanna shoot my ego down.
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Montag, 2. September 2013
Nummer fünf und sechs.
Wenn dein Leben so absurd und verstörend ist, dass du darüber nicht einmal schreiben kannst: I wanna shoot my ego down.
Samstag, 10. August 2013
Fragen, die ich mir nach einer Clubnacht stelle.
Vielleicht habe ich ein ernsthaftes Problem, wenn ich andere Männer sexuell anziehend finde. Ich flirte gerne. Ich genieße es, Aufmerkamkeit zu bekommen, zu spielen. Ich erkenne mich kaum wieder. Diese Persönlichkeit trage ich nur beim Tanzen nach außen. Fremde Körper, Nebel, Zigaretten, viel zu viel Alkhol. Mich in diesem langweiligen Club, den ich eigentlich immer meide, heute spontan und komplett ungeschminkt mit Pennys Freund (und in seinem T-Shirt, da ich viel zu warm angezogen gewesen war) zu "Alternative, Partytunes, Indie und Elektro" selbstvergessen bewegen und gleich zweimal angesprochen werden. Meine Haare zwirbeln, frech sein, dreist, lässig, selbstsicher. Und all das nur, weil mir das Gegenüber Komplimente macht?
Der Berliner, dreißig Jahre alt, ziemlich attraktiv in meinen Augen, obwohl er Mist redet (mein Job, meine Exfreundin, meine Fickhäschen, mein Intellekt, meine Ehrlichkeit, meine Männlichkeit) und ich mich im nüchternen Zustand möglicherweise nie auf das Gespräch eingelassen hätte.
So jedoch sitze ich an der Glaswand, die Bässe wärmen meinen Rücken, rauche die Luckies des Berliners und gebe mich schlagfertig und kokett. Erzähle ihm von Lennard, was es offenbar noch reizvoller für ihn macht. Fühle mich unendlich geschmeichelt, fixiere seinen Blick, bis er wegsieht. Beiläufiger Körperkontakt. Ich weiß, wenn ich nicht einen Mann in meinem Leben hätte (oder einen, der mir weniger bedeute), ich würde dieses Spiel bis zum Ende spielen, meine geschworenen Todfeinde Mr Gin und Mr Vodka tragen ihr übriges zur Situation bei. Ich würde diesen fremden Idioten ficken, bis sein schönes Gesicht vor Schweiß glänzt, ich wüsste ihn um den Verstand zu bringen und er mich um den meinen. Was immer er in mir sieht, es berührt meinen Narzissmus und meine Libido. Im Club denke ich den Gedanken nicht zu Ende, im Club bin ich unerträglich selbstsicher und naiv.
Ich frage mich, warum Lennard nicht einfach mitkommen konnte. Es ist so viel schöner, mit ihm zu feiern, ich liebe es, ihn tanzen zu sehen, ich liebe die tiefen Küsse am Rand der Tanzfläche, liebe es, wenn er ausgelassen ist und so viel glücklicher wirkt. Tanzen ist mehr als Sex, es ist aber auch Sex. Oder besser gesagt - die Idee von Sex.
Ich frage mich, was ich empfinden würde, wenn Lennard beim Feiern von einer Frau angesprochen würde und sich darauf einließe, sei es nur ein Gespräch zwischen Zigaretten und Longdrinks, ein Tanz oder zwei, ein durch-die-Haare-streichen, ein paar eindeutige Avancen, die er zu uneindeutig abweisen würde. Eifersüchtig wäre ich und verletzt. Habe ich dazu überhaupt das Recht?
Ich frage mich, warum ich jeden Kerl, den ich irgendwie ansprechend finde, in Gedanken sofort ausziehe und mich mit ihm auf dem Herrenklo, in den Laken, auf dem Rücksitz oder sonstwo vergnüge. Das kann ein Bekannter meiner Eltern sein, der Typ aus dem Club, Pennys Freund, der Kellner, der Kollege. Unter Einfluss von THC sowieso jeder und jede.
Irgendwas stimmt nicht mit mir. "Ich bin nun mal ein sehr sexueller Mensch", habe ich neulich erst zu Penny gesagt. Das Gegenteil von verklemmt. Mein Name steht auf der roten Liste der potentiell Fremdgeh-Gefährdeten, was ich mindestens seit R. weiß. Wo fängt Fremdgehen an? Erst beim Akt an sich? Beim Flirt? Beim Kuss? Messe ich den Geschehnissen von heute Nacht zu viel Bedeutung zu?
Ich überlasse dieses Stück trunkene Pseudo-Prosa mit Frauenzeitschriften-Kolumnen-Touch nun den wacheren Geistern. Also euch. Mir bleibt nur noch die Frage: Bin ich ein Arschloch? zu stellen und mich wieder anzuziehen um zur Arbeit zu gehen, schlafen werde ich jetzt eh nicht mehr können...
Der Berliner, dreißig Jahre alt, ziemlich attraktiv in meinen Augen, obwohl er Mist redet (mein Job, meine Exfreundin, meine Fickhäschen, mein Intellekt, meine Ehrlichkeit, meine Männlichkeit) und ich mich im nüchternen Zustand möglicherweise nie auf das Gespräch eingelassen hätte.
So jedoch sitze ich an der Glaswand, die Bässe wärmen meinen Rücken, rauche die Luckies des Berliners und gebe mich schlagfertig und kokett. Erzähle ihm von Lennard, was es offenbar noch reizvoller für ihn macht. Fühle mich unendlich geschmeichelt, fixiere seinen Blick, bis er wegsieht. Beiläufiger Körperkontakt. Ich weiß, wenn ich nicht einen Mann in meinem Leben hätte (oder einen, der mir weniger bedeute), ich würde dieses Spiel bis zum Ende spielen, meine geschworenen Todfeinde Mr Gin und Mr Vodka tragen ihr übriges zur Situation bei. Ich würde diesen fremden Idioten ficken, bis sein schönes Gesicht vor Schweiß glänzt, ich wüsste ihn um den Verstand zu bringen und er mich um den meinen. Was immer er in mir sieht, es berührt meinen Narzissmus und meine Libido. Im Club denke ich den Gedanken nicht zu Ende, im Club bin ich unerträglich selbstsicher und naiv.
Ich frage mich, warum Lennard nicht einfach mitkommen konnte. Es ist so viel schöner, mit ihm zu feiern, ich liebe es, ihn tanzen zu sehen, ich liebe die tiefen Küsse am Rand der Tanzfläche, liebe es, wenn er ausgelassen ist und so viel glücklicher wirkt. Tanzen ist mehr als Sex, es ist aber auch Sex. Oder besser gesagt - die Idee von Sex.
Ich frage mich, was ich empfinden würde, wenn Lennard beim Feiern von einer Frau angesprochen würde und sich darauf einließe, sei es nur ein Gespräch zwischen Zigaretten und Longdrinks, ein Tanz oder zwei, ein durch-die-Haare-streichen, ein paar eindeutige Avancen, die er zu uneindeutig abweisen würde. Eifersüchtig wäre ich und verletzt. Habe ich dazu überhaupt das Recht?
Ich frage mich, warum ich jeden Kerl, den ich irgendwie ansprechend finde, in Gedanken sofort ausziehe und mich mit ihm auf dem Herrenklo, in den Laken, auf dem Rücksitz oder sonstwo vergnüge. Das kann ein Bekannter meiner Eltern sein, der Typ aus dem Club, Pennys Freund, der Kellner, der Kollege. Unter Einfluss von THC sowieso jeder und jede.
Irgendwas stimmt nicht mit mir. "Ich bin nun mal ein sehr sexueller Mensch", habe ich neulich erst zu Penny gesagt. Das Gegenteil von verklemmt. Mein Name steht auf der roten Liste der potentiell Fremdgeh-Gefährdeten, was ich mindestens seit R. weiß. Wo fängt Fremdgehen an? Erst beim Akt an sich? Beim Flirt? Beim Kuss? Messe ich den Geschehnissen von heute Nacht zu viel Bedeutung zu?
Ich überlasse dieses Stück trunkene Pseudo-Prosa mit Frauenzeitschriften-Kolumnen-Touch nun den wacheren Geistern. Also euch. Mir bleibt nur noch die Frage: Bin ich ein Arschloch? zu stellen und mich wieder anzuziehen um zur Arbeit zu gehen, schlafen werde ich jetzt eh nicht mehr können...
Montag, 5. August 2013
Doppelter Boden in zwei Akten.
Erster Akt.
Wir fahren durch die Allee, der heiße Föhn presst den Geruch von grünen Blättern und heißem Asphalt in unsere Nasen. Mein Helm hat kein Visier und trotz der 50er-Jahre-Sonnenbrille tränen meine Augen ein wenig. Ich umklammere seinen Bauch unter der Motorradjacke und wir rufen uns gegen den Fahrtwind kleine Sätze zu - Hast du den gesehen? - Wahnsinnig schönes Auto! - Wie gut der Wald duftet! - Das fühlt sich wie Urlaub an! - Ich bin so glücklich. - Ich auch. - Ich kann nicht aufhören, zu grinsen.
In dem kleinen Vorort stellen wir unser Gefährt ab und setzen uns auf die Treppe mit Blick auf die Kirche, essen Eis, rauchen und reden über die Zukunft. Lennards Hand sind warm und trocken auf meinem Knie und er küsst meine Schulter.
Wir stellen uns vor, ganz weit weg zu sein. Offenbach bietet so viel Urlaubs-Gefühl an staubigen Sonntagen: ein südfranzösisches Touri-Dorf mit viel Beton, niedlichen Häusern und wilden Blumen. Die hitzigen Weiten von Kansas, als wir die stoppeligen Äcker durchqueren. Die schlecht befestigte Straße durch den Wald, marmoriert von dem Licht, das durch die Blätter fällt: eine kanarische Insel. An einer verkommenen Fabrik vorbeirauschen und die Abgase der Autos riechen schmeckt nach den kroatischen Großstädten.
Wir parken vor der Gaststätte meines Stiefvaters, unsere Gegend könnte mit ihren Fachwerkhäusern und dem spätsommerlichen Charme das Elsaß darstellen, stoplern lachend in den Biergarten. Unter der großen Kastanie falten wir die Hände auf dem Tisch ineinander und halten den Film an. Das bleibt, sage ich, dieser Moment, in einem Rahmen. Du bist so schön, antwortet er. Wir kommen kaum zum Essen, so viel gibt es zu erzählen. Ich bin berührt und spüre, wie meine Augen feucht werden.
- Findest du, dass ich zu verständnisvoll bin?, fragt er.
- Nein, ganz im Gegenteil. Es rührt mich, dass du... Dass wir das können. Dass wir einander wirklich verstehen. Dass wir nichts zu sein vorgeben müssen, dass wir nicht sind.
Ich bin sehr nah am Wasser gebaut im Moment, aber das stört mich nicht. Ich bin sehr ehrlich zu ihm, er findet es nachvollziehbar und nicht weiter beunruhigend, dass ich hin und wieder um T. trauern muss. Er weiß, dass es für mich kein Zurück gibt, und ich weiß es auch, tief in mir drin. Mein Herz ist ganz leicht.
Nach dem Essen spielt uns mein Stiefvater in seinem winzigen Büro Jazz vor. Ich betrachte die beiden, wie sie über Gitarristen reden und über Konzerte. Marmeladenglasmomente im Küchendunst.
Zweiter Akt.
Die letzten Minuten von Ich - Einfach unverbesserlich II. Wir stellen fest, dass es für eine gelungene Hochzeit unbedingt Minions braucht. Und plötzlich, ganz ohne Vorwarnung, schieb sich eine graue Wand in meinen Kopf. Ich bin tausend Lichtjahre von ihm entfernt. Mein Körper und ich trennen uns. Gedankenschnellzüge in Richtung Psychiatrie. Ich zittere. Lennard zieht mich zu sich. Das Beben wird stärker und droht, mich zu zerreißen - das sind die Orte, an die er mir nicht folgen kann, das sind die Abgründe, für die ich kein Verständnis von ihm erwarte. Ich weine auf seiner nackten Brust und atme viel zu schnell, zwischen den Schluchzern formuliere ich zusammenhanglose Erklärungen: Ich fühle mich so hässlich. Ich hasse meinen Körper so sehr dafür, dass er blutet. Ich will keine Frau sein, Lennard, ich will keine fette, von hormonellen Zyklen getriebene Frau sein. Ich will nicht essen müssen, warum muss ich essen? Ich will nicht verhüten müssen, wenn ich dünn wäre wäre ich nicht mehr fruchtbar, alles so viel einfacher. Ich fühle mich so aussätzig und hässlich, schau mich nicht an, bitte, ich hasse mich so sehr, ich glaube ich verliere den Verstand, Lennard, kennst du diesen Moment in dem du die Klippen siehst in deinem Kopf und du weißt dass du springen musst damit alles aufhört ich kann nicht mehr so leben ich will es nicht mehr halt meinen Kopf fest bitte.
Und er hält meinen Kopf fest. Seine Stimme ist ruhig und fest. Sein Mund formt Sätze: Du bist wunderschön, Phoebe, ich sehe dich an und sehe nichts, das in irgendeiner Form hässlich sein könnte. Auch mit achzig Kilo wärst du wunderschön, auch mit fünfzig Kilo. Scheißegal. Du bist es. Du bist hier. Du bist bei Verstand, Darling, ich halte dich, spürst du es? Du hast deine Tage, weil du irgendwann Kinder bekommen möchtest, und das ist etwas Gutes und nichts, weswegen du dich grämen musst. Du bist eine gesunde Frau, Phoebe, und du bist schön, du bist wirklich schön.
Mit jedem beschwichtigenden Wort rege ich mich mehr auf, meine Paranoia verbietet mir, auch nur eine Silbe zu glauben. Ich wende mich ab. Alleine auf dem Balkon blase ich Rauch in die türkisfarbene Nacht und schüttele mich vor Ekel und Trauer und Fremde. Ich will meine Haut abstreifen, ein neues Gesicht angenäht bekommen, eines ohne Makel. Ich will jedes Gramm Fett an meinem Körper mit bloßen Händen und einem scharfen Skalpell von den Knochen schneiden. Ich will meine Gebärmutter im Biomüll entsorgen und meinen wiedergeborenen Körper 2.0 vierundzwanzig Stunden durchficken lassen, bis er schlaff auf den Dielen zusammensinkt, wund und betstätigt und geheilt von heiligen Händen und Schwänzen. Ich schlage mir gegen die Schläfen.
Ich bin nackt unter meinem kurzen blauen Kleid und ich werde bluten und ich werde essen und ich werde immer diese dialektische Distanz zu dem Menschen haben, den ich liebe. Meine Augen sind rot im Badezimmerspiegel, meine Haare sehen furchtbar aus. Ich habe einen Pickel auf der Stirn, ich weiß dass er das sieht und den ganzen Tag schon gesehen hat und kotze mir ins Gesicht. Hässlich, hässlich, hässlich. Lennard wartet im Bett auf mich. Ich gehe da jetzt hin und höre auf, zu heulen. Klappt nicht. Als ich seine Silhouette in Mondlicht warten sehe, schießen wieder Sturzbäche aus meinen Augen.
Das Leben ist ambivalent.
- Der Tag war so schön und ich werde ihn so in Erinnerung behalten, auch wenn es dir jetzt sehr schlecht geht. Du bist immer noch die Frau, der ich mein Herz schenke, auch wenn du zweifelst und Schwäche zeigst und nicht sehen kannst, was ich sehe, wenn ich dich anschaue.
Ich streife mir den Stoff von der Haut, mit dem Rücken zu ihm, damit er mein hässliches Gesicht nicht sehen kann das seine Behauptung lügen straft. Er umfasst meine Taille und streichelt mich, bis die Tränen abebben. Irgendwann zuckt er und schläft ein. Ich liege noch vier Stunden wach und versuche, den Wahnsinn in mir geräuschlos aufzudröseln.
Wir fahren durch die Allee, der heiße Föhn presst den Geruch von grünen Blättern und heißem Asphalt in unsere Nasen. Mein Helm hat kein Visier und trotz der 50er-Jahre-Sonnenbrille tränen meine Augen ein wenig. Ich umklammere seinen Bauch unter der Motorradjacke und wir rufen uns gegen den Fahrtwind kleine Sätze zu - Hast du den gesehen? - Wahnsinnig schönes Auto! - Wie gut der Wald duftet! - Das fühlt sich wie Urlaub an! - Ich bin so glücklich. - Ich auch. - Ich kann nicht aufhören, zu grinsen.
In dem kleinen Vorort stellen wir unser Gefährt ab und setzen uns auf die Treppe mit Blick auf die Kirche, essen Eis, rauchen und reden über die Zukunft. Lennards Hand sind warm und trocken auf meinem Knie und er küsst meine Schulter.
Wir stellen uns vor, ganz weit weg zu sein. Offenbach bietet so viel Urlaubs-Gefühl an staubigen Sonntagen: ein südfranzösisches Touri-Dorf mit viel Beton, niedlichen Häusern und wilden Blumen. Die hitzigen Weiten von Kansas, als wir die stoppeligen Äcker durchqueren. Die schlecht befestigte Straße durch den Wald, marmoriert von dem Licht, das durch die Blätter fällt: eine kanarische Insel. An einer verkommenen Fabrik vorbeirauschen und die Abgase der Autos riechen schmeckt nach den kroatischen Großstädten.
Wir parken vor der Gaststätte meines Stiefvaters, unsere Gegend könnte mit ihren Fachwerkhäusern und dem spätsommerlichen Charme das Elsaß darstellen, stoplern lachend in den Biergarten. Unter der großen Kastanie falten wir die Hände auf dem Tisch ineinander und halten den Film an. Das bleibt, sage ich, dieser Moment, in einem Rahmen. Du bist so schön, antwortet er. Wir kommen kaum zum Essen, so viel gibt es zu erzählen. Ich bin berührt und spüre, wie meine Augen feucht werden.
- Findest du, dass ich zu verständnisvoll bin?, fragt er.
- Nein, ganz im Gegenteil. Es rührt mich, dass du... Dass wir das können. Dass wir einander wirklich verstehen. Dass wir nichts zu sein vorgeben müssen, dass wir nicht sind.
Ich bin sehr nah am Wasser gebaut im Moment, aber das stört mich nicht. Ich bin sehr ehrlich zu ihm, er findet es nachvollziehbar und nicht weiter beunruhigend, dass ich hin und wieder um T. trauern muss. Er weiß, dass es für mich kein Zurück gibt, und ich weiß es auch, tief in mir drin. Mein Herz ist ganz leicht.
Nach dem Essen spielt uns mein Stiefvater in seinem winzigen Büro Jazz vor. Ich betrachte die beiden, wie sie über Gitarristen reden und über Konzerte. Marmeladenglasmomente im Küchendunst.
Zweiter Akt.
Die letzten Minuten von Ich - Einfach unverbesserlich II. Wir stellen fest, dass es für eine gelungene Hochzeit unbedingt Minions braucht. Und plötzlich, ganz ohne Vorwarnung, schieb sich eine graue Wand in meinen Kopf. Ich bin tausend Lichtjahre von ihm entfernt. Mein Körper und ich trennen uns. Gedankenschnellzüge in Richtung Psychiatrie. Ich zittere. Lennard zieht mich zu sich. Das Beben wird stärker und droht, mich zu zerreißen - das sind die Orte, an die er mir nicht folgen kann, das sind die Abgründe, für die ich kein Verständnis von ihm erwarte. Ich weine auf seiner nackten Brust und atme viel zu schnell, zwischen den Schluchzern formuliere ich zusammenhanglose Erklärungen: Ich fühle mich so hässlich. Ich hasse meinen Körper so sehr dafür, dass er blutet. Ich will keine Frau sein, Lennard, ich will keine fette, von hormonellen Zyklen getriebene Frau sein. Ich will nicht essen müssen, warum muss ich essen? Ich will nicht verhüten müssen, wenn ich dünn wäre wäre ich nicht mehr fruchtbar, alles so viel einfacher. Ich fühle mich so aussätzig und hässlich, schau mich nicht an, bitte, ich hasse mich so sehr, ich glaube ich verliere den Verstand, Lennard, kennst du diesen Moment in dem du die Klippen siehst in deinem Kopf und du weißt dass du springen musst damit alles aufhört ich kann nicht mehr so leben ich will es nicht mehr halt meinen Kopf fest bitte.
Und er hält meinen Kopf fest. Seine Stimme ist ruhig und fest. Sein Mund formt Sätze: Du bist wunderschön, Phoebe, ich sehe dich an und sehe nichts, das in irgendeiner Form hässlich sein könnte. Auch mit achzig Kilo wärst du wunderschön, auch mit fünfzig Kilo. Scheißegal. Du bist es. Du bist hier. Du bist bei Verstand, Darling, ich halte dich, spürst du es? Du hast deine Tage, weil du irgendwann Kinder bekommen möchtest, und das ist etwas Gutes und nichts, weswegen du dich grämen musst. Du bist eine gesunde Frau, Phoebe, und du bist schön, du bist wirklich schön.
Mit jedem beschwichtigenden Wort rege ich mich mehr auf, meine Paranoia verbietet mir, auch nur eine Silbe zu glauben. Ich wende mich ab. Alleine auf dem Balkon blase ich Rauch in die türkisfarbene Nacht und schüttele mich vor Ekel und Trauer und Fremde. Ich will meine Haut abstreifen, ein neues Gesicht angenäht bekommen, eines ohne Makel. Ich will jedes Gramm Fett an meinem Körper mit bloßen Händen und einem scharfen Skalpell von den Knochen schneiden. Ich will meine Gebärmutter im Biomüll entsorgen und meinen wiedergeborenen Körper 2.0 vierundzwanzig Stunden durchficken lassen, bis er schlaff auf den Dielen zusammensinkt, wund und betstätigt und geheilt von heiligen Händen und Schwänzen. Ich schlage mir gegen die Schläfen.
Ich bin nackt unter meinem kurzen blauen Kleid und ich werde bluten und ich werde essen und ich werde immer diese dialektische Distanz zu dem Menschen haben, den ich liebe. Meine Augen sind rot im Badezimmerspiegel, meine Haare sehen furchtbar aus. Ich habe einen Pickel auf der Stirn, ich weiß dass er das sieht und den ganzen Tag schon gesehen hat und kotze mir ins Gesicht. Hässlich, hässlich, hässlich. Lennard wartet im Bett auf mich. Ich gehe da jetzt hin und höre auf, zu heulen. Klappt nicht. Als ich seine Silhouette in Mondlicht warten sehe, schießen wieder Sturzbäche aus meinen Augen.
Das Leben ist ambivalent.
- Der Tag war so schön und ich werde ihn so in Erinnerung behalten, auch wenn es dir jetzt sehr schlecht geht. Du bist immer noch die Frau, der ich mein Herz schenke, auch wenn du zweifelst und Schwäche zeigst und nicht sehen kannst, was ich sehe, wenn ich dich anschaue.
Ich streife mir den Stoff von der Haut, mit dem Rücken zu ihm, damit er mein hässliches Gesicht nicht sehen kann das seine Behauptung lügen straft. Er umfasst meine Taille und streichelt mich, bis die Tränen abebben. Irgendwann zuckt er und schläft ein. Ich liege noch vier Stunden wach und versuche, den Wahnsinn in mir geräuschlos aufzudröseln.
Dienstag, 30. Juli 2013
"And each wasted word makes a wasted line"
Das Chaos in meinem Zimmer aufrechtzuerhalten ist eine Art verqueres Experiment für mich: Was wird passieren, wenn ich den Boden nicht mehr sehen kann? Inmitten all dieser Stationen des richtigen Lebens (in dem ich pausenlos Putzen gehe, mit Lennard liebevolle SMS austausche, auf Pennys Balkon Muffins esse oder mit Mo bei Saturn herumschleiche) kehre ich zurück in meinen zeitlosen Raum, der nach kaltem Zigarettenrauch stinkt. Zwischen all diesen Tagen, die sich wie Telefonbuchseiten mit fahrigen Fingern umblättern lassen - Suche nach Sinn und Namen und Nummern - ruhe ich in meinem verdreckten Museum der unangetasteten Dinge. Hier stapeln sie sich Erinnerungen und Mahnschreiben.
Ein kleines Paralleluniversum der dysfunktionalen Phoebe: Unter meinem Bett liegt eine Netto-Tüte mit den letzten Reliquien von T. neben den Silikon-Cupcake-Förmchen von Lulu, die längst in der Spülmaschine sein sollten. Nächtelang lese ich Prosa im Internet, sehe mir fürchterlich schlechte Pornos und alte Wallander-Folgen an. Zerpflücke Uni-Texte von Freunden wie ein größenwahnsinniger Ghostwriter. Die Tage im Zimmer Sodom gleichen den Nächten, immer liege ich, immer essend, ich rauche den ekelhaften britischen Tabak und leere die Asche in Joghurtbecher, die mit der Zeit unter getragenen Kleidchen und Holzfällerhemden verschwinden.
Natürlich bin ich nackt. Natürlich widere ich mich an für dieses Leben in diesem Raum - aber draußen funktioniert es noch. Draußen ist meine Haut reingemalt und glattrasiert, mein Chaos und Dreck wird mir als mehr oder weniger sympathische "Verpeiltheit" und "Schlampigkeit", meine Sexbessesenheit als "lustvolles Dasein" angeschrieben. Wenn ich trotzig bin, applaudieren sie. Wenn ich nicht aufhören kann zu weinen, drückt er mich an sich und entschuldigt sich für Dinge, die meine Fehler sind. Ist all das Teil des großen, unbewussten Experimentes zur Unschärferelation? Because it cut to drops each time I tryto make your way across the bottom line.
Ein kleines Paralleluniversum der dysfunktionalen Phoebe: Unter meinem Bett liegt eine Netto-Tüte mit den letzten Reliquien von T. neben den Silikon-Cupcake-Förmchen von Lulu, die längst in der Spülmaschine sein sollten. Nächtelang lese ich Prosa im Internet, sehe mir fürchterlich schlechte Pornos und alte Wallander-Folgen an. Zerpflücke Uni-Texte von Freunden wie ein größenwahnsinniger Ghostwriter. Die Tage im Zimmer Sodom gleichen den Nächten, immer liege ich, immer essend, ich rauche den ekelhaften britischen Tabak und leere die Asche in Joghurtbecher, die mit der Zeit unter getragenen Kleidchen und Holzfällerhemden verschwinden.
Natürlich bin ich nackt. Natürlich widere ich mich an für dieses Leben in diesem Raum - aber draußen funktioniert es noch. Draußen ist meine Haut reingemalt und glattrasiert, mein Chaos und Dreck wird mir als mehr oder weniger sympathische "Verpeiltheit" und "Schlampigkeit", meine Sexbessesenheit als "lustvolles Dasein" angeschrieben. Wenn ich trotzig bin, applaudieren sie. Wenn ich nicht aufhören kann zu weinen, drückt er mich an sich und entschuldigt sich für Dinge, die meine Fehler sind. Ist all das Teil des großen, unbewussten Experimentes zur Unschärferelation? Because it cut to drops each time I tryto make your way across the bottom line.
Mittwoch, 24. Juli 2013
Manchmal frage ich mich... [edited]
...ob ich meinen vollkommen "normalen" Körper und BMI vielleicht besser akzeptieren könnte, wenn ich nicht in einen Mann verliebt wäre, der explizit auf dünne Frauen steht ("Aber du bist genau so wunderbar, wie du bist. Ich liebe deinen Körper", hatte ich erwähnt dass ich sowieso niemandem ein Wort glaube?).
Wenn ich Bilder auf tumblr hochladen würde von meinen zellulitösen Oberschenkeln, die beim Gehen aneinander reiben, und das Ganze mit dem Hashtag realtights versehen. Wer weiß.
Vielleicht wenn ich in feministischer Manier die Gesellschaft hinterfragte, die mir dieses Schönheitsideal aufstempelt, welchem ich immer hinterherhecheln werde. Oder meinem Vater in die Fresse schlagen könnte, wenn er mich beim Essengehen fragt, ob ich wirklich Kohlenhydrate zum Abendbrot essen will ("Und überhaupt, Lachs, Sahne? Das ist aber nicht vegan!").
Ich müsste vielleicht all die Bilder von meiner Festplatte löschen, die mich mit BMI-kurz-vorm-Hungertod zeigen, damit ich sie nicht mehr anhimmeln kann.
Der Gedanke fühlt sich an wie Aufgeben.
Edit 15:33:
Lustig, da finde ich gerade bei der Zerstreuung auf vice.de einen Artikel, der das Ganze noch zuspitzt und weiterführt:
"Wie dem auch sei, bis irgendwann später—auf keinen Fall vor 25—will jede das haben, was alle anderen haben, es ist widerlich. Die einzige universell sichere Tatsache ist, dass alle Mädchen dünn sein wollen, aber jede sagt: „Ieeh, dünn ist eklig“, während sie zu Modemagazinen masturbieren. Und eigentlich machen es sich weiße Mädchen auch zu Rihanna, so viel ist sicher.
Du darfst deinen Körper nicht mögen (das wäre „eingebildet“), aber wenn du coole feministische Freunde hast, dann darfst du auch nicht versuchen, ihn zu verändern. Und wenn deine Freunde eher so dem, ähm, Standard-Problemtyp entsprechen, dann darfst du auch nicht nicht versuchen, ihn zu verändern. Die Folge sind eine Kultur von Unaufrichtigkeit, Feindseligkeit und (am schlimmsten) wiederholte „Du bist schön“- und „Du bist hinreißend“- und „Ich würde für deine Beine töten“-Schwüre. COOL. Stell dir vor, wie ich bei dem Gedanken Luft in meine Handfläche kotze."
Was denkt ihr darüber?
Wenn ich Bilder auf tumblr hochladen würde von meinen zellulitösen Oberschenkeln, die beim Gehen aneinander reiben, und das Ganze mit dem Hashtag realtights versehen. Wer weiß.
Vielleicht wenn ich in feministischer Manier die Gesellschaft hinterfragte, die mir dieses Schönheitsideal aufstempelt, welchem ich immer hinterherhecheln werde. Oder meinem Vater in die Fresse schlagen könnte, wenn er mich beim Essengehen fragt, ob ich wirklich Kohlenhydrate zum Abendbrot essen will ("Und überhaupt, Lachs, Sahne? Das ist aber nicht vegan!").
Ich müsste vielleicht all die Bilder von meiner Festplatte löschen, die mich mit BMI-kurz-vorm-Hungertod zeigen, damit ich sie nicht mehr anhimmeln kann.
Der Gedanke fühlt sich an wie Aufgeben.
Edit 15:33:
Lustig, da finde ich gerade bei der Zerstreuung auf vice.de einen Artikel, der das Ganze noch zuspitzt und weiterführt:
"Wie dem auch sei, bis irgendwann später—auf keinen Fall vor 25—will jede das haben, was alle anderen haben, es ist widerlich. Die einzige universell sichere Tatsache ist, dass alle Mädchen dünn sein wollen, aber jede sagt: „Ieeh, dünn ist eklig“, während sie zu Modemagazinen masturbieren. Und eigentlich machen es sich weiße Mädchen auch zu Rihanna, so viel ist sicher.
Du darfst deinen Körper nicht mögen (das wäre „eingebildet“), aber wenn du coole feministische Freunde hast, dann darfst du auch nicht versuchen, ihn zu verändern. Und wenn deine Freunde eher so dem, ähm, Standard-Problemtyp entsprechen, dann darfst du auch nicht nicht versuchen, ihn zu verändern. Die Folge sind eine Kultur von Unaufrichtigkeit, Feindseligkeit und (am schlimmsten) wiederholte „Du bist schön“- und „Du bist hinreißend“- und „Ich würde für deine Beine töten“-Schwüre. COOL. Stell dir vor, wie ich bei dem Gedanken Luft in meine Handfläche kotze."
Was denkt ihr darüber?
Montag, 22. Juli 2013
Resignation totale.
Frage mich, was zur Hölle eigentlich mein Problem ist.
Auf dem Boden neben dem Bett sammeln sich Joghurtbecher, Schokoladenverpackungen, Tassen, Schüsseln, Teller, Tabakkrümel, der Inhalt von umgekippten Aschenbechern, mehrere Ausgaben der ZEIT (noch unberührt), Mückensprays, ein Ventilator (ohne Schutzabdeckung), Tabletten, BHs, Kleidung en masse, Taschentücher, leere Wasserflaschen, Haarnadeln.
In mir sammeln sich Essensreste (fetthaltig, zuckerlastig, das vierfache meines Tagesbedarfs) und wüste Gefühle (ich kann nicht verstehen, dass er es wirklich ernst meint mit mir).
Und diese Hitze! (I got that summertime, summertime sadness)
Ich muss zur Arbeit gehen. Sieben Tage die Woche. Es gibt kein Verzagen, nur Verantwortung, Druck, funktionieren müssen um jeden Preis, ich warte auf den Zusammenbruch in mir oder um mich herum, auf Kraterbildung, auf das Ende des Sommers. Warum so traurig, warum so resigniert, meine Liebe?
Ich kann das faulend-fette Mich und das ominöse Es und das dröhnende Alles nicht mehr ertragen.
Ich will nur noch schlafen, bis die Welle vorbei ist.
Auf dem Boden neben dem Bett sammeln sich Joghurtbecher, Schokoladenverpackungen, Tassen, Schüsseln, Teller, Tabakkrümel, der Inhalt von umgekippten Aschenbechern, mehrere Ausgaben der ZEIT (noch unberührt), Mückensprays, ein Ventilator (ohne Schutzabdeckung), Tabletten, BHs, Kleidung en masse, Taschentücher, leere Wasserflaschen, Haarnadeln.
In mir sammeln sich Essensreste (fetthaltig, zuckerlastig, das vierfache meines Tagesbedarfs) und wüste Gefühle (ich kann nicht verstehen, dass er es wirklich ernst meint mit mir).
Und diese Hitze! (I got that summertime, summertime sadness)
Ich muss zur Arbeit gehen. Sieben Tage die Woche. Es gibt kein Verzagen, nur Verantwortung, Druck, funktionieren müssen um jeden Preis, ich warte auf den Zusammenbruch in mir oder um mich herum, auf Kraterbildung, auf das Ende des Sommers. Warum so traurig, warum so resigniert, meine Liebe?
Ich kann das faulend-fette Mich und das ominöse Es und das dröhnende Alles nicht mehr ertragen.
Ich will nur noch schlafen, bis die Welle vorbei ist.
Donnerstag, 11. Juli 2013
Der Testbild-Faktor.
Weiß gar nicht, wo mir der Kopf steht. Irgendwo, wo ich keinen Zugriff auf ihn habe, soviel steht fest.
An meinem Handgelenk ein Armband aus Lavasteinen aus "La Casa De Los Balcones", neben meinem linken Knie eine Tasse hyperstarker Kaffee gegen das Nachmittagstief, sieche ich fröhlich vor mich hin.
Ich wusste schon beim Aufwachen, dass es so ein Tag werden würde. Er war über Nacht auf die Wohnzimmer-Couch gezogen, war müde und zerstreut.
Ich war müde, zerstreut, und verschwitzt (der schlechte Traum zog Fäden in mein Bewusstsein, auch wenn ich ihn nicht mehr beschreiben konnte).
Durch das schwarze Loch über dem Hals wehen Adorno-Paraphrasen von der Gefahr der Sprache an und für sich; wir sollten sie gar nicht mehr gebrauchen. Alles für nichts. Ich bin...
Still.
An meinem Handgelenk ein Armband aus Lavasteinen aus "La Casa De Los Balcones", neben meinem linken Knie eine Tasse hyperstarker Kaffee gegen das Nachmittagstief, sieche ich fröhlich vor mich hin.
Ich wusste schon beim Aufwachen, dass es so ein Tag werden würde. Er war über Nacht auf die Wohnzimmer-Couch gezogen, war müde und zerstreut.
Ich war müde, zerstreut, und verschwitzt (der schlechte Traum zog Fäden in mein Bewusstsein, auch wenn ich ihn nicht mehr beschreiben konnte).
Durch das schwarze Loch über dem Hals wehen Adorno-Paraphrasen von der Gefahr der Sprache an und für sich; wir sollten sie gar nicht mehr gebrauchen. Alles für nichts. Ich bin...
Still.
Montag, 8. Juli 2013
Fucking fünf Kilos.
Okay: Zum ersten Mal seit drei Monaten auf der Waage und das Resultat meiner perversen Fresserei lacht mich an, grau auf grau. 65,2kg. Ich könnte jetzt sagen, das sind doch nur fucking fünf Kilos, dann fühle ich mich wieder ansehlicher. Ich weiß es. Aber es sind eben auch fucking wabbelige Oberschenkel und Arme, es ist ein fucking aufgedunsenes Gesicht und ein fucking weicher Bauch in der Präsens-Form.
Dieses Gewicht hatte ich seit fucking drei Jahren nicht mehr. Übermorgen kommt Lennard aus dem Urlaub zurück und mein verzweifelt-armseliger Wunsch war, während seiner Abwesenheit signifikant an Gewicht zu verlieren, so viel, wie eben in einer Woche möglich ist; so viel, dass er es bemerken muss. Warum ist mir das so wichtig? Ich habe Probleme, etwas zum Anziehen zu finden. Probleme, zu verdecken was verdammt nochmal nicht zu meinem fucking Körper gehören soll, als wäre mein Ich etwas statisches, verborgen unter Unterhautfettgewebe, und man (also ich) könnte es wie ein Bildhauer freilegen, indem man Schicht für Schicht abträgt.
Ich erinnere mich an die letzte BIA-Messung im Fitnessstudio, das war kurz vor der Trennung von T., also irgendwie im Frühjahr. Die Waage zeigte 52,3 kg an und mein Trainer kratze sich am Kopf: "Naja, bei deiner Größe solltest du mal mindestens 65 Kilo wiegen, das ist viel gesünder und sieht auch viel besser aus." Ich lachte und meinte, ich wolle das Gewicht halten.
Stattdessen habe ich... zugenommen. Was zu erwarten war.
Und sage mir täglich - morgen geht's los. Morgen.
Dieses Gewicht hatte ich seit fucking drei Jahren nicht mehr. Übermorgen kommt Lennard aus dem Urlaub zurück und mein verzweifelt-armseliger Wunsch war, während seiner Abwesenheit signifikant an Gewicht zu verlieren, so viel, wie eben in einer Woche möglich ist; so viel, dass er es bemerken muss. Warum ist mir das so wichtig? Ich habe Probleme, etwas zum Anziehen zu finden. Probleme, zu verdecken was verdammt nochmal nicht zu meinem fucking Körper gehören soll, als wäre mein Ich etwas statisches, verborgen unter Unterhautfettgewebe, und man (also ich) könnte es wie ein Bildhauer freilegen, indem man Schicht für Schicht abträgt.
Ich erinnere mich an die letzte BIA-Messung im Fitnessstudio, das war kurz vor der Trennung von T., also irgendwie im Frühjahr. Die Waage zeigte 52,3 kg an und mein Trainer kratze sich am Kopf: "Naja, bei deiner Größe solltest du mal mindestens 65 Kilo wiegen, das ist viel gesünder und sieht auch viel besser aus." Ich lachte und meinte, ich wolle das Gewicht halten.
Stattdessen habe ich... zugenommen. Was zu erwarten war.
Und sage mir täglich - morgen geht's los. Morgen.
Freitag, 28. Juni 2013
Zwiebeltränen.
Keine Ahnung, was ich erzählen soll. Von der Bügelmaschine? Von meiner konstruktiven Therapiesitzung? Von meiner sexuellen Frustration? Von der Tatsache, dass Lulu nächste Woche nach Israel fliegt? Davon, dass ich mein Chaos nicht gebändigt bekomme, nirgendwo, in keinster Weise? Von ungarischen Zigaretten? Von seinen Albträumen? Von unerschöpflicher Müdigkeit? Von Woody Allens "Stadtneurotiker"? Von meinem Tabletten-Notstand? Vielleicht von den überwältigenden, viel zu schönen Gefühlen, wenn er mich an seinen Körper zieht?
Von Plänen, die keine sind. Davon, wie ich beide Staffeln "Girls" innerhalb von zwei Tagen sehe und Rotz und Wasser heule, als Adam Hannahs Tür eintritt, um sie aus dem Bett zu heben. Ich könnte von dem Buch erzählen, das Penny mir geliehen hat. Von dem kurzen Moment unter der Dusche, als ich meinen Körper für "okay" befinden konnte. Von dem Fleck auf meinem Eckzahn, den Flecken auf meiner Bettwäsche, den weißen Flecken auf meiner Landkarte der obszönen Gedankenspiele, der Angst und dem drumherum.
Von asiatischem Essen. Von Sehnsucht. Von Euphemismen.
Von Plänen, die keine sind. Davon, wie ich beide Staffeln "Girls" innerhalb von zwei Tagen sehe und Rotz und Wasser heule, als Adam Hannahs Tür eintritt, um sie aus dem Bett zu heben. Ich könnte von dem Buch erzählen, das Penny mir geliehen hat. Von dem kurzen Moment unter der Dusche, als ich meinen Körper für "okay" befinden konnte. Von dem Fleck auf meinem Eckzahn, den Flecken auf meiner Bettwäsche, den weißen Flecken auf meiner Landkarte der obszönen Gedankenspiele, der Angst und dem drumherum.
Von asiatischem Essen. Von Sehnsucht. Von Euphemismen.
Zwiebeltränen und echten Tränen, die sich vermischen, als wir in der
Küche stehen und ich ein stumpfes Messer schwinge - mein Herz schreibt
Romane, die ich nie verfassen werde.
Samstag, 8. Juni 2013
Passive Agressive.
Autosuggestiv The Stone Roses hören bringt's wirklich. Es ist immer noch ekelhaft warm (ich bin wirklich ein Winter-Mensch), ich bin immer noch die vollgefressene, unförmige, ungeduschte, unausgelastete, asexuelle, wehleidige Ausgabe meiner Selbst, aber es geht. Irgendwie. Besser als gestern.
Der Gedanke alles hinzuschmeißen, heute Nacht noch präsent, ist wieder abgetaucht. Irgenwie gewöhnt man sich daran, dass die Schübe kommen und gehen, sinuskurvenförmig Ping-Pong mit meinem Lebensmut und meiner geistigen Verfassung spielen. Abwarten und Kaffee trinken - Selbstwirksamkeit ist was anderes, Eigenverantwortung auch.
Vorgestern: Frau L. fragt mich, warum ich zu allem "Ja und Amen" sage. Ich muss passen, spiele mit Lulus Uhr an meinem Handgelenk und halte Tränen zurück. Sie mustert mich lange und wartet. "Wissen Sie, wenn ich könnte, würde ich wahnsinnig gerne allen mal meine Meinung sagen, unzensiert." - "Wer sind alle?" - "Alle eben." - "Und was würden Sie sagen?" - "Was ich wirklich denke." - "Was hält Sie denn davon ab? Glauben Sie, Ihr Umfeld könnte Ihre Agression nicht aushalten?"
Jackpot, Sie haben es erfasst. Ich glaube, dass meine wahre, bedürftige, verletzliche, zickig-launische, lustlose, unendlich wütende, großspurige, habgierige, dümmliche, eifersüchtige, dramatische, suizidale, nervtötende, emotional in vielerlei Hinsicht traumatisierte, hungrige, polternde, winzig kleine, unstete Persönlichkeit niemand, wirklich niemand ertragen könnte. Deswegen schlucke ich lieber. Alles. "Ich schlucke alles, wissen Sie?!", ich werde laut und reiße die Augen auf.
Frau L. ist ganz ruhig. "Ihr Problem ist, dass Sie nur diese eine Sicht auf Sie selbst zulassen. Sie denken, jeder würde Sie verurteilen und Sie exakt so negativ einschätzen, wie Sie selbst es tun. Sie wollen ja auch nichts anderes hören, Komplimente sind Lügen, Nettigkeiten sind eigennützig, Sie ertragen weder Umarmungen noch Zuspruch. Wer Ihnen sagt, dass er an Sie glaubt, setzt Sie unter Druck. Sie lassen niemanden an sich."
"Im Gegenteil, ich lasse viel zu viel viel zu nah an mich." - "Das ist kein Widerspruch. Aber Ihre Beziehungen sind einseitig, solange Sie Ihr Selbstbild verteidigen." - "Das ist Selbstschutz." - "Ich weiß. Aber wovor schützen Sie sich? Was sollte ich Ihnen schlimmes antun?" - "Sie könnten über mich triumphieren, mich manipulieren, mir meine Kritikfähigkeit nehmen..." Sie schüttelt den Kopf.
Ich erzähle ihr von meinen Fressgelagen und dass ich Schwierigkeiten habe, das Haus zu verlassen. Ich jammere. Ich heule rum, dass ich nicht kotzen kann, "...nur neulich, wissen Sie, da habe ich meinen Kotzpunkt gefunden, glaube ich. Beim Oralsex. Seitdem denke ich, wenn ich nur lange und tief genug in meiner Kehle bohre, müsste ich es doch schaffen... Denke ständig daran, ein Ass im Ärmel." Ich schildere grausame Träume von inzestuöisen Vergewaltigungen durch meine Mutter, taste mich durch Kindheitserinnerungen (Wie ich meinen Vater beim Masturbieren erwischte - Teil 1-4, Wie meine betrunkenen Eltern alle Hemmungen verloren - das Archiv, ect). Am Ende der Sitzung schlage ich meine Schienbeine, um mich wieder zu spüren. Wütend bin ich und stumm.
Der Gedanke alles hinzuschmeißen, heute Nacht noch präsent, ist wieder abgetaucht. Irgenwie gewöhnt man sich daran, dass die Schübe kommen und gehen, sinuskurvenförmig Ping-Pong mit meinem Lebensmut und meiner geistigen Verfassung spielen. Abwarten und Kaffee trinken - Selbstwirksamkeit ist was anderes, Eigenverantwortung auch.
Vorgestern: Frau L. fragt mich, warum ich zu allem "Ja und Amen" sage. Ich muss passen, spiele mit Lulus Uhr an meinem Handgelenk und halte Tränen zurück. Sie mustert mich lange und wartet. "Wissen Sie, wenn ich könnte, würde ich wahnsinnig gerne allen mal meine Meinung sagen, unzensiert." - "Wer sind alle?" - "Alle eben." - "Und was würden Sie sagen?" - "Was ich wirklich denke." - "Was hält Sie denn davon ab? Glauben Sie, Ihr Umfeld könnte Ihre Agression nicht aushalten?"
Jackpot, Sie haben es erfasst. Ich glaube, dass meine wahre, bedürftige, verletzliche, zickig-launische, lustlose, unendlich wütende, großspurige, habgierige, dümmliche, eifersüchtige, dramatische, suizidale, nervtötende, emotional in vielerlei Hinsicht traumatisierte, hungrige, polternde, winzig kleine, unstete Persönlichkeit niemand, wirklich niemand ertragen könnte. Deswegen schlucke ich lieber. Alles. "Ich schlucke alles, wissen Sie?!", ich werde laut und reiße die Augen auf.
Frau L. ist ganz ruhig. "Ihr Problem ist, dass Sie nur diese eine Sicht auf Sie selbst zulassen. Sie denken, jeder würde Sie verurteilen und Sie exakt so negativ einschätzen, wie Sie selbst es tun. Sie wollen ja auch nichts anderes hören, Komplimente sind Lügen, Nettigkeiten sind eigennützig, Sie ertragen weder Umarmungen noch Zuspruch. Wer Ihnen sagt, dass er an Sie glaubt, setzt Sie unter Druck. Sie lassen niemanden an sich."
"Im Gegenteil, ich lasse viel zu viel viel zu nah an mich." - "Das ist kein Widerspruch. Aber Ihre Beziehungen sind einseitig, solange Sie Ihr Selbstbild verteidigen." - "Das ist Selbstschutz." - "Ich weiß. Aber wovor schützen Sie sich? Was sollte ich Ihnen schlimmes antun?" - "Sie könnten über mich triumphieren, mich manipulieren, mir meine Kritikfähigkeit nehmen..." Sie schüttelt den Kopf.
Ich erzähle ihr von meinen Fressgelagen und dass ich Schwierigkeiten habe, das Haus zu verlassen. Ich jammere. Ich heule rum, dass ich nicht kotzen kann, "...nur neulich, wissen Sie, da habe ich meinen Kotzpunkt gefunden, glaube ich. Beim Oralsex. Seitdem denke ich, wenn ich nur lange und tief genug in meiner Kehle bohre, müsste ich es doch schaffen... Denke ständig daran, ein Ass im Ärmel." Ich schildere grausame Träume von inzestuöisen Vergewaltigungen durch meine Mutter, taste mich durch Kindheitserinnerungen (Wie ich meinen Vater beim Masturbieren erwischte - Teil 1-4, Wie meine betrunkenen Eltern alle Hemmungen verloren - das Archiv, ect). Am Ende der Sitzung schlage ich meine Schienbeine, um mich wieder zu spüren. Wütend bin ich und stumm.
Freitag, 7. Juni 2013
"About:Kate", Folge sechs, Minute 13:30 - Selbsterkenntnis, Déja-vu, Realitätsflash.
Therapeutin: Sie sehen gut aus!
Kate: Danke. Sie aber auch.
Tja... Mir gefällt's hier so langsam. Doch wirklich man... Man wird hier gut beschäftigt, das ist... beeindruckend. Sie könnten Ihre eigene Fitness-DVD rausbringen.
Therapeutin: Frau Harff... Ihr sarkastischer Humor ist wertvoll. In unseren Sitzungen brauchen Sie sich jedoch nicht dahinter zu verstecken.
Kate: Haben Sie gewusst, dass man mich rausschmeißen wollte?
Therapeutin: Wer wollte Sie rausschmeißen?
Kate: Die Klinikleitung.
Therapeutin: Ich denke nicht, dass man Sie rausschmeißen wollte.
Kate: Also wussten Sie's.
Therapeutin: Man hat mich darüber informiert, was vorgefallen ist.
Kate: (Der Stasiverein.) (Paranoia Paranoia!)
Therapeutin: Sie sind eine erwachsene Frau, Sie müssen wissen dass ihr Handeln Konsequenzen hat. Hätte es Ihnen besser gefallen, ich hätte voll all dem nichts erfahren?
Kate: Ist mir doch egal ob Sie...
Therapeutin: Ist es das?
Kate: ...völlig.
Therapeutin: Warum dann Ihre Frage?
Kate: Weil mich interessiert, wie Ihr Laden so funktioniert. Wer mit wem unter einer Decke und so. (Paranoia Paranoia Paranoia!)
Therapeutin: Fühlen Sie sich... „außen vor“? Ausgeliefert? Ohnmächtig?
Kate: Nö.
Therapeutin: Haben Sie das Gefühl, wir wären nicht auf Ihrer Seite?
Kate: Es geht hier um Hilfe, nicht um Bestrafung, nicht wahr? Ph. Mein Tag ist nur noch 'ne Trainingsmontage.
Therapeutin: Wissen Sie noch, was Sie mir am Ende unserer letzten Sitzung gesagt haben, Kate?
Kate: Verschwommen.
Therapeutin: Sie waren sich plötzlich sehr sicher, dass Sie hier hingehören. Und dass Sie wissen wollen, wer Sie sind.
Kate: (weint)
Therapeutin: Warum haben Sie sich entschieden, derart viel Hustensaft zu trinken?
Kate: (weint)
Therapeutin: Was ist das für eine Situation, in der Sie sich gerade befinden?
Kate: ...'ne peinliche.
Therapeutin: Ich, ähm, ich konnte Sie nicht ganz verstehen.
Kate: Eine peinliche, eine peinliche Situation.
Therapeutin: Was ist Ihnen gerade peinlich?
Kate: Ph. Dieses... gesamte Tribunal.
Therapeutin: Sie erleben unser Gespräch als ein Tribunal?
Kate: Das haut einfach nicht hin, ich... Ich finde das nicht in Ordnung, schon heute morgen: Ich werde hier behandelt wie ein kleines Kind. Jetzt werden mir schon meine Sachen weggenommen.
Therapeutin: Wie sind Sie denn in diese Lage gekommen?
Kate: Durch Sie. Sie alle mit Ihren Vorschriften und Plänen.
Therapeutin: Gab es von Anfang an so viele Vorschriften?
Kate: Essenszeiten, dieser Frühstücksdienst...
Therapeutin: Sie mussten Ihr Essen innerhalb eines bestimmten Zeitrahmens einnehmen und gelegentlich beim Aufdecken helfen. Noch etwas?
Kate: Am Ende ist doch alles reglementiert.
Therapeutin: Sollte es sich dabei ausschließlich um die von Ihnen genannten Punkte handeln, ist es eigentlich gar nicht zu viel. Oder?
…Haben Sie sich in der Vergangenheit schon einmal so reglementiert gefühlt?
Kate: Als Kind.
Therapeutin: Durch wen?
Kate: Meine Eltern.
Therapeutin: Wie haben Sie sich in diesen Situationen verhalten?
Kate: Ich habe mich ihren Regeln widersetzt.
Therapeutin: Was ist dann passiert?
Kate: Ich wurde bestraft.
Therapeutin: Wie?
Kate: Durch noch mehr Regeln.
Therapeutin: Ein erfolgreiches Konzept?
Kate: Was wollen Sie mir eigentlich sagen? Dass ich durch meine „Rebellion“ selber schuld bin an meiner Unfreiheit?
Therapeutin: Manchmal reinszenieren wir Standardsituationen aus unserem Leben, die wir noch nicht bewältigt haben, wir führen sie wieder auf weil wir noch nicht mit ihnen abgeschlossen haben. Alte Rollen, die noch keine Katharsis erfahren haben...
Kate: Und meine Rolle soll die des ungehörigen Kindes sein, oder was? Das ist doch ein Scheißklischee!
Die ganze Serie online sehen...
Außerdem: Endlich Essens-Overkill nach ein paar Tagen des exzessiven Fressens: Heute erstmals keinerlei Gelüste mehr.
Samstag, 18. Mai 2013
Wenn drei Feuerzeuge neben dir liegen und keines beim letzten Versuch eine Flamme spendet, die groß genug wäre um damit Brand zu stiften.
Benutzte Müslischalen und Kaffeetassen, Tabakkrümel, Bücherberge und aufgeschlagene Zeitungen voller rätselhafter Codes, ein Haufen dreckiger Wäsche, Knoten in der Brust, Kontoauszüge, ein verhasstes Mobiltelefon und ich, inmitten meiner Schatten von grau zu schwarz zu unsichtbar.
Mein Chaos ist perfekt durchchoreographiert, es beginnt bei meinen klebrigen Fingern und endet zwischen Zwerchfell und geteerten Lungenflügeln in einem zitternden, gefräßigen Schlund: Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich Angst habe. Kann gar nicht so viel weinen, wie ich Schmerzen verspüre.
Ja, das ist wehleidig und ich bin es zumindest meiner Therapeutin schuldig (wenn nicht sogar meiner Mutter), strategisch vorzugehen, es ist Krieg. Aber wo anfangen?
Wenn man unendlich ist, gibt es keine körperlichen Grenzen und keine metaphysichen, der Tod lümmelt auf dem Teppich vor der Glotze und sortiert Rasierklingen, sein Blick ist weit und seine Finger aschgrau. Er nickt mir unmerklich zu - Guten Morgen, Frau R., ich wollte Ihnen nur mittteilen, dass ich bereit bin. Bereit, wenn Sie es sind, Clarice.
Wer sitzt daneben? Zwei Silhoutten meiner Selbst, eine ausgezehrte Kreatur ohne sekundäre Geschlechtsmerkmale und ein Koloss mit Schokoladenmund. Seid ihr die Optionen? Ich suche den Raum ab nach einem vernünftigen Selbstbild, vielleicht Phoebe mit Abiturzeugnis oder Phoebe in einem Auto oder Phoebe Hand in Hand mit einem Menschen, der sie glücklich macht. Das sprengt offenbar meine Phantasie, wir sind immer noch alleine, meine Monster und ich.
Der Tod bedient sich bei meinem Tabak.
Die ausgezehrte Kreatur kokst und wippt manisch mit dem Fuß.
Der Koloss schlägt rhytmisch den breiigen Schädel gegen die Dachschräge.
Gute Gastgeberin, die ich sein möchte, bleibe ich passiv und lausche.
Flugzeuge im Bauch und über meinem Fenster, jemand kehrt im Hof. Ich schwitze. Mein Gesicht ist taub und aufgedunsen, alle Türen offen rast das Herz den Gedanken nach und pumpt und pumpt.
Meine Schuldgefühle bringen mich um den Verstand: Nie wieder jemanden vor den Kopf stoßen, nie wieder jemanden fordern, nie wieder fett sein. Ich denke über Gebete nach und über Filmsequenzen (Denn sie wissen nicht, was sie tun; The Dark Knight). Alles so weit weg, mein Körper zu eng und zu groß, meine Augen zu blind, ich hasse meinen Vater und meine Schwäche mit verzweifelter Intensität.
Frau L. sagt, da ist ein Überlebenstrieb. Wo zur Hölle ist mein Geld? Wo ist meine Selbstachtung (rhetorische Frage, klar)?
J. kommt später auf einen Kaffee vorbei und ich weiß noch nicht, welche Haut ich tragen werde um ihr die Milch für den Kaffee aufzuschäumen. Die Furcht ist meine Glasglocke und mein Segelboot.
Einmal nur in einer Umarmung ankommen!
Mein Chaos ist perfekt durchchoreographiert, es beginnt bei meinen klebrigen Fingern und endet zwischen Zwerchfell und geteerten Lungenflügeln in einem zitternden, gefräßigen Schlund: Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich Angst habe. Kann gar nicht so viel weinen, wie ich Schmerzen verspüre.
Ja, das ist wehleidig und ich bin es zumindest meiner Therapeutin schuldig (wenn nicht sogar meiner Mutter), strategisch vorzugehen, es ist Krieg. Aber wo anfangen?
Wenn man unendlich ist, gibt es keine körperlichen Grenzen und keine metaphysichen, der Tod lümmelt auf dem Teppich vor der Glotze und sortiert Rasierklingen, sein Blick ist weit und seine Finger aschgrau. Er nickt mir unmerklich zu - Guten Morgen, Frau R., ich wollte Ihnen nur mittteilen, dass ich bereit bin. Bereit, wenn Sie es sind, Clarice.
Wer sitzt daneben? Zwei Silhoutten meiner Selbst, eine ausgezehrte Kreatur ohne sekundäre Geschlechtsmerkmale und ein Koloss mit Schokoladenmund. Seid ihr die Optionen? Ich suche den Raum ab nach einem vernünftigen Selbstbild, vielleicht Phoebe mit Abiturzeugnis oder Phoebe in einem Auto oder Phoebe Hand in Hand mit einem Menschen, der sie glücklich macht. Das sprengt offenbar meine Phantasie, wir sind immer noch alleine, meine Monster und ich.
Der Tod bedient sich bei meinem Tabak.
Die ausgezehrte Kreatur kokst und wippt manisch mit dem Fuß.
Der Koloss schlägt rhytmisch den breiigen Schädel gegen die Dachschräge.
Gute Gastgeberin, die ich sein möchte, bleibe ich passiv und lausche.
Flugzeuge im Bauch und über meinem Fenster, jemand kehrt im Hof. Ich schwitze. Mein Gesicht ist taub und aufgedunsen, alle Türen offen rast das Herz den Gedanken nach und pumpt und pumpt.
Meine Schuldgefühle bringen mich um den Verstand: Nie wieder jemanden vor den Kopf stoßen, nie wieder jemanden fordern, nie wieder fett sein. Ich denke über Gebete nach und über Filmsequenzen (Denn sie wissen nicht, was sie tun; The Dark Knight). Alles so weit weg, mein Körper zu eng und zu groß, meine Augen zu blind, ich hasse meinen Vater und meine Schwäche mit verzweifelter Intensität.
Frau L. sagt, da ist ein Überlebenstrieb. Wo zur Hölle ist mein Geld? Wo ist meine Selbstachtung (rhetorische Frage, klar)?
J. kommt später auf einen Kaffee vorbei und ich weiß noch nicht, welche Haut ich tragen werde um ihr die Milch für den Kaffee aufzuschäumen. Die Furcht ist meine Glasglocke und mein Segelboot.
Einmal nur in einer Umarmung ankommen!
Freitag, 17. Mai 2013
Hasenherz.
Die Hochs sind zu hoch, die Tiefs zu tief.
Wobei die Tiefs überwiegen: Kilmometer für Kilometer in Richtung Erdkern sinken und die Frage, wozu frieren, wozu Worten Atem geben, wozu?
Die Weltenschwere, nennst du das. Und sagst, dass das kleine Glück immerzu wartet.
Ich hasse mich so sehr.
Wobei die Tiefs überwiegen: Kilmometer für Kilometer in Richtung Erdkern sinken und die Frage, wozu frieren, wozu Worten Atem geben, wozu?
Die Weltenschwere, nennst du das. Und sagst, dass das kleine Glück immerzu wartet.
Ich hasse mich so sehr.
Radiohead - How To Disappear Completely
Iron and Wine - Waiting For A Superman
Tocotronic - Die Neue Seltsamkeit
Iron and Wine - Waiting For A Superman
Tocotronic - Die Neue Seltsamkeit
Dienstag, 14. Mai 2013
50 gute Gründe, sich 10.000 kcal reinzupfeifen.
1. Mir geht's zu gut.
2. Meine Mutter hat eingekauft.
3. Ich bin alleine zu Hause.
4. Mir geht's dreckig.
5. Ich bin ohnehin satt bis übersättigt.
6. Hunger.
7. Hunger (seelischer Natur).
8. Ich war nicht im Fitnessstudio.
9. Langeweile.
10. Zu viel Stress.
11. Meine Mutter hat gekocht.
12. Jemand sagt mir, ich sei "dünn".
13. Jemand sagt mir, ich sei "fett".
14. Da sind Reste im Kühlschrank.
15. Ich war im Fitnessstudio.
16. Angst.
17. Ich fühle mich unverstanden.
18. Meine Beine sehen verdammt fett aus.
19. Jemand gibt mir etwas zu Essen.
20. Ich habe Geld.
21. Mein Bauch ist schön flach / hässlich aufgebläht.
22. Es ist vier Uhr morgens.
23. Da gibt es ja einen Süßigkeitenautomaten!
24. Ich wiege mich.
25. In unserer Wohnung gibt es ja Schokolade!
26. Ich komme gerade von der Therapie.
27. Ich muss Zeit totschlagen, warte auf etwas bestimmtes.
28. Nervosität.
29. Nihilismus.
30. Ich hasse mich, yippieh yeah!
31. Lulu backt Kuchen.
32. Wenn ich tot bin, ist es auch egal wie viel in meinem Magen war, oder?
33. Ich bin pleite.
34. Verzweiflung.
35. Wenn ich eigentlich gerne schreien möchte.
36. Das Buch / der Film ist zu Ende.
37. Gefühl innerer Leere.
38. Ich habe zugenommen.
39. Jemand, den ich kenne, hat abgenommen.
40. Alle glotzen mich an.
41. Herzschmerz.
42. Habe keine Drogen zur Hand.
43. Alles ist perfekt.
44. Ich fühle mich ungeliebt.
45. Autosuggestion: Ich werde schon aufhören können (denkste!).
46. Mir ist eh alles scheißegal.
47. Irgendwer sagt, ich solle mehr essen.
48. Flashbacks.
49. Ich sehe in den Spiegel.
50. Blutzuckerabfall.
Mag noch jemand etwas hinzufügen?
Mittwoch, 24. April 2013
Male mir deine Innere Leere.
"Jetzt natürlich die Frage - vor was hast Du Angst, allen nicht gerecht
zu werden und wer sind die 'Alle' und was machen die 'Alle' und haben
die 'Alle' eine Sozialversicherung oder sind es auch nur kleine Dämonen
auf den Eltern, die Skat spielen und warten, dass sie einen piesacken
können ?
Was ist Deine innere Leere ? Ist Deine Innere Leere ein Raum ? Groß ? Klein ? Verwinkelt ? Male mir doch mal bitte Deine innere Leere / beschreibe sie.
Also Phoebe (ich fange selten so an), Weltschmerz, welche Art von Weltschmerz ? Das alles doof ist ? Das nichts passt, das Alle (da haben wir wieder Mr./Mrs Alle) was gegen einen haben, bitte definiere das genauer.
Ich weiß, das sind alle psychologische Fragen, aber ich bin nicht Deine Psychologin, ich will Dir helfen, das ist alles und ich frage auch um Dich besser zu verstehen / Dich begreifen zu können.
Zum Schneiden, ist es eher die Angst vor der Tat bei Dir oder das Gefühl beim Schneiden, bitte erkläre es mir.
Ich sehe das auch so, vor allem, Du darfst stolz auf Dich sein, Du bist weiter als damals, als Du Dich geschnitten hast, schaue zurück und sehe Dir den Weg an den Du gegangen bist. Du hast mehr erreicht, mehr erfahren, Du hast Dich von einem Übel befreit, (ich meine Mr. T), gehst neue Wege, die nicht einfach sind, aber Du gehst sie."
Okay. Durchatmen. Teer husten. Los!
'Alle' sind sowohl sozialversicherungspflichtig Beschäftigte als auch kleine, fratzige Dämonen (die Mau-Mau spielen, Skat beherrschen sie nicht). Ich habe Angst vor der Konfrontation mit meiner Mutter, Angst, dass sie mich nicht (aus)halten kann, weil ich zu kompliziert und verrückt und teuer und mindestens 15 Kilo zu schwer bin, mindestens 15 cm zu groß. Ich habe Angst, dass sie vielleicht Recht hat und ich mich nicht hinreichend um einen Job bemühe. Sie hat mir vorgeworfen, dass ich alle Süßigkeiten wegfressen, die "privaten" aus ihrem Schlafzimmer. Geht's noch symbolgeladener? Freud hätte seine Freude an uns. "Kannst du nicht einfach das Nutellaglas leeren und die Marmelade und den Frischkäse und dir Pizzen backen?" - "Habe ich doch schon. War leer. Tut mir leid, dass ich so krank bin, Mama, ich habe auch keinen Spaß daran, glaub mir. Und es tut mir besser, wenn du mich nicht so unter Druck setzt im Bezug auf die Arbeit. Ich kümmere mich täglich darum!" Facepalm. Sie zetert, sie wäre ja wohl die jenige, die unter Druck steht - selbst arbeitssuchend - und alle wollen ständig Geld von ihr. Meine Versicherung, meine Fernschule, mein Fitnessstudio, meine Schwester, ich.
Ich habe Angst vor mir selbst und vor meinen Gefühlen, weil ich sie nicht mal ansatzweise begreifen kann. Ich bin exhibitionistisch ohne Mantel, ohne Selbstschutz, ohne Begrenzungen.
Meine Dämonen klatschen rhythmisch Karten auf den Tisch - die Binge-Karte, die Trauma-Karte, die Selbsthass-Karte. Mein Kopf ruckelt unter dem Gestampfe ihrer hässlichen Füße.
Meine Innere Leere ist ein Vakuum. Da ist nichts: keine Wände, keine Gefühle, kein Denken, nur NICHTS. Mein Körper sagt "Panik" und mein Kopf fühlt sich an, als hätte man ihn ausgesaugt, rien ne va plus. Ich höre, sehe, schmecke noch, aber alles ist extrem weit weg und wird nur auf der unbewussten Ebene registriert. Es ist eigentlich ganz heimelig in der Inneren Leere, wenn auch kalt und langweilig. Aber wenigstens sicher. Nicht erreicht mich, nichts berührt mich, ich könnte auch tot sein.
Weltschmerz! Haha! Mein Weltschmerz zieht folgende Gedankenschleife mit sich (in der Art von klappernden Blechdosen hinter einem Hochzeitswagen): Die Welt ist beschissen. Nichts und niemand kann sie besser machen. Die Existenz ist sinnlos, insbesondere meine eigene. Ich werde nie etwas "schaffen" können, nie etwas bedeutungsvolles leisten. Dafür ist hier auch kein Platz. Die anderen (Mr und Mrs Alle) sind auch beschissen, jawohl. Egoistisches Pack. Idioten. Mich inbegriffen. Was spielen wir hier eigentlich, wann fangen endlich die Zuschauer an mit den Buhrufen? Warum starren sie uns, mich, alle so an? Darf ich bitte hinter die Bühne gehen und meinen Kopf gegen den Garderobenspind schlagen? Den sinnlosen, der Ontologie entlehnten Garderobenspind. Hinein! Weg! Aus.
Das Schneiden, der Druck, sich zu verstümmeln... Der Reiz liegt nicht nur in dem Moment, in dem das Fleisch sich teilt und die rote Suppe herausrinnt (Mundwinkel, Mündigkeit!) oder die Haut verkohlt und stechend brennt unter einem Zigarettenstummel. Genauso befriedigend ist es, noch Tage später eine Narbe zu sehen (und immer wieder zu öffnen), die leise murmelt: Du hast dich schon bestraft, es ist okay. Immer, wenn der Druck wieder kommt, verweise ich auf eine frische Wunde und die Dämonen nicken anerkennend. Ich sitze hier ganz ruhig und spiele in Gedanken wieder und wieder durch, wie ich die Rasierklingen aus dem Papier nehme, sie feierlich ansetze und Blut. Ich tue es nicht. Ich will es nur.
Was ist Deine innere Leere ? Ist Deine Innere Leere ein Raum ? Groß ? Klein ? Verwinkelt ? Male mir doch mal bitte Deine innere Leere / beschreibe sie.
Also Phoebe (ich fange selten so an), Weltschmerz, welche Art von Weltschmerz ? Das alles doof ist ? Das nichts passt, das Alle (da haben wir wieder Mr./Mrs Alle) was gegen einen haben, bitte definiere das genauer.
Ich weiß, das sind alle psychologische Fragen, aber ich bin nicht Deine Psychologin, ich will Dir helfen, das ist alles und ich frage auch um Dich besser zu verstehen / Dich begreifen zu können.
Zum Schneiden, ist es eher die Angst vor der Tat bei Dir oder das Gefühl beim Schneiden, bitte erkläre es mir.
Ich sehe das auch so, vor allem, Du darfst stolz auf Dich sein, Du bist weiter als damals, als Du Dich geschnitten hast, schaue zurück und sehe Dir den Weg an den Du gegangen bist. Du hast mehr erreicht, mehr erfahren, Du hast Dich von einem Übel befreit, (ich meine Mr. T), gehst neue Wege, die nicht einfach sind, aber Du gehst sie."
Okay. Durchatmen. Teer husten. Los!
'Alle' sind sowohl sozialversicherungspflichtig Beschäftigte als auch kleine, fratzige Dämonen (die Mau-Mau spielen, Skat beherrschen sie nicht). Ich habe Angst vor der Konfrontation mit meiner Mutter, Angst, dass sie mich nicht (aus)halten kann, weil ich zu kompliziert und verrückt und teuer und mindestens 15 Kilo zu schwer bin, mindestens 15 cm zu groß. Ich habe Angst, dass sie vielleicht Recht hat und ich mich nicht hinreichend um einen Job bemühe. Sie hat mir vorgeworfen, dass ich alle Süßigkeiten wegfressen, die "privaten" aus ihrem Schlafzimmer. Geht's noch symbolgeladener? Freud hätte seine Freude an uns. "Kannst du nicht einfach das Nutellaglas leeren und die Marmelade und den Frischkäse und dir Pizzen backen?" - "Habe ich doch schon. War leer. Tut mir leid, dass ich so krank bin, Mama, ich habe auch keinen Spaß daran, glaub mir. Und es tut mir besser, wenn du mich nicht so unter Druck setzt im Bezug auf die Arbeit. Ich kümmere mich täglich darum!" Facepalm. Sie zetert, sie wäre ja wohl die jenige, die unter Druck steht - selbst arbeitssuchend - und alle wollen ständig Geld von ihr. Meine Versicherung, meine Fernschule, mein Fitnessstudio, meine Schwester, ich.
Ich habe Angst vor mir selbst und vor meinen Gefühlen, weil ich sie nicht mal ansatzweise begreifen kann. Ich bin exhibitionistisch ohne Mantel, ohne Selbstschutz, ohne Begrenzungen.
Meine Dämonen klatschen rhythmisch Karten auf den Tisch - die Binge-Karte, die Trauma-Karte, die Selbsthass-Karte. Mein Kopf ruckelt unter dem Gestampfe ihrer hässlichen Füße.
Meine Innere Leere ist ein Vakuum. Da ist nichts: keine Wände, keine Gefühle, kein Denken, nur NICHTS. Mein Körper sagt "Panik" und mein Kopf fühlt sich an, als hätte man ihn ausgesaugt, rien ne va plus. Ich höre, sehe, schmecke noch, aber alles ist extrem weit weg und wird nur auf der unbewussten Ebene registriert. Es ist eigentlich ganz heimelig in der Inneren Leere, wenn auch kalt und langweilig. Aber wenigstens sicher. Nicht erreicht mich, nichts berührt mich, ich könnte auch tot sein.
Weltschmerz! Haha! Mein Weltschmerz zieht folgende Gedankenschleife mit sich (in der Art von klappernden Blechdosen hinter einem Hochzeitswagen): Die Welt ist beschissen. Nichts und niemand kann sie besser machen. Die Existenz ist sinnlos, insbesondere meine eigene. Ich werde nie etwas "schaffen" können, nie etwas bedeutungsvolles leisten. Dafür ist hier auch kein Platz. Die anderen (Mr und Mrs Alle) sind auch beschissen, jawohl. Egoistisches Pack. Idioten. Mich inbegriffen. Was spielen wir hier eigentlich, wann fangen endlich die Zuschauer an mit den Buhrufen? Warum starren sie uns, mich, alle so an? Darf ich bitte hinter die Bühne gehen und meinen Kopf gegen den Garderobenspind schlagen? Den sinnlosen, der Ontologie entlehnten Garderobenspind. Hinein! Weg! Aus.
Das Schneiden, der Druck, sich zu verstümmeln... Der Reiz liegt nicht nur in dem Moment, in dem das Fleisch sich teilt und die rote Suppe herausrinnt (Mundwinkel, Mündigkeit!) oder die Haut verkohlt und stechend brennt unter einem Zigarettenstummel. Genauso befriedigend ist es, noch Tage später eine Narbe zu sehen (und immer wieder zu öffnen), die leise murmelt: Du hast dich schon bestraft, es ist okay. Immer, wenn der Druck wieder kommt, verweise ich auf eine frische Wunde und die Dämonen nicken anerkennend. Ich sitze hier ganz ruhig und spiele in Gedanken wieder und wieder durch, wie ich die Rasierklingen aus dem Papier nehme, sie feierlich ansetze und Blut. Ich tue es nicht. Ich will es nur.
Donnerstag, 14. Februar 2013
Sonntag, 10. Februar 2013
Kalte Luft (Trigger?).
Ich laufe und laufe und bewege mich nicht von der Stelle.
Die Luft in meinem Kopf ist diesig und kalt.
Meine Mutter sagt: Ich sehe, dass du schon wieder so dünn bist, Maus. Ich mache mir Sorgen.
T. sagt: Du wiegst doch keine 57 kg mehr?!
Ich sage: Leute, schaut mich an. Ich bin nicht dünn. Und ich bin zwanzig. Und ein Arschloch.
Meine Unterarme sind blutig, rau und voller Rillen. Das Blut will gar nicht mehr trocknen.
Egal, scheißegal.
Denn: Er wird mir nie wieder vertrauen, ich schlage mit Fäusten auf meinen Kopf ein bis ich ein Veilchen habe.
Er sagt: Ich weiß, dass du nicht deine Freundin in Leipzig besuchen willst. Du triffst dich dort mit S. oder R. und willst dich von denen durchficken lassen.
Ich schreie und weine, er hat keinen blassen Schimmer wie unendlich weit ein solcher Gedanke von meinem Zustand entfernt ist. Ich sage, dass ich keinen Kontakt mehr mit diesen Männern habe, was zu 100% der Wahrheit entspricht. Aber er glaubt mir nicht. Ich sage, dann fahre ich nicht nach Leipzig. Er sagt, klar, weil du dich mit diesem Idioten treffen wolltest. Und selbst wenn nicht, wirst du dort jemanden kennenlernen und mich betrügen und verlassen.
Nein.
Nein, niemals, ich will doch nur ihre Wohnung sehen, ihre erste eigene Wohnung und sie ist meine einzige und beste Freundin und-
Wenn das rauskommt, brüllt er, dass du mich wieder verarschst, dann sehen wir uns nie wieder.
Ich heule.
Er glaubt mir nicht, meint, er hätte in meinen Augen gesehen dass ich dort jemanden treffen wollte, um fremdzugehen.
Meine Stimme überschlägt sich: Ich bringe mich jetzt um, wenn du das denkst. Ich schneide meine Scheiß-Brüste ab und meine Klitoris und dann werden wir ja sehen, ob ich Sex haben will.
Im Badezimmer schließe ich mich ein und versenke erstmal Raierklingen in meinem linken Handgelenk.
Es blutet immer noch.
Mageninhalt: 30g Almased. Geiles Leben, echt.
Die Luft in meinem Kopf ist diesig und kalt.
Meine Mutter sagt: Ich sehe, dass du schon wieder so dünn bist, Maus. Ich mache mir Sorgen.
T. sagt: Du wiegst doch keine 57 kg mehr?!
Ich sage: Leute, schaut mich an. Ich bin nicht dünn. Und ich bin zwanzig. Und ein Arschloch.
Meine Unterarme sind blutig, rau und voller Rillen. Das Blut will gar nicht mehr trocknen.
Egal, scheißegal.
Denn: Er wird mir nie wieder vertrauen, ich schlage mit Fäusten auf meinen Kopf ein bis ich ein Veilchen habe.
Er sagt: Ich weiß, dass du nicht deine Freundin in Leipzig besuchen willst. Du triffst dich dort mit S. oder R. und willst dich von denen durchficken lassen.
Ich schreie und weine, er hat keinen blassen Schimmer wie unendlich weit ein solcher Gedanke von meinem Zustand entfernt ist. Ich sage, dass ich keinen Kontakt mehr mit diesen Männern habe, was zu 100% der Wahrheit entspricht. Aber er glaubt mir nicht. Ich sage, dann fahre ich nicht nach Leipzig. Er sagt, klar, weil du dich mit diesem Idioten treffen wolltest. Und selbst wenn nicht, wirst du dort jemanden kennenlernen und mich betrügen und verlassen.
Nein.
Nein, niemals, ich will doch nur ihre Wohnung sehen, ihre erste eigene Wohnung und sie ist meine einzige und beste Freundin und-
Wenn das rauskommt, brüllt er, dass du mich wieder verarschst, dann sehen wir uns nie wieder.
Ich heule.
Er glaubt mir nicht, meint, er hätte in meinen Augen gesehen dass ich dort jemanden treffen wollte, um fremdzugehen.
Meine Stimme überschlägt sich: Ich bringe mich jetzt um, wenn du das denkst. Ich schneide meine Scheiß-Brüste ab und meine Klitoris und dann werden wir ja sehen, ob ich Sex haben will.
Im Badezimmer schließe ich mich ein und versenke erstmal Raierklingen in meinem linken Handgelenk.
Es blutet immer noch.
Mageninhalt: 30g Almased. Geiles Leben, echt.
Montag, 7. Januar 2013
Radio Off.
Ich kann gar nicht anfangen, weil ich nicht weiß ob ich die Kraft oder Ausdauer habe alles zu erzählen, was passiert ist.
Ich nehme jetzt neue Antidepressiva (zusätzlich zu den alten) plus Schilddrüsentabletten und kann sagen, dass es mir besser geht. Irgendwo.
Vielleicht bin ich auch nur gleichgültiger oder abgebrühter, so abgebrüht wie ich war, als ich mir Donnerstagnacht die Pulsader auf- und die Sehnen angeschnitten habe.
Was passiert dann mit diesem Wrack von Mensch? Man näht es zu, schickt es über Nacht in die Psychiatrie (flankiert von furchtbar arroganten Jung-Polizisten). Dann lässt man es ziehen, damit es sich am ganzen Leib vor Erregung und Lebendigkeit zitternd wieder hineinwerfen kann in dieses "Leben":
T. beendete die Beziehung noch am Tag der Entlassung. Die folgenden Tage verbrachte ich (das Wrack, das Leben, die Naht) ohne Nahrungsaufnahme bei ihm und hoffte, er würde die Flasche Vodka absetzen, was nicht geschah. Gestern Nacht dann: "Natürlich will ich mit dir zusammen sein".
Es ist so merkwürdig leise in meinem Kopf. Hin und wieder höre ich Gesprächsfetzten von Donnerstagnacht ("Schwanz, Schwänze, Fotze, Hass, Ekel, Schwanz, Hass, bring' dich doch um!"), ein wenig verrauscht wie bei einem schlecht eingestellten Radio, Flackern und Stille.
Ich weiß, dass etwas passieren muss hier. Und nein, damit meine ich nicht, dass ich weiter hungern sollte oder mich von T. trennen oder irgendetwas derartiges.
Möglicherweise finde ich ob der friedlichen Stille oberhalb meiner Schultern endlich die Kraft, wirklich etwas zu verändern.
Aber nicht heute ---
Ich nehme jetzt neue Antidepressiva (zusätzlich zu den alten) plus Schilddrüsentabletten und kann sagen, dass es mir besser geht. Irgendwo.
Vielleicht bin ich auch nur gleichgültiger oder abgebrühter, so abgebrüht wie ich war, als ich mir Donnerstagnacht die Pulsader auf- und die Sehnen angeschnitten habe.
Was passiert dann mit diesem Wrack von Mensch? Man näht es zu, schickt es über Nacht in die Psychiatrie (flankiert von furchtbar arroganten Jung-Polizisten). Dann lässt man es ziehen, damit es sich am ganzen Leib vor Erregung und Lebendigkeit zitternd wieder hineinwerfen kann in dieses "Leben":
T. beendete die Beziehung noch am Tag der Entlassung. Die folgenden Tage verbrachte ich (das Wrack, das Leben, die Naht) ohne Nahrungsaufnahme bei ihm und hoffte, er würde die Flasche Vodka absetzen, was nicht geschah. Gestern Nacht dann: "Natürlich will ich mit dir zusammen sein".
Es ist so merkwürdig leise in meinem Kopf. Hin und wieder höre ich Gesprächsfetzten von Donnerstagnacht ("Schwanz, Schwänze, Fotze, Hass, Ekel, Schwanz, Hass, bring' dich doch um!"), ein wenig verrauscht wie bei einem schlecht eingestellten Radio, Flackern und Stille.
Ich weiß, dass etwas passieren muss hier. Und nein, damit meine ich nicht, dass ich weiter hungern sollte oder mich von T. trennen oder irgendetwas derartiges.
Möglicherweise finde ich ob der friedlichen Stille oberhalb meiner Schultern endlich die Kraft, wirklich etwas zu verändern.
Aber nicht heute ---
Freitag, 28. Dezember 2012
Wirres Gelaber.
Heute Nachmittag kommt er also wieder. Bin ich bereit?
Abführmittel - check. (Bauch ist trotzdem noch fett)
Haare mit Nagelschere geschnitten - check. (Gestern Abend im Wahn, ich trage jetzt wieder einen Bob à la Alexa Chung)
Geschirr gespült und Badezimmer geputzt - check.
Bereit bin ich trotzdem nicht. Nicht dafür, dass er heute Abend wieder trinken will. Ich hasse es so sehr...
Ich schwebe in einer merkwürdigen Zwischensphäre, einem Windkanal aus Depression, Körperbesessenheit, dem Gefühl das mir "1913" vermittelt (ich wiederhole: unbedingt lesen! Link!), Desinteresse an allem, was mir bevorsteht in den nächsten Monaten und der allseits beliebten Frage "Was soll ich essen".
Ich fühle mich nicht lebendig und nicht tot, nicht Fisch nicht Fleisch, nicht farbig und nicht schwarz-weiß. Schwer zu beschreiben. Es ist eine Verweigerung der Achtsamkeit und des "im Moment lebens". Ich hänge kopfmäßig in diesem und dem letzten Jahr fest weil so wahnsinnig viel passiert ist und ich es schlichtweg nicht auf die Reihe bekomme, zu akzeptieren oder anzuerkennen dass ICH es war, die diese Dinge gesehen, getan, gespürt, geschmeckt habe.
Warum musste ich mein Leben so gründlich gegen die Wand fahren?
Warum gibt es diese innere Abneigung gegen alles, was von außen kommt?
Warum habe ich die Schule aufgegeben?
Warum habe ich zugenommen?
Warum die letzte Klinik?
Warum die Affäre?
Warum ich?
Kann ich einfach tot sein?
Ich will ja gar nicht sterben, nur den Schalter umlegen bei diesem im Koma liegenden Siechtum namens Körper. Das hätte schon vor einer gefühlten Ewigkeit geschehen müssen.
Meine Vorsätze für das neue Jahr sind die selben wie letztes Mal: Abnehmen, ein besserer Mensch werden, irgendetwas gebacken bekommen. Die Chance, dass es diesmal gelingt, sind erfahrungsgemäß sehr gering...
Abführmittel - check. (Bauch ist trotzdem noch fett)
Haare mit Nagelschere geschnitten - check. (Gestern Abend im Wahn, ich trage jetzt wieder einen Bob à la Alexa Chung)
Geschirr gespült und Badezimmer geputzt - check.
Bereit bin ich trotzdem nicht. Nicht dafür, dass er heute Abend wieder trinken will. Ich hasse es so sehr...
Ich schwebe in einer merkwürdigen Zwischensphäre, einem Windkanal aus Depression, Körperbesessenheit, dem Gefühl das mir "1913" vermittelt (ich wiederhole: unbedingt lesen! Link!), Desinteresse an allem, was mir bevorsteht in den nächsten Monaten und der allseits beliebten Frage "Was soll ich essen".
Ich fühle mich nicht lebendig und nicht tot, nicht Fisch nicht Fleisch, nicht farbig und nicht schwarz-weiß. Schwer zu beschreiben. Es ist eine Verweigerung der Achtsamkeit und des "im Moment lebens". Ich hänge kopfmäßig in diesem und dem letzten Jahr fest weil so wahnsinnig viel passiert ist und ich es schlichtweg nicht auf die Reihe bekomme, zu akzeptieren oder anzuerkennen dass ICH es war, die diese Dinge gesehen, getan, gespürt, geschmeckt habe.
Warum musste ich mein Leben so gründlich gegen die Wand fahren?
Warum gibt es diese innere Abneigung gegen alles, was von außen kommt?
Warum habe ich die Schule aufgegeben?
Warum habe ich zugenommen?
Warum die letzte Klinik?
Warum die Affäre?
Warum ich?
Kann ich einfach tot sein?
Ich will ja gar nicht sterben, nur den Schalter umlegen bei diesem im Koma liegenden Siechtum namens Körper. Das hätte schon vor einer gefühlten Ewigkeit geschehen müssen.
Meine Vorsätze für das neue Jahr sind die selben wie letztes Mal: Abnehmen, ein besserer Mensch werden, irgendetwas gebacken bekommen. Die Chance, dass es diesmal gelingt, sind erfahrungsgemäß sehr gering...
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