Eine andere Welt, dabei ist es gerade mal ein gutes Jahr her, dass...
Gestern: Meine Mutter und ich machen den obligatorischen Wocheneinkauf bei LIDL. "Mama, ich finde das so fies, dass an der Kasse die ganzen Süßigkeiten stehen. Das ist so suggestiv und für willensschwache Menschen wie mich..." - "Für die Kinder, für die quengeligen, kleinen Kinder, die mit ihren Müttern in der Schlange stehen. Du bist doch ein Kind, Kleines.", sie versucht mich in eine Umarmung zu ziehen. Ich winde mich heraus. Mein Selbstwertgefühl befindet sich in der Nähe des Erdkerns. "Ich will heute fasten, glaube ich". Sie zuckt mit den Schultern und fängt an, die Einkäufe auf das Band zu legen.
Gegen Abend werden die Vorsätze über Bord geworfen, als Lennard mir schreibt, ob ich Lust hätte, zum Grillen in die WG zu kommen. Wer bin ich, einen Abend unter lieben Menschen auszuschlagen, nur weil ich denke, auszusehen wie Dresden 45? Seine Haare sind wieder sehr kurz, er füllt Alu-Schiffchen mit Süßkartoffeln und Zucchini. Auf dem Balkon stehen Howard und Penny, er stochert in seinem Besserverdiener-Grill herum, sie raucht und bespricht mich mit heiserer Rock-im-Park-Stimme, ich genieße es, nicht geben zu müssen. Lache vorsichtig, stebe aus dem Kamerafokus.
Vier Stunden später hält er mich im Arm und ich lasse los, Kopf aus. Ich will, dass die Wunden schneller heilen.
Posts mit dem Label Mama werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label Mama werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Freitag, 14. Juni 2013
Samstag, 8. Juni 2013
Passive Agressive.
Autosuggestiv The Stone Roses hören bringt's wirklich. Es ist immer noch ekelhaft warm (ich bin wirklich ein Winter-Mensch), ich bin immer noch die vollgefressene, unförmige, ungeduschte, unausgelastete, asexuelle, wehleidige Ausgabe meiner Selbst, aber es geht. Irgendwie. Besser als gestern.
Der Gedanke alles hinzuschmeißen, heute Nacht noch präsent, ist wieder abgetaucht. Irgenwie gewöhnt man sich daran, dass die Schübe kommen und gehen, sinuskurvenförmig Ping-Pong mit meinem Lebensmut und meiner geistigen Verfassung spielen. Abwarten und Kaffee trinken - Selbstwirksamkeit ist was anderes, Eigenverantwortung auch.
Vorgestern: Frau L. fragt mich, warum ich zu allem "Ja und Amen" sage. Ich muss passen, spiele mit Lulus Uhr an meinem Handgelenk und halte Tränen zurück. Sie mustert mich lange und wartet. "Wissen Sie, wenn ich könnte, würde ich wahnsinnig gerne allen mal meine Meinung sagen, unzensiert." - "Wer sind alle?" - "Alle eben." - "Und was würden Sie sagen?" - "Was ich wirklich denke." - "Was hält Sie denn davon ab? Glauben Sie, Ihr Umfeld könnte Ihre Agression nicht aushalten?"
Jackpot, Sie haben es erfasst. Ich glaube, dass meine wahre, bedürftige, verletzliche, zickig-launische, lustlose, unendlich wütende, großspurige, habgierige, dümmliche, eifersüchtige, dramatische, suizidale, nervtötende, emotional in vielerlei Hinsicht traumatisierte, hungrige, polternde, winzig kleine, unstete Persönlichkeit niemand, wirklich niemand ertragen könnte. Deswegen schlucke ich lieber. Alles. "Ich schlucke alles, wissen Sie?!", ich werde laut und reiße die Augen auf.
Frau L. ist ganz ruhig. "Ihr Problem ist, dass Sie nur diese eine Sicht auf Sie selbst zulassen. Sie denken, jeder würde Sie verurteilen und Sie exakt so negativ einschätzen, wie Sie selbst es tun. Sie wollen ja auch nichts anderes hören, Komplimente sind Lügen, Nettigkeiten sind eigennützig, Sie ertragen weder Umarmungen noch Zuspruch. Wer Ihnen sagt, dass er an Sie glaubt, setzt Sie unter Druck. Sie lassen niemanden an sich."
"Im Gegenteil, ich lasse viel zu viel viel zu nah an mich." - "Das ist kein Widerspruch. Aber Ihre Beziehungen sind einseitig, solange Sie Ihr Selbstbild verteidigen." - "Das ist Selbstschutz." - "Ich weiß. Aber wovor schützen Sie sich? Was sollte ich Ihnen schlimmes antun?" - "Sie könnten über mich triumphieren, mich manipulieren, mir meine Kritikfähigkeit nehmen..." Sie schüttelt den Kopf.
Ich erzähle ihr von meinen Fressgelagen und dass ich Schwierigkeiten habe, das Haus zu verlassen. Ich jammere. Ich heule rum, dass ich nicht kotzen kann, "...nur neulich, wissen Sie, da habe ich meinen Kotzpunkt gefunden, glaube ich. Beim Oralsex. Seitdem denke ich, wenn ich nur lange und tief genug in meiner Kehle bohre, müsste ich es doch schaffen... Denke ständig daran, ein Ass im Ärmel." Ich schildere grausame Träume von inzestuöisen Vergewaltigungen durch meine Mutter, taste mich durch Kindheitserinnerungen (Wie ich meinen Vater beim Masturbieren erwischte - Teil 1-4, Wie meine betrunkenen Eltern alle Hemmungen verloren - das Archiv, ect). Am Ende der Sitzung schlage ich meine Schienbeine, um mich wieder zu spüren. Wütend bin ich und stumm.
Der Gedanke alles hinzuschmeißen, heute Nacht noch präsent, ist wieder abgetaucht. Irgenwie gewöhnt man sich daran, dass die Schübe kommen und gehen, sinuskurvenförmig Ping-Pong mit meinem Lebensmut und meiner geistigen Verfassung spielen. Abwarten und Kaffee trinken - Selbstwirksamkeit ist was anderes, Eigenverantwortung auch.
Vorgestern: Frau L. fragt mich, warum ich zu allem "Ja und Amen" sage. Ich muss passen, spiele mit Lulus Uhr an meinem Handgelenk und halte Tränen zurück. Sie mustert mich lange und wartet. "Wissen Sie, wenn ich könnte, würde ich wahnsinnig gerne allen mal meine Meinung sagen, unzensiert." - "Wer sind alle?" - "Alle eben." - "Und was würden Sie sagen?" - "Was ich wirklich denke." - "Was hält Sie denn davon ab? Glauben Sie, Ihr Umfeld könnte Ihre Agression nicht aushalten?"
Jackpot, Sie haben es erfasst. Ich glaube, dass meine wahre, bedürftige, verletzliche, zickig-launische, lustlose, unendlich wütende, großspurige, habgierige, dümmliche, eifersüchtige, dramatische, suizidale, nervtötende, emotional in vielerlei Hinsicht traumatisierte, hungrige, polternde, winzig kleine, unstete Persönlichkeit niemand, wirklich niemand ertragen könnte. Deswegen schlucke ich lieber. Alles. "Ich schlucke alles, wissen Sie?!", ich werde laut und reiße die Augen auf.
Frau L. ist ganz ruhig. "Ihr Problem ist, dass Sie nur diese eine Sicht auf Sie selbst zulassen. Sie denken, jeder würde Sie verurteilen und Sie exakt so negativ einschätzen, wie Sie selbst es tun. Sie wollen ja auch nichts anderes hören, Komplimente sind Lügen, Nettigkeiten sind eigennützig, Sie ertragen weder Umarmungen noch Zuspruch. Wer Ihnen sagt, dass er an Sie glaubt, setzt Sie unter Druck. Sie lassen niemanden an sich."
"Im Gegenteil, ich lasse viel zu viel viel zu nah an mich." - "Das ist kein Widerspruch. Aber Ihre Beziehungen sind einseitig, solange Sie Ihr Selbstbild verteidigen." - "Das ist Selbstschutz." - "Ich weiß. Aber wovor schützen Sie sich? Was sollte ich Ihnen schlimmes antun?" - "Sie könnten über mich triumphieren, mich manipulieren, mir meine Kritikfähigkeit nehmen..." Sie schüttelt den Kopf.
Ich erzähle ihr von meinen Fressgelagen und dass ich Schwierigkeiten habe, das Haus zu verlassen. Ich jammere. Ich heule rum, dass ich nicht kotzen kann, "...nur neulich, wissen Sie, da habe ich meinen Kotzpunkt gefunden, glaube ich. Beim Oralsex. Seitdem denke ich, wenn ich nur lange und tief genug in meiner Kehle bohre, müsste ich es doch schaffen... Denke ständig daran, ein Ass im Ärmel." Ich schildere grausame Träume von inzestuöisen Vergewaltigungen durch meine Mutter, taste mich durch Kindheitserinnerungen (Wie ich meinen Vater beim Masturbieren erwischte - Teil 1-4, Wie meine betrunkenen Eltern alle Hemmungen verloren - das Archiv, ect). Am Ende der Sitzung schlage ich meine Schienbeine, um mich wieder zu spüren. Wütend bin ich und stumm.
Montag, 13. Mai 2013
"Und sind wir umstellt von unserem Scheitern, dann bauen wir auf Räuberleitern."
Der Druck fällt, Brust schwingt wieder federleicht,
kein Monster mehr, das aus dem Nebel steigt,
mehr Monster werden kommen, doch sie kommen
erst mit dem Dunst raus am Abend.
- Und sollen sie doch kommen, denn wenn sie komm’,
werd’ ich alle erschlagen.
(Prinz Pi - Unser Platz)
Abgesehen von den obligatorischen Geldsorgen geht es mir wirklich gut. Amen.
Zusammenfassung der letzten fünf Tage in Stichworten: Aufbäumen der anorektischen Gedanken in der Therapie - Fressgelage extrem - Sehnsucht - spontaner Nachmittag mit Penny auf ihrem Balkon - interpersonelle Konflikte dekonstruieren - Bowling mit den Leuten ihres Freundes - Vorstellungsgespräch am Samstagvormittag bei einer Nachhilfeschule um die Ecke - wunderschön entspannter Nachmittag mit Lennard inklusive ernstem und aufrichtigem "Beziehungsgespräch" - Spieleabend zu viert ("Das Spiel dauert neunzig Minuten und am Ende gewinnt immer Penny") - zwei professionell gebaute Joints um halb zwei Uhr morgens - die Musik unserer Eltern und endlose Lachflashs - der beste Sex meines bisherigen Lebens - unterbrochen von einem plötzlichen Übelkeitsanfall seinerseits (ich dachte, so etwas passiert nur in Filmen) - Zigarette nackt auf dem Balkon - Sorge - Besserung - gemeinsames, zugedröhntes Einschlafen - gemeinsames, zugedröhnt-verkatertes Aufstehen um halb neun morgens - Knack-und-Back-Brötchen mit Erdnussbutter und Marmelade - Sims-City-Let's-Play schauen und im gleichen Rhytmus atmen - übereinander herfallen - vollends erfüllt und high ins Auto meiner Mutter springen und zu meinem Opa fahren - unterwegs mit Lulu deutschen Hip-Hop hören (Käptn Peng, Prinz Pi, Casper) - Opa aufpicken und zusammen essen gehen - in einer wunderschönen Altstadt im Odenwald das einzige und ekelhafte vegetarische Gericht bestellen (zerkochtes, ungesalzenes Gemüse mit Sauce Hollandaise) - das "Grab" meiner Oma besuchen, welches eigentlich ein Baum ist, vor dem ihre Urne vergraben wurde - Kakao trinken und durch den Wald tanzen - eine Kinderschaukel, losgelöstes Lachen, Erinnerungen leben, Glück - auf der Rückfahrt im Auto Radiohead hören und einschlafen - zu Hause weiterpennen - die Nacht mit klugen Texten, wilden Theorien und Pornos verbringen - Montagfrüh mit Lulu Kaffee trinken - Fitnesstudio: 1000 kcal verbrennen - philosophische Texte im Bus lesen - zärtliche SMS mit Lennard austauschen - die Sparkasse hassen, welche mein Geld zurückhält - von Mama Strumpfhosen gekauft bekommen - für Lulu vegane Zucchini-Spaghettie-Carbonara kochen - mit ihm am Telefon Alltagsgeschichten austauschen und verliebt sein in eine dunkle Stimme Ohr Herz und Kopf - die Glotze anmachen und den Tag mit kritischen Dokus und Frank Plasberg ausklingen lassen
Ich sitze hier seit einer Stunde in Lulus tollsten Mantel gehüllt (Raucherzimmer wollen gut gelüftet sein) und pulsiere vor Lebenswut. Im positivsten Sinne. Lernen, Abnehmen, Arbeiten, unter Menschen sein statt unter Geistern.
Mittwoch, 24. April 2013
Male mir deine Innere Leere.
"Jetzt natürlich die Frage - vor was hast Du Angst, allen nicht gerecht
zu werden und wer sind die 'Alle' und was machen die 'Alle' und haben
die 'Alle' eine Sozialversicherung oder sind es auch nur kleine Dämonen
auf den Eltern, die Skat spielen und warten, dass sie einen piesacken
können ?
Was ist Deine innere Leere ? Ist Deine Innere Leere ein Raum ? Groß ? Klein ? Verwinkelt ? Male mir doch mal bitte Deine innere Leere / beschreibe sie.
Also Phoebe (ich fange selten so an), Weltschmerz, welche Art von Weltschmerz ? Das alles doof ist ? Das nichts passt, das Alle (da haben wir wieder Mr./Mrs Alle) was gegen einen haben, bitte definiere das genauer.
Ich weiß, das sind alle psychologische Fragen, aber ich bin nicht Deine Psychologin, ich will Dir helfen, das ist alles und ich frage auch um Dich besser zu verstehen / Dich begreifen zu können.
Zum Schneiden, ist es eher die Angst vor der Tat bei Dir oder das Gefühl beim Schneiden, bitte erkläre es mir.
Ich sehe das auch so, vor allem, Du darfst stolz auf Dich sein, Du bist weiter als damals, als Du Dich geschnitten hast, schaue zurück und sehe Dir den Weg an den Du gegangen bist. Du hast mehr erreicht, mehr erfahren, Du hast Dich von einem Übel befreit, (ich meine Mr. T), gehst neue Wege, die nicht einfach sind, aber Du gehst sie."
Okay. Durchatmen. Teer husten. Los!
'Alle' sind sowohl sozialversicherungspflichtig Beschäftigte als auch kleine, fratzige Dämonen (die Mau-Mau spielen, Skat beherrschen sie nicht). Ich habe Angst vor der Konfrontation mit meiner Mutter, Angst, dass sie mich nicht (aus)halten kann, weil ich zu kompliziert und verrückt und teuer und mindestens 15 Kilo zu schwer bin, mindestens 15 cm zu groß. Ich habe Angst, dass sie vielleicht Recht hat und ich mich nicht hinreichend um einen Job bemühe. Sie hat mir vorgeworfen, dass ich alle Süßigkeiten wegfressen, die "privaten" aus ihrem Schlafzimmer. Geht's noch symbolgeladener? Freud hätte seine Freude an uns. "Kannst du nicht einfach das Nutellaglas leeren und die Marmelade und den Frischkäse und dir Pizzen backen?" - "Habe ich doch schon. War leer. Tut mir leid, dass ich so krank bin, Mama, ich habe auch keinen Spaß daran, glaub mir. Und es tut mir besser, wenn du mich nicht so unter Druck setzt im Bezug auf die Arbeit. Ich kümmere mich täglich darum!" Facepalm. Sie zetert, sie wäre ja wohl die jenige, die unter Druck steht - selbst arbeitssuchend - und alle wollen ständig Geld von ihr. Meine Versicherung, meine Fernschule, mein Fitnessstudio, meine Schwester, ich.
Ich habe Angst vor mir selbst und vor meinen Gefühlen, weil ich sie nicht mal ansatzweise begreifen kann. Ich bin exhibitionistisch ohne Mantel, ohne Selbstschutz, ohne Begrenzungen.
Meine Dämonen klatschen rhythmisch Karten auf den Tisch - die Binge-Karte, die Trauma-Karte, die Selbsthass-Karte. Mein Kopf ruckelt unter dem Gestampfe ihrer hässlichen Füße.
Meine Innere Leere ist ein Vakuum. Da ist nichts: keine Wände, keine Gefühle, kein Denken, nur NICHTS. Mein Körper sagt "Panik" und mein Kopf fühlt sich an, als hätte man ihn ausgesaugt, rien ne va plus. Ich höre, sehe, schmecke noch, aber alles ist extrem weit weg und wird nur auf der unbewussten Ebene registriert. Es ist eigentlich ganz heimelig in der Inneren Leere, wenn auch kalt und langweilig. Aber wenigstens sicher. Nicht erreicht mich, nichts berührt mich, ich könnte auch tot sein.
Weltschmerz! Haha! Mein Weltschmerz zieht folgende Gedankenschleife mit sich (in der Art von klappernden Blechdosen hinter einem Hochzeitswagen): Die Welt ist beschissen. Nichts und niemand kann sie besser machen. Die Existenz ist sinnlos, insbesondere meine eigene. Ich werde nie etwas "schaffen" können, nie etwas bedeutungsvolles leisten. Dafür ist hier auch kein Platz. Die anderen (Mr und Mrs Alle) sind auch beschissen, jawohl. Egoistisches Pack. Idioten. Mich inbegriffen. Was spielen wir hier eigentlich, wann fangen endlich die Zuschauer an mit den Buhrufen? Warum starren sie uns, mich, alle so an? Darf ich bitte hinter die Bühne gehen und meinen Kopf gegen den Garderobenspind schlagen? Den sinnlosen, der Ontologie entlehnten Garderobenspind. Hinein! Weg! Aus.
Das Schneiden, der Druck, sich zu verstümmeln... Der Reiz liegt nicht nur in dem Moment, in dem das Fleisch sich teilt und die rote Suppe herausrinnt (Mundwinkel, Mündigkeit!) oder die Haut verkohlt und stechend brennt unter einem Zigarettenstummel. Genauso befriedigend ist es, noch Tage später eine Narbe zu sehen (und immer wieder zu öffnen), die leise murmelt: Du hast dich schon bestraft, es ist okay. Immer, wenn der Druck wieder kommt, verweise ich auf eine frische Wunde und die Dämonen nicken anerkennend. Ich sitze hier ganz ruhig und spiele in Gedanken wieder und wieder durch, wie ich die Rasierklingen aus dem Papier nehme, sie feierlich ansetze und Blut. Ich tue es nicht. Ich will es nur.
Was ist Deine innere Leere ? Ist Deine Innere Leere ein Raum ? Groß ? Klein ? Verwinkelt ? Male mir doch mal bitte Deine innere Leere / beschreibe sie.
Also Phoebe (ich fange selten so an), Weltschmerz, welche Art von Weltschmerz ? Das alles doof ist ? Das nichts passt, das Alle (da haben wir wieder Mr./Mrs Alle) was gegen einen haben, bitte definiere das genauer.
Ich weiß, das sind alle psychologische Fragen, aber ich bin nicht Deine Psychologin, ich will Dir helfen, das ist alles und ich frage auch um Dich besser zu verstehen / Dich begreifen zu können.
Zum Schneiden, ist es eher die Angst vor der Tat bei Dir oder das Gefühl beim Schneiden, bitte erkläre es mir.
Ich sehe das auch so, vor allem, Du darfst stolz auf Dich sein, Du bist weiter als damals, als Du Dich geschnitten hast, schaue zurück und sehe Dir den Weg an den Du gegangen bist. Du hast mehr erreicht, mehr erfahren, Du hast Dich von einem Übel befreit, (ich meine Mr. T), gehst neue Wege, die nicht einfach sind, aber Du gehst sie."
Okay. Durchatmen. Teer husten. Los!
'Alle' sind sowohl sozialversicherungspflichtig Beschäftigte als auch kleine, fratzige Dämonen (die Mau-Mau spielen, Skat beherrschen sie nicht). Ich habe Angst vor der Konfrontation mit meiner Mutter, Angst, dass sie mich nicht (aus)halten kann, weil ich zu kompliziert und verrückt und teuer und mindestens 15 Kilo zu schwer bin, mindestens 15 cm zu groß. Ich habe Angst, dass sie vielleicht Recht hat und ich mich nicht hinreichend um einen Job bemühe. Sie hat mir vorgeworfen, dass ich alle Süßigkeiten wegfressen, die "privaten" aus ihrem Schlafzimmer. Geht's noch symbolgeladener? Freud hätte seine Freude an uns. "Kannst du nicht einfach das Nutellaglas leeren und die Marmelade und den Frischkäse und dir Pizzen backen?" - "Habe ich doch schon. War leer. Tut mir leid, dass ich so krank bin, Mama, ich habe auch keinen Spaß daran, glaub mir. Und es tut mir besser, wenn du mich nicht so unter Druck setzt im Bezug auf die Arbeit. Ich kümmere mich täglich darum!" Facepalm. Sie zetert, sie wäre ja wohl die jenige, die unter Druck steht - selbst arbeitssuchend - und alle wollen ständig Geld von ihr. Meine Versicherung, meine Fernschule, mein Fitnessstudio, meine Schwester, ich.
Ich habe Angst vor mir selbst und vor meinen Gefühlen, weil ich sie nicht mal ansatzweise begreifen kann. Ich bin exhibitionistisch ohne Mantel, ohne Selbstschutz, ohne Begrenzungen.
Meine Dämonen klatschen rhythmisch Karten auf den Tisch - die Binge-Karte, die Trauma-Karte, die Selbsthass-Karte. Mein Kopf ruckelt unter dem Gestampfe ihrer hässlichen Füße.
Meine Innere Leere ist ein Vakuum. Da ist nichts: keine Wände, keine Gefühle, kein Denken, nur NICHTS. Mein Körper sagt "Panik" und mein Kopf fühlt sich an, als hätte man ihn ausgesaugt, rien ne va plus. Ich höre, sehe, schmecke noch, aber alles ist extrem weit weg und wird nur auf der unbewussten Ebene registriert. Es ist eigentlich ganz heimelig in der Inneren Leere, wenn auch kalt und langweilig. Aber wenigstens sicher. Nicht erreicht mich, nichts berührt mich, ich könnte auch tot sein.
Weltschmerz! Haha! Mein Weltschmerz zieht folgende Gedankenschleife mit sich (in der Art von klappernden Blechdosen hinter einem Hochzeitswagen): Die Welt ist beschissen. Nichts und niemand kann sie besser machen. Die Existenz ist sinnlos, insbesondere meine eigene. Ich werde nie etwas "schaffen" können, nie etwas bedeutungsvolles leisten. Dafür ist hier auch kein Platz. Die anderen (Mr und Mrs Alle) sind auch beschissen, jawohl. Egoistisches Pack. Idioten. Mich inbegriffen. Was spielen wir hier eigentlich, wann fangen endlich die Zuschauer an mit den Buhrufen? Warum starren sie uns, mich, alle so an? Darf ich bitte hinter die Bühne gehen und meinen Kopf gegen den Garderobenspind schlagen? Den sinnlosen, der Ontologie entlehnten Garderobenspind. Hinein! Weg! Aus.
Das Schneiden, der Druck, sich zu verstümmeln... Der Reiz liegt nicht nur in dem Moment, in dem das Fleisch sich teilt und die rote Suppe herausrinnt (Mundwinkel, Mündigkeit!) oder die Haut verkohlt und stechend brennt unter einem Zigarettenstummel. Genauso befriedigend ist es, noch Tage später eine Narbe zu sehen (und immer wieder zu öffnen), die leise murmelt: Du hast dich schon bestraft, es ist okay. Immer, wenn der Druck wieder kommt, verweise ich auf eine frische Wunde und die Dämonen nicken anerkennend. Ich sitze hier ganz ruhig und spiele in Gedanken wieder und wieder durch, wie ich die Rasierklingen aus dem Papier nehme, sie feierlich ansetze und Blut. Ich tue es nicht. Ich will es nur.
Donnerstag, 28. März 2013
Näher jetzt als gestern.
Nach einer traumlosen Nacht der Tiefenentspannung, (Einschlafgedanken an Derek Parfit und Nase in ein navygrünes T-Shirt von Lennard vergraben) sitze ich nun hier im Schneidersitz auf meinem flauschigen Bett.
Kaffee ans Knie gelehnt, XL-Zigarillo von meinem Stiefvater im Mundwinkel und bin einigermaßen zufrieden mit meinem Leben.
Dieser Satz aus meinem Mund, wer hätte das gedacht?
Ich liebe den erdigen Geschmack des Rauches. Die Kühle meines Zimmers im fahlen Winterlicht. Thom Yorkes Stimme, die meine Bauchdecke erbeben lässt. Ich liebe meine Mutter, beim Kaffeekochen in der Küche getroffen, zwei Tiere in Bademänteln. Ich liebe es, zu frühstücken (Naturjoghurt mit Sojaflocken, Müsli, Leinsamen und Alpro light) und dabei nur das Essen zu schmecken - keine Glotze, kein Lesen, keine Ablenkung.
Ich liebe es, um sieben Uhr das Laptop hochzufahren und meine erste Kippe mit einer Partie Spider Solitär zu genießen. Das kreative Chaos meines Zimmers - Sportsachen, die mir zublinzeln, ein paar Zeitschriften, Kabelsalat, Gedichtbände, Schulsachen. Ich freue mich wahnsinnig, meine Lulu wiederzusehen und meine Cousine. Auf die zwei Stunden im Auto mit meiner Mutter und meinem Stiefvater und lautem Jazz und
Freiheit. Auf das Haus am See.
Ich freue mich darauf, wieder mit dem Lernen zu beginnen. Stundenlang über Büchern zu brüten, krakelige Aufsätze zu verfassen, meinen Geist zu nähren.
Auf Zyklopenmomente und Küsse im Auto.
Auf Telefonate mit meiner Besten, die meine Erwartungen immer wieder übertrifft.
Ich will arbeiten gehen.
Struktur und Organisation gegen die Ängste.
Ich will Joy Division und The Smashing Pumpkins und Genesis hören und ewig vergessene, selbstvergessene Ballettschritte auf meinem fleckigen Teppich tanzen.
Ich will Zeit.
Ich liebe Zeit.
Ich freue mich auf die Zeit.
Parfit sagt, Zeit ist ein Raum, und das Verstreichen der Zeit eine Illusion. Das ist tröstlich und russisches Roulette zugleich. Mein Buddha auf dem roten Metallschränkchen nickt langsam.
Kaffee ans Knie gelehnt, XL-Zigarillo von meinem Stiefvater im Mundwinkel und bin einigermaßen zufrieden mit meinem Leben.
Dieser Satz aus meinem Mund, wer hätte das gedacht?
Ich liebe den erdigen Geschmack des Rauches. Die Kühle meines Zimmers im fahlen Winterlicht. Thom Yorkes Stimme, die meine Bauchdecke erbeben lässt. Ich liebe meine Mutter, beim Kaffeekochen in der Küche getroffen, zwei Tiere in Bademänteln. Ich liebe es, zu frühstücken (Naturjoghurt mit Sojaflocken, Müsli, Leinsamen und Alpro light) und dabei nur das Essen zu schmecken - keine Glotze, kein Lesen, keine Ablenkung.
Ich liebe es, um sieben Uhr das Laptop hochzufahren und meine erste Kippe mit einer Partie Spider Solitär zu genießen. Das kreative Chaos meines Zimmers - Sportsachen, die mir zublinzeln, ein paar Zeitschriften, Kabelsalat, Gedichtbände, Schulsachen. Ich freue mich wahnsinnig, meine Lulu wiederzusehen und meine Cousine. Auf die zwei Stunden im Auto mit meiner Mutter und meinem Stiefvater und lautem Jazz und
Freiheit. Auf das Haus am See.
Ich freue mich darauf, wieder mit dem Lernen zu beginnen. Stundenlang über Büchern zu brüten, krakelige Aufsätze zu verfassen, meinen Geist zu nähren.
Auf Zyklopenmomente und Küsse im Auto.
Auf Telefonate mit meiner Besten, die meine Erwartungen immer wieder übertrifft.
Ich will arbeiten gehen.
Struktur und Organisation gegen die Ängste.
Ich will Joy Division und The Smashing Pumpkins und Genesis hören und ewig vergessene, selbstvergessene Ballettschritte auf meinem fleckigen Teppich tanzen.
Ich will Zeit.
Ich liebe Zeit.
Ich freue mich auf die Zeit.
Parfit sagt, Zeit ist ein Raum, und das Verstreichen der Zeit eine Illusion. Das ist tröstlich und russisches Roulette zugleich. Mein Buddha auf dem roten Metallschränkchen nickt langsam.
Samstag, 1. Dezember 2012
Alltag.
Ich bin so unfassbar dick und ich komme
nicht mit.
Sie hat mich fest im Griff, diese unnachgiebige chronische Depression, sie hat eine kalte Hand auf meine Schulter gelegt und dirigiert mich zum Kühlschrank. Ich öffne ihn und verschlinge sehr schnell zwei sündhaft teure Tiramisu-Desserts, kurz ist es hell, dann schließe ich die Tür.
Meine Mutter ruft mich, sie liegt im Bademantel meiner toten Oma im Bett. „Magst du mir so ein superleckeres Dessert aus dem Kühlschrank bringen?“ Tut mir leid, ich habe beide schon gegessen. Aber ich wollte eh noch einkaufen gehen, die gibt es auch beim tegut, ich bringe sie mit. „Das glaube ich nicht, dass es die da gibt. Das ist eine ganz exklusive Marke und überhaupt, warum fragst du nicht vorher? Was soll das? Warum isst du zwei Stück?“
Ich sage nichts. Draußen verschlingt mich das schimmelige Nachmittagslicht. Ich wühle meine Hände in den Männerparka meiner Schwester und gehe um des Gehens willen, ein Schritt, noch einer, noch einer, Tapp Tapp. Ich spüre es entgleiten. Die Leere pumpt mich voll, nur die Vergänglichkeit, eine Schrittlänge vor mir, leistet mir Gesellschaft.
Ich fummele mein Handy aus der Rocktasche und wähle T.s Nummer. Er geht erst beim fünften Klingeln ran, sein Sohn ist bei ihm. Wir reden genau eine Minute vierzehn Sekunden, er klingt aufgeräumt und warm.
Alles ist so tot und weit, dass ich schreien möchte. Ich kaufe ein, futtere ein Duplo und einen Kinderriegel ohne etwas zu schmecken, gehen gehen Treppe rauf Tür auf Tasche abstellen.
„Na, warst du erfolgreich?“ Wieso sollte man beim Einkaufen erfolgreich sein? „Hast du das Dessert bekommen?“ Nein, aber eine andere Sorte von der gleichen Marke und das ist mir ehrlich gesagt auch ziemlich egal. Ihr nicht. Na schön.
Fühle mich klippenhaft und kotzübel und so schrecklich fremd. Sie klopft an meine Kinderzimmertür. Ich sitze mit dem Rücken zur Heizung und qualme eine, beobachte die Nebelschlieren, die in der Mitte des Raumes hängen, genau zwischen meinen ganzen fremden dunklen mit Bullshit bedeckten IKEA-Möbeln.
Was das eben sollte? Glaubst du mir macht das Spaß? Diese ganze Scheiße? Glaubst du ich esse so etwas teures, weil ich Hunger oder Appetit habe?
Sie dreht sich eine Zigarette und nimmt auf meinem winzigen Bett Platz. Als ich aus der Psychiatrie kam, wünschte ich mir nichts mehr als ein kleines Bett, maximal 100cm breit, nur für mich und ein paar Kissen. Ein Nest, ein Kinderbett für eine erwachsene Kindfrau.
Meine Mutter schweigt, ich schweige. Ich bin kalt und verwaist, und ich spüre dass ihr das weh tut.
Sie lächelt zaghaft. „Hast du dich über den Besuch von J. gefreut?“ J. lebt in Leipzig seit Beginn des Semesters. Ich will etwas sagen, denke nach, versuche in mich hinein zu spüren, aber da ist nur Not.
„Nein. Nicht richtig.“ - „Warum das?“ - „Weil ich mich gerade über gar nichts freuen kann.“
Meine Mutter seufzt ganz komisch und stippt Asche in mein Windlicht. „Es ist schweinekalt hier. Ist die Heizung richtig an?“ Ich verneine. Meine Heizung ist kaputt, muss permanent entlüftet werden, deswegen ist es immer kalt (kalt und stinkt nach Räucherstäbchen und Zigarettenrauch), aber das stört mich gerade wirklich nicht.
Sie offensichtlich schon. Sie entlüftet meine Heizung und guckt mich traurig an. Gut, dass ich so vollgefressen bin, dass ich kaum Schuldgefühle und Ängste empfinden kann.
Die Rasierklingen sind in meinem Kosmetiktäschchen. Ein Meter von hier. Ich muss sie nur nehmen.
Ich tue es nicht, weil ich keine Lust habe, die nächsten Tage wieder frische Schnitte vor allen verbergen zu müssen.
Ich komme nicht mit. Das Leben verläuft in Zeitlupen-Endlosschleifen und verwaschenen Farben, die Dialoge sind schlecht synchronisiert. Und doch ist es mir zu anstrengend, mich darauf einzulassen. Ich sitze also im Vorführsaal und registriere, dass der vorgeführte Streifen mich nicht berührt, geschweige denn mitreißt, und statt rauszugehen starre ich weiter auf die Leinwand in der Hoffnung, dass noch etwas kommen mag. Etwas noch groteskeres als das, was ich jetzt sehe. Etwas, das mich veranlassen wird zu sagen, „Hat sich doch gelohnt den Film zu Ende zu gucken“, wenn ich die letzten Popcorn von meiner Jacke schnippe und mich zum Gehen wende. Wenigstens will ich sagen können, okay, das war eben sehr „arthouse“, sehr verwoben, sehr hintergründig. Eben das, was man über Filme sagen kann, die man nicht versteht, deren Erzählsträngen man nicht folgen kann, die aber dennoch im Kopf kleben bleiben wie Honigfinger.
Aber was sollte das sein?
Weitere Episoden über sinnloses Essen, sinnloses Geld-Ausgeben, sinnlose Bemühungen, Normalität und Freude zu simulieren?
Am 5.12. gibt es neue Medis für Phoebe, darauf setze ich meine letzten Coins.
Sie hat mich fest im Griff, diese unnachgiebige chronische Depression, sie hat eine kalte Hand auf meine Schulter gelegt und dirigiert mich zum Kühlschrank. Ich öffne ihn und verschlinge sehr schnell zwei sündhaft teure Tiramisu-Desserts, kurz ist es hell, dann schließe ich die Tür.
Meine Mutter ruft mich, sie liegt im Bademantel meiner toten Oma im Bett. „Magst du mir so ein superleckeres Dessert aus dem Kühlschrank bringen?“ Tut mir leid, ich habe beide schon gegessen. Aber ich wollte eh noch einkaufen gehen, die gibt es auch beim tegut, ich bringe sie mit. „Das glaube ich nicht, dass es die da gibt. Das ist eine ganz exklusive Marke und überhaupt, warum fragst du nicht vorher? Was soll das? Warum isst du zwei Stück?“
Ich sage nichts. Draußen verschlingt mich das schimmelige Nachmittagslicht. Ich wühle meine Hände in den Männerparka meiner Schwester und gehe um des Gehens willen, ein Schritt, noch einer, noch einer, Tapp Tapp. Ich spüre es entgleiten. Die Leere pumpt mich voll, nur die Vergänglichkeit, eine Schrittlänge vor mir, leistet mir Gesellschaft.
Ich fummele mein Handy aus der Rocktasche und wähle T.s Nummer. Er geht erst beim fünften Klingeln ran, sein Sohn ist bei ihm. Wir reden genau eine Minute vierzehn Sekunden, er klingt aufgeräumt und warm.
Alles ist so tot und weit, dass ich schreien möchte. Ich kaufe ein, futtere ein Duplo und einen Kinderriegel ohne etwas zu schmecken, gehen gehen Treppe rauf Tür auf Tasche abstellen.
„Na, warst du erfolgreich?“ Wieso sollte man beim Einkaufen erfolgreich sein? „Hast du das Dessert bekommen?“ Nein, aber eine andere Sorte von der gleichen Marke und das ist mir ehrlich gesagt auch ziemlich egal. Ihr nicht. Na schön.
Fühle mich klippenhaft und kotzübel und so schrecklich fremd. Sie klopft an meine Kinderzimmertür. Ich sitze mit dem Rücken zur Heizung und qualme eine, beobachte die Nebelschlieren, die in der Mitte des Raumes hängen, genau zwischen meinen ganzen fremden dunklen mit Bullshit bedeckten IKEA-Möbeln.
Was das eben sollte? Glaubst du mir macht das Spaß? Diese ganze Scheiße? Glaubst du ich esse so etwas teures, weil ich Hunger oder Appetit habe?
Sie dreht sich eine Zigarette und nimmt auf meinem winzigen Bett Platz. Als ich aus der Psychiatrie kam, wünschte ich mir nichts mehr als ein kleines Bett, maximal 100cm breit, nur für mich und ein paar Kissen. Ein Nest, ein Kinderbett für eine erwachsene Kindfrau.
Meine Mutter schweigt, ich schweige. Ich bin kalt und verwaist, und ich spüre dass ihr das weh tut.
Sie lächelt zaghaft. „Hast du dich über den Besuch von J. gefreut?“ J. lebt in Leipzig seit Beginn des Semesters. Ich will etwas sagen, denke nach, versuche in mich hinein zu spüren, aber da ist nur Not.
„Nein. Nicht richtig.“ - „Warum das?“ - „Weil ich mich gerade über gar nichts freuen kann.“
Meine Mutter seufzt ganz komisch und stippt Asche in mein Windlicht. „Es ist schweinekalt hier. Ist die Heizung richtig an?“ Ich verneine. Meine Heizung ist kaputt, muss permanent entlüftet werden, deswegen ist es immer kalt (kalt und stinkt nach Räucherstäbchen und Zigarettenrauch), aber das stört mich gerade wirklich nicht.
Sie offensichtlich schon. Sie entlüftet meine Heizung und guckt mich traurig an. Gut, dass ich so vollgefressen bin, dass ich kaum Schuldgefühle und Ängste empfinden kann.
Die Rasierklingen sind in meinem Kosmetiktäschchen. Ein Meter von hier. Ich muss sie nur nehmen.
Ich tue es nicht, weil ich keine Lust habe, die nächsten Tage wieder frische Schnitte vor allen verbergen zu müssen.
Ich komme nicht mit. Das Leben verläuft in Zeitlupen-Endlosschleifen und verwaschenen Farben, die Dialoge sind schlecht synchronisiert. Und doch ist es mir zu anstrengend, mich darauf einzulassen. Ich sitze also im Vorführsaal und registriere, dass der vorgeführte Streifen mich nicht berührt, geschweige denn mitreißt, und statt rauszugehen starre ich weiter auf die Leinwand in der Hoffnung, dass noch etwas kommen mag. Etwas noch groteskeres als das, was ich jetzt sehe. Etwas, das mich veranlassen wird zu sagen, „Hat sich doch gelohnt den Film zu Ende zu gucken“, wenn ich die letzten Popcorn von meiner Jacke schnippe und mich zum Gehen wende. Wenigstens will ich sagen können, okay, das war eben sehr „arthouse“, sehr verwoben, sehr hintergründig. Eben das, was man über Filme sagen kann, die man nicht versteht, deren Erzählsträngen man nicht folgen kann, die aber dennoch im Kopf kleben bleiben wie Honigfinger.
Aber was sollte das sein?
Weitere Episoden über sinnloses Essen, sinnloses Geld-Ausgeben, sinnlose Bemühungen, Normalität und Freude zu simulieren?
Am 5.12. gibt es neue Medis für Phoebe, darauf setze ich meine letzten Coins.
Auf dem Konzert war ich Donnerstag mit meiner Schwester...
Montag, 15. Oktober 2012
Fern-Sehen.
Vorgestern bin ich die Treppe herunter
gefallen.
Wollsocken, selbstgestrickt von Oma,
glitten über glatte Treppenfliesen und ein unglücklicher Körper
schlug zwanzig Mal auf, bevor er auf den ebenso glatten Flurfliesen
zur Ruhe kam.
Ich hatte versucht, mich mit den Armen abzufedern und mir damit lilafarbene Hämatome auf dem rechten Unterarm, eine Schürfwunde am Handgelenk und Prellungen an Rücken und Arsch zugezogen. Es war ziemlich still in der Wohnung, meine Mutter telefonierte, meine Schwester lag auf dem Sofa und blätterte in der NEON. Der Aufprall meines massigen Leibes hörte sich an wie ein Sack Mehl, den irgendjemand unsanft abgeladen hatte.
Dieses Gefühl, diese zwei Sekunden des Kontrollverlustes, den Gesetzen der Schwerkraft ausgeliefert, lässt sich schwer in Worte fassen. Ich weiß, dass ich dachte „Genickbruch, Schädelfraktur, hoffentlich haue ich mir keinen Zahn aus!“. Ich bin so eitel, pfui.
Meine Mutter rutschte mit rutschfesten Hausschlappen in den Flur, um mich aufzulesen.
Dem Mehlsack kamen die Tränen erst, als sie ihn in die Arme nahm. Ich weinte nicht wegen der Prellungen oder weil ich mich so erschrocken hatte, nein, ich weinte ob dieser Berührung.
Meine Schwester stand unschlüssig auf einem Bein hinter ihr und taxierte mich.
Ich versuchte, den Schmerz, den ich verspürte, es war kein körperlicher, zu definieren, zu orten, aber es gelang mir nicht.
Dieses Fallen, das es braucht, um gehalten zu werden.
Wie unerträglich eine tröstende Umarmung sein kann, wenn es einen innerlich zerreißt vor Selbsthass, Angst, Hilflosigkeit.
Das Gefühl, Lichtjahre weit weg zu sein von meiner Mutter, sie durch Milchglas zu sehen.
Ich hatte versucht, mich mit den Armen abzufedern und mir damit lilafarbene Hämatome auf dem rechten Unterarm, eine Schürfwunde am Handgelenk und Prellungen an Rücken und Arsch zugezogen. Es war ziemlich still in der Wohnung, meine Mutter telefonierte, meine Schwester lag auf dem Sofa und blätterte in der NEON. Der Aufprall meines massigen Leibes hörte sich an wie ein Sack Mehl, den irgendjemand unsanft abgeladen hatte.
Dieses Gefühl, diese zwei Sekunden des Kontrollverlustes, den Gesetzen der Schwerkraft ausgeliefert, lässt sich schwer in Worte fassen. Ich weiß, dass ich dachte „Genickbruch, Schädelfraktur, hoffentlich haue ich mir keinen Zahn aus!“. Ich bin so eitel, pfui.
Meine Mutter rutschte mit rutschfesten Hausschlappen in den Flur, um mich aufzulesen.
Dem Mehlsack kamen die Tränen erst, als sie ihn in die Arme nahm. Ich weinte nicht wegen der Prellungen oder weil ich mich so erschrocken hatte, nein, ich weinte ob dieser Berührung.
Meine Schwester stand unschlüssig auf einem Bein hinter ihr und taxierte mich.
Ich versuchte, den Schmerz, den ich verspürte, es war kein körperlicher, zu definieren, zu orten, aber es gelang mir nicht.
Dieses Fallen, das es braucht, um gehalten zu werden.
Wie unerträglich eine tröstende Umarmung sein kann, wenn es einen innerlich zerreißt vor Selbsthass, Angst, Hilflosigkeit.
Das Gefühl, Lichtjahre weit weg zu sein von meiner Mutter, sie durch Milchglas zu sehen.
Nur Leere in mir, kein Wunsch, keine
Idee, kein Ziel, keine Freude an nichts.
Ein paar Stunden später.
Meine Mutter, meine Schwester und ich fuhren zur Buchmesse. Sie plauderten über den Schulausflug nach Marbach, ich plauderte mit durch ein zehntausend Kilometer langes Rohr, das mich mit ihnen verband. Ich will gar nicht auf die Buchmesse gehen, wollte ich sagen. Aber du hast es dir doch gewünscht, hast es vorgeschlagen. Ich weiß, aber ich will gar nicht.
Ein paar Stunden später.
Meine Mutter, meine Schwester und ich fuhren zur Buchmesse. Sie plauderten über den Schulausflug nach Marbach, ich plauderte mit durch ein zehntausend Kilometer langes Rohr, das mich mit ihnen verband. Ich will gar nicht auf die Buchmesse gehen, wollte ich sagen. Aber du hast es dir doch gewünscht, hast es vorgeschlagen. Ich weiß, aber ich will gar nicht.
Und das ist außerdem alles viel zu
teuer scheiße ich bin ein verfickter Geldschlucker und nur traurig
und ziehe alle runter mit meinem leeren Blick aber ich kann nicht ich
habe Angst ich will nicht dass sie das für mich tun ich will nicht
kann nicht nicht nein nicht nicht.
Ich war so unglücklich wie in meinem ganzen Leben noch nicht.
Ich war so unglücklich wie in meinem ganzen Leben noch nicht.
Es war diese tiefe, durch Mark und Bein
gehende, vollkommen lähmende Traurigkeit.
Ich wusste, es würde nie wieder ein Lichtstrahl durch meine Netzhaut dringen.
Kein Mensch würde mir folgen können dorthin, wo ich mich aufhielt.
Irgendwer sagte etwas mit Oma und sofort stiegen mir dicke Tränen in die Augen. Ich hatte zu wenig an sie gedacht, seit sie tot ist. Ich war ein ekelhafter Scheißmensch und hässlich und fett.
Meine Hämatome leuchteten blau-grünlich und schmerzten.
Wir schafften es bis in die Eingangshalle der Buchmesse, bevor ich kapitulierte.
Stattdessen gingen wir in eine ehemalige Studentenkneipe meiner Mutter und aßen etwas.
Ich bestellte eine traurige Kürbissuppe und heulte Rotz und Wasser. Innerlich. Meine Mutter war so unfassbar lieb, so lieb, dass es nicht zum Aushalten war. Ich wollte sie nicht alleine lassen, aber ich war so todmüde.
Mein Inneres fühlte sich klobig und kalt an, als hätte jemand einen Messingfötus im achten Monat in mich eingepflanzt.
Ich stehe wieder auf dem Grenzwall zum Wahn, zum Verrücktsein, und rutsche mit Omas Wollsocken auf und ab.
Ich wusste, es würde nie wieder ein Lichtstrahl durch meine Netzhaut dringen.
Kein Mensch würde mir folgen können dorthin, wo ich mich aufhielt.
Irgendwer sagte etwas mit Oma und sofort stiegen mir dicke Tränen in die Augen. Ich hatte zu wenig an sie gedacht, seit sie tot ist. Ich war ein ekelhafter Scheißmensch und hässlich und fett.
Meine Hämatome leuchteten blau-grünlich und schmerzten.
Wir schafften es bis in die Eingangshalle der Buchmesse, bevor ich kapitulierte.
Stattdessen gingen wir in eine ehemalige Studentenkneipe meiner Mutter und aßen etwas.
Ich bestellte eine traurige Kürbissuppe und heulte Rotz und Wasser. Innerlich. Meine Mutter war so unfassbar lieb, so lieb, dass es nicht zum Aushalten war. Ich wollte sie nicht alleine lassen, aber ich war so todmüde.
Mein Inneres fühlte sich klobig und kalt an, als hätte jemand einen Messingfötus im achten Monat in mich eingepflanzt.
Ich stehe wieder auf dem Grenzwall zum Wahn, zum Verrücktsein, und rutsche mit Omas Wollsocken auf und ab.
Samstag, 22. September 2012
Message from the suicidal cave.
Drei Tage Fressen (oder sind es vier?), viermal so viele Nervenzusammenbrüche.
nachts daliegen und mir wünschen, er wäre tot (ich wäre tot).
Minutiöse Planung von Rasierklingen-Exzessen und Blutbädern in seiner Wanne (unserer Wanne, dem Bordstein, einer Autobahnbrücke). Und dann doch nur Selbstverbrennung mit Zigaretten am Handrücken (am Fußknöchel, am Oberschenkel).
Unendlich viele Beschimpfungen, Vorwürfe, Brandsätze von ihm (es wäre besser, tot zu sein), viel zu viel Trost und Wärme von meiner Mutter (es wäre besser, tot zu sein).
Zahlen rasen an meinen Augen vorbei, Buchstaben ohne Sinn (Ratgeber Suizidalität, Narzissmus, Missbrauch) und Zweck (wenn ich einfach sterben würde).
Kalorien, Kalorien, Fett und Zucker und AFM und Blut und das fette Ende. Wie lange (noch)? Wozu (es wäre besser, tot zu sein).
Und keine Hife im Diesseits (Fett, Fett, FETT).
nachts daliegen und mir wünschen, er wäre tot (ich wäre tot).
Minutiöse Planung von Rasierklingen-Exzessen und Blutbädern in seiner Wanne (unserer Wanne, dem Bordstein, einer Autobahnbrücke). Und dann doch nur Selbstverbrennung mit Zigaretten am Handrücken (am Fußknöchel, am Oberschenkel).
Unendlich viele Beschimpfungen, Vorwürfe, Brandsätze von ihm (es wäre besser, tot zu sein), viel zu viel Trost und Wärme von meiner Mutter (es wäre besser, tot zu sein).
Zahlen rasen an meinen Augen vorbei, Buchstaben ohne Sinn (Ratgeber Suizidalität, Narzissmus, Missbrauch) und Zweck (wenn ich einfach sterben würde).
Kalorien, Kalorien, Fett und Zucker und AFM und Blut und das fette Ende. Wie lange (noch)? Wozu (es wäre besser, tot zu sein).
Und keine Hife im Diesseits (Fett, Fett, FETT).
Abonnieren
Posts (Atom)

