Frage mich, was zur Hölle eigentlich mein Problem ist.
Auf dem Boden neben dem Bett sammeln sich Joghurtbecher, Schokoladenverpackungen, Tassen, Schüsseln, Teller, Tabakkrümel, der Inhalt von umgekippten Aschenbechern, mehrere Ausgaben der ZEIT (noch unberührt), Mückensprays, ein Ventilator (ohne Schutzabdeckung), Tabletten, BHs, Kleidung en masse, Taschentücher, leere Wasserflaschen, Haarnadeln.
In mir sammeln sich Essensreste (fetthaltig, zuckerlastig, das vierfache meines Tagesbedarfs) und wüste Gefühle (ich kann nicht verstehen, dass er es wirklich ernst meint mit mir).
Und diese Hitze! (I got that summertime, summertime sadness)
Ich muss zur Arbeit gehen. Sieben Tage die Woche. Es gibt kein Verzagen, nur Verantwortung, Druck, funktionieren müssen um jeden Preis, ich warte auf den Zusammenbruch in mir oder um mich herum, auf Kraterbildung, auf das Ende des Sommers. Warum so traurig, warum so resigniert, meine Liebe?
Ich kann das faulend-fette Mich und das ominöse Es und das dröhnende Alles nicht mehr ertragen.
Ich will nur noch schlafen, bis die Welle vorbei ist.
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Montag, 22. Juli 2013
Montag, 8. Juli 2013
Fucking fünf Kilos.
Okay: Zum ersten Mal seit drei Monaten auf der Waage und das Resultat meiner perversen Fresserei lacht mich an, grau auf grau. 65,2kg. Ich könnte jetzt sagen, das sind doch nur fucking fünf Kilos, dann fühle ich mich wieder ansehlicher. Ich weiß es. Aber es sind eben auch fucking wabbelige Oberschenkel und Arme, es ist ein fucking aufgedunsenes Gesicht und ein fucking weicher Bauch in der Präsens-Form.
Dieses Gewicht hatte ich seit fucking drei Jahren nicht mehr. Übermorgen kommt Lennard aus dem Urlaub zurück und mein verzweifelt-armseliger Wunsch war, während seiner Abwesenheit signifikant an Gewicht zu verlieren, so viel, wie eben in einer Woche möglich ist; so viel, dass er es bemerken muss. Warum ist mir das so wichtig? Ich habe Probleme, etwas zum Anziehen zu finden. Probleme, zu verdecken was verdammt nochmal nicht zu meinem fucking Körper gehören soll, als wäre mein Ich etwas statisches, verborgen unter Unterhautfettgewebe, und man (also ich) könnte es wie ein Bildhauer freilegen, indem man Schicht für Schicht abträgt.
Ich erinnere mich an die letzte BIA-Messung im Fitnessstudio, das war kurz vor der Trennung von T., also irgendwie im Frühjahr. Die Waage zeigte 52,3 kg an und mein Trainer kratze sich am Kopf: "Naja, bei deiner Größe solltest du mal mindestens 65 Kilo wiegen, das ist viel gesünder und sieht auch viel besser aus." Ich lachte und meinte, ich wolle das Gewicht halten.
Stattdessen habe ich... zugenommen. Was zu erwarten war.
Und sage mir täglich - morgen geht's los. Morgen.
Dieses Gewicht hatte ich seit fucking drei Jahren nicht mehr. Übermorgen kommt Lennard aus dem Urlaub zurück und mein verzweifelt-armseliger Wunsch war, während seiner Abwesenheit signifikant an Gewicht zu verlieren, so viel, wie eben in einer Woche möglich ist; so viel, dass er es bemerken muss. Warum ist mir das so wichtig? Ich habe Probleme, etwas zum Anziehen zu finden. Probleme, zu verdecken was verdammt nochmal nicht zu meinem fucking Körper gehören soll, als wäre mein Ich etwas statisches, verborgen unter Unterhautfettgewebe, und man (also ich) könnte es wie ein Bildhauer freilegen, indem man Schicht für Schicht abträgt.
Ich erinnere mich an die letzte BIA-Messung im Fitnessstudio, das war kurz vor der Trennung von T., also irgendwie im Frühjahr. Die Waage zeigte 52,3 kg an und mein Trainer kratze sich am Kopf: "Naja, bei deiner Größe solltest du mal mindestens 65 Kilo wiegen, das ist viel gesünder und sieht auch viel besser aus." Ich lachte und meinte, ich wolle das Gewicht halten.
Stattdessen habe ich... zugenommen. Was zu erwarten war.
Und sage mir täglich - morgen geht's los. Morgen.
Mittwoch, 22. Mai 2013
Fluchtpunkt.
Schokolade (zwei Tafeln), Milchkaffee mit Sojamilch (2
Liter), Meeresfrüchte (aus Nougat, 1 Packung à 250g), Müsli (100g),
Pistazien (halbe Tüte), Salat mit gebratenem Tofu (lecker!), Erdbeeren
(Hand voll), Ciabatta mit Butter und Käse (zu viel), Brot (roh),
Fleischsalat (pur), eine Tüte gesalzene Mandeln. Das war noch ein "guter" Tag.
Mir fehlt es an Körperspannung, ich fühle mich wie ein schlaksiger Schrat von dreizehn Jahren mit unproportionierten Fettpölsterchen an Armen, Beinen, Hüften und Bauch. Das Gesicht nicht zu vergessen.
Ich krümme den Nacken und verschwinde in Opas grauem Pullover, quadratisch praktisch gut kompakt.
Innen hält sich die Waage: Sicherheit und Abwesenheit, totale Ambivalenz. Pläne, Konzentration und Funken - Selbsthass, Angst und Lethargie. Depression. Merke: Ausgeglichen ungleich gut, wenn man es mathematisch aufzieht.
Jeder weitere Atemzug macht die Luft schwerer. Der Puls klingelt in den Ohren. Ich öffne den Mund, um meiner Mutter zu antworten, aber da kommt nichts. Keine Stimme und keine Bewegung.
Nicht mal Lust, eine Zigarette zu rauchen, gar nichts, nothing, rien, niente.
Alles ist so flach und eben. Ich bin nicht zu erreichen, wenn ich hier bin.
Gleichzeitig sehne ich mich danach, erreicht zu werden, auch wenn ich weiß dass es unmöglich ist.
Ich bin der Punkt am Horizont. Ich bin der tote Affe im Sand. Ich bin in meinem schäbigen Gehirn gefangen.
In die Schlafstarre mit diesem grotesken Körper!
Worte heraufbeschwören und schlucken, Berührpunkte erinnern (auch wenn man nichts fühlt außer dem chaotischen Grauen eines post-katastrophalen Szenarios aus Sicht der Gegner).
Mir fehlt es an Körperspannung, ich fühle mich wie ein schlaksiger Schrat von dreizehn Jahren mit unproportionierten Fettpölsterchen an Armen, Beinen, Hüften und Bauch. Das Gesicht nicht zu vergessen.
Ich krümme den Nacken und verschwinde in Opas grauem Pullover, quadratisch praktisch gut kompakt.
Innen hält sich die Waage: Sicherheit und Abwesenheit, totale Ambivalenz. Pläne, Konzentration und Funken - Selbsthass, Angst und Lethargie. Depression. Merke: Ausgeglichen ungleich gut, wenn man es mathematisch aufzieht.
Jeder weitere Atemzug macht die Luft schwerer. Der Puls klingelt in den Ohren. Ich öffne den Mund, um meiner Mutter zu antworten, aber da kommt nichts. Keine Stimme und keine Bewegung.
Nicht mal Lust, eine Zigarette zu rauchen, gar nichts, nothing, rien, niente.
Alles ist so flach und eben. Ich bin nicht zu erreichen, wenn ich hier bin.
Gleichzeitig sehne ich mich danach, erreicht zu werden, auch wenn ich weiß dass es unmöglich ist.
Ich bin der Punkt am Horizont. Ich bin der tote Affe im Sand. Ich bin in meinem schäbigen Gehirn gefangen.
In die Schlafstarre mit diesem grotesken Körper!
Worte heraufbeschwören und schlucken, Berührpunkte erinnern (auch wenn man nichts fühlt außer dem chaotischen Grauen eines post-katastrophalen Szenarios aus Sicht der Gegner).
Dienstag, 16. April 2013
L e t h a r g i e.
Ich liege seit fünf Stunden auf meinem kleinen, weichen Bett, umgeben von lautem Vogelzwitschern, drapierten Tabakpäckchen, zerpflückten Büchern, blitzenden Haarnadeln und dreckigen Kaffeetassen, und existiere bloß.
Eigentlich ganz schön, nichts zu tun, auch wenn der Kopf eine Liste an Dingen bereithält, die man tun sollte.
Ich bekomme kaum einen Gedanken zu fassen, streife ihn höchstens mit den Fingerspitzen, treibe vor mich hin. Wenn Sonntag wäre, hätte ich nicht einmal ein schlechtes Gewissen dabei. Aber es ist fucking-Dienstag und ich bemerke meine Unlust, sich mit der stetig wachsenden to-do-Liste zu befassen, die irgendwo im Frontallappen meines Gehirns pulsiert.
Zum Sport gehen, Bewerbungen abschicken, Bankunterlagen sortieren, Telefonate führen, ein Paket mit den CDs meines Onkels zur Post bringen, wenigstens mal die Beine aus dem Bett heben.
Stattdessen wische ich in weitem Bogen um den dampfenden, spritzend-heißen Brei herum. Es riecht angebrannt, doch auch das tangiert mich nicht wirklich. Ich habe ein Laptop, Zigaretten, Cola zero und ein Handy. Erschreckend der Gedanke, dass ich wahrscheinlich noch tagelang so weiterlethargieren könnte.
Zum Essen würde ich mich aufraffen, ja. Um Menschen zu sehen. Vielleicht um eine DVD aus dem Wohnzimmer zu holen. Hin und wieder für Sex (vor allem, wenn er so ist wie heute Nacht).
Ah, ich vermisse meine Motivation. Schätze, sie ist morgen wieder da.
Eigentlich ganz schön, nichts zu tun, auch wenn der Kopf eine Liste an Dingen bereithält, die man tun sollte.
Ich bekomme kaum einen Gedanken zu fassen, streife ihn höchstens mit den Fingerspitzen, treibe vor mich hin. Wenn Sonntag wäre, hätte ich nicht einmal ein schlechtes Gewissen dabei. Aber es ist fucking-Dienstag und ich bemerke meine Unlust, sich mit der stetig wachsenden to-do-Liste zu befassen, die irgendwo im Frontallappen meines Gehirns pulsiert.
Zum Sport gehen, Bewerbungen abschicken, Bankunterlagen sortieren, Telefonate führen, ein Paket mit den CDs meines Onkels zur Post bringen, wenigstens mal die Beine aus dem Bett heben.
Stattdessen wische ich in weitem Bogen um den dampfenden, spritzend-heißen Brei herum. Es riecht angebrannt, doch auch das tangiert mich nicht wirklich. Ich habe ein Laptop, Zigaretten, Cola zero und ein Handy. Erschreckend der Gedanke, dass ich wahrscheinlich noch tagelang so weiterlethargieren könnte.
Zum Essen würde ich mich aufraffen, ja. Um Menschen zu sehen. Vielleicht um eine DVD aus dem Wohnzimmer zu holen. Hin und wieder für Sex (vor allem, wenn er so ist wie heute Nacht).
Ah, ich vermisse meine Motivation. Schätze, sie ist morgen wieder da.
Montag, 8. April 2013
Ja, Einschlafen können wäre auch ganz nett.
Amüsanterweise hat es letzte Nacht trotz emotionaler Aufgewühltheit relativ gut geklappt, und heute Nachmittag erst recht - eine Hand auf Lennards Bauch, Game Of Thrones Staffel 1 Folge 3 im Hintergrund und friedlich wegdämmern.
Meine Nächte sind zur Zeit wenig erholsam. Ich grübele, Licht an, rauchen, Fenster auf, Fenster zu, Solitär, weitergrübeln. Hinzu kommt, dass ich, wenn ich dann schlafe, schwitze wie ein Atomkraftwerk. Ich kann Laken und Bettdecke morgens theoretisch auswringen. Schätze, dass letzteres sowohl an meinem unkoordinierten Stoffwechsel als auch an den Nachwirkungen von Valdoxan liegt.
Das Ranking meiner Grübel-Gedanken wird unangefochten angeführt vom leidigen Finanz-Problem.
Ich bin a) chronisch pleite und b) absolut nicht in der Lage, mit Geld umzugehen.
Fixkosten: BASE (16€) + Fitness (28€) + Nahverkehr (ca 90€) + Tabak (ca 70€) = 204€
Unmengen gebe ich für Lebensmittel aus, zum Teil Fressgelage, zum Teil Kaffee to go, zum Teil Einkäufe für die Familie. Könnten so um die 100€/Monat zusammenkommen. Plus diverse Lust-Käufe wie Bücher oder DVDs von amazon (selten), Zeitungen oder Zeitschriften (zu oft), Kosmetik (relativ selten) oder Kleidung (könnte weniger werden). Legen wir hierfür nochmal rund 40€ obendrauf.
Es gibt also auf der einen Seite einen "Bedarf" in der Höhe von ca 344€, auf der anderen Seite meinen Vater und meine Mutter, die mir in unregelmäßigen Abständen kleinere oder größere Scheine in die Hand drücken.
Planen oder kalkulieren ist nicht wirklich möglich. Ich versuche, Tabak auf Vorrat zu kaufen und bei Fressalien so zu sparen, dass ich meine Fahrtkosten überwiegend abdecken kann und nicht schwarz fahren muss, aber es reicht hinten und vorne nicht. Ich will und kann die Schuld nicht meinen Eltern zuschieben. Ich bin es, die Kette raucht. Den Überblick verliert. Impulsive Lustkäufe tätigt. Jeden verdammten Tag Lebensmittel kauft. Noch immer keinen Job hat.
Ja, ich habe ein schlechtes Gewissen und ja, meine Eltern verstärken es indem sie mir pausenlos und unzensiert von ihrer eigenen finanziellen Notlage vorjammern.
Ich hasse es, abhängig zu sein und hasse es, dass mein Gehirn rattert und klingelt wie eine Kasse zur Rush-Hour bei REWE. Und ich komme nicht raus.
Es gibt noch unzählige weitaus scheußlichere Gedankenschleifen, doch momentan ist es tatsächlich das blöde Geld, das mich wachhält.
Nächster Versuch - Jetzt.
Meine Nächte sind zur Zeit wenig erholsam. Ich grübele, Licht an, rauchen, Fenster auf, Fenster zu, Solitär, weitergrübeln. Hinzu kommt, dass ich, wenn ich dann schlafe, schwitze wie ein Atomkraftwerk. Ich kann Laken und Bettdecke morgens theoretisch auswringen. Schätze, dass letzteres sowohl an meinem unkoordinierten Stoffwechsel als auch an den Nachwirkungen von Valdoxan liegt.
Das Ranking meiner Grübel-Gedanken wird unangefochten angeführt vom leidigen Finanz-Problem.
Ich bin a) chronisch pleite und b) absolut nicht in der Lage, mit Geld umzugehen.
Fixkosten: BASE (16€) + Fitness (28€) + Nahverkehr (ca 90€) + Tabak (ca 70€) = 204€
Unmengen gebe ich für Lebensmittel aus, zum Teil Fressgelage, zum Teil Kaffee to go, zum Teil Einkäufe für die Familie. Könnten so um die 100€/Monat zusammenkommen. Plus diverse Lust-Käufe wie Bücher oder DVDs von amazon (selten), Zeitungen oder Zeitschriften (zu oft), Kosmetik (relativ selten) oder Kleidung (könnte weniger werden). Legen wir hierfür nochmal rund 40€ obendrauf.
Es gibt also auf der einen Seite einen "Bedarf" in der Höhe von ca 344€, auf der anderen Seite meinen Vater und meine Mutter, die mir in unregelmäßigen Abständen kleinere oder größere Scheine in die Hand drücken.
Planen oder kalkulieren ist nicht wirklich möglich. Ich versuche, Tabak auf Vorrat zu kaufen und bei Fressalien so zu sparen, dass ich meine Fahrtkosten überwiegend abdecken kann und nicht schwarz fahren muss, aber es reicht hinten und vorne nicht. Ich will und kann die Schuld nicht meinen Eltern zuschieben. Ich bin es, die Kette raucht. Den Überblick verliert. Impulsive Lustkäufe tätigt. Jeden verdammten Tag Lebensmittel kauft. Noch immer keinen Job hat.
Ja, ich habe ein schlechtes Gewissen und ja, meine Eltern verstärken es indem sie mir pausenlos und unzensiert von ihrer eigenen finanziellen Notlage vorjammern.
Ich hasse es, abhängig zu sein und hasse es, dass mein Gehirn rattert und klingelt wie eine Kasse zur Rush-Hour bei REWE. Und ich komme nicht raus.
Es gibt noch unzählige weitaus scheußlichere Gedankenschleifen, doch momentan ist es tatsächlich das blöde Geld, das mich wachhält.
Nächster Versuch - Jetzt.
Freitag, 23. November 2012
Warum ich es noch will.
Ich kann essen, ohne Kalorien zu
zählen, nicht immer, aber in neunzig Prozent der Fälle. Ich kann
abends einen Teller Nudeln oder eine Laugenstange essen, hantiere
ungeniert mit Butter, Sahne und Olivenöl. Ja, ich liebe den
Geschmack von sahnigen Saucen, fette Croissants mit Butter und Pizzen
mit viel Mozzarella, und ich kann sie essen, ohne darüber
nachzudenken.
Ich esse Schokolade, Taco-Chips und so gut wie alles mit einer großzügigen Schicht Parmesan darauf, weil es einfach besser schmeckt. Abends einen Sahnejoghurt? Klar. Unterwegs einen Donut? Okay. Fernsehen und dabei vier Lebkuchen verdrücken? Ja doch. Mein BMI hält sich stabil zwischen 19 und 21, je nachdem, ob ich viel Appetit habe oder weniger. Wenn ich nicht mag, ernähre ich mich ein paar Tage lang eben nur von Schokomüsli und Kaffee, oder aber ich koche mir eine leckere Gemüsesauce mir viel Öl und Pesto und genieße sie mit Spaghetti.
Ich fühle mich dick, aber ich habe mich auch mit BMI 13 dick gefühlt, was macht das also für einen Unterschied? Ich bin attraktiv für Männer und immer noch schlanker und besser proportioniert als die meisten jungen Frauen, die ich in der Fußgängerzone treffe. Ich friere nicht mehr ständig, esse in einer normalen Geschwindigkeit und keiner glotzt mir auf die knubbeligen Knie, die früher immer wie kleine Todesmale aus meinen Streichholzbeinchen ragten. Ich kann Hosen tragen und sehe nicht aus wie eine Presswurst mit 69 kg (wie vor der Magersucht), sondern wie eine normale, schlanke Frau mit einem normalen, nicht mehr ganz so großem Arsch.
Ich freue mich über Plätzchen und Lebkuchen-Latte bei Starbucks und ich weiß nicht mal, wie viel Fett da drin ist. Mein Kaffee ist nicht mehr schwarz, sondern mit Milch und schmeckt zehn mal besser.
Komplimente, das Gefühl, Brüste zu haben die man in Szene setzen kann, wenn man will. Wenn man mich blöd anguckt in der S-Bahn, dann nur wegen der Schnitte auf meinen Armen und nicht, weil letztere kaum breiter sind als ein Deo-Roller.
Ich esse Schokolade, Taco-Chips und so gut wie alles mit einer großzügigen Schicht Parmesan darauf, weil es einfach besser schmeckt. Abends einen Sahnejoghurt? Klar. Unterwegs einen Donut? Okay. Fernsehen und dabei vier Lebkuchen verdrücken? Ja doch. Mein BMI hält sich stabil zwischen 19 und 21, je nachdem, ob ich viel Appetit habe oder weniger. Wenn ich nicht mag, ernähre ich mich ein paar Tage lang eben nur von Schokomüsli und Kaffee, oder aber ich koche mir eine leckere Gemüsesauce mir viel Öl und Pesto und genieße sie mit Spaghetti.
Ich fühle mich dick, aber ich habe mich auch mit BMI 13 dick gefühlt, was macht das also für einen Unterschied? Ich bin attraktiv für Männer und immer noch schlanker und besser proportioniert als die meisten jungen Frauen, die ich in der Fußgängerzone treffe. Ich friere nicht mehr ständig, esse in einer normalen Geschwindigkeit und keiner glotzt mir auf die knubbeligen Knie, die früher immer wie kleine Todesmale aus meinen Streichholzbeinchen ragten. Ich kann Hosen tragen und sehe nicht aus wie eine Presswurst mit 69 kg (wie vor der Magersucht), sondern wie eine normale, schlanke Frau mit einem normalen, nicht mehr ganz so großem Arsch.
Ich freue mich über Plätzchen und Lebkuchen-Latte bei Starbucks und ich weiß nicht mal, wie viel Fett da drin ist. Mein Kaffee ist nicht mehr schwarz, sondern mit Milch und schmeckt zehn mal besser.
Komplimente, das Gefühl, Brüste zu haben die man in Szene setzen kann, wenn man will. Wenn man mich blöd anguckt in der S-Bahn, dann nur wegen der Schnitte auf meinen Armen und nicht, weil letztere kaum breiter sind als ein Deo-Roller.
Klingt das nicht paradiesisch?
Ja, das klingt es.
Ja, das klingt es.
Hätte man mir vor ein paar Jahren
gesagt, dass ich einmal so unbefangen mit Essen umgehen würde
können, hätte ich theatralisch gelacht. Dass ich nicht mehr
abwiegen würde, wie viele Nudeln ins Wasser kommen. All das.
Es ist Wahnsinn, dass es geht, und ich weiß nicht mal warum das so ist.
Liegt es an T.? Liegt es an meinem Drang, alles wieder gut zu machen was ich meiner Familie in den „dünnen Jahren“ angetan habe?
Bin ich gereift? Oder gar gesundet?
Nein, leider nein. Ich würde all meine erkämpften Fortschritte, das bessere Körperbewusstsein und die relative Gleichgültigkeit meinem Gewicht gegenüber (solange es in einem gewissen Korridor bleibt) ohne zu zögern hergeben für die verwesende Knochenästhetik des vorpubertären Körpers der Anorexie. Die ständige Angst, das Frieren, das Angestarrt-Werden, das permanente Rattern der Kalorien- und Gewichtszahlen in meinem viel zu großen Kopf willkommen heißen. Sofort. Tout de suite.
Es ist Wahnsinn, dass es geht, und ich weiß nicht mal warum das so ist.
Liegt es an T.? Liegt es an meinem Drang, alles wieder gut zu machen was ich meiner Familie in den „dünnen Jahren“ angetan habe?
Bin ich gereift? Oder gar gesundet?
Nein, leider nein. Ich würde all meine erkämpften Fortschritte, das bessere Körperbewusstsein und die relative Gleichgültigkeit meinem Gewicht gegenüber (solange es in einem gewissen Korridor bleibt) ohne zu zögern hergeben für die verwesende Knochenästhetik des vorpubertären Körpers der Anorexie. Die ständige Angst, das Frieren, das Angestarrt-Werden, das permanente Rattern der Kalorien- und Gewichtszahlen in meinem viel zu großen Kopf willkommen heißen. Sofort. Tout de suite.
Ist das traurig?
Was bringt mir die Krankheit außer Leiden und Entbehren?
Es ist nicht schlicht das Dünn-Sein. Es ist der Sinn. Das große, allumfassende Projekt, das Wesen dahinter. Es ist das, was niemand außer mir wahrnimmt.
Andere Menschen erinnern sich an die hungerleidende Phoebe als traurige Karikatur ihrer selbst, als in hundert Schichten Kleidung verhüllten Freak mit glimmender Zigarette im schmalen Mund.
Ich erinnere mich an sie als zartes Wesen einer höheren Gattung. Klingt das krank? Ich meine das so, wie ich es sage. Ich war nicht nur dünn, ich war rein. Ich war fokussiert. Ich war allmächtig.
Ich war meine Essenz. Ich war ruhig und sachlich und ernst, und zugleich fühlte ich etwas in mir, vielleicht war es die Anwesenheit des Todes, ich weiß es nicht, aber es war großartig. Ich sah mehr. Fühlte mehr. Meine Instinkte und Sinneswahrnehmungen waren geschärft wie die eines jagenden Tieres. Es war dieses Flirren im Kopf, dieses Rattern der schnellen Gedanken, dieses archaische Gefühl von Leben. Jeden Moment bewusst zu erfahren. Immer auf der Hut zu sein.
Ich war nicht mehr angreifbar, weil ich erhaben war.
Niemand hätte mich treffen können, weil ich keine Zielscheibe mehr bot.
Der Sinn.
Der Sinn des Lebens oder des Vegetierens?
Kein Plan.
Aber er war da, und mit ihm Pläne und Träume und Sehnsüchte und Kreativität und alle Geschmäcker der Welt, die ich nicht mehr schmecken durfte.
Als ich zunahm, schrumpfte mein Universum wieder zusammen auf dieses klägliche Maß, das jedem zuteil ist, so empfand ich das damals. Als ich Normalgewicht erreichte, versickerten die letzten Zukunftsvisionen und Wünsche, mein letztes Selbstwertgefühl im schlammigen Sumpf der Depression.
Ich halte dieses Gewicht, und es ist gut. Ich bin freier. Aber auch um meine Visionen beraubt. Ich habe keine Ideen mehr, kein Abitur und keine Freunde. Ich mag die Menschen nicht mehr, verstehe sie nicht und vertraue ihnen nicht.
Mein eigenes, das war die Krankheit. Mein Monster. Meine Kraft. Meine Auszeichnung.
Heute lebe ich in den Tag hinein, der so normal und scheiße ist dass es kaum lohnt, morgens aufzustehen.
Marya Hornbacher hat sinngemäß geschrieben, gesund zu sein ist nicht mehr das große Drama, es ist die tägliche Sitcom, lächerlich alltäglich. Es ist kein Epos mit pompösem Orchester und Chören, die Großes versprechen.
Gesund sein ist normal sein, wäre man nicht immer noch krank.
Mit Persönlichkeitsstörungen und Depressionen behaftet, aller Ideale und Ziele beraubt. Angreifbar, verwundbar, wahrnehmbar.
Erwartungen, Verpflichtungen, auf dem Boden sein. Lasagne essen und Kleidergröße 36/38 tragen.
Sich nicht aushalten.
Hungern wollen und es nie durchziehen, weil die Kraft dazu fehlt.
Für das Abi lernen wollen und es nie durchziehen, weil die Motivation dazu fehlt.
Anderen etwas geben wollen und merken, man hat nichts mehr.
Man ist so banal geworden, so weit weg vom Sinn, von der Vision dessen, was man mal werden wollte.
Ich bin das.
Ich bin in so vielen Bereichen wieder so normal geworden, und anstatt mich darüber zu freuen und es zu akzeptieren, kämpfe ich Tag für Tag für die letzten Trümmer der Krankheit. Als würde ich mich weigern, einen zerstörten Zahn ziehen lassen zu wollen, weil er mich an meine „großen Momente“ erinnert.
Ist das nachvollziehbar?
Es gibt sie sehr wohl, die Gründe dafür, dass ich in dieser Zwischendimension feststecke.
Sie wiegen so viel wie ich.
Es ist nicht schlicht das Dünn-Sein. Es ist der Sinn. Das große, allumfassende Projekt, das Wesen dahinter. Es ist das, was niemand außer mir wahrnimmt.
Andere Menschen erinnern sich an die hungerleidende Phoebe als traurige Karikatur ihrer selbst, als in hundert Schichten Kleidung verhüllten Freak mit glimmender Zigarette im schmalen Mund.
Ich erinnere mich an sie als zartes Wesen einer höheren Gattung. Klingt das krank? Ich meine das so, wie ich es sage. Ich war nicht nur dünn, ich war rein. Ich war fokussiert. Ich war allmächtig.
Ich war meine Essenz. Ich war ruhig und sachlich und ernst, und zugleich fühlte ich etwas in mir, vielleicht war es die Anwesenheit des Todes, ich weiß es nicht, aber es war großartig. Ich sah mehr. Fühlte mehr. Meine Instinkte und Sinneswahrnehmungen waren geschärft wie die eines jagenden Tieres. Es war dieses Flirren im Kopf, dieses Rattern der schnellen Gedanken, dieses archaische Gefühl von Leben. Jeden Moment bewusst zu erfahren. Immer auf der Hut zu sein.
Ich war nicht mehr angreifbar, weil ich erhaben war.
Niemand hätte mich treffen können, weil ich keine Zielscheibe mehr bot.
Der Sinn.
Der Sinn des Lebens oder des Vegetierens?
Kein Plan.
Aber er war da, und mit ihm Pläne und Träume und Sehnsüchte und Kreativität und alle Geschmäcker der Welt, die ich nicht mehr schmecken durfte.
Als ich zunahm, schrumpfte mein Universum wieder zusammen auf dieses klägliche Maß, das jedem zuteil ist, so empfand ich das damals. Als ich Normalgewicht erreichte, versickerten die letzten Zukunftsvisionen und Wünsche, mein letztes Selbstwertgefühl im schlammigen Sumpf der Depression.
Ich halte dieses Gewicht, und es ist gut. Ich bin freier. Aber auch um meine Visionen beraubt. Ich habe keine Ideen mehr, kein Abitur und keine Freunde. Ich mag die Menschen nicht mehr, verstehe sie nicht und vertraue ihnen nicht.
Mein eigenes, das war die Krankheit. Mein Monster. Meine Kraft. Meine Auszeichnung.
Heute lebe ich in den Tag hinein, der so normal und scheiße ist dass es kaum lohnt, morgens aufzustehen.
Marya Hornbacher hat sinngemäß geschrieben, gesund zu sein ist nicht mehr das große Drama, es ist die tägliche Sitcom, lächerlich alltäglich. Es ist kein Epos mit pompösem Orchester und Chören, die Großes versprechen.
Gesund sein ist normal sein, wäre man nicht immer noch krank.
Mit Persönlichkeitsstörungen und Depressionen behaftet, aller Ideale und Ziele beraubt. Angreifbar, verwundbar, wahrnehmbar.
Erwartungen, Verpflichtungen, auf dem Boden sein. Lasagne essen und Kleidergröße 36/38 tragen.
Sich nicht aushalten.
Hungern wollen und es nie durchziehen, weil die Kraft dazu fehlt.
Für das Abi lernen wollen und es nie durchziehen, weil die Motivation dazu fehlt.
Anderen etwas geben wollen und merken, man hat nichts mehr.
Man ist so banal geworden, so weit weg vom Sinn, von der Vision dessen, was man mal werden wollte.
Ich bin das.
Ich bin in so vielen Bereichen wieder so normal geworden, und anstatt mich darüber zu freuen und es zu akzeptieren, kämpfe ich Tag für Tag für die letzten Trümmer der Krankheit. Als würde ich mich weigern, einen zerstörten Zahn ziehen lassen zu wollen, weil er mich an meine „großen Momente“ erinnert.
Ist das nachvollziehbar?
Es gibt sie sehr wohl, die Gründe dafür, dass ich in dieser Zwischendimension feststecke.
Sie wiegen so viel wie ich.
Mittwoch, 21. November 2012
Bonjour Tristesse.
Was ist das für ein Leben, indem ich so traurig und passiv von einer Nacht in die nächste gleite?
No future.
Wann gehst du denn mal wieder ins Fitness?
Geht grade nicht.
Hast du mal wieder ein Lernheft gemacht?
Geht grade nicht.
Ich bin es so leid, zwei Kilo ab- und zuzunehmen im vier-Tages-Rhytmus; bin es leid, zwischen T.s und unserer Wohnung zu pendeln. Ich hasse es, zur Therapie zu fahren, weil mir der Weg so wahnsinnig lang vorkommt und ich nie sicher sein kann, ob ich ihn bewältigen werde. In drei Wochen werden meine Medikamente umgestellt. Ich bin traurig, weil ich dick und hässlich bin und eklige Narben an den Armen habe. Ich werde es niemals schaffen, die Abiprüfung im nächsten Jahr abzulegen, wenn ich jetzt nicht irgendwann anfange, den Stoff der 12 und 13 zu lernen. Mir ist es auch egal, ich will nichts von meiner Zukunft. Nur BMI 13. Sonst nix. Seit zwei Wochen bin ich ungeschminkt, was seltsam ist, weil ich mich seit meinem dreizehnten Lebenjahr jeden tag geschminkt habe: Concealer, Puder, Rouge, Augenbrauenstift, manchmal Mascara. Und nun - nackt. Ist mir auch kackegal.
No future.
Wann gehst du denn mal wieder ins Fitness?
Geht grade nicht.
Hast du mal wieder ein Lernheft gemacht?
Geht grade nicht.
Ich bin es so leid, zwei Kilo ab- und zuzunehmen im vier-Tages-Rhytmus; bin es leid, zwischen T.s und unserer Wohnung zu pendeln. Ich hasse es, zur Therapie zu fahren, weil mir der Weg so wahnsinnig lang vorkommt und ich nie sicher sein kann, ob ich ihn bewältigen werde. In drei Wochen werden meine Medikamente umgestellt. Ich bin traurig, weil ich dick und hässlich bin und eklige Narben an den Armen habe. Ich werde es niemals schaffen, die Abiprüfung im nächsten Jahr abzulegen, wenn ich jetzt nicht irgendwann anfange, den Stoff der 12 und 13 zu lernen. Mir ist es auch egal, ich will nichts von meiner Zukunft. Nur BMI 13. Sonst nix. Seit zwei Wochen bin ich ungeschminkt, was seltsam ist, weil ich mich seit meinem dreizehnten Lebenjahr jeden tag geschminkt habe: Concealer, Puder, Rouge, Augenbrauenstift, manchmal Mascara. Und nun - nackt. Ist mir auch kackegal.
Samstag, 27. Oktober 2012
What shall we do with the drunken sailor?
Wir schauten vorhin eine Folge Scrubs, in der Dr. Cox den Tod von drei Patienten verschuldet und sich infolgedessen mit aufgequollenem Gesicht betrinkt (bzw vom Trinken aufquillt).
Ich sagte zu T.: "Bah, das will ich nicht sehen."
Er zuckte mit den Schultern. "Warum?"
"Keine Ahnung, ich hatte mal einen Freund, der hat auch gesoffen. Alki, weißt du? War total anstrengend mit ihm."
T. lachte und stand auf, um sich einen Kaffee zu machen. "Komisch, die Geschichte kenne ich doch."
Wir treiben durch die Zeit. Schon wieder eine Woche vergangen, unbemerkt.
Mein größtes Problem? Antriebslosigkeit.
Das führt dazu, dass ich im Prinzip nichts tue außer schlafen, essen, Sitcoms-und-3sat-gucken, Patiencen-legen und Kreutzworträtsel-lösen. Manchmal gehe ich ins Fitti und trainiere mir 300 kcal ab, manchmal lese ich ein paar Seiten Mo Yan. Manchmal ist mein Freund scharf auf mich, dann machen wir Sex. Manchmal fahre ich zu meiner Familie und futtere mich durch den Kühlschrank hindurch. Aber das ist selten.
Die Leere in mir, welche dazu führt dass ich seit Wochen durch die Zeit treibe wie ein morsches, fauliges, schweres Stück Holz; diese Leere absorbiert jeden Gedanken. Deswegen schreibe ich momentan so selten hier. Es ist so anstrengend. Mein Alltagüberfordert mich.
Ich mache rein gar nichts produktives, geschweige denn zielführendes. Ich unternehme nichts im Bezug auf Abnehmen und Schule.
Ich kann Werbejingles mitsummen! How I Met Your Mother mitsprechen! Toll.
Wie soll es weitergehen? Wenn es nach mir ginge, könnte es ewig so weitergehen. Ich verspüre nicht so viel Druck wie sonst, bin wie auf Autopilot. Alles fließt, ich treibe. T. trinkt.
Leerlauf, Leerzeichen, Leerstelle, Zeitraffer.
Um sieben Uhr geweckt werden - Morgenmagazin anschalten. Eine Rauchen, dabei Kaffee machen. Drei Riegel Kinderschokolade zum Kaffee essen (sie darin schmelzen lassen). Solitär spielen. Zu Pro7 wechseln, Kreutzworträtsel, duschen, anziehen. Die Sitcoms kann man durchgängig sehen, wenn man will, von halb neun bis fünf Uhr. Ich ernähre mich fast nur von Kinderriegeln und Müsli. Gehe einkaufen, Milch und Kaffee und Tabak. Eine Flasche Vodka, eine Flasche Cola. O-Saft zum Ausnüchtern.
Das Fernsehprogramm strukturiert den Tag. Ich könnte ihn auch anhand von Zigaretten, Gläsern Alkohol oder Toilettengängen strukturieren, aber so ist es am einfachsten. Es tut sich nichts, nichts.
Und ich bin zu feige mir das Leben zu nehmen, zu viele Schuldgefühle und -geknäule in meinem Herz.
Auch wenn ich gehen wollte, könnte ich nicht. Wegen meiner Mutter. Wegen ihm.
...
Ich sagte zu T.: "Bah, das will ich nicht sehen."
Er zuckte mit den Schultern. "Warum?"
"Keine Ahnung, ich hatte mal einen Freund, der hat auch gesoffen. Alki, weißt du? War total anstrengend mit ihm."
T. lachte und stand auf, um sich einen Kaffee zu machen. "Komisch, die Geschichte kenne ich doch."
Wir treiben durch die Zeit. Schon wieder eine Woche vergangen, unbemerkt.
Mein größtes Problem? Antriebslosigkeit.
Das führt dazu, dass ich im Prinzip nichts tue außer schlafen, essen, Sitcoms-und-3sat-gucken, Patiencen-legen und Kreutzworträtsel-lösen. Manchmal gehe ich ins Fitti und trainiere mir 300 kcal ab, manchmal lese ich ein paar Seiten Mo Yan. Manchmal ist mein Freund scharf auf mich, dann machen wir Sex. Manchmal fahre ich zu meiner Familie und futtere mich durch den Kühlschrank hindurch. Aber das ist selten.
Die Leere in mir, welche dazu führt dass ich seit Wochen durch die Zeit treibe wie ein morsches, fauliges, schweres Stück Holz; diese Leere absorbiert jeden Gedanken. Deswegen schreibe ich momentan so selten hier. Es ist so anstrengend. Mein Alltag
Ich mache rein gar nichts produktives, geschweige denn zielführendes. Ich unternehme nichts im Bezug auf Abnehmen und Schule.
Ich kann Werbejingles mitsummen! How I Met Your Mother mitsprechen! Toll.
Wie soll es weitergehen? Wenn es nach mir ginge, könnte es ewig so weitergehen. Ich verspüre nicht so viel Druck wie sonst, bin wie auf Autopilot. Alles fließt, ich treibe. T. trinkt.
Leerlauf, Leerzeichen, Leerstelle, Zeitraffer.
Um sieben Uhr geweckt werden - Morgenmagazin anschalten. Eine Rauchen, dabei Kaffee machen. Drei Riegel Kinderschokolade zum Kaffee essen (sie darin schmelzen lassen). Solitär spielen. Zu Pro7 wechseln, Kreutzworträtsel, duschen, anziehen. Die Sitcoms kann man durchgängig sehen, wenn man will, von halb neun bis fünf Uhr. Ich ernähre mich fast nur von Kinderriegeln und Müsli. Gehe einkaufen, Milch und Kaffee und Tabak. Eine Flasche Vodka, eine Flasche Cola. O-Saft zum Ausnüchtern.
Das Fernsehprogramm strukturiert den Tag. Ich könnte ihn auch anhand von Zigaretten, Gläsern Alkohol oder Toilettengängen strukturieren, aber so ist es am einfachsten. Es tut sich nichts, nichts.
Und ich bin zu feige mir das Leben zu nehmen, zu viele Schuldgefühle und -geknäule in meinem Herz.
Auch wenn ich gehen wollte, könnte ich nicht. Wegen meiner Mutter. Wegen ihm.
...
“Newbie, give me a little trouble, I'm having some help here...”
Dr Cox
Sonntag, 21. Oktober 2012
Happy Birthday.
Sorry, ich habe mich jetzt länger nicht gemeldet, auch wenn
ich jeden Tag auf Blogger war und die neusten Einträge gelesen habe...
Mir fehlte einfach die Kraft, einen Text zu schreiben der zum Ausdruck bringt, wie es mir geht.
Am Donnerstag bin ich zwanzig geworden.
Mir fehlte einfach die Kraft, einen Text zu schreiben der zum Ausdruck bringt, wie es mir geht.
Am Donnerstag bin ich zwanzig geworden.
Mittwochabend sind sind ein suizidaler T. und ich nach
Sachsenhausen gefahren, zum Konzert von Pickers in einer winzigen
Kellerspelunke. Es war grandios. Man konnte rauchen und überall hingen
Elvis-Plakate, hässliche Hipster-Tussis mit dicken Beinen tanzten ausgelassen
und gaben mir das Gefühl, eine bildhübsche Elfe zwischen ihnen zu sein (haha).
Nein, im Ernst, das Konzert war richtig geil, sogar T. hat es gefallen. Wir
nahmen uns ein Taxi zurück (Vor-Geburtstags-Luxus) und ich war relativ pünktlich
um 0:00 bei meiner Family zu Hause.
Angeregt durch meine Therapeutin hatte ich am Mittwochvormittag mein Zimmer aufgeräumt und umgeräumt (ich habe das Bedürfnis, alle paar Monate Bett, Schreibtisch und Kommoden rotieren zu lassen, damit mein Zimmer mich weniger ängstigt. Ich weiß, das hört sich total bescheurt an, aber wenn ich eine bestimmte Phase in einer bestimmten Bett-Tisch-Kommode-Konstellation durchgemacht habe bekomme ich „Angst“ vor diesem Raum, fühle mich wie ein zahnloser Tiger im viel zu kleinen Käfig und muss dringend etwas ändern. Die Crux ist, dass mir dazu die Kraft fehlt und ich zwar theoretisch den Drang verspüre, Wände zu streichen und Möbel rauszuschmeißen, ich praktisch aber nicht einmal in der Lage bin, mein Bettlaken zu wechseln).
Also rauchte ich meine erste Kippe als „Twen“ in meinem frisch bezogenen Bett mit der schönen Aussicht auf den stilvoll beleuchteten Bieberer Kirchenturm und stellte irritiert fest, dass der Schrecken des Geburtstages beinahe verschwunden war.
Ich hatte mich die ganze Woche innerlich zerfleischt, und plötzlich schien alles ganz leicht. Sehr seltsam. Die Sache ist, ich hasse mich viel zu sehr als dass ich es genießen könnte, im Mittelpunkt zu stehen (AHRG), beschenkt (AAHRG) und liebkost (AAAHRG) zu werden, wie es nunmal üblich ist wenn man sich jährt. Zudem gibt es in meiner Familie das Ritual, dass das Geburtstagskind (wenn es nicht gerade in einer Klinik rumgammelt weil es sich mästen lässt) morgens einen Kaffee ans Bett gebracht bekommt, in einen Morgenmantel schlüpft und unten im Wohnzimmer von einer Arkade von Kerzen begrüßt wird, Blumen und Geschenke vorfindet und dabei die ganze Zeit geherzt und fotografiert wird. Das war mein Horrorszenario.
Angeregt durch meine Therapeutin hatte ich am Mittwochvormittag mein Zimmer aufgeräumt und umgeräumt (ich habe das Bedürfnis, alle paar Monate Bett, Schreibtisch und Kommoden rotieren zu lassen, damit mein Zimmer mich weniger ängstigt. Ich weiß, das hört sich total bescheurt an, aber wenn ich eine bestimmte Phase in einer bestimmten Bett-Tisch-Kommode-Konstellation durchgemacht habe bekomme ich „Angst“ vor diesem Raum, fühle mich wie ein zahnloser Tiger im viel zu kleinen Käfig und muss dringend etwas ändern. Die Crux ist, dass mir dazu die Kraft fehlt und ich zwar theoretisch den Drang verspüre, Wände zu streichen und Möbel rauszuschmeißen, ich praktisch aber nicht einmal in der Lage bin, mein Bettlaken zu wechseln).
Also rauchte ich meine erste Kippe als „Twen“ in meinem frisch bezogenen Bett mit der schönen Aussicht auf den stilvoll beleuchteten Bieberer Kirchenturm und stellte irritiert fest, dass der Schrecken des Geburtstages beinahe verschwunden war.
Ich hatte mich die ganze Woche innerlich zerfleischt, und plötzlich schien alles ganz leicht. Sehr seltsam. Die Sache ist, ich hasse mich viel zu sehr als dass ich es genießen könnte, im Mittelpunkt zu stehen (AHRG), beschenkt (AAHRG) und liebkost (AAAHRG) zu werden, wie es nunmal üblich ist wenn man sich jährt. Zudem gibt es in meiner Familie das Ritual, dass das Geburtstagskind (wenn es nicht gerade in einer Klinik rumgammelt weil es sich mästen lässt) morgens einen Kaffee ans Bett gebracht bekommt, in einen Morgenmantel schlüpft und unten im Wohnzimmer von einer Arkade von Kerzen begrüßt wird, Blumen und Geschenke vorfindet und dabei die ganze Zeit geherzt und fotografiert wird. Das war mein Horrorszenario.
Ich wäre wahrscheinlich in Tränen ausgebrochen, hätte den
Vormittag alleine mit Fressen und Schneiden verbracht und so weiter.
Überraschung: Als hätte man meine Gebete erhört, hörte ich nichts. Kein Tapsen, keine Kaffeemaschine, kein Geschenkpapiergeraschel, keine Feuerzeuge. Ich schlich mich ins Bad und dann ins Wohnzimmer. Nur Blumen und eine Karte. Meine Mutter war im anderen Badezimmer und offensichtlich im Stress, rechtzeitig zur Arbeit zu kommen. Sie umarmte mich (gerade noch aushaltbar) und düste ab.
Yay! Ich war erleichtert hoch zehn und ging entspannt duschen (ohne wiegen vorher), latschte dann zum Bäcker (Nougatcroissant) und genoss (!) mein einsames und kleines (Croissant plus Schoko-Soja-Drink) Frühstück vor der Glotze (Two And A Half Man, Big Bang Theory). Es war nahezu perfekt.
Überraschung: Als hätte man meine Gebete erhört, hörte ich nichts. Kein Tapsen, keine Kaffeemaschine, kein Geschenkpapiergeraschel, keine Feuerzeuge. Ich schlich mich ins Bad und dann ins Wohnzimmer. Nur Blumen und eine Karte. Meine Mutter war im anderen Badezimmer und offensichtlich im Stress, rechtzeitig zur Arbeit zu kommen. Sie umarmte mich (gerade noch aushaltbar) und düste ab.
Yay! Ich war erleichtert hoch zehn und ging entspannt duschen (ohne wiegen vorher), latschte dann zum Bäcker (Nougatcroissant) und genoss (!) mein einsames und kleines (Croissant plus Schoko-Soja-Drink) Frühstück vor der Glotze (Two And A Half Man, Big Bang Theory). Es war nahezu perfekt.
Ich verliere mich in Details. Also: Ich befand mich im
„Schon“-Modus, man könnte es auch „Selbstschutz-Modus“ nennen. Ich ignorierte
meine fetten Beine, mein fettes Gesicht und die Tatsache dass ich viel zu
erkältet war um mehr zu tun als mit Schmerzen und Hitzewallungen auf unserem
grünen Ledersofa zu liegen. Es war okay, echt. Ich war okay. Ganz seltsam und
fremd, dieses Gefühl. Nachmittags kamen mein Opa und meine Schwester, auch
erträglich, gegen Abend noch mein Erzeuger und der Freund meiner Schwester.
Alle betranken sich (außer mir), was mich anekelte, und wir aßen Kürbissuppe.
Dann fuhr mich mein Vater netterweise noch zu T., der mich mit einer roten Rose
(OMG) und Karten für Skunk Anansie (OMFG) überraschte. Wir sahen uns The Voice
an und gingen früh schlafen.
Keine Gratulationen von diversen Ex-Lovern, auch gut. Eine Gelegenheit, loszulassen von Erinnerungen?
Am Freitag brachte ich erstmal meine Kröten zur Bank – stolze 240 € - und erledigte ein paar Einkäufe. Mein Geschenk an mich selbst: ein schwarzer H&M-Rock mit dem perfekten Schnitt, das heißt er betont schlanke Beine bis zu dem Punkt, wo sie fett werden und versteckt Speckröllchen an der Hüfte. Ich werde bald mal ein Foto posten!
Dann hatte ich noch megaguten Sex mit T. (mit wem sonst, sehr lustig Phoebe) und ein paar mittelschwere Panikattacken wegen Kuscheltieren auf dem Flohmarkt. Ich drehe manchmal durch, weil ich denke, dass Dinge eine Seele haben und verrecken wenn ich sie nicht rette, zum Beispiel Tassen, die mir mein Vater mal geschenkt hat und deren Aufenthaltsort ich nicht kenne, alte Bücher, die ich nicht ausreichend gewürdigt habe oder ähnliches. Dann zittere ich und heule und verliere jeglichen Bezug zur Realität, weil ich mich so schuldig fühle am Leid dieser Tassen und Bücher (oder eben Stoffdinos auf dem Flohmarkt). Meine Therapeutin weiß, dass ich in Wirklichkeit Angst habe vor Beziehungen zu Menschen, vor Abweisung, Streit, Zuneigung, und das dann auf Gegenstände projeziere. Jaja.
Sonst ist nichts außergewöhnliches passiert. Ich merke, dass der Selbstschutz-Modus sich langsam verflüchtigt, vor allem seit ich gestern bei „Kreutzer Kommt“ eine anorektische Heroinabhängige gesehen habe, die einfach nur bildschön war. Und dann mich sehe mit meinem fat-face und meiner Wampe und der Hass und die Wut wieder in mein Hirn sickern, dahin wo sie hingehören.
Mal sehen was passiert.
Keine Gratulationen von diversen Ex-Lovern, auch gut. Eine Gelegenheit, loszulassen von Erinnerungen?
Am Freitag brachte ich erstmal meine Kröten zur Bank – stolze 240 € - und erledigte ein paar Einkäufe. Mein Geschenk an mich selbst: ein schwarzer H&M-Rock mit dem perfekten Schnitt, das heißt er betont schlanke Beine bis zu dem Punkt, wo sie fett werden und versteckt Speckröllchen an der Hüfte. Ich werde bald mal ein Foto posten!
Dann hatte ich noch megaguten Sex mit T. (mit wem sonst, sehr lustig Phoebe) und ein paar mittelschwere Panikattacken wegen Kuscheltieren auf dem Flohmarkt. Ich drehe manchmal durch, weil ich denke, dass Dinge eine Seele haben und verrecken wenn ich sie nicht rette, zum Beispiel Tassen, die mir mein Vater mal geschenkt hat und deren Aufenthaltsort ich nicht kenne, alte Bücher, die ich nicht ausreichend gewürdigt habe oder ähnliches. Dann zittere ich und heule und verliere jeglichen Bezug zur Realität, weil ich mich so schuldig fühle am Leid dieser Tassen und Bücher (oder eben Stoffdinos auf dem Flohmarkt). Meine Therapeutin weiß, dass ich in Wirklichkeit Angst habe vor Beziehungen zu Menschen, vor Abweisung, Streit, Zuneigung, und das dann auf Gegenstände projeziere. Jaja.
Sonst ist nichts außergewöhnliches passiert. Ich merke, dass der Selbstschutz-Modus sich langsam verflüchtigt, vor allem seit ich gestern bei „Kreutzer Kommt“ eine anorektische Heroinabhängige gesehen habe, die einfach nur bildschön war. Und dann mich sehe mit meinem fat-face und meiner Wampe und der Hass und die Wut wieder in mein Hirn sickern, dahin wo sie hingehören.
Mal sehen was passiert.
Ich bin passiv und warte auf ein Signal, wieder hungern zu
können. Zwanzig und dünn, das ist zwar nicht so gut wie Neunzehn und dünn aber
auch okay.
Montag, 1. Oktober 2012
Selbstmitleid No° 2.
Mein Leben ist grottenschlecht.
Humorlos, zynisch und wellenförmig. Ich hocke mit meinem PC auf dem Boden seiner Wohnung und höre T.s gleichmäßigen Atem. In unregelmäßigen Abständen murmelt er etwas wie "Grins mich nicht so an, immer grins, grins". Er ist Schlafredner.
Ich war heute im Einkaufscenter um die neue Titanic zu kaufen und einen Mocca-Frappuchino bei Starbucks zu trinken, mit fett Sahne und so. Plötzlich löffelte ich mit einer geschnorrten Plastikgabel ein Glas Nutella im Buchladen leer, dass ich irgendwie gekauft haben musste.
Dann befand ich mich in der Damentoilette und schnitt mit einer alten Rasierklinge meine linke Pulsader am Handgelenk auf, mit kalter Präzision und Hitzewallungen in meinem schwarzen Trenchcoat, wickelte eine halbe Rolle Klopapier darum und fuhr mit dem Fahrrad zurück.
Mein Freund war schon ziemlich blau. Ich hatte ihm gewisse sexuelle Gefälligkeiten für den Abend angekündigt und bat ihn, Rücksicht auf meine Verfassung zu nehmen und, naja, eben heute nix mehr zu machen. Ich halte es nicht aus, ihm diesen Körper zu präsentieren.
Ich halte es nicht aus, zu wissen dass ich heute wieder für 15€ Süßkram gegessen habe.
Hasse dieses Sodbrennen, diese Völle, diese Oberschenkel, die bei jedem Schlag auf meine Titten mitschwabbeln, hasse seine trunkenen Statements zur Finanzwirtschaft, hasse es kein Zuhause zu haben. Ich hasse es, zwanghaft essen zu müssen weil ich meine Angst nicht an die Oberfläche lasse will. Hasse die Narben auf meinen Armen, hasse meine fette Fresse, meine fetten Oberarme und meinen weichen, rotgesprenkelt-verbrühten Bauch.
Mein Leben ist verdammt beschissen und ich selbst bin Schuld daran, das ist das ekligste.
"...das muss man dann immer individuell gucken", murmelt T. und schwenkt seine Beine diagonal ins Bett.
Humorlos, zynisch und wellenförmig. Ich hocke mit meinem PC auf dem Boden seiner Wohnung und höre T.s gleichmäßigen Atem. In unregelmäßigen Abständen murmelt er etwas wie "Grins mich nicht so an, immer grins, grins". Er ist Schlafredner.
Ich war heute im Einkaufscenter um die neue Titanic zu kaufen und einen Mocca-Frappuchino bei Starbucks zu trinken, mit fett Sahne und so. Plötzlich löffelte ich mit einer geschnorrten Plastikgabel ein Glas Nutella im Buchladen leer, dass ich irgendwie gekauft haben musste.
Dann befand ich mich in der Damentoilette und schnitt mit einer alten Rasierklinge meine linke Pulsader am Handgelenk auf, mit kalter Präzision und Hitzewallungen in meinem schwarzen Trenchcoat, wickelte eine halbe Rolle Klopapier darum und fuhr mit dem Fahrrad zurück.
Mein Freund war schon ziemlich blau. Ich hatte ihm gewisse sexuelle Gefälligkeiten für den Abend angekündigt und bat ihn, Rücksicht auf meine Verfassung zu nehmen und, naja, eben heute nix mehr zu machen. Ich halte es nicht aus, ihm diesen Körper zu präsentieren.
Ich halte es nicht aus, zu wissen dass ich heute wieder für 15€ Süßkram gegessen habe.
Hasse dieses Sodbrennen, diese Völle, diese Oberschenkel, die bei jedem Schlag auf meine Titten mitschwabbeln, hasse seine trunkenen Statements zur Finanzwirtschaft, hasse es kein Zuhause zu haben. Ich hasse es, zwanghaft essen zu müssen weil ich meine Angst nicht an die Oberfläche lasse will. Hasse die Narben auf meinen Armen, hasse meine fette Fresse, meine fetten Oberarme und meinen weichen, rotgesprenkelt-verbrühten Bauch.
Mein Leben ist verdammt beschissen und ich selbst bin Schuld daran, das ist das ekligste.
"...das muss man dann immer individuell gucken", murmelt T. und schwenkt seine Beine diagonal ins Bett.
Dienstag, 4. September 2012
Durchsichtig.
Mein Körper spinnt und mein Geist sowieso.
Ich könnte nur pennen, die ganze Zeit.
Alles flimmert und dröhnt und ich rede wie hinter Glas, will nur schlafen.
Ich hungere, fresse, hungere, schmeiße Abführmittel, lerne, schminke mich jeden Tag, als würde ich ausgehen.
Wofür?
Wofür kämpfen? Ich ekele mich so sehr vor mir selbst.
Heute morgen war mein Bauch seit tagelangem Fressen mal wieder flach.
Ich nahm einen Apfel mit und ging in die Stadt. Als meine Mutter nicht sofort auf meinen Anruf reagierte, kaufte ich eine Brezel (okay), danach ein Stückchen mit Himbeermarmelade (nicht gut), schließlich einen Carrot Cake bei Starbucks (kacke) und eine neue Packung Dulcolax (na prima).
Ich könnte nur pennen, die ganze Zeit.
Alles flimmert und dröhnt und ich rede wie hinter Glas, will nur schlafen.
Ich hungere, fresse, hungere, schmeiße Abführmittel, lerne, schminke mich jeden Tag, als würde ich ausgehen.
Wofür?
Wofür kämpfen? Ich ekele mich so sehr vor mir selbst.
Heute morgen war mein Bauch seit tagelangem Fressen mal wieder flach.
Ich nahm einen Apfel mit und ging in die Stadt. Als meine Mutter nicht sofort auf meinen Anruf reagierte, kaufte ich eine Brezel (okay), danach ein Stückchen mit Himbeermarmelade (nicht gut), schließlich einen Carrot Cake bei Starbucks (kacke) und eine neue Packung Dulcolax (na prima).
Dienstag, 14. August 2012
Therapiekäse.
Alles sehr trist und öde. Viel zu warm dieser Sommer.
Ich hasse den Sommer, schon mal erwähnt?
Bin voll, leer, gefrustet und demotiviert zugleich.
Was ist das für ein Leben?
"Und Sie versuchen mit therapeutischen Schemata gegen meine Selbstabwertung zu argumentieren. Meinen Sie ich durchschaue das nicht? Warum sollten Sie wohlwollend sein? Sie wissen doch gar nicht wie scheiße ich bin. Sie kennen mich gar nicht."
Sie: "Wo sind Sie denn scheiße?"
Ich, in entspanntem Tonfall: "Ich bin undiszipliniert, ziellos, egozentrisch, überheblich. Arrogant. Ich bin dümmer als Sie denken. Ich habe noch nichts erreicht. Ich kann nicht auf Menschen eingehen, bin zerstreut und wehleidig. T. hatte Recht als er gesagt hat, ich würde mir viel mehr rausnehmen als es mir zustünde - ich bin fett und hässlich und meine Meinung zählt einen Scheißdreck. Ich tue Menschen weh, bin rücksichts- und emotionslos. Ekelhaft aufdringlich und anbiedernd. Faul. Und noch viel mehr. Reicht das?"
"Würden Sie es zulassen, diese Mauer ein bisschen einzureissen? Damit wir schauen können, warum Sie sich so heftig hassen?"
"Davor habe ich Angst."
"Dann reden wir über diese Angst."
...
Ich hasse den Sommer, schon mal erwähnt?
Bin voll, leer, gefrustet und demotiviert zugleich.
Was ist das für ein Leben?
Meine Therapeutin vor ein paar Stunden: "Verstehe. Was wäre denn geheilt?"
Ich: "Geheilt würde bedeuten, mich zu akzeptieren. Nicht unbedingt zu mögen, aber zu akzeptieren und Vertrauen zuzulassen, in mich und vor allem in andere. Loslassen zu können, und sei es nur ein wenig."
"Und das wollen Sie nicht?"
"Und das wollen Sie nicht?"
"Nein. Das ist doch alles, was ich habe."
Sie, verärgert: "Aber wenn Sie keine Heilung wollen, warum machen Sie dann überhaupt noch Therapie?"
Ich, zickig: "Tja. Das ist der Grund, warum ich sage, dass es keinen Sinn mehr macht."
"Was wollen Sie denn dann? Anstelle einer Heilung?"
"Wieder dünn sein. Ansonsten wäre es mir ganz Recht, einfach eines Morgens nicht mehr aufzuwachen."
Sie, verärgert: "Aber wenn Sie keine Heilung wollen, warum machen Sie dann überhaupt noch Therapie?"
Ich, zickig: "Tja. Das ist der Grund, warum ich sage, dass es keinen Sinn mehr macht."
"Was wollen Sie denn dann? Anstelle einer Heilung?"
"Wieder dünn sein. Ansonsten wäre es mir ganz Recht, einfach eines Morgens nicht mehr aufzuwachen."
"Sie haben überhaupt keine Pläne mehr. Nichts, was Sie hält. Niemanden, dem Sie vertrauen. Sie sind so einsam und leer, dass Sie zum Essen greifen, um diese Leere zu füllen."
Ich, spöttisch: "Aha. Also wenn ich mich nicht mehr einsam fühle brauche ich nicht mehr zu essen? Komisch, als ich die letzten Male untergewichtig war, war ich auch ziemlich einsam."
"Sie vertrauen mir nicht. Nicht mehr."Ich, spöttisch: "Aha. Also wenn ich mich nicht mehr einsam fühle brauche ich nicht mehr zu essen? Komisch, als ich die letzten Male untergewichtig war, war ich auch ziemlich einsam."
"Und Sie versuchen mit therapeutischen Schemata gegen meine Selbstabwertung zu argumentieren. Meinen Sie ich durchschaue das nicht? Warum sollten Sie wohlwollend sein? Sie wissen doch gar nicht wie scheiße ich bin. Sie kennen mich gar nicht."
Sie: "Wo sind Sie denn scheiße?"
Ich, in entspanntem Tonfall: "Ich bin undiszipliniert, ziellos, egozentrisch, überheblich. Arrogant. Ich bin dümmer als Sie denken. Ich habe noch nichts erreicht. Ich kann nicht auf Menschen eingehen, bin zerstreut und wehleidig. T. hatte Recht als er gesagt hat, ich würde mir viel mehr rausnehmen als es mir zustünde - ich bin fett und hässlich und meine Meinung zählt einen Scheißdreck. Ich tue Menschen weh, bin rücksichts- und emotionslos. Ekelhaft aufdringlich und anbiedernd. Faul. Und noch viel mehr. Reicht das?"
"Würden Sie es zulassen, diese Mauer ein bisschen einzureissen? Damit wir schauen können, warum Sie sich so heftig hassen?"
"Davor habe ich Angst."
"Dann reden wir über diese Angst."
...
Samstag, 4. August 2012
Schweinehund, T. und ich.
Eigentlich müsste ich jetzt nochmal Sport machen gehen, aber ich bin so krass müde. Eben schon beim lernen eingeschlafen und dann für zwei Stunden!
Ich muss.
Ich bin müde! Ich esse auch nichts mehr heute!
Beweg deinen Arsch. Los.
Will nicht. Will schlafen.
Dann wirst du morgen halt wieder zugenommen haben. Du siehst doch, was auf der Waage steht.
Ja verdammt. Trotzdem. Ich bin viel zu unterzuckert als dass ich jetzt gescheit trainieren könnte.
Auf jetzt. Keine Diskussion.
Er sagt, dass ich eine Ruhepause brauche, dass mein Körper das braucht. Er sagt, wenn er nächste Woche entlassen wird will er einen Vertrag mit mir schließen - ich soll essen und er rührt keinen Tropfen Alk mehr an. Ich sage, ja, aber da muss erst noch einiges runter.
Wir spielen wieder Basar. Er sagt 57, maximal 55. Bei 48 streikt er.
Aber bin ich verpflichtet, ihm mein Gewicht zu nennen?
Während des Telefonates habe ich mich noch ein paar Mal gewogen. Je nachdem, wie ich meine Füße platziere, steht da 59,2, 58,8, 60,4. Aha. Und das heißt jetzt?
Scheißteil.
Habe mir eben ihm zuliebe einen halben Shake gemacht mit Buttermilch und Magerquark (~90 kcal).
Versuche jetzt weiter zu pennen.
![]() |
| Ich mit ca 40 Kilo im selbstgenähten T-Shirt |
Montag, 16. Juli 2012
Siechtum.
Seit Tagen siechen wir nur so vor uns hin.
T. trinkt, ich penne.
Wir berühren uns, tauschen Visionen und Komplimente.
Lassen uns Pizza liefern, jeden Tag.
Schlafen.
Refeed-Phase, wird morgen beendet!
T. trinkt, ich penne.
Wir berühren uns, tauschen Visionen und Komplimente.
Lassen uns Pizza liefern, jeden Tag.
Schlafen.
Refeed-Phase, wird morgen beendet!
Mittwoch, 4. Juli 2012
Ja.
Ich schmecke Riesling und einen merkwürdigen Nachgeschmack von... Missverständnis?
Meinen Typen eigentlich immer, dass man flirtet, wenn man einfach nur höflich ist?
Ich sollte mehr Arschloch werden - jetzt bin ich für morgen zum Mittagessen verabredet. Mit Omar Sharif inklusive Johnny-Depp-Bärtchen. VOLL nicht mein Typ.
Hm.
Kaum was gegessen heute, was mich ein wenig stolz macht: ein bisschen Müsli um eins, ein Duplo um halb sechs. Kaffee.
Der Wein pulsiert in meinen Blutbahnen und mein Kopf ist ein Vakuum. Was mache ich eigentlich?
Geht's noch?
Bin ich ein dummes Mädchen? Ja.
Weiß ich nicht, wann ich nein sagen sollte? Ja.
Fühle ich mich geschmeichelt? Ja.
Bin ich armselig? Ja.
Bin ich ein kompletter Vollidiot? Ja.
Bin ich asozial? Ja.
Hasse ich mich? Ja.
Bin ich ekelhaft und hässlich und fett und ein schlechter Mensch? Ja.
Würde ich mich gerne schneiden? Ja.
Werde ich gaga? Ja.
Fühle ich mich schmutzig? Ja.
Wurde ich bedrängt? Ja.
Hätte ich "Nein" sagen können, wäre ich selbstbewusster? Ja.
Ich sehne, verzehre mich nach S. und renne in Sackgassen.
Meinen Typen eigentlich immer, dass man flirtet, wenn man einfach nur höflich ist?
Ich sollte mehr Arschloch werden - jetzt bin ich für morgen zum Mittagessen verabredet. Mit Omar Sharif inklusive Johnny-Depp-Bärtchen. VOLL nicht mein Typ.
Hm.
Kaum was gegessen heute, was mich ein wenig stolz macht: ein bisschen Müsli um eins, ein Duplo um halb sechs. Kaffee.
Der Wein pulsiert in meinen Blutbahnen und mein Kopf ist ein Vakuum. Was mache ich eigentlich?
Geht's noch?
Bin ich ein dummes Mädchen? Ja.
Weiß ich nicht, wann ich nein sagen sollte? Ja.
Fühle ich mich geschmeichelt? Ja.
Bin ich armselig? Ja.
Bin ich ein kompletter Vollidiot? Ja.
Bin ich asozial? Ja.
Hasse ich mich? Ja.
Bin ich ekelhaft und hässlich und fett und ein schlechter Mensch? Ja.
Würde ich mich gerne schneiden? Ja.
Werde ich gaga? Ja.
Fühle ich mich schmutzig? Ja.
Wurde ich bedrängt? Ja.
Hätte ich "Nein" sagen können, wäre ich selbstbewusster? Ja.
Ich sehne, verzehre mich nach S. und renne in Sackgassen.
Donnerstag, 28. Juni 2012
Der Spiegel hat gesprochen.
Wir besitzen eine neue Matratze.
Also T. und ich.
Ansonsten passiert nur Müll. Gestern Abend bin ich komplett versumpft mit einem Glas Nutoka und einer Tüte Chips und einem netten Rosé und nicht enden wollenden Künstlerdokus auf arte. Als ich zur Besinnung kam war es schon vier Uhr morgens.
Gerädert wache ich also auf, kann nicht aufstehen.
Die Zeit rennt, die Sonne kitzelt mich suggestiv an den Füßen, doch ich bin wie gelähmt.
Irgendwann schaffe ich es, meinen fetten Körper ins Bad zu bugsieren und zu duschen... Mein Bauch!
Es ist widerlich. Die Waage meiden. Einen Joghurt essen, weil der Magen wimmert.
Heute noch mehrere Verabredungen, es ist schwer etwas zum anziehen zu finden, in dem ich nicht aussehe wie ein Michelin-Männchen. Wimperntusche. Ich halte mein Gesicht vor den Spiegel und straffe mit beiden Händen die Haut entlang des Kinnes.
Drehe den Kopf ein bisschen schief. Ja, so...
Das sieht gut aus, Phoebe, deine Wangenknochen gibt es ja noch. Schau dir all dieses Fett an, das sie verschwinden lässt! Willst du das?
Nein. Natürlich nicht.
Was hast du gesagt? Ich verstehe nur "NutokaSchokoladeChipsWeißbrotNudelnMitButter".
Ja. Ich weiß.
Ich gebe meinem Spiegelbild eine Kopfnuss und einen strengen Blick.
Heute muss besser werden. Gestern habe ich doch auch bis 17:30 gefastet!
Studieren in Hamburg wird offensichtlich nichts, ich erfülle nicht die Zulassungsbedingungen. Also Plan B: Wohnung suchen in Frankfurt, arbeiten, Abi nachholen. Gleich heute nochmal Vorsprechen in dem netten Café mit integriertem Buchladen...
Also T. und ich.
Ansonsten passiert nur Müll. Gestern Abend bin ich komplett versumpft mit einem Glas Nutoka und einer Tüte Chips und einem netten Rosé und nicht enden wollenden Künstlerdokus auf arte. Als ich zur Besinnung kam war es schon vier Uhr morgens.
Gerädert wache ich also auf, kann nicht aufstehen.
Die Zeit rennt, die Sonne kitzelt mich suggestiv an den Füßen, doch ich bin wie gelähmt.
Irgendwann schaffe ich es, meinen fetten Körper ins Bad zu bugsieren und zu duschen... Mein Bauch!
Es ist widerlich. Die Waage meiden. Einen Joghurt essen, weil der Magen wimmert.
Heute noch mehrere Verabredungen, es ist schwer etwas zum anziehen zu finden, in dem ich nicht aussehe wie ein Michelin-Männchen. Wimperntusche. Ich halte mein Gesicht vor den Spiegel und straffe mit beiden Händen die Haut entlang des Kinnes.
Drehe den Kopf ein bisschen schief. Ja, so...
Das sieht gut aus, Phoebe, deine Wangenknochen gibt es ja noch. Schau dir all dieses Fett an, das sie verschwinden lässt! Willst du das?
Nein. Natürlich nicht.
Was hast du gesagt? Ich verstehe nur "NutokaSchokoladeChipsWeißbrotNudelnMitButter".
Ja. Ich weiß.
Ich gebe meinem Spiegelbild eine Kopfnuss und einen strengen Blick.
Heute muss besser werden. Gestern habe ich doch auch bis 17:30 gefastet!
Studieren in Hamburg wird offensichtlich nichts, ich erfülle nicht die Zulassungsbedingungen. Also Plan B: Wohnung suchen in Frankfurt, arbeiten, Abi nachholen. Gleich heute nochmal Vorsprechen in dem netten Café mit integriertem Buchladen...
Mittwoch, 27. Juni 2012
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