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Dienstag, 3. September 2013

Les choses de la vie.

Mit zeitloser Gier klaube ich ein Paper aus der blauen Pappkonstruktion und drehe in Sekundenbruchteilen ein Zigarettchen. Nach kratzigen ungarischen Nuttenstängeln und in Verarbeitungsqualität und Geschmack sehr stark variierenden Joints erfreue ich mich umso mehr an meinem beständigen L&M-Kleinod aus ehrlicher Handarbeit. Der erste Zug füllt die Lungenflügel mit warmem, weichen Rauch. Mein Herz stolpert ein wenig, graublauer Dunst sickert an Schneidezähnen und halb geöffneten Lippen vorbei in den Raum. Als letzte Drachenflammen aus meinen Nasenflügeln steben setzte ich den Filter bereits wieder zärtlich an die Lippen wie einen geliebten Mund. Inhalieren, schmecken, ausatmen, die Muster in der Luft vor mir betrachten, Drachenflammen, ansetzen, inhalieren. Ich halte den letzten glimmenden Rest zwischen Mittel- und Zeigefinger der linken Hand und beobachte die Asche in ihrem Fall. Meine Hände, meine Bluse, mein Mund, mein Zimmer stinkt nach Rauch. Meine Rauchfinger sind nikotingelb. Ich bin traurig und aufgewühlt und rauche immer weiter, als ob es die Zeit sei, die ich verbrenne und als schwarzen Staub in meinen Lungen absetze.

Sonntag, 25. August 2013

Singing in the rain.

Wir sind geboren um frei zu sein - Ton Steine Scherben

Digital -Joy Division




Der Beat ist so laut, dass die Ohren schmerzen. Uhrwerk Orange, hochpolitische Diskurse, alte Platten an mein Herz pressen und durch die Stadt rennen.
Am 28.9. kommt mein Tattoo unter die Titten:

"Dionysos bedeutet Identifizierung, Apollon Objektivierung. Dionysos ist Empathie, die sympathetische Emotion, die uns in andere Menschen, an andere Orte, in andere Zeiten versetzt. Apollon ist das unerbittlich Kalte, das Trennende der westlichen Person und des westlich kategorialen Denkens. Dionysos bedeutet Energie, Ekstase, Hysterie, Promiskuität, Emotionalität – Rücksichts- und Wahllosigkeit im Denken und Handeln. Apollon dagegen ist fixe Idee, Voyeurismus, Idolatrie, Faschismus ist Frigidität und Aggressivität des Blicks, die Versteinerung der Objekte."
"Apollon zieht die Grenzlinien, die gleichbedeutend sind mit Zivilisation, aber Stereotypie, Enge, Unterdrückung zur Folge haben. Dionysos ist ungebändigte Kraft, wahnsinnig, rücksichtslos, destruktiv, zerstörerisch. Apollon verkörpert Gesetz, Geschichte, Tradition, die Würde und Sicherheit des Sittlichen und der Form. Dionysos dagegen verkörpert das Neue, ist ebenso begeisternd wie gewalttätig, fegt alles weg, um ganz von vorne anzufangen. Apollon ist ein Tyrann, Dionysos ein Vandale."
Camille Paglia, Die Masken der Sexualität, 127

Sonntag, 18. August 2013

"Dreißig ist das neue Zwanzig, der Mann ist die neue Frau, Freiheit ist das neue Gefängnis und reich ist das neue schlau..."

Es war wunderschön.

Mein erstes Therapiegespräch nach den Ferien (ihren Ferien, nicht meinen) war ermüdent. Zahnfleisch tut weh. Mit abgekauten Fingernägeln in schorfigen Wunden bohren und sie danach ablecken - Style. Mit tonnenschwerer Reisetasche durch die Stadt rennen, Kaffee mit Penny, Fernbus. Leipzig am Abend, Harry Potter zitieren, schlafen wie ein Stein, Songs im Kopf, Alkohol im Herzen, lautlos atmen über aufgeheiztem Stein. Rückfahrt. Kokosmilch-Curry und A Beautiful Mind mit ihm.
Ich schlage meinen Freund versehentlich mit dem Handtuch bei dem Versuch, einen Haarturban zu binden. "Das war die Rache für vorhin". - "Das nennt man Quickie, Liebste." - "So was gibt es in meiner Welt nicht.", wir lachen und ziehen uns an. Ich bin wahnsinnig frustriert und armselig, meine Haare duften nach Nüssen und Sommer, es regnet, ich verliere die Balance.




Freitag, 28. Juni 2013

Zwiebeltränen.

Keine Ahnung, was ich erzählen soll. Von der Bügelmaschine? Von meiner konstruktiven Therapiesitzung? Von meiner sexuellen Frustration? Von der Tatsache, dass Lulu nächste Woche nach Israel fliegt? Davon, dass ich mein Chaos nicht gebändigt bekomme, nirgendwo, in keinster Weise? Von ungarischen Zigaretten? Von seinen Albträumen? Von unerschöpflicher Müdigkeit? Von Woody Allens "Stadtneurotiker"? Von meinem Tabletten-Notstand? Vielleicht von den überwältigenden, viel zu schönen Gefühlen, wenn er mich an seinen Körper zieht?
Von Plänen, die keine sind. Davon, wie ich beide Staffeln "Girls" innerhalb von zwei Tagen sehe und Rotz und Wasser heule, als Adam Hannahs Tür eintritt, um sie aus dem Bett zu heben. Ich könnte von dem Buch erzählen, das Penny mir geliehen hat. Von dem kurzen Moment unter der Dusche, als ich meinen Körper für "okay" befinden konnte. Von dem Fleck auf meinem Eckzahn, den Flecken auf meiner Bettwäsche, den weißen Flecken auf meiner Landkarte der obszönen Gedankenspiele, der Angst und dem drumherum.
Von asiatischem Essen. Von Sehnsucht. Von Euphemismen.
Zwiebeltränen und echten Tränen, die sich vermischen, als wir in der Küche stehen und ich ein stumpfes Messer schwinge - mein Herz schreibt Romane, die ich nie verfassen werde.





Donnerstag, 20. Juni 2013

Shortcut.

Ich wache auf, als das Unwetter beginnt - die Dokus auf 3sat sind unbemerkt in einen Film Namens "Amateur" übergegangen (es geht um einen Pornoproduzenten mit Amnesie und Isabelle Huppert als nymphomane Ex-Nonne), der mich irgendwie fesselt, sei es nur aufgrund der blaugefärbten Bilder. Ich fühle mich wie jemand, der eine große Auflaufform kalte Lasagne in sich hineingewürgt hat und zwei fette, juckende Herpesbläschen auf den Lippen spazieren trägt. Ziemlich widerlich und pervers im Großen und Ganzen, ist der Tod näher als das Leben.

Edit 3:30am
"Der freie Wille" ist auch so ein Film. Sehe ihn gerade zum zweiten Mal und bin fassungslos vor Ekel und Traurigkeit und ob meiner Schwere. Determinismus? Die Gedanken reisen zu Szenen mit Rasierklingen und Schwänzen, und zum Meer. Ich wusste gar nicht, dass Belgien Küsten besitzt.

Sonntag, 28. April 2013

Manchmal...

Manchmal wird Ausharren belohnt, manchmal harrt die Lösung drei Straßenecken weiter, manchmal lohnt der Sprung in den Tag ohne Licht.
Manchmal sieht man einen Film und erkennt sein ganzes verrücktes Leben, Identität und Sehnsucht und Vergangenheit, in einer einzigen, blau ausgeleuchteten Bettszene.
Manchmal weint man und lacht und produziert Schlieren mausgrauen Rauches und starrt auf den Bildschirm, erkennt, begreift, verknüpft, erleichtert.
Manchmal ist es leicht, sich nicht zu überessen.
Manchmal reicht die liebevolle Stimme der besten Freundin am Telefon, um Ängsten die Luft zu nehmen, um Zweifel versiegen zu lassen und Vertrauen zu finden in sich selbst.
Manchmal tut es gut, eine Nacht in der Schwebe zu schlafen - Hängematte ohne Hängematte - und dann wieder bedacht zu werden, Tiraden der existenziellen Unlust herunterzuschlucken und sich stattdessen hinzugeben. Manchmal wird es gut. Manchmal braucht man keine Worte, keine Pläne, manchmal ist der Körper ein Sprachrohr und das Herz ein Pfadfinder im Dickicht der unerbetenen Wünsche.
Manchmal genügt man selbst, auch wenn es wacklig und rührend und sumpfig und stürmisch ist.
Manchmal, ich sein.



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Filmtipp:

Musiktipp: Fyfe Dangerfield - Faster than the setting sun
Kalenderspruch des Tages: Loslassen! Alles wird gut.