"Irgendwann habe ich geliebt, mit jeder Pore und mit voll triefendem Kitsch und da habe ich aufgehört zu denken. Was für eine Befreiung. Denn es war nicht nur Reflex, es war plötzlich implodieren und weich werden. So weich, dass ich immer nur lächeln konnte, denn ich habe nichts mehr gespürt, außer mich selbst zerfließen", sagt Helene Hegemann.
Da ist diese samtige Rose in meiner Hand und the smell of your neck. Irgendwann versiegen meine Tränen und ich bebe nur noch an deiner Brust, zähle deine Stirnfalten und weiß, dass du die drei verbotenen Worte gesagt hast. Indirekt gesagt. Ich bin ganz ruhig mit einem Schlag, nur mein Kopf stürmt voran in den nächsten Tag, es juckt unter meinen schweren Haaren, du schließt die Augen. Eigentlich ist es zum Weinen. Keiner ahnt, was es bedeutet, Tag für Tag aufzuwachen und ich sein zu müssen, pathologisch und ohnmächtig und getrieben. Ich habe J. einmal geschrieben: "Nicht Sehnen ist Mangel. Das Ende des Sehnens ist Mangel", und mich ängstigt, dass ich Recht gehabt haben könnte. Das Schlimmste ist nicht mal, den Faden zu verlieren und kopflos durch die hellen Stunden zu rennen, das Schlimmste ist nicht verorten zu können, wonach ich sehn-süchte. Nach nichts, dass ich besitzen kann, nicht mehr, und das macht mich wütend und traurig.
Tip Tapping - Dillion auf Repeat, die ganze Nacht...
Posts mit dem Label J. werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Posts mit dem Label J. werden angezeigt. Alle Posts anzeigen
Mittwoch, 21. August 2013
Sonntag, 18. August 2013
"Dreißig ist das neue Zwanzig, der Mann ist die neue Frau, Freiheit ist das neue Gefängnis und reich ist das neue schlau..."
Es war wunderschön.
Mein erstes Therapiegespräch nach den Ferien (ihren Ferien, nicht meinen) war ermüdent. Zahnfleisch tut weh. Mit abgekauten Fingernägeln in schorfigen Wunden bohren und sie danach ablecken - Style. Mit tonnenschwerer Reisetasche durch die Stadt rennen, Kaffee mit Penny, Fernbus. Leipzig am Abend, Harry Potter zitieren, schlafen wie ein Stein, Songs im Kopf, Alkohol im Herzen, lautlos atmen über aufgeheiztem Stein. Rückfahrt. Kokosmilch-Curry und A Beautiful Mind mit ihm.
Ich schlage meinen Freund versehentlich mit dem Handtuch bei dem Versuch, einen Haarturban zu binden. "Das war die Rache für vorhin". - "Das nennt man Quickie, Liebste." - "So was gibt es in meiner Welt nicht.", wir lachen und ziehen uns an. Ich bin wahnsinnig frustriert und armselig, meine Haare duften nach Nüssen und Sommer, es regnet, ich verliere die Balance.
Mein erstes Therapiegespräch nach den Ferien (ihren Ferien, nicht meinen) war ermüdent. Zahnfleisch tut weh. Mit abgekauten Fingernägeln in schorfigen Wunden bohren und sie danach ablecken - Style. Mit tonnenschwerer Reisetasche durch die Stadt rennen, Kaffee mit Penny, Fernbus. Leipzig am Abend, Harry Potter zitieren, schlafen wie ein Stein, Songs im Kopf, Alkohol im Herzen, lautlos atmen über aufgeheiztem Stein. Rückfahrt. Kokosmilch-Curry und A Beautiful Mind mit ihm.
Ich schlage meinen Freund versehentlich mit dem Handtuch bei dem Versuch, einen Haarturban zu binden. "Das war die Rache für vorhin". - "Das nennt man Quickie, Liebste." - "So was gibt es in meiner Welt nicht.", wir lachen und ziehen uns an. Ich bin wahnsinnig frustriert und armselig, meine Haare duften nach Nüssen und Sommer, es regnet, ich verliere die Balance.
Donnerstag, 15. August 2013
Mixtape.
Meine Oma lebt noch. Wir sind in China. Lennard und ich schlafen in einer winzigen Koje neben einem Panda-Gehege. Er steht auf, ohne mich zu wecken. Mein Handy summt. Es ist T.. Er erzählt von dem Weihnachtsfest mit seiner Familie. Seine Stimme ist weich und tief, er ist blau. Ich weine. Ich sage - T., ich bin in China mit meinem neuen Freund und meiner Familie. Er hört mich nicht, die Verbindung ist zu schlecht. Wo bist du? - In China! Es ist schrecklich heiß hier. Ich liege unter einem Moskitonetz und presse das Telefon gegen mein Ohr, dass es wehtut. Mir geht es ganz gut, ja, aber ich schwitze wie ein Otter. Er lacht heiser. Ich will dich hier auf meinem Bett, sagt er. Ich weiß, dass er wichst. Er spricht leiser, ich will dir wehtun. Ich stöhne leise, meine Hände wandern über meinen schwitzigen Bauch nach unten. Plötzlich höre ich Stimmen, mein Onkel ruft mich. Ich lasse das Handy auf der Koje liegen und gehe nackt nach draußen. Lennrad quält sich gerade aus seinen Laufschuhen. Meine Oma sitzt in einer weißen Hollywoodschaukel und hält einen Drink in der rechten Hand. Lennard mustert mich. Ich spüre, dass er mich durchschaut. Die Pandas sind heute Nacht gestorben, sagt er leise und zieht mich an sich.
Kustpause.
Es geht mal wieder nach Leipzig zu meiner J. (und Sophie Hunger) und dann mit ihr zusammen zurück. Ich freue mich so wahnsinnig auf sie, es gibt unendlich viel zu reden. Lennard will uns am Samstag in Frankfurt am Bahnhof abholen - in Pennys Sitcom wird diese Folge mit Sicherheit ein Quotenhit, Arbeitstitel: "Mein Freund, seine Exfreundin und ich".
Das Mixtape, das ich ihr mitbringe, ist mein Sommer:
Die Flucht - Enno Bunger
Smoke - 100 Monkeys
Love Is Not A Cliché - Garland Jeffreys
We Are The People - Empire Of The Sun
Mammoth - Interpol
A Nervous Tic Motion Of The Head To The Left - Andrew Bird
Take Me Out - Franz Ferdinand
All Along The Watchtower - The Frattellis
Lust For Life - Iggy Pop
Different Pulses - Asaf Avidan
Evil - Interpol
Glück - Prinz Pi
The Last One - Au Revoir Simone
Rest My Chemistry -Interpol
Sail - Awolnation
Twentysomething - Jamie Cullum
American Days Are Over - The Reborn Identity
Wishful Thinking - Pulp at John Peel Sessions
Burning Berlin Down - Bittersweet
The Future - Leonard Cohen
Can't Hold Us - Macklemore
If Looks Could Kill - Camera Obscura
Pink Night - Jason Collett
Home - Daughter
Unser Platz - Prinz Pi
Desperado - Johnny Cash
White Blank Page - Mumford & Sons
Wonderful Life - Nick Cave
Sail Away - The Rapture
Who Did That To You - Django Unchained Soundtrack
Restless - Kakkmaddafakka
Die Neue Seltsamkeit - Tocotronic
Golden Brown - The Stranglers
Dreaming Of You - The Coral
In Your Nature - Zola Jesus
Left Myself Behind - Toy
100x - Prinz Pi
Je Cours - Stromae
Signal To Noise - Peter Gabriel
Kustpause.
Es geht mal wieder nach Leipzig zu meiner J. (und Sophie Hunger) und dann mit ihr zusammen zurück. Ich freue mich so wahnsinnig auf sie, es gibt unendlich viel zu reden. Lennard will uns am Samstag in Frankfurt am Bahnhof abholen - in Pennys Sitcom wird diese Folge mit Sicherheit ein Quotenhit, Arbeitstitel: "Mein Freund, seine Exfreundin und ich".
Das Mixtape, das ich ihr mitbringe, ist mein Sommer:
Die Flucht - Enno Bunger
Smoke - 100 Monkeys
Love Is Not A Cliché - Garland Jeffreys
We Are The People - Empire Of The Sun
Mammoth - Interpol
A Nervous Tic Motion Of The Head To The Left - Andrew Bird
Take Me Out - Franz Ferdinand
All Along The Watchtower - The Frattellis
Lust For Life - Iggy Pop
Different Pulses - Asaf Avidan
Evil - Interpol
Glück - Prinz Pi
The Last One - Au Revoir Simone
Rest My Chemistry -Interpol
Sail - Awolnation
Twentysomething - Jamie Cullum
American Days Are Over - The Reborn Identity
Wishful Thinking - Pulp at John Peel Sessions
Burning Berlin Down - Bittersweet
The Future - Leonard Cohen
Can't Hold Us - Macklemore
If Looks Could Kill - Camera Obscura
Pink Night - Jason Collett
Home - Daughter
Unser Platz - Prinz Pi
Desperado - Johnny Cash
White Blank Page - Mumford & Sons
Wonderful Life - Nick Cave
Sail Away - The Rapture
Who Did That To You - Django Unchained Soundtrack
Restless - Kakkmaddafakka
Die Neue Seltsamkeit - Tocotronic
Golden Brown - The Stranglers
Dreaming Of You - The Coral
In Your Nature - Zola Jesus
Left Myself Behind - Toy
100x - Prinz Pi
Je Cours - Stromae
Signal To Noise - Peter Gabriel
Freitag, 9. August 2013
Was Howard sagt. / Ponyhof.
Howard: "Er schafft sich leider ständig Parralelwelten.
Immer und immer wieder. Sei es in Beziehungen oder ohne. Und wir (seine
Freunde) versuchen ihn immer mal wieder auf den Boden der Tatsachen
zurück zu holen. Natürlich schaffen wir uns alle irgendwo unsere Welten
und Freiräume - nur kehren wir auch wieder zurück. Lennard hat leider ein
Problem mit dem Wieder-Zurückkehren.
Er baut manchmal soweit an seiner kleiner Traumburg, dass er vergisst eine Tür einzubauen, dass er wieder raus kommt - nur es kommt halt dann auch keiner mehr rein... wenn du verstehst was ich meine. Um in dem Bild zu bleiben: Für ihn sind du und er IN dieser Burg. Penny und ich stehen draußen, sind aber groß genug um über die Mauer zu schauen und mit ihm zu reden. Und für die anderen hat er ein kleines Fenster gelassen - nur für M. und T.. Alle anderen schauen auf diese große Mauer und wissen nicht, was der Lennard dahinter so macht, sondern sie müssen mich und Penny fragen, weil wir ja drüber schauen können.
Und Kontakte halten ist gar nicht Lennards Ding. Er kann (leider) sehr lange ganz ohne diese Menschen auskommen, ohne dass sie ihm fehlen. Und davor hab ich Angst - dass er sich irgendwann ganz abschottet. Wenn du weißt was ich meine...
Aber generell muss ich sagen, dass gerade diese Woche für uns aus meiner Sicht sehr angenehm war. Gestern das Filmschauen hat mir unheimlich viel gegeben. Nicht groß reden, sondern einfach gemeinsam was erleben und wenns nur Filmschauen ist. Er rennt ja meistens vor sowas weg (Das berühmte "Wir machen einen Film an und nach 5min geht Lennard an seinen PC und ich sitz alleine da")
Soziale Kontakte sind anstrengend - ja! Gebe ich euch voll und ganz recht - aber das Leben besteht leider nicht aus einer Gummizelle oder einem Ponyhof. Man kann sich einen Ponyhof draus machen, aber ob man mit dem Ponyhof dann leben kann - überleben kann - das bezweifle ich. Daher muss man sich manchmal den unangenehmen Dingen stellen und sie zu angenehmen Momenten machen, ja zu unvergesslichen Momenten. Meiner Einschätzung nach ist das Elixier nicht in der eigenen Wohnung - sondern da draußen! Man genießt es vielleicht in der Wohnung auch - aber holen muss man es sich draußen."
Ich: "Jaah, die Komfortzone als Ponyhof! Ich liebe Ponyhöfe! Es ist ziemlich krass, dass ich während der zwei Jahre mit T. außer J. so gut wie KEINE sozialen Kontakte mehr hatte. Also gar keine. Familie, klar, das ist unvermeidlich, und hin und wieder die Leute von meiner Schwester.
Und seit ich im Februar mit Penny in Leipzig war kehre ich dem Ponyhof langsam den Rücken. Es werden immer mehr Menschen, die ich an mich lasse und die mir irgendwie etwas bedeuten. Lennard hat sicherlich auch einen großen Teil dazu beigetragen, dass ich mich mit Menschen ingesamt sicherer fühle. Auch wenn es paradox klingt, weil er ja nicht gerade das beste Beispiel für einen kontaktfreudigen Kerl ist. Aber es geht um diese gewisse Gelassenheit, mit der man dem Leben begegnen kann, alles ausprobieren, Ideen haben, sich wieder begeistern können, auch mal scheitern. Das ist für mich gerade essentiell, man könnte sagen das Elexier. Die Wohnung ist mehr so eine Art Akkuladegerät. Ruhe tanken, Zeit alleine verbringen, seinen eigenen Kram regeln. Ich stelle es mir anstrengend vor, ein wild-fröhliches Sozialleben zu pflegen ohne diesen Ausgleich zu haben. Einfach mal nichts zu tun."
Er baut manchmal soweit an seiner kleiner Traumburg, dass er vergisst eine Tür einzubauen, dass er wieder raus kommt - nur es kommt halt dann auch keiner mehr rein... wenn du verstehst was ich meine. Um in dem Bild zu bleiben: Für ihn sind du und er IN dieser Burg. Penny und ich stehen draußen, sind aber groß genug um über die Mauer zu schauen und mit ihm zu reden. Und für die anderen hat er ein kleines Fenster gelassen - nur für M. und T.. Alle anderen schauen auf diese große Mauer und wissen nicht, was der Lennard dahinter so macht, sondern sie müssen mich und Penny fragen, weil wir ja drüber schauen können.
Und Kontakte halten ist gar nicht Lennards Ding. Er kann (leider) sehr lange ganz ohne diese Menschen auskommen, ohne dass sie ihm fehlen. Und davor hab ich Angst - dass er sich irgendwann ganz abschottet. Wenn du weißt was ich meine...
Aber generell muss ich sagen, dass gerade diese Woche für uns aus meiner Sicht sehr angenehm war. Gestern das Filmschauen hat mir unheimlich viel gegeben. Nicht groß reden, sondern einfach gemeinsam was erleben und wenns nur Filmschauen ist. Er rennt ja meistens vor sowas weg (Das berühmte "Wir machen einen Film an und nach 5min geht Lennard an seinen PC und ich sitz alleine da")
Soziale Kontakte sind anstrengend - ja! Gebe ich euch voll und ganz recht - aber das Leben besteht leider nicht aus einer Gummizelle oder einem Ponyhof. Man kann sich einen Ponyhof draus machen, aber ob man mit dem Ponyhof dann leben kann - überleben kann - das bezweifle ich. Daher muss man sich manchmal den unangenehmen Dingen stellen und sie zu angenehmen Momenten machen, ja zu unvergesslichen Momenten. Meiner Einschätzung nach ist das Elixier nicht in der eigenen Wohnung - sondern da draußen! Man genießt es vielleicht in der Wohnung auch - aber holen muss man es sich draußen."
Ich: "Jaah, die Komfortzone als Ponyhof! Ich liebe Ponyhöfe! Es ist ziemlich krass, dass ich während der zwei Jahre mit T. außer J. so gut wie KEINE sozialen Kontakte mehr hatte. Also gar keine. Familie, klar, das ist unvermeidlich, und hin und wieder die Leute von meiner Schwester.
Und seit ich im Februar mit Penny in Leipzig war kehre ich dem Ponyhof langsam den Rücken. Es werden immer mehr Menschen, die ich an mich lasse und die mir irgendwie etwas bedeuten. Lennard hat sicherlich auch einen großen Teil dazu beigetragen, dass ich mich mit Menschen ingesamt sicherer fühle. Auch wenn es paradox klingt, weil er ja nicht gerade das beste Beispiel für einen kontaktfreudigen Kerl ist. Aber es geht um diese gewisse Gelassenheit, mit der man dem Leben begegnen kann, alles ausprobieren, Ideen haben, sich wieder begeistern können, auch mal scheitern. Das ist für mich gerade essentiell, man könnte sagen das Elexier. Die Wohnung ist mehr so eine Art Akkuladegerät. Ruhe tanken, Zeit alleine verbringen, seinen eigenen Kram regeln. Ich stelle es mir anstrengend vor, ein wild-fröhliches Sozialleben zu pflegen ohne diesen Ausgleich zu haben. Einfach mal nichts zu tun."
Freitag, 2. August 2013
Einmal noch.
Lulu weint mein graues T-Shirt nass und es ist okay. Das Mixtape von T. läuft und ich heule und wüte und raffe Kassenbons und Besteck vom Boden auf, ich warne sie vor dem Fehler, den ich begangen habe. Ich sage, dass der T., den ich vermisse und den ich irgendwo immer liebe, dass dieser T. nicht mehr existiert, sage, dass ich weitergehe, dass ich stark bin, dass sie auch stark sein wird. Dass es richtig ist, wenn sie jemanden küsst, der sie so glücklich macht wie Lennard mich glücklich zu machen vermag.
Mir fällt die letzte Geburtstagskarte von T. in die Hände, eine winzige Prinzessin trohnt auf einem großen Berg Geschenke, Tränen tropfen auf die Pappe: "Alles Gute, xxx, dein T." Darunter ein ungelenk gemaltes Strichmännchen mit einem Pfeil - Phoebe. Alles erzittert, Bilder stürmen auf mich ein. Es ist gut. Es geht mir gut. Ich darf weinen um uns, darf weinen um die Verletzungen, die wir uns zugefügt haben. Um Neil Young und die Eagles, um die alte Matratze auf dem Boden, um grün-glasige Blicke, um den Geschmack von Gin und Wodka und Pepsi Light auf seiner Zunge, um seine Stimme wie sie seine Geschichte preisgibt, seinen Duft, um den BDSM-Sex, um seinen klugen Sohn, um seine Tränen auf meinem nackten Rücken, um unsere dreckige Küche, um taumelnde Nachtspaziergänge durch das FrankfurterVillenviertel, um Träume und ewige Lügen, um Luftschlösser, um unseren Balkon in der Psychiatrie, um die Brandnarben auf seinem linken Oberarm und meine Pulsader-Schnitte, um Woodstock, um Sylvester nackt und stumm mit Rotwein in den Laken, um unsere Sitcoms, unsere hitzigen Diskussionen, um seinen Blick in meinem Gesicht, um alle ersten Male, um die Scham, um den Hass, die Vergötterung, um zwei Jahre. Um meine erste Liebe.
Es tut sehr weh in diesem Moment-
Ich glaube, ich muss trauern, weil ich sonst drohe steckenzubleiben. Wenn ich mit Lulu weine, ist es nur befreiend. Nur richtig.
Es gibt da einen Menschen, der in mir etwas weckt, von dem ich nie geglaubt hätte, dass ich es noch besitze: Hoffnung. So abgedroschen es klingt: Selbstachtung. Zärtlichkeit. Es gibt diesen Menschen, der ein unspezifisches Flattern und Ziehen in meinem Oberbauch auslöst, wenn er mich mandeläugig anlächelt. Der mir Mut macht und Kraft gibt. Der kein Monster ist.
Ich habe eine Scheißangst, glücklich zu sein, das ist es wohl.
Ich idealisiere den Schmerz, weil er herorischer ist und destruktiv und unberechenbar. Glück ist so trivial. Ist es das wirklich? Glück ist, um sechs Uhr morgens von kitzelnden Sonnenstrahlen geweckt zu werden und meine Hand auf Lennards Bauch zu schieben, Glück ist, wenn er sie im Halbschlaf an sich zieht und drückt und mit geschlossenen Augen lächelt. Glück ist die heilige Dreifaltigkeit aus Morgensex, Zigarette und Kaffee. Glück ist ein Regenguss. Glück ist auch, selig grinsend ein Telefonat mit meiner J. zu beenden. Glück ist wenn Lulu mit tränenverklebten Augen sagt: "Hey, ich fände es schön wenn du nachher rüberkommst und bei mir schläfst. Ich hab dich lieb." Glück ist narzisstisch und selbstlos zugleich, Glück ist Liebe und das Gegenteil von Böse.
Ich weiß dass das alles ich bin. Ich kann lieben. Ich kann das größste Arschloch auf Erden sein, und ich kann es bereuen und versuchen, nie mehr so tief zu fallen.
Ich kann glücklich sein! Und bin es. Hier, jetzt, mit T.s Musik im Hintergrund und all den hässlichen alten Päckchen und all den Erwartungen an die Zukunft, nicht mehr anorektisch dünn, tief verstört und doch lebe ich.
You don't see the bottom from the top, einmal noch, für dich. Let it float on down the stream / And we can cry a little / For a time that could have been / Live it all my love / Live it well my love / Live it long my love.
Tränen getrocknet, Zimmer aufgeräumt, Zweifel beseitigt, Nostalgie aus-gelebt. Weiter...
Freitag, 12. Juli 2013
"Es bringt halt auch nichts, im Kreis zu rennen aus Angst, dass das Haus einstürzen könnte. Entweder man nimmt die Angst an - konstruktiv - und verlässt das Haus, oder man entspannt sich. Wenn das Haus einstürzen sollte, wirst du es schlecht aufhalten können"
Was passiert, wenn ich einen Schritt vor die Tür mache und mir den vermeintlichen Schaden mit etwas Abstand ansehe?
Was passiert, wenn ich die Füße still halte und meiner Angst keinen Raum mehr gebe?
Werde ich wachsen?
Werde ich mit Porzellan um mich werfen oder mit wohldurchdachten Worten?
Es wird doch alles gut?
Was passiert, wenn ich die Füße still halte und meiner Angst keinen Raum mehr gebe?
Werde ich wachsen?
Werde ich mit Porzellan um mich werfen oder mit wohldurchdachten Worten?
Es wird doch alles gut?
Samstag, 18. Mai 2013
Wenn drei Feuerzeuge neben dir liegen und keines beim letzten Versuch eine Flamme spendet, die groß genug wäre um damit Brand zu stiften.
Benutzte Müslischalen und Kaffeetassen, Tabakkrümel, Bücherberge und aufgeschlagene Zeitungen voller rätselhafter Codes, ein Haufen dreckiger Wäsche, Knoten in der Brust, Kontoauszüge, ein verhasstes Mobiltelefon und ich, inmitten meiner Schatten von grau zu schwarz zu unsichtbar.
Mein Chaos ist perfekt durchchoreographiert, es beginnt bei meinen klebrigen Fingern und endet zwischen Zwerchfell und geteerten Lungenflügeln in einem zitternden, gefräßigen Schlund: Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich Angst habe. Kann gar nicht so viel weinen, wie ich Schmerzen verspüre.
Ja, das ist wehleidig und ich bin es zumindest meiner Therapeutin schuldig (wenn nicht sogar meiner Mutter), strategisch vorzugehen, es ist Krieg. Aber wo anfangen?
Wenn man unendlich ist, gibt es keine körperlichen Grenzen und keine metaphysichen, der Tod lümmelt auf dem Teppich vor der Glotze und sortiert Rasierklingen, sein Blick ist weit und seine Finger aschgrau. Er nickt mir unmerklich zu - Guten Morgen, Frau R., ich wollte Ihnen nur mittteilen, dass ich bereit bin. Bereit, wenn Sie es sind, Clarice.
Wer sitzt daneben? Zwei Silhoutten meiner Selbst, eine ausgezehrte Kreatur ohne sekundäre Geschlechtsmerkmale und ein Koloss mit Schokoladenmund. Seid ihr die Optionen? Ich suche den Raum ab nach einem vernünftigen Selbstbild, vielleicht Phoebe mit Abiturzeugnis oder Phoebe in einem Auto oder Phoebe Hand in Hand mit einem Menschen, der sie glücklich macht. Das sprengt offenbar meine Phantasie, wir sind immer noch alleine, meine Monster und ich.
Der Tod bedient sich bei meinem Tabak.
Die ausgezehrte Kreatur kokst und wippt manisch mit dem Fuß.
Der Koloss schlägt rhytmisch den breiigen Schädel gegen die Dachschräge.
Gute Gastgeberin, die ich sein möchte, bleibe ich passiv und lausche.
Flugzeuge im Bauch und über meinem Fenster, jemand kehrt im Hof. Ich schwitze. Mein Gesicht ist taub und aufgedunsen, alle Türen offen rast das Herz den Gedanken nach und pumpt und pumpt.
Meine Schuldgefühle bringen mich um den Verstand: Nie wieder jemanden vor den Kopf stoßen, nie wieder jemanden fordern, nie wieder fett sein. Ich denke über Gebete nach und über Filmsequenzen (Denn sie wissen nicht, was sie tun; The Dark Knight). Alles so weit weg, mein Körper zu eng und zu groß, meine Augen zu blind, ich hasse meinen Vater und meine Schwäche mit verzweifelter Intensität.
Frau L. sagt, da ist ein Überlebenstrieb. Wo zur Hölle ist mein Geld? Wo ist meine Selbstachtung (rhetorische Frage, klar)?
J. kommt später auf einen Kaffee vorbei und ich weiß noch nicht, welche Haut ich tragen werde um ihr die Milch für den Kaffee aufzuschäumen. Die Furcht ist meine Glasglocke und mein Segelboot.
Einmal nur in einer Umarmung ankommen!
Mein Chaos ist perfekt durchchoreographiert, es beginnt bei meinen klebrigen Fingern und endet zwischen Zwerchfell und geteerten Lungenflügeln in einem zitternden, gefräßigen Schlund: Ich kann gar nicht so viel essen, wie ich Angst habe. Kann gar nicht so viel weinen, wie ich Schmerzen verspüre.
Ja, das ist wehleidig und ich bin es zumindest meiner Therapeutin schuldig (wenn nicht sogar meiner Mutter), strategisch vorzugehen, es ist Krieg. Aber wo anfangen?
Wenn man unendlich ist, gibt es keine körperlichen Grenzen und keine metaphysichen, der Tod lümmelt auf dem Teppich vor der Glotze und sortiert Rasierklingen, sein Blick ist weit und seine Finger aschgrau. Er nickt mir unmerklich zu - Guten Morgen, Frau R., ich wollte Ihnen nur mittteilen, dass ich bereit bin. Bereit, wenn Sie es sind, Clarice.
Wer sitzt daneben? Zwei Silhoutten meiner Selbst, eine ausgezehrte Kreatur ohne sekundäre Geschlechtsmerkmale und ein Koloss mit Schokoladenmund. Seid ihr die Optionen? Ich suche den Raum ab nach einem vernünftigen Selbstbild, vielleicht Phoebe mit Abiturzeugnis oder Phoebe in einem Auto oder Phoebe Hand in Hand mit einem Menschen, der sie glücklich macht. Das sprengt offenbar meine Phantasie, wir sind immer noch alleine, meine Monster und ich.
Der Tod bedient sich bei meinem Tabak.
Die ausgezehrte Kreatur kokst und wippt manisch mit dem Fuß.
Der Koloss schlägt rhytmisch den breiigen Schädel gegen die Dachschräge.
Gute Gastgeberin, die ich sein möchte, bleibe ich passiv und lausche.
Flugzeuge im Bauch und über meinem Fenster, jemand kehrt im Hof. Ich schwitze. Mein Gesicht ist taub und aufgedunsen, alle Türen offen rast das Herz den Gedanken nach und pumpt und pumpt.
Meine Schuldgefühle bringen mich um den Verstand: Nie wieder jemanden vor den Kopf stoßen, nie wieder jemanden fordern, nie wieder fett sein. Ich denke über Gebete nach und über Filmsequenzen (Denn sie wissen nicht, was sie tun; The Dark Knight). Alles so weit weg, mein Körper zu eng und zu groß, meine Augen zu blind, ich hasse meinen Vater und meine Schwäche mit verzweifelter Intensität.
Frau L. sagt, da ist ein Überlebenstrieb. Wo zur Hölle ist mein Geld? Wo ist meine Selbstachtung (rhetorische Frage, klar)?
J. kommt später auf einen Kaffee vorbei und ich weiß noch nicht, welche Haut ich tragen werde um ihr die Milch für den Kaffee aufzuschäumen. Die Furcht ist meine Glasglocke und mein Segelboot.
Einmal nur in einer Umarmung ankommen!
Sonntag, 28. April 2013
Manchmal...
Manchmal wird Ausharren belohnt, manchmal harrt die Lösung drei Straßenecken weiter, manchmal lohnt der Sprung in den Tag ohne Licht.
Manchmal sieht man einen Film und erkennt sein ganzes verrücktes Leben, Identität und Sehnsucht und Vergangenheit, in einer einzigen, blau ausgeleuchteten Bettszene.
Manchmal weint man und lacht und produziert Schlieren mausgrauen Rauches und starrt auf den Bildschirm, erkennt, begreift, verknüpft, erleichtert.
Manchmal ist es leicht, sich nicht zu überessen.
Manchmal reicht die liebevolle Stimme der besten Freundin am Telefon, um Ängsten die Luft zu nehmen, um Zweifel versiegen zu lassen und Vertrauen zu finden in sich selbst.
Manchmal tut es gut, eine Nacht in der Schwebe zu schlafen - Hängematte ohne Hängematte - und dann wieder bedacht zu werden, Tiraden der existenziellen Unlust herunterzuschlucken und sich stattdessen hinzugeben. Manchmal wird es gut. Manchmal braucht man keine Worte, keine Pläne, manchmal ist der Körper ein Sprachrohr und das Herz ein Pfadfinder im Dickicht der unerbetenen Wünsche.
Manchmal genügt man selbst, auch wenn es wacklig und rührend und sumpfig und stürmisch ist.
Manchmal, ich sein.
_______________________________________________________________________________________________
Filmtipp:
Musiktipp: Fyfe Dangerfield - Faster than the setting sun
Kalenderspruch des Tages: Loslassen! Alles wird gut.
Manchmal sieht man einen Film und erkennt sein ganzes verrücktes Leben, Identität und Sehnsucht und Vergangenheit, in einer einzigen, blau ausgeleuchteten Bettszene.
Manchmal weint man und lacht und produziert Schlieren mausgrauen Rauches und starrt auf den Bildschirm, erkennt, begreift, verknüpft, erleichtert.
Manchmal ist es leicht, sich nicht zu überessen.
Manchmal reicht die liebevolle Stimme der besten Freundin am Telefon, um Ängsten die Luft zu nehmen, um Zweifel versiegen zu lassen und Vertrauen zu finden in sich selbst.
Manchmal tut es gut, eine Nacht in der Schwebe zu schlafen - Hängematte ohne Hängematte - und dann wieder bedacht zu werden, Tiraden der existenziellen Unlust herunterzuschlucken und sich stattdessen hinzugeben. Manchmal wird es gut. Manchmal braucht man keine Worte, keine Pläne, manchmal ist der Körper ein Sprachrohr und das Herz ein Pfadfinder im Dickicht der unerbetenen Wünsche.
Manchmal genügt man selbst, auch wenn es wacklig und rührend und sumpfig und stürmisch ist.
Manchmal, ich sein.
_______________________________________________________________________________________________
Filmtipp:
Musiktipp: Fyfe Dangerfield - Faster than the setting sun
Kalenderspruch des Tages: Loslassen! Alles wird gut.
Freitag, 15. März 2013
Zunehmen als Leistungssport inklusive Preisgeld? - Leipzig
Ich habe es halt einfach geschafft, in 8 Tagen 8 kg zuzuznehmen!
Applaus bitte!
Ich hätte einen Binge-Orden verdient.
Ja, kann sein, dass es etwas weniger ist, immerhin habe ich schon zwei Milchkaffee intus und so weiter, aber die Zahl ist dennoch erschreckend. Wenigstens keine 6 vorne, sonst hätte ich wahrscheinlich direkt zur Klinge gegriffen. Halt - Stop - das mache ich ja nicht mehr.
Meine Therapeutin ist offenkundig ratlos. "Ist es der Wunsch, voll zu sein; im Gegensatz zu dem permanenten unterschwelligen Hungergefühl der Phase zuvor, der Sie antreibt?"
"Ich weiß nicht, kann sein. Ich höre einfach nicht auf. In den vier Tagen in Leipzig habe ich mir mehrmals täglich regelrecht Rationen gekauft, die dann doch nie gereicht haben. Ich habe durchgängig Sodbrennen und das Gefühl, mein Magen platzt. Schön ist das nicht. Und ich sehe die Zunahme!"
Es sieht merkwürdig aus, im Übrigen: Mein Oberkörper ist relativ knochig, Brüste klein (was mir besser gefällt als wenn sie so groß und offensichtlich da rumhängen), man sieht die Rippen im Dekollete. Dann ein schwangerer Bauch, der sich auch zum schauspielern an diversen Ostdeutschen Raststätten eigenet (ich trage Leggings und ein weites Shirt, die Hände über dem rausgestreckten "Babybauch" gefaltet, und watschele selbstvergessen umher). Es folgen die Beine: Superattraktiv! Fette Oberschenkel, die sich fast wieder berühren, und kurz über'm Knie wieder dünne Stelzen. Toller Look, Honey.
Der Knüller ist aber mein Gesicht. Ich sehe es einfach zuerst an meinem Gesicht. Was ich vor einer guten Woche noch zart und beinahe hübsch fand (an der Stelle danke, liebe Butterfly, für das Kompliment!), ist jetzt wieder undefiniert breit, pausbäckig, Doppelkinn-Ansatz. Und ein paar stylische Fress-Pickel.
Kurz gesagt - ruiniert.
Interessant ist, dass mir das in Leipzig (wo ich meine beste Freundin in ihrer ersten eigenen Studentenwohnung besucht habe) völlig schnurz war. Ich hatte vier Tage lang eine hässliche schwarze H&M-Leggings in M an, dazu wahlweise ein langes, weites Wollkleid oder einen blauen Riesen-Kapuzenpulli. Gammelige Schneeschuhe und gammelige Steppjacke von meiner Schwester (aus Kindertagen). Mütze druff, fertig. Normalerweise halte ich mich für durchaus modebewusst und ziemlich eitel und penibel, was mein Erscheinungsbild angeht, also auch Haare ect. Aber an diesen vier Tagen war es irgendwie so unwichtig.
Und es ging mir gut damit! Ich fühlte mich um meiner selbst willen gemocht und gefordert. Ganz seltsam.
Ich futterte mich durch den Tag wie eine große Raupe Nimmersatt (durchschnittlich 6000 kcal) und es war okay. Ich hatte nicht mal ein schlechtes Gewissen.
Es war wunderschön.
Wir frühstückten Müsli und Schokobrötchen mit Pflaumenmus (und einer heimlich verdrückten Tafel Schokolade, wenn J. duschen war), hörten The XX oder Florence and the Machine, hatten Kerzen an und planten den Tag. Stalkten ein bisschen auf Facebook, machten uns fertig. Also ich mich nicht richtig. Meine Freundin, müsst ihr wissen, hat einen wunderschönen Stil. Sie ist klein und sehr hübsch, trägt Pixie und große, rostfarbene Cardigans, einen coolen Mantel von ihrer Mitbewohnerin und ein wenig Wimperntusche. Das coolste an mir war tatsächlich mein alter, karierter Zara-Schal.
Wir fuhren also mit der Straßenbahn in die wunderschöne Innenstadt, zur Uni, gingen spazieren, kauften ein und kochten in der gemütlichen Altbau-Wohnung superleckeren Schweinkram mit Olivenöl und Gemüse.
Wir guckten Filme auf ihrem Laptop, im riesigen weißen Bett leigend, mit Wärmflaschen und Tee und fetten Wollsocken an den Füßen. Wir schlenderten durch eine Wohnwagensiedlung, klapperten Second-Hand-Läden ab und führten ehrliche und tiefe Gespräche über Identität, Körperbild und Philosophie.
Wenn es etwas gibt, was mich in den letzten Jahren wirklich motiviert hat, Abi zu machen, dann die Aussicht, zu ihr nach Leip'sch zu ziehen und dort zu studieren. Vergleichende Kulturwissenschaften, Journalistik, Sozialökonomie. Sowas halt. Es wäre wirklich schön, einen Alltag zu haben. Es wäre schön, in einer Stadt zu leben, in der mich nichts an meine ekelhafte Schulzeit, nichts an T. erinnert.
In der man einfach so eine vierspurige Straße überqueren kann, ohne überfahren zu werden (versucht das mal in Frankfurt an der Konstablerwache!).
In der es zig tolle, kleine Läden gibt, alles viel billiger ist als hier. Die Häuser alt und zum Teil elegant restauriert sind. Wohnungen günstig sind (ich meine, okay, man verdient eben auch echt viel weniger als im Westen, aber damit muss man eben haushalten).
Man kann für 15€ von Frankfurt nach Leipzig fahren.
Das wär's.
Tja, und irgendwie drängt sich mir der Eindruck auf, dass ich, wenn es mir gut geht (und mir ging bzw geht es wirklich gut, zum ersten Mal seit Monaten), zum Überfressen neige.
Meine Therapeutin hat ja Recht, wenn sie mich daran erinnert, dass ich ziemlich scheiße drauf war vor 'ner Woche mit 'nem BMI von 16,7.
"Aber ich war selbstbewusster!" Stimmt das wirklich? Ich fand mich attraktiver, ja. Ich war disziplinierter. Ja doch. Aber ich war traurig.
Das bin ich auch immer noch, ganz tief drin. Ich träume viel von T. und von grässlichen Schul-Geschichten.
Ich fühle mich zwanghaft gedrängt, mich vollzustopfen, wann immer es möglich ist, obwohl ich im Spiegel eine Entwicklung sehe, die mir nicht gefällt.
Was denke ich, wenn ich Fresse? Ich denke: Hey, was solls, ich kann doch immer wieder abnehmen. Ich denke: Morgen hungerst du wieder, nur noch schnell diese Packung Vanille-Eis leermachen. Und ein Nutellaglas! Ich denke: Scheiß was drauf.
Was denkt ihr, wenn ihr fresst?
Was denkt ihr, wenn ihr im Bett liegt und das Essen in euch so intensiv spürt wie einen zudringlichen Liebhaber? Wenn ihr euch verführen lasst?
Gibt es Ausflüchte, wie bei mir?
Ich weiß nicht, was ich will. Oder vielleicht schon. Ich will dünn sein. Ich will aber auch essen können, mit J. kochen können. Rumlaufen können ohne umzukippen wegen Unterzucker. Ich will dünn sein und ich will studieren. Ich will nicht den ganzen Tag über Kalorien nachdenken müssen. Aber ich will eine 4 vorne auf der Waage sehen! Es ist so komplex und undurchsichtig.
Ich fahre jetzt ins Fitti.
Und Tabak kaufen.
Applaus bitte!
Ich hätte einen Binge-Orden verdient.
Ja, kann sein, dass es etwas weniger ist, immerhin habe ich schon zwei Milchkaffee intus und so weiter, aber die Zahl ist dennoch erschreckend. Wenigstens keine 6 vorne, sonst hätte ich wahrscheinlich direkt zur Klinge gegriffen. Halt - Stop - das mache ich ja nicht mehr.
Meine Therapeutin ist offenkundig ratlos. "Ist es der Wunsch, voll zu sein; im Gegensatz zu dem permanenten unterschwelligen Hungergefühl der Phase zuvor, der Sie antreibt?"
"Ich weiß nicht, kann sein. Ich höre einfach nicht auf. In den vier Tagen in Leipzig habe ich mir mehrmals täglich regelrecht Rationen gekauft, die dann doch nie gereicht haben. Ich habe durchgängig Sodbrennen und das Gefühl, mein Magen platzt. Schön ist das nicht. Und ich sehe die Zunahme!"
Es sieht merkwürdig aus, im Übrigen: Mein Oberkörper ist relativ knochig, Brüste klein (was mir besser gefällt als wenn sie so groß und offensichtlich da rumhängen), man sieht die Rippen im Dekollete. Dann ein schwangerer Bauch, der sich auch zum schauspielern an diversen Ostdeutschen Raststätten eigenet (ich trage Leggings und ein weites Shirt, die Hände über dem rausgestreckten "Babybauch" gefaltet, und watschele selbstvergessen umher). Es folgen die Beine: Superattraktiv! Fette Oberschenkel, die sich fast wieder berühren, und kurz über'm Knie wieder dünne Stelzen. Toller Look, Honey.
Der Knüller ist aber mein Gesicht. Ich sehe es einfach zuerst an meinem Gesicht. Was ich vor einer guten Woche noch zart und beinahe hübsch fand (an der Stelle danke, liebe Butterfly, für das Kompliment!), ist jetzt wieder undefiniert breit, pausbäckig, Doppelkinn-Ansatz. Und ein paar stylische Fress-Pickel.
Kurz gesagt - ruiniert.
Interessant ist, dass mir das in Leipzig (wo ich meine beste Freundin in ihrer ersten eigenen Studentenwohnung besucht habe) völlig schnurz war. Ich hatte vier Tage lang eine hässliche schwarze H&M-Leggings in M an, dazu wahlweise ein langes, weites Wollkleid oder einen blauen Riesen-Kapuzenpulli. Gammelige Schneeschuhe und gammelige Steppjacke von meiner Schwester (aus Kindertagen). Mütze druff, fertig. Normalerweise halte ich mich für durchaus modebewusst und ziemlich eitel und penibel, was mein Erscheinungsbild angeht, also auch Haare ect. Aber an diesen vier Tagen war es irgendwie so unwichtig.
Und es ging mir gut damit! Ich fühlte mich um meiner selbst willen gemocht und gefordert. Ganz seltsam.
Ich futterte mich durch den Tag wie eine große Raupe Nimmersatt (durchschnittlich 6000 kcal) und es war okay. Ich hatte nicht mal ein schlechtes Gewissen.
Es war wunderschön.
Wir frühstückten Müsli und Schokobrötchen mit Pflaumenmus (und einer heimlich verdrückten Tafel Schokolade, wenn J. duschen war), hörten The XX oder Florence and the Machine, hatten Kerzen an und planten den Tag. Stalkten ein bisschen auf Facebook, machten uns fertig. Also ich mich nicht richtig. Meine Freundin, müsst ihr wissen, hat einen wunderschönen Stil. Sie ist klein und sehr hübsch, trägt Pixie und große, rostfarbene Cardigans, einen coolen Mantel von ihrer Mitbewohnerin und ein wenig Wimperntusche. Das coolste an mir war tatsächlich mein alter, karierter Zara-Schal.
Wir fuhren also mit der Straßenbahn in die wunderschöne Innenstadt, zur Uni, gingen spazieren, kauften ein und kochten in der gemütlichen Altbau-Wohnung superleckeren Schweinkram mit Olivenöl und Gemüse.
Wir guckten Filme auf ihrem Laptop, im riesigen weißen Bett leigend, mit Wärmflaschen und Tee und fetten Wollsocken an den Füßen. Wir schlenderten durch eine Wohnwagensiedlung, klapperten Second-Hand-Läden ab und führten ehrliche und tiefe Gespräche über Identität, Körperbild und Philosophie.
Wenn es etwas gibt, was mich in den letzten Jahren wirklich motiviert hat, Abi zu machen, dann die Aussicht, zu ihr nach Leip'sch zu ziehen und dort zu studieren. Vergleichende Kulturwissenschaften, Journalistik, Sozialökonomie. Sowas halt. Es wäre wirklich schön, einen Alltag zu haben. Es wäre schön, in einer Stadt zu leben, in der mich nichts an meine ekelhafte Schulzeit, nichts an T. erinnert.
In der man einfach so eine vierspurige Straße überqueren kann, ohne überfahren zu werden (versucht das mal in Frankfurt an der Konstablerwache!).
In der es zig tolle, kleine Läden gibt, alles viel billiger ist als hier. Die Häuser alt und zum Teil elegant restauriert sind. Wohnungen günstig sind (ich meine, okay, man verdient eben auch echt viel weniger als im Westen, aber damit muss man eben haushalten).
Man kann für 15€ von Frankfurt nach Leipzig fahren.
Das wär's.
Tja, und irgendwie drängt sich mir der Eindruck auf, dass ich, wenn es mir gut geht (und mir ging bzw geht es wirklich gut, zum ersten Mal seit Monaten), zum Überfressen neige.
Meine Therapeutin hat ja Recht, wenn sie mich daran erinnert, dass ich ziemlich scheiße drauf war vor 'ner Woche mit 'nem BMI von 16,7.
"Aber ich war selbstbewusster!" Stimmt das wirklich? Ich fand mich attraktiver, ja. Ich war disziplinierter. Ja doch. Aber ich war traurig.
Das bin ich auch immer noch, ganz tief drin. Ich träume viel von T. und von grässlichen Schul-Geschichten.
Ich fühle mich zwanghaft gedrängt, mich vollzustopfen, wann immer es möglich ist, obwohl ich im Spiegel eine Entwicklung sehe, die mir nicht gefällt.
Was denke ich, wenn ich Fresse? Ich denke: Hey, was solls, ich kann doch immer wieder abnehmen. Ich denke: Morgen hungerst du wieder, nur noch schnell diese Packung Vanille-Eis leermachen. Und ein Nutellaglas! Ich denke: Scheiß was drauf.
Was denkt ihr, wenn ihr fresst?
Was denkt ihr, wenn ihr im Bett liegt und das Essen in euch so intensiv spürt wie einen zudringlichen Liebhaber? Wenn ihr euch verführen lasst?
Gibt es Ausflüchte, wie bei mir?
Ich weiß nicht, was ich will. Oder vielleicht schon. Ich will dünn sein. Ich will aber auch essen können, mit J. kochen können. Rumlaufen können ohne umzukippen wegen Unterzucker. Ich will dünn sein und ich will studieren. Ich will nicht den ganzen Tag über Kalorien nachdenken müssen. Aber ich will eine 4 vorne auf der Waage sehen! Es ist so komplex und undurchsichtig.
Ich fahre jetzt ins Fitti.
Und Tabak kaufen.
| Trés chic in L. |
Sonntag, 10. Februar 2013
Kalte Luft (Trigger?).
Ich laufe und laufe und bewege mich nicht von der Stelle.
Die Luft in meinem Kopf ist diesig und kalt.
Meine Mutter sagt: Ich sehe, dass du schon wieder so dünn bist, Maus. Ich mache mir Sorgen.
T. sagt: Du wiegst doch keine 57 kg mehr?!
Ich sage: Leute, schaut mich an. Ich bin nicht dünn. Und ich bin zwanzig. Und ein Arschloch.
Meine Unterarme sind blutig, rau und voller Rillen. Das Blut will gar nicht mehr trocknen.
Egal, scheißegal.
Denn: Er wird mir nie wieder vertrauen, ich schlage mit Fäusten auf meinen Kopf ein bis ich ein Veilchen habe.
Er sagt: Ich weiß, dass du nicht deine Freundin in Leipzig besuchen willst. Du triffst dich dort mit S. oder R. und willst dich von denen durchficken lassen.
Ich schreie und weine, er hat keinen blassen Schimmer wie unendlich weit ein solcher Gedanke von meinem Zustand entfernt ist. Ich sage, dass ich keinen Kontakt mehr mit diesen Männern habe, was zu 100% der Wahrheit entspricht. Aber er glaubt mir nicht. Ich sage, dann fahre ich nicht nach Leipzig. Er sagt, klar, weil du dich mit diesem Idioten treffen wolltest. Und selbst wenn nicht, wirst du dort jemanden kennenlernen und mich betrügen und verlassen.
Nein.
Nein, niemals, ich will doch nur ihre Wohnung sehen, ihre erste eigene Wohnung und sie ist meine einzige und beste Freundin und-
Wenn das rauskommt, brüllt er, dass du mich wieder verarschst, dann sehen wir uns nie wieder.
Ich heule.
Er glaubt mir nicht, meint, er hätte in meinen Augen gesehen dass ich dort jemanden treffen wollte, um fremdzugehen.
Meine Stimme überschlägt sich: Ich bringe mich jetzt um, wenn du das denkst. Ich schneide meine Scheiß-Brüste ab und meine Klitoris und dann werden wir ja sehen, ob ich Sex haben will.
Im Badezimmer schließe ich mich ein und versenke erstmal Raierklingen in meinem linken Handgelenk.
Es blutet immer noch.
Mageninhalt: 30g Almased. Geiles Leben, echt.
Die Luft in meinem Kopf ist diesig und kalt.
Meine Mutter sagt: Ich sehe, dass du schon wieder so dünn bist, Maus. Ich mache mir Sorgen.
T. sagt: Du wiegst doch keine 57 kg mehr?!
Ich sage: Leute, schaut mich an. Ich bin nicht dünn. Und ich bin zwanzig. Und ein Arschloch.
Meine Unterarme sind blutig, rau und voller Rillen. Das Blut will gar nicht mehr trocknen.
Egal, scheißegal.
Denn: Er wird mir nie wieder vertrauen, ich schlage mit Fäusten auf meinen Kopf ein bis ich ein Veilchen habe.
Er sagt: Ich weiß, dass du nicht deine Freundin in Leipzig besuchen willst. Du triffst dich dort mit S. oder R. und willst dich von denen durchficken lassen.
Ich schreie und weine, er hat keinen blassen Schimmer wie unendlich weit ein solcher Gedanke von meinem Zustand entfernt ist. Ich sage, dass ich keinen Kontakt mehr mit diesen Männern habe, was zu 100% der Wahrheit entspricht. Aber er glaubt mir nicht. Ich sage, dann fahre ich nicht nach Leipzig. Er sagt, klar, weil du dich mit diesem Idioten treffen wolltest. Und selbst wenn nicht, wirst du dort jemanden kennenlernen und mich betrügen und verlassen.
Nein.
Nein, niemals, ich will doch nur ihre Wohnung sehen, ihre erste eigene Wohnung und sie ist meine einzige und beste Freundin und-
Wenn das rauskommt, brüllt er, dass du mich wieder verarschst, dann sehen wir uns nie wieder.
Ich heule.
Er glaubt mir nicht, meint, er hätte in meinen Augen gesehen dass ich dort jemanden treffen wollte, um fremdzugehen.
Meine Stimme überschlägt sich: Ich bringe mich jetzt um, wenn du das denkst. Ich schneide meine Scheiß-Brüste ab und meine Klitoris und dann werden wir ja sehen, ob ich Sex haben will.
Im Badezimmer schließe ich mich ein und versenke erstmal Raierklingen in meinem linken Handgelenk.
Es blutet immer noch.
Mageninhalt: 30g Almased. Geiles Leben, echt.
Samstag, 1. Dezember 2012
Alltag.
Ich bin so unfassbar dick und ich komme
nicht mit.
Sie hat mich fest im Griff, diese unnachgiebige chronische Depression, sie hat eine kalte Hand auf meine Schulter gelegt und dirigiert mich zum Kühlschrank. Ich öffne ihn und verschlinge sehr schnell zwei sündhaft teure Tiramisu-Desserts, kurz ist es hell, dann schließe ich die Tür.
Meine Mutter ruft mich, sie liegt im Bademantel meiner toten Oma im Bett. „Magst du mir so ein superleckeres Dessert aus dem Kühlschrank bringen?“ Tut mir leid, ich habe beide schon gegessen. Aber ich wollte eh noch einkaufen gehen, die gibt es auch beim tegut, ich bringe sie mit. „Das glaube ich nicht, dass es die da gibt. Das ist eine ganz exklusive Marke und überhaupt, warum fragst du nicht vorher? Was soll das? Warum isst du zwei Stück?“
Ich sage nichts. Draußen verschlingt mich das schimmelige Nachmittagslicht. Ich wühle meine Hände in den Männerparka meiner Schwester und gehe um des Gehens willen, ein Schritt, noch einer, noch einer, Tapp Tapp. Ich spüre es entgleiten. Die Leere pumpt mich voll, nur die Vergänglichkeit, eine Schrittlänge vor mir, leistet mir Gesellschaft.
Ich fummele mein Handy aus der Rocktasche und wähle T.s Nummer. Er geht erst beim fünften Klingeln ran, sein Sohn ist bei ihm. Wir reden genau eine Minute vierzehn Sekunden, er klingt aufgeräumt und warm.
Alles ist so tot und weit, dass ich schreien möchte. Ich kaufe ein, futtere ein Duplo und einen Kinderriegel ohne etwas zu schmecken, gehen gehen Treppe rauf Tür auf Tasche abstellen.
„Na, warst du erfolgreich?“ Wieso sollte man beim Einkaufen erfolgreich sein? „Hast du das Dessert bekommen?“ Nein, aber eine andere Sorte von der gleichen Marke und das ist mir ehrlich gesagt auch ziemlich egal. Ihr nicht. Na schön.
Fühle mich klippenhaft und kotzübel und so schrecklich fremd. Sie klopft an meine Kinderzimmertür. Ich sitze mit dem Rücken zur Heizung und qualme eine, beobachte die Nebelschlieren, die in der Mitte des Raumes hängen, genau zwischen meinen ganzen fremden dunklen mit Bullshit bedeckten IKEA-Möbeln.
Was das eben sollte? Glaubst du mir macht das Spaß? Diese ganze Scheiße? Glaubst du ich esse so etwas teures, weil ich Hunger oder Appetit habe?
Sie dreht sich eine Zigarette und nimmt auf meinem winzigen Bett Platz. Als ich aus der Psychiatrie kam, wünschte ich mir nichts mehr als ein kleines Bett, maximal 100cm breit, nur für mich und ein paar Kissen. Ein Nest, ein Kinderbett für eine erwachsene Kindfrau.
Meine Mutter schweigt, ich schweige. Ich bin kalt und verwaist, und ich spüre dass ihr das weh tut.
Sie lächelt zaghaft. „Hast du dich über den Besuch von J. gefreut?“ J. lebt in Leipzig seit Beginn des Semesters. Ich will etwas sagen, denke nach, versuche in mich hinein zu spüren, aber da ist nur Not.
„Nein. Nicht richtig.“ - „Warum das?“ - „Weil ich mich gerade über gar nichts freuen kann.“
Meine Mutter seufzt ganz komisch und stippt Asche in mein Windlicht. „Es ist schweinekalt hier. Ist die Heizung richtig an?“ Ich verneine. Meine Heizung ist kaputt, muss permanent entlüftet werden, deswegen ist es immer kalt (kalt und stinkt nach Räucherstäbchen und Zigarettenrauch), aber das stört mich gerade wirklich nicht.
Sie offensichtlich schon. Sie entlüftet meine Heizung und guckt mich traurig an. Gut, dass ich so vollgefressen bin, dass ich kaum Schuldgefühle und Ängste empfinden kann.
Die Rasierklingen sind in meinem Kosmetiktäschchen. Ein Meter von hier. Ich muss sie nur nehmen.
Ich tue es nicht, weil ich keine Lust habe, die nächsten Tage wieder frische Schnitte vor allen verbergen zu müssen.
Ich komme nicht mit. Das Leben verläuft in Zeitlupen-Endlosschleifen und verwaschenen Farben, die Dialoge sind schlecht synchronisiert. Und doch ist es mir zu anstrengend, mich darauf einzulassen. Ich sitze also im Vorführsaal und registriere, dass der vorgeführte Streifen mich nicht berührt, geschweige denn mitreißt, und statt rauszugehen starre ich weiter auf die Leinwand in der Hoffnung, dass noch etwas kommen mag. Etwas noch groteskeres als das, was ich jetzt sehe. Etwas, das mich veranlassen wird zu sagen, „Hat sich doch gelohnt den Film zu Ende zu gucken“, wenn ich die letzten Popcorn von meiner Jacke schnippe und mich zum Gehen wende. Wenigstens will ich sagen können, okay, das war eben sehr „arthouse“, sehr verwoben, sehr hintergründig. Eben das, was man über Filme sagen kann, die man nicht versteht, deren Erzählsträngen man nicht folgen kann, die aber dennoch im Kopf kleben bleiben wie Honigfinger.
Aber was sollte das sein?
Weitere Episoden über sinnloses Essen, sinnloses Geld-Ausgeben, sinnlose Bemühungen, Normalität und Freude zu simulieren?
Am 5.12. gibt es neue Medis für Phoebe, darauf setze ich meine letzten Coins.
Sie hat mich fest im Griff, diese unnachgiebige chronische Depression, sie hat eine kalte Hand auf meine Schulter gelegt und dirigiert mich zum Kühlschrank. Ich öffne ihn und verschlinge sehr schnell zwei sündhaft teure Tiramisu-Desserts, kurz ist es hell, dann schließe ich die Tür.
Meine Mutter ruft mich, sie liegt im Bademantel meiner toten Oma im Bett. „Magst du mir so ein superleckeres Dessert aus dem Kühlschrank bringen?“ Tut mir leid, ich habe beide schon gegessen. Aber ich wollte eh noch einkaufen gehen, die gibt es auch beim tegut, ich bringe sie mit. „Das glaube ich nicht, dass es die da gibt. Das ist eine ganz exklusive Marke und überhaupt, warum fragst du nicht vorher? Was soll das? Warum isst du zwei Stück?“
Ich sage nichts. Draußen verschlingt mich das schimmelige Nachmittagslicht. Ich wühle meine Hände in den Männerparka meiner Schwester und gehe um des Gehens willen, ein Schritt, noch einer, noch einer, Tapp Tapp. Ich spüre es entgleiten. Die Leere pumpt mich voll, nur die Vergänglichkeit, eine Schrittlänge vor mir, leistet mir Gesellschaft.
Ich fummele mein Handy aus der Rocktasche und wähle T.s Nummer. Er geht erst beim fünften Klingeln ran, sein Sohn ist bei ihm. Wir reden genau eine Minute vierzehn Sekunden, er klingt aufgeräumt und warm.
Alles ist so tot und weit, dass ich schreien möchte. Ich kaufe ein, futtere ein Duplo und einen Kinderriegel ohne etwas zu schmecken, gehen gehen Treppe rauf Tür auf Tasche abstellen.
„Na, warst du erfolgreich?“ Wieso sollte man beim Einkaufen erfolgreich sein? „Hast du das Dessert bekommen?“ Nein, aber eine andere Sorte von der gleichen Marke und das ist mir ehrlich gesagt auch ziemlich egal. Ihr nicht. Na schön.
Fühle mich klippenhaft und kotzübel und so schrecklich fremd. Sie klopft an meine Kinderzimmertür. Ich sitze mit dem Rücken zur Heizung und qualme eine, beobachte die Nebelschlieren, die in der Mitte des Raumes hängen, genau zwischen meinen ganzen fremden dunklen mit Bullshit bedeckten IKEA-Möbeln.
Was das eben sollte? Glaubst du mir macht das Spaß? Diese ganze Scheiße? Glaubst du ich esse so etwas teures, weil ich Hunger oder Appetit habe?
Sie dreht sich eine Zigarette und nimmt auf meinem winzigen Bett Platz. Als ich aus der Psychiatrie kam, wünschte ich mir nichts mehr als ein kleines Bett, maximal 100cm breit, nur für mich und ein paar Kissen. Ein Nest, ein Kinderbett für eine erwachsene Kindfrau.
Meine Mutter schweigt, ich schweige. Ich bin kalt und verwaist, und ich spüre dass ihr das weh tut.
Sie lächelt zaghaft. „Hast du dich über den Besuch von J. gefreut?“ J. lebt in Leipzig seit Beginn des Semesters. Ich will etwas sagen, denke nach, versuche in mich hinein zu spüren, aber da ist nur Not.
„Nein. Nicht richtig.“ - „Warum das?“ - „Weil ich mich gerade über gar nichts freuen kann.“
Meine Mutter seufzt ganz komisch und stippt Asche in mein Windlicht. „Es ist schweinekalt hier. Ist die Heizung richtig an?“ Ich verneine. Meine Heizung ist kaputt, muss permanent entlüftet werden, deswegen ist es immer kalt (kalt und stinkt nach Räucherstäbchen und Zigarettenrauch), aber das stört mich gerade wirklich nicht.
Sie offensichtlich schon. Sie entlüftet meine Heizung und guckt mich traurig an. Gut, dass ich so vollgefressen bin, dass ich kaum Schuldgefühle und Ängste empfinden kann.
Die Rasierklingen sind in meinem Kosmetiktäschchen. Ein Meter von hier. Ich muss sie nur nehmen.
Ich tue es nicht, weil ich keine Lust habe, die nächsten Tage wieder frische Schnitte vor allen verbergen zu müssen.
Ich komme nicht mit. Das Leben verläuft in Zeitlupen-Endlosschleifen und verwaschenen Farben, die Dialoge sind schlecht synchronisiert. Und doch ist es mir zu anstrengend, mich darauf einzulassen. Ich sitze also im Vorführsaal und registriere, dass der vorgeführte Streifen mich nicht berührt, geschweige denn mitreißt, und statt rauszugehen starre ich weiter auf die Leinwand in der Hoffnung, dass noch etwas kommen mag. Etwas noch groteskeres als das, was ich jetzt sehe. Etwas, das mich veranlassen wird zu sagen, „Hat sich doch gelohnt den Film zu Ende zu gucken“, wenn ich die letzten Popcorn von meiner Jacke schnippe und mich zum Gehen wende. Wenigstens will ich sagen können, okay, das war eben sehr „arthouse“, sehr verwoben, sehr hintergründig. Eben das, was man über Filme sagen kann, die man nicht versteht, deren Erzählsträngen man nicht folgen kann, die aber dennoch im Kopf kleben bleiben wie Honigfinger.
Aber was sollte das sein?
Weitere Episoden über sinnloses Essen, sinnloses Geld-Ausgeben, sinnlose Bemühungen, Normalität und Freude zu simulieren?
Am 5.12. gibt es neue Medis für Phoebe, darauf setze ich meine letzten Coins.
Auf dem Konzert war ich Donnerstag mit meiner Schwester...
Dienstag, 23. Oktober 2012
Kein Heim, allein.
Die Wohnung ist leer und kalt und dunkel.
Meine Schritte leiten mich in das Schlafzimmer meiner Mutter und meines Steifvaters, ich klaue Pralinen und Cookies, esse im Badezimmer, blättere nervös durch den neuen SPIEGEL und schmecke Blut.
Ich hasse sie alle so sehr.
Meine beste Freundin hat mir ein kleines Paket aus Leipzig geschickt, ich mag den Brief nicht öffnen. In dem knallbunten Papier finde ich ein Täschchen, genäht aus eine Haribo-Party-Spaß-Tüte.
Ich verstehe nichts, fühle nichts, dunkel.
T. ist todunglücklich und findet dennoch die Kraft, mit mir zu diskutieren, mich wieder und wieder zu Grunde zu richten mit hart geschliffenen Satzkanten: "Du bist der arroganteste Mensch, den ich je kennengelernt habe. Deine Familie tut mir leid. Du lebst zwischen den Welten, du bist bei mir Gast und bei ihnen du hast keine Rechte mehr, das weigerst du dich nur, zu akzeptieren. Du gehst mir so sehr auf den Sack, Hass."
Ich fühle mich schmutzig und bräsig und unverstanden.
Die Wohnung ist leer und kalt und dunkel und ich mache alle Lichter an, aber sie sind so einsam!
Meine Schritte leiten mich in das Schlafzimmer meiner Mutter und meines Steifvaters, ich klaue Pralinen und Cookies, esse im Badezimmer, blättere nervös durch den neuen SPIEGEL und schmecke Blut.
Ich hasse sie alle so sehr.
Meine beste Freundin hat mir ein kleines Paket aus Leipzig geschickt, ich mag den Brief nicht öffnen. In dem knallbunten Papier finde ich ein Täschchen, genäht aus eine Haribo-Party-Spaß-Tüte.
Ich verstehe nichts, fühle nichts, dunkel.
T. ist todunglücklich und findet dennoch die Kraft, mit mir zu diskutieren, mich wieder und wieder zu Grunde zu richten mit hart geschliffenen Satzkanten: "Du bist der arroganteste Mensch, den ich je kennengelernt habe. Deine Familie tut mir leid. Du lebst zwischen den Welten, du bist bei mir Gast und bei ihnen du hast keine Rechte mehr, das weigerst du dich nur, zu akzeptieren. Du gehst mir so sehr auf den Sack, Hass."
Ich fühle mich schmutzig und bräsig und unverstanden.
Die Wohnung ist leer und kalt und dunkel und ich mache alle Lichter an, aber sie sind so einsam!
Montag, 3. September 2012
Now it looks as if they're here to stay, oh I believe in yesteday.
Nachtrag zu gestern:
Wochenende bei meiner Family No°
2
Ich verließ T. inmitten eines endlosen Fresstages (Samstag) für meinen nächsten Versuch, eine Übernachtung bei meiner Familie auf die Reihe zu kriegen.
J. kam spontan vorbei, wir redeten über ihren Umzug nach Leipzig, und T.s Erpressungsversuch, er werde mich verlassen wenn ich weiter abnehmen würde. O-Ton von Freitagnacht.
Wir kochten uns Spaghetti mit schweinischer Tomatensauce (schweinisch im Sinne von reichhaltig – Fetakäsewürfel, angebratenes Gemüse, getrocknete Tomaten, Sugo, ein Schuss Sahne und viel Parmesan). Schauten uns Benjamin Buttom an und tranken dazu heiße Schokolade, knabberten die Kekse meiner Schwester und kuschelten uns auf das dunkelgrüne Ledersofa. Gegen ein Uhr fuhr sie nach Hause und ich fraß mich durch die verbliebene Nacht. Um kurz vor vier Uhr morgens gab es eine nette Doku über Martial Arts und Kung-Fu-Stile, zu der ich Schokocreme, eine Tüte Chips und Weißbrot verdrückte. Dann kamen meine Mutter und mein Stiefvater nach Hause. Du schläfst noch nicht? Nein. Ich vertrieb ein wenig Zeit mit tumblr und schaffte es immerhin, mich nicht aufzuschlitzen.
Ich bin fett, trallalla. Im Fitness wog ich Freitag noch 57,5 kg mit Klamotten, jetzt dürfte ich wieder über sechzig sein. Juhu. Ich hasse mich. Meine Schwester machte heute morgen dann nioch einen Riesenaufstand, weil ich sie bat meine Schulbücher abzugeben mit der Begründung, sie fahre doch sowieso jeden Tag dort hin. Haha. „Ich hasse das, die Bücher sind voll schwer und überhaupt, alle fragen mich nach dir, alle kennen mich weil sie dich kennen, ich trage immer diese Erbschuld, du bist doch die Schwester von...“ Ich antwortete, ich würde mich dafür entschuldigen, ihre Schwester zu sein. Yay. Familienstress. Meine Mutter mischte sich noch ein. Machte mich an, weil ich so merkwürdig laufen würde (ich versuchte beim Gehen meine Oberschenkel zu kaschieren, in dem ich auf den Ballen ging und ohne sie aneinander reiben zu lassen, weil mich das noch mehr fertig gemacht hätte.
Wochenende gescheitert.
Ich verließ T. inmitten eines endlosen Fresstages (Samstag) für meinen nächsten Versuch, eine Übernachtung bei meiner Familie auf die Reihe zu kriegen.
J. kam spontan vorbei, wir redeten über ihren Umzug nach Leipzig, und T.s Erpressungsversuch, er werde mich verlassen wenn ich weiter abnehmen würde. O-Ton von Freitagnacht.
Wir kochten uns Spaghetti mit schweinischer Tomatensauce (schweinisch im Sinne von reichhaltig – Fetakäsewürfel, angebratenes Gemüse, getrocknete Tomaten, Sugo, ein Schuss Sahne und viel Parmesan). Schauten uns Benjamin Buttom an und tranken dazu heiße Schokolade, knabberten die Kekse meiner Schwester und kuschelten uns auf das dunkelgrüne Ledersofa. Gegen ein Uhr fuhr sie nach Hause und ich fraß mich durch die verbliebene Nacht. Um kurz vor vier Uhr morgens gab es eine nette Doku über Martial Arts und Kung-Fu-Stile, zu der ich Schokocreme, eine Tüte Chips und Weißbrot verdrückte. Dann kamen meine Mutter und mein Stiefvater nach Hause. Du schläfst noch nicht? Nein. Ich vertrieb ein wenig Zeit mit tumblr und schaffte es immerhin, mich nicht aufzuschlitzen.
Ich bin fett, trallalla. Im Fitness wog ich Freitag noch 57,5 kg mit Klamotten, jetzt dürfte ich wieder über sechzig sein. Juhu. Ich hasse mich. Meine Schwester machte heute morgen dann nioch einen Riesenaufstand, weil ich sie bat meine Schulbücher abzugeben mit der Begründung, sie fahre doch sowieso jeden Tag dort hin. Haha. „Ich hasse das, die Bücher sind voll schwer und überhaupt, alle fragen mich nach dir, alle kennen mich weil sie dich kennen, ich trage immer diese Erbschuld, du bist doch die Schwester von...“ Ich antwortete, ich würde mich dafür entschuldigen, ihre Schwester zu sein. Yay. Familienstress. Meine Mutter mischte sich noch ein. Machte mich an, weil ich so merkwürdig laufen würde (ich versuchte beim Gehen meine Oberschenkel zu kaschieren, in dem ich auf den Ballen ging und ohne sie aneinander reiben zu lassen, weil mich das noch mehr fertig gemacht hätte.
Wochenende gescheitert.
Freitag, 29. Juni 2012
Theaterglück.
Mhm. Sojajoghurt als erste Mahlzeit des Tages. Okay, Kaffee nicht mitgezählt.
Gestern Abend spontan mit J. im Theater, "Stella" von Goethe.
Es ging um eine junge Frau, Stella, die von ihrem Liebhaber vor acht Jahren verlassen wurde und immernoch von ihrem Schmerz zehrt. Cecilia, eine junge Mutter, hat auf ihrer Reise (wohin auch immer) einen kurzen Aufenthalt bei ihr. Auch sie wurde von ihrem Mann verlassen und schwelgt seitdem im Liebeskummer. Zufälligerweise kehrt just in diesem Moment Stellas Liebhaber Fernando zurück zu ihr - und es stellt sich heraus, dass er der verschollene Ehemann Cecilias und Vater deren Tochter Lucie ist.
Schöne Konstellation.
Fernando erkennt Cecilia und erinnert sich auch seiner Liebe zu ihr, während Stella komplett durchdreht und Amok läuft vor Glück, ihn "wiederzuhaben". Lustigerweise konnte ich mich sehr gut mit ihm identifizieren.
Was soll er tun?
Die unglückliche, liebeskranke junge Frau retten, um deren Jugend er sie betrogen hat?
Seine schmerzlich geliebte Frau und seine Tochter wählen, mit denen er sich verbunden fühlt und die er damals - für Stella - verlassen hatte?
Er entscheidet gar nicht.
Menage á trois?
»Nimm alles, was ich dir geben kann! Nimm die Hälfte des, der ganz dein gehört – Nimm ihn ganz! Laß mir ihn ganz! Jede soll ihn haben, ohne der andern was zu rauben – Und«, rief Sie an seinem Halse, zu seinen Füßen, »wir sind dein!« – – Sie faßten seine Hände, hingen an ihm – Und Gott im Himmel freute sich der Liebe, und sein heiliger Statthalter sprach seinen Segen dazu. Und ihr Glück und ihre Liebe faßte selig Eine Wohnung, Ein Bett, und Ein Grab.
Wie untypisch für den alten Reaktionär. Mich hat das gefreut.
Ich liebe das Schauspiel Frankfurt. Schöne Menschen mit schönen Stimmen und einer unfassbaren körperlichen Präsenz.
Und noch mehr Motivation für mich, mich in ebendiese Richtung zu entwickeln.
Präsent sein. Dünn sein. Kunst leben. Hach.
Gestern Abend spontan mit J. im Theater, "Stella" von Goethe.
Es ging um eine junge Frau, Stella, die von ihrem Liebhaber vor acht Jahren verlassen wurde und immernoch von ihrem Schmerz zehrt. Cecilia, eine junge Mutter, hat auf ihrer Reise (wohin auch immer) einen kurzen Aufenthalt bei ihr. Auch sie wurde von ihrem Mann verlassen und schwelgt seitdem im Liebeskummer. Zufälligerweise kehrt just in diesem Moment Stellas Liebhaber Fernando zurück zu ihr - und es stellt sich heraus, dass er der verschollene Ehemann Cecilias und Vater deren Tochter Lucie ist.
Schöne Konstellation.
Fernando erkennt Cecilia und erinnert sich auch seiner Liebe zu ihr, während Stella komplett durchdreht und Amok läuft vor Glück, ihn "wiederzuhaben". Lustigerweise konnte ich mich sehr gut mit ihm identifizieren.
Was soll er tun?
Die unglückliche, liebeskranke junge Frau retten, um deren Jugend er sie betrogen hat?
Seine schmerzlich geliebte Frau und seine Tochter wählen, mit denen er sich verbunden fühlt und die er damals - für Stella - verlassen hatte?
Er entscheidet gar nicht.
Menage á trois?
»Nimm alles, was ich dir geben kann! Nimm die Hälfte des, der ganz dein gehört – Nimm ihn ganz! Laß mir ihn ganz! Jede soll ihn haben, ohne der andern was zu rauben – Und«, rief Sie an seinem Halse, zu seinen Füßen, »wir sind dein!« – – Sie faßten seine Hände, hingen an ihm – Und Gott im Himmel freute sich der Liebe, und sein heiliger Statthalter sprach seinen Segen dazu. Und ihr Glück und ihre Liebe faßte selig Eine Wohnung, Ein Bett, und Ein Grab.
Wie untypisch für den alten Reaktionär. Mich hat das gefreut.
Ich liebe das Schauspiel Frankfurt. Schöne Menschen mit schönen Stimmen und einer unfassbaren körperlichen Präsenz.
Und noch mehr Motivation für mich, mich in ebendiese Richtung zu entwickeln.
Präsent sein. Dünn sein. Kunst leben. Hach.
| Von links: Stella, Fernando, Cecilia |
Abonnieren
Posts (Atom)