51 kg, BMI 16,x ------ und der Gedanke: Friss.
Und der Körper frisst. Nutella, Joghurts, Baguette mit Butter und Salami, Schokolade, Cookies, Käse, Waffeln.
Roundabout 2500 kcal zum Frühstück. Ich bin fett, yeah yeah!
T. schreibt mir 'ne SMS mit dem Inhalt "Du fettes Schwein", yeah yeah!
Ich bin so widerlich, yeah yeah!
Mittwoch, 6. März 2013
Dienstag, 5. März 2013
Dienstag Vormittag.
Ich klemme hinter dem PC mit einer Tasse Kakao (3g stark entöltes Kakaopulver, Süßstoff, heißes Wasser, 10ml Milch - 16 kcal) und sinniere.
Gestern habe ich eine Bewerbungsmappe in meinem favorisierten Tabak- und Zeitschriftenladen abgegeben, hoffe, dass ich die Stelle bekomme. 60 Stunden im Monat, das dürfte selbst ich hinkriegen. Und, wie mir die Verkäuferin sagte: "Das kriegt wahrscheinlich selbst ein Toastbrot besser hin als mein Kollege." Ich bin netter als ein Toastbrot, so viel steht fest.
Nett, aber ein körperliches und geistiges Wrack. Ich fühle mich ausgehöhlt und bin schrecklich unkonzentriert, mein Kreislauf und mein Stoffwechsel sind - auf gut Deutsch - im Arsch. Mein ganzer Körper schmerzt vor Muskelkater, Wassereinlagerungen und Kälte.
Versuche die SMS von T. zu ignorieren, in denen er mich bekniet, beschimpft, seine Liebe zum Ausdruck bringt. Droht.
Meine Schulunterlagen nehme ich regelmäßig zur Hand, blättere ein bisschen, unterstreiche hier und da etwas. Dann schweifen die Gedanken ab. Zu ihm, zu Kalorien, zu irgendetwas. Ich ziehe meinen flauschigen lila Bademantel an und stelle mich auf den Balkon, Kippe an, Sonnenstrahlen, die mich zum Niesen bringen. Und muss mich setzen. Autsch, scheiß Gesäßknochen. Kissen nehmen. Besser.
Dann schleppe ich mich ins Badezimmer, nehme eine Nagelschere zur Hand und malträtiere meine Nägel beziehungsweise das, was von ihnen übrig ist.
Als ich in der ersten Klinik war fand ich es erstaunlich, dass die meisten Magersüchtigen extrem kurze und kaputte Fingernägel mit blutiger Nagelhaut hatten.
Mein Kopf schwirrt vor weißem Nebel und kranken Vögeln, die ekstatisch flattern.
Leben ist das nicht. Aber es gefällt mir besser als die Wochen zuvor.
Gestern habe ich eine Bewerbungsmappe in meinem favorisierten Tabak- und Zeitschriftenladen abgegeben, hoffe, dass ich die Stelle bekomme. 60 Stunden im Monat, das dürfte selbst ich hinkriegen. Und, wie mir die Verkäuferin sagte: "Das kriegt wahrscheinlich selbst ein Toastbrot besser hin als mein Kollege." Ich bin netter als ein Toastbrot, so viel steht fest.
Nett, aber ein körperliches und geistiges Wrack. Ich fühle mich ausgehöhlt und bin schrecklich unkonzentriert, mein Kreislauf und mein Stoffwechsel sind - auf gut Deutsch - im Arsch. Mein ganzer Körper schmerzt vor Muskelkater, Wassereinlagerungen und Kälte.
Versuche die SMS von T. zu ignorieren, in denen er mich bekniet, beschimpft, seine Liebe zum Ausdruck bringt. Droht.
Meine Schulunterlagen nehme ich regelmäßig zur Hand, blättere ein bisschen, unterstreiche hier und da etwas. Dann schweifen die Gedanken ab. Zu ihm, zu Kalorien, zu irgendetwas. Ich ziehe meinen flauschigen lila Bademantel an und stelle mich auf den Balkon, Kippe an, Sonnenstrahlen, die mich zum Niesen bringen. Und muss mich setzen. Autsch, scheiß Gesäßknochen. Kissen nehmen. Besser.
Dann schleppe ich mich ins Badezimmer, nehme eine Nagelschere zur Hand und malträtiere meine Nägel beziehungsweise das, was von ihnen übrig ist.
Als ich in der ersten Klinik war fand ich es erstaunlich, dass die meisten Magersüchtigen extrem kurze und kaputte Fingernägel mit blutiger Nagelhaut hatten.
Mein Kopf schwirrt vor weißem Nebel und kranken Vögeln, die ekstatisch flattern.
Leben ist das nicht. Aber es gefällt mir besser als die Wochen zuvor.
Samstag, 2. März 2013
Besuch von der roten Tante.
Ich werde jetzt nichts zu T. sagen, zum Wiedersehen, den Gefühlen, dem Schmerz, dem Streit. Der erneuten, entgültigen (?) Trennung.
Ein andermal.
Ich möchte über ein ach so banales und dennoch elementares Thema in meinem Leben schreiben: die Periode.
Ich habe sie mit zwölf bekommen, ganz normal eigentlich. Eine Freundin war da und wir haben mit meiner kleinen Schwester im Garten des benachbarten Wohnblocks Reitschule gespielt. Plötzlich spürte ich ein Ziehen und... Es war ekelhaft. Ich erzählte niemandem davon. Ich stopfte mir Watte und Taschentücher in eine frische Unterhose und legte mich schlafen, am nächsten Tag kaufte ich eine Packung Riesenbinden, die mir wie Windeln vorkamen.
Es war nicht unbedingt ein "Wendepunkt", ein wichtiges, einschneidendes Ereignis. Ich litt nur sehr unter meinen "Tagen". Sie kamen extrem unregelmäßig und extrem stark. Ich erinnere mich an das Sylvesterfest mit dreizehn, welches ich komplett auf dem Klo verbrachte, blutend wie ein frisch geschlachtetes Rindvieh. Ich heulte. Meine Gastgeberin, eine etwas ältere Freundin, klopfte und rief mir zu, ich sollte doch ihre Tampons benutzen. Geht es noch peinlicher? Nicht nur, dass ich für Stunden das Bad bei Fremden blockierte. Ich schaffte es auch nicht, dieses kleine, fiese, viel zu dicke (Super Plus) Watteding in mich hineinzustecken. Ich ekelte mich vor mir selbst, hatte keine Binden mehr, Blutflecken auf denm Schreibtischstuhl meiner Freundin...
Kurz gesagt: Ich hasste es, dass mein Körper blutete.
Mich überkam Panik, als meine Brüste größer wurden. Stundenlang probierte ich T-Shirts und Pullis vor dem Spiegel an, darauf bedacht, dass sie möglichst viel von meiner frisch erblühten Weiblichkeit kaschieren mochten. Ihr müsst wissen, ich war zu dieser Zeit mit ein paar Nerd-Jungs befreundet, wir redeten über den Herrn der Ringe und die frühreifen Tussis aus der Parallelklasse, und das letzte, was ich haben wollte waren Brüste.
Ich bekam sie natürlich trotzdem. Meine Mutter kaufte mir ungefragt BHs und Binden. Ich begann, mich ein wenig zu arrangieren damit, dass ich breiter und rosiger wurden. Es blieb mir ja nichts anderes übrig. Bis dato war ich immer groß (1,70) und schlaksig (47kg) gewesen, das änderte sich nun. Ich wuchs noch ein wenig, meine Hüften wurden fetter ect. Wir kennen das alle.
Hinzu kam eine unschöne, hartnäckige Form von Akne; gefolgt von einer Zahnspange, was mich in meinen Augen vollends entstellte. Es gibt Bilder aus meiner frühen Pubertät, bei deren Anblick ich mich heute noch schäme. Gelbe Zähne hinter einem "Gartenzaun", beides Dinge auf die mein Vater mich regelmäßig hinwieß. Pickel auf der Nase, dem Kinn. Ein Körper, der sich nicht entscheiden kann ob er nun "Vollweib" oder androgyn sein soll.
Ich wurde Vollweib. Meine Brüste wuchsen und wuchsen.
Meine innere Veränderung, meine Identitätssuche war aber sehr viel bemerkenswerter: Ich beschloss irgendwann mit fünfzehn (als ich ohnehin als Streber, Hässliche und Lehrerschlampe galt), eine Maske zu tragen.
Ich schminkte mich sorgfältig, aber zurückhaltend (Make-up, Wimperntusche, Puder), schnitt meine langen Haare auf Kinnlänge ab, trug H&M-Blazer zu Röcken und schlichten Jeans, Stiefeletten mit kleinem Absatz. Ich wirkte wie fünfundzwanzig, kurvig, selbstbewusst, hochintelligent.
Ich flirtete heftig mit einem Lehrer an meiner Schule. Schrieb Bestnoten. Wurde überheblich und arrogant. Nach außen hin.
Innen drin hasste ich mich mit einer unvorstellbaren Intensität. Ich rannte jede Pause auf das Mädchenklo, um mein Make-Up zu kontrollieren - projezierte meine Unsicherheit komplett auf meine Optik. Ich fand meinen Körper unförmig und scheußlich. Klar, wenn man bei jedem Stress zum Automaten rennt und sich eine Tafel Ritter-Sport reinzieht. Ich futterte wahnsinnig viel, auch wenn ich es in Relastion stelle zu meinen Fressanfällen letztes und vorletztes Jahr: Es war VIEL.
Ich nahm zu. Mondgesicht, Fettarsch, Du-Siehst-Aus-Wie-Scheiße. Alles cool. Ich war klüger als diese Typen, auch wenn es mir offenkundig nichts brachte. Was ist Intelligenz und Eloquenz unter Pubertierenden wert? Bei uns galt: Je schlauer, desto Mobbing. Umgekehrt galt das Naturgesetz: Je Mädchenhafter (Kichern, Naivität, dünner Körper, keine großen, beängstigenden Rundungen, kleine, saubere Tampons statt riesiger Binden-Windeln), desto beliebter bei beiden Geschlechtern. Meine Mutter sagt heute - die anderen waren eingeschüchtert. T. hat immer gesagt - die Jungs haben sich nicht getraut, dich anzusprechen.
Pustekuchen Leute, ich war dabei. Sie haben mich gehasst.
Was mich nicht groß störte, ich schwärmte für Männer jenseits der 40.
Der Punkt, auf den ich hinauswollte, ist jener: Ich bin wahrscheinlich auch deswegen so verkorkst, weil ich die Pubertät nie als das gesehen habe, was sie ist - ein notwendiges Übel, eine amüsante Findungsphase - sondern sie abgelehnt habe.
Ich wollte, wenn schon, dann erwachsen sein. Ich verachtete mein gleichaltriges Umfeld für ihre ersten Parties, auf denen Mixbier floss und peinliche Chart-Musik gedudelt wurde. Ich verachtete "Girls" und "Boys", die einander "süße" SMS schrieben und "flirty" und "cool" waren. Ich wollte nicht zu ihnen gehören. Nicht, dass ich eine Chance gehabt hätte, zu ihnen zu gehören, wenn ich das gewollt hätte. Niemals. Ich war zu... was auch immer für die.
Lustigerweise wurde ich, als ich mit siebzehn richtig schön dünn war, plötzlich zum "angesagten Hingucker" in der Stufe, zumindest bis ich die Schule für meinen Klinikmarathon verließ.
Heute bin ich sehr traurig darüber, diese unbeschwerten Jahre so verstreichen haben zu lassen. Die ganzen Dinge, die meine Schwester erlebt und durchgemacht hat - ich werde es nicht mehr nachholen können. Der Zug ist abgefahren. Ich bin jetzt zwanzig und sollte verdammt noch mal erwachsen und reif sein.
Ich trage Narben aus dieser Zeit, keine sichtbaren. Klar wurde ich geschlagen. Klar beschimpft, geschubst, gehasst. Was mir heute noch bleibt, ist aber das verzerrte Selbstbild, die nicht vorhandene Identität - weder Erwachsen, noch Kind, schon gar nicht Pubertär. Ich bin irgendwo zwischen den Sphären gelandet. Und wie trage ich diesen inneren Konflikt aus? Richtig, über meinen Körper.
Und hier schließt sich der Kreis. Meine Periode. Ich habe fast geweint, als ich sie vor drei Tagen bekommen habe. Bei diesem BMI hatte ich noch nie meine Tage! Ich bin wahnsinnig fett! Ect. Ich habe eine BIA-Messung gemacht und siehe da: Mein Körperfettanteil liegt trotz Untergewichts (52kg) im Normbereich. Ich habe erschreckend wenig Muskulatur. Ja, ich weiß, kein Wunder, wir kennen das alle, der Körper baut in Hungerphasen zuerst Muskelmasse ab und so weiter.
Das Blut, das aus meinem Unterleib kommt, spricht seine eigene Sprache. Es schreit mich förmlich an: Du bist eine Frau. Du bist da, um Männer zu befriedigen. Du bist eine geile alte Schlampe. Du brauchst Sex, du brauchst Fett. Du bist fett. Du bist bedürftig und schwach, du bist deinem Körper ausgeliefert.
Und ich schreie zurück: Das werden wir doch mal sehen, du Scheiß-Blut! Ich brauche dich nicht, um mich daran zu erinnern, dass ich eine Frau bin - ich will es nämlich gar nicht sein. Und jetzt verpiss dich und lass mich wieder Kind werden.
Kind sein. Keine Tage. Keine Erwartung. Kein ekelhafter Sex. Wie sehr ich es liebe.
Ein andermal.
Ich möchte über ein ach so banales und dennoch elementares Thema in meinem Leben schreiben: die Periode.
Ich habe sie mit zwölf bekommen, ganz normal eigentlich. Eine Freundin war da und wir haben mit meiner kleinen Schwester im Garten des benachbarten Wohnblocks Reitschule gespielt. Plötzlich spürte ich ein Ziehen und... Es war ekelhaft. Ich erzählte niemandem davon. Ich stopfte mir Watte und Taschentücher in eine frische Unterhose und legte mich schlafen, am nächsten Tag kaufte ich eine Packung Riesenbinden, die mir wie Windeln vorkamen.
Es war nicht unbedingt ein "Wendepunkt", ein wichtiges, einschneidendes Ereignis. Ich litt nur sehr unter meinen "Tagen". Sie kamen extrem unregelmäßig und extrem stark. Ich erinnere mich an das Sylvesterfest mit dreizehn, welches ich komplett auf dem Klo verbrachte, blutend wie ein frisch geschlachtetes Rindvieh. Ich heulte. Meine Gastgeberin, eine etwas ältere Freundin, klopfte und rief mir zu, ich sollte doch ihre Tampons benutzen. Geht es noch peinlicher? Nicht nur, dass ich für Stunden das Bad bei Fremden blockierte. Ich schaffte es auch nicht, dieses kleine, fiese, viel zu dicke (Super Plus) Watteding in mich hineinzustecken. Ich ekelte mich vor mir selbst, hatte keine Binden mehr, Blutflecken auf denm Schreibtischstuhl meiner Freundin...
Kurz gesagt: Ich hasste es, dass mein Körper blutete.
Mich überkam Panik, als meine Brüste größer wurden. Stundenlang probierte ich T-Shirts und Pullis vor dem Spiegel an, darauf bedacht, dass sie möglichst viel von meiner frisch erblühten Weiblichkeit kaschieren mochten. Ihr müsst wissen, ich war zu dieser Zeit mit ein paar Nerd-Jungs befreundet, wir redeten über den Herrn der Ringe und die frühreifen Tussis aus der Parallelklasse, und das letzte, was ich haben wollte waren Brüste.
Ich bekam sie natürlich trotzdem. Meine Mutter kaufte mir ungefragt BHs und Binden. Ich begann, mich ein wenig zu arrangieren damit, dass ich breiter und rosiger wurden. Es blieb mir ja nichts anderes übrig. Bis dato war ich immer groß (1,70) und schlaksig (47kg) gewesen, das änderte sich nun. Ich wuchs noch ein wenig, meine Hüften wurden fetter ect. Wir kennen das alle.
Hinzu kam eine unschöne, hartnäckige Form von Akne; gefolgt von einer Zahnspange, was mich in meinen Augen vollends entstellte. Es gibt Bilder aus meiner frühen Pubertät, bei deren Anblick ich mich heute noch schäme. Gelbe Zähne hinter einem "Gartenzaun", beides Dinge auf die mein Vater mich regelmäßig hinwieß. Pickel auf der Nase, dem Kinn. Ein Körper, der sich nicht entscheiden kann ob er nun "Vollweib" oder androgyn sein soll.
Ich wurde Vollweib. Meine Brüste wuchsen und wuchsen.
Meine innere Veränderung, meine Identitätssuche war aber sehr viel bemerkenswerter: Ich beschloss irgendwann mit fünfzehn (als ich ohnehin als Streber, Hässliche und Lehrerschlampe galt), eine Maske zu tragen.
Ich schminkte mich sorgfältig, aber zurückhaltend (Make-up, Wimperntusche, Puder), schnitt meine langen Haare auf Kinnlänge ab, trug H&M-Blazer zu Röcken und schlichten Jeans, Stiefeletten mit kleinem Absatz. Ich wirkte wie fünfundzwanzig, kurvig, selbstbewusst, hochintelligent.
Ich flirtete heftig mit einem Lehrer an meiner Schule. Schrieb Bestnoten. Wurde überheblich und arrogant. Nach außen hin.
Innen drin hasste ich mich mit einer unvorstellbaren Intensität. Ich rannte jede Pause auf das Mädchenklo, um mein Make-Up zu kontrollieren - projezierte meine Unsicherheit komplett auf meine Optik. Ich fand meinen Körper unförmig und scheußlich. Klar, wenn man bei jedem Stress zum Automaten rennt und sich eine Tafel Ritter-Sport reinzieht. Ich futterte wahnsinnig viel, auch wenn ich es in Relastion stelle zu meinen Fressanfällen letztes und vorletztes Jahr: Es war VIEL.
Ich nahm zu. Mondgesicht, Fettarsch, Du-Siehst-Aus-Wie-Scheiße. Alles cool. Ich war klüger als diese Typen, auch wenn es mir offenkundig nichts brachte. Was ist Intelligenz und Eloquenz unter Pubertierenden wert? Bei uns galt: Je schlauer, desto Mobbing. Umgekehrt galt das Naturgesetz: Je Mädchenhafter (Kichern, Naivität, dünner Körper, keine großen, beängstigenden Rundungen, kleine, saubere Tampons statt riesiger Binden-Windeln), desto beliebter bei beiden Geschlechtern. Meine Mutter sagt heute - die anderen waren eingeschüchtert. T. hat immer gesagt - die Jungs haben sich nicht getraut, dich anzusprechen.
Pustekuchen Leute, ich war dabei. Sie haben mich gehasst.
Was mich nicht groß störte, ich schwärmte für Männer jenseits der 40.
Der Punkt, auf den ich hinauswollte, ist jener: Ich bin wahrscheinlich auch deswegen so verkorkst, weil ich die Pubertät nie als das gesehen habe, was sie ist - ein notwendiges Übel, eine amüsante Findungsphase - sondern sie abgelehnt habe.
Ich wollte, wenn schon, dann erwachsen sein. Ich verachtete mein gleichaltriges Umfeld für ihre ersten Parties, auf denen Mixbier floss und peinliche Chart-Musik gedudelt wurde. Ich verachtete "Girls" und "Boys", die einander "süße" SMS schrieben und "flirty" und "cool" waren. Ich wollte nicht zu ihnen gehören. Nicht, dass ich eine Chance gehabt hätte, zu ihnen zu gehören, wenn ich das gewollt hätte. Niemals. Ich war zu... was auch immer für die.
Lustigerweise wurde ich, als ich mit siebzehn richtig schön dünn war, plötzlich zum "angesagten Hingucker" in der Stufe, zumindest bis ich die Schule für meinen Klinikmarathon verließ.
Heute bin ich sehr traurig darüber, diese unbeschwerten Jahre so verstreichen haben zu lassen. Die ganzen Dinge, die meine Schwester erlebt und durchgemacht hat - ich werde es nicht mehr nachholen können. Der Zug ist abgefahren. Ich bin jetzt zwanzig und sollte verdammt noch mal erwachsen und reif sein.
Ich trage Narben aus dieser Zeit, keine sichtbaren. Klar wurde ich geschlagen. Klar beschimpft, geschubst, gehasst. Was mir heute noch bleibt, ist aber das verzerrte Selbstbild, die nicht vorhandene Identität - weder Erwachsen, noch Kind, schon gar nicht Pubertär. Ich bin irgendwo zwischen den Sphären gelandet. Und wie trage ich diesen inneren Konflikt aus? Richtig, über meinen Körper.
Und hier schließt sich der Kreis. Meine Periode. Ich habe fast geweint, als ich sie vor drei Tagen bekommen habe. Bei diesem BMI hatte ich noch nie meine Tage! Ich bin wahnsinnig fett! Ect. Ich habe eine BIA-Messung gemacht und siehe da: Mein Körperfettanteil liegt trotz Untergewichts (52kg) im Normbereich. Ich habe erschreckend wenig Muskulatur. Ja, ich weiß, kein Wunder, wir kennen das alle, der Körper baut in Hungerphasen zuerst Muskelmasse ab und so weiter.
Das Blut, das aus meinem Unterleib kommt, spricht seine eigene Sprache. Es schreit mich förmlich an: Du bist eine Frau. Du bist da, um Männer zu befriedigen. Du bist eine geile alte Schlampe. Du brauchst Sex, du brauchst Fett. Du bist fett. Du bist bedürftig und schwach, du bist deinem Körper ausgeliefert.
Und ich schreie zurück: Das werden wir doch mal sehen, du Scheiß-Blut! Ich brauche dich nicht, um mich daran zu erinnern, dass ich eine Frau bin - ich will es nämlich gar nicht sein. Und jetzt verpiss dich und lass mich wieder Kind werden.
Kind sein. Keine Tage. Keine Erwartung. Kein ekelhafter Sex. Wie sehr ich es liebe.
Mittwoch, 27. Februar 2013
Lulu.
Ich möchte euch von einer Person erzählen, die mein Leben ungemein bereichert.
Sie ist anderthalb Köpfe kleiner als ich und hat rotblonde, dicke Haare, die bis zur Taille reichen. Ihre Augen sind grau-blau und ihr Gesicht offen und bildhübsch. Sie hat einen supernetten Freund, von dem sie sich nicht auf der Nase herumtanzen lässt. Sie verschlingt Krimis und anspruchsvolle Romane und hört den ganzen Tag Harry-Potter-Hörbücher.
"Obwohl" sie erst sechzehn ist, hat sie einen eigenen Stil, kleidet sich in süße Blusen und Cordhosen oder Shorts, ihr Kleiderschrank ist mir lieber als mein eigener. Sie fährt jeden Tag nach Frankfurt auf meine "alte" Schule, wo sie beliebt und erfolgreich ist, die Isreal- und die Philosophie-AG freiwillig besucht und in einer netten, links-alternativen-Szene herumschwirrt.
Sie hatte schon immer die Gabe, geduldig zuhören tzu können und scheut es nie, ihre Meinung kundzutun (auch zu Themen wie meiner Essstörung oder T., wobei es immer wieder erstaunlich ist wie reif und differenziert sie mit dieser Thematik umgeht).
Ich bin häufig ein wenig neidisch auf sie, auch wenn ich ihr alles von Herzen gönne. Dennoch wünsche ich mir, wie sie einfach ich selbst zu sein, "dicke" Beine zu haben und daraus kein Lebenstrauma zu machen, sondern mich hübsch und wertvoll zu fühlen. Sie hat so viele Freunde (fast mehr männliche als weibliche) und schafft es irgendwie, die Balance zwischen ihren Kontakten und Zeit für sich selbst zu finden. In dieser "freien" Zeit liegt sie in ihrem "Schöner Wohnen"-Zimmer, futtert Schokolade oder Kekse und liest. Oder sie hängt mit mir rum, wir quatschen und blättern Modemagazine durch. Manchmal übernachte ich auch bei ihr, wenn ich Angst habe, in meinem eigenen Zimmer zu schlafen. Dann ist sie die große Schwester, welche, wenn sie um 1:00 nachts von der Arbeit (Theke in der Kneipe) zurückkommt, vorsichtig und leise die Heizung runterdreht und sich neben mich kuschelt. Sie gibt zwar wahnsinnig viel Geld für Kleidung aus, schafft es aber dennoch, zu sparen und mit ihrer Clique zum Hurricane-Festival zu fahren.
Wenn ich traurig bin, macht sie mir Tee und setzt sich in die Kälte zu mir, wenn ich bei einer Zigarette auf dem Balkon stehe und mich bemitleide. Sie legt eine DVD ein, Scrubs oder SATC, und lacht unbeschwert.
Als Kinder haben wir uns viel gestritten, heute passiert das nur noch in seltenen Momenten, und meistens liegt der Auslöser bei mir. Oder weil sie in der ganzen Wohnung eine Spur aus Kaffeetassen hinterlässt...
Aber die meiste Zeit sind wir ein Team, rollen mit den Augen über unsere Mutter, helfen uns gegenseitig bei Schulsachen und bürsten uns die Haare wie kleine Prinzessinnen.
Sie hat immer Zeit für mich.
Meine Schwester kann wahnsinnig gut und kreativ kochen und backen. Vor ihre Sprunggelenksverletzung war sie Handballspielerin in der Hessen-Auswahl, heute ist sie -nach eigenen Angaben- Couch-Potatoe. Obwohl das nicht stimmt: Sie macht ihren Mofa-Führerschein, ist Rettungssanitäterin und gut in Mathe.
Wenn ich sie nicht so gut kennen würde, könnte ich denken, dass sie perfekt ist. Hübsch, erfolgreich, beliebt. Nur weil sie nicht mit denselben seelischen Schäden herumläuft wie ich, heißt das lange nicht, dass sie keine Probleme hat. Die hat sie. Und ich würde mein Leben geben, um zu verhindern, dass es die selben werden wie meine. Dass ihr niemand wehtut. Und sie sich selbst am wenigsten.
Weil ich sie über alles liebe, meine Chaosnudel. Meine Freundin. Mein Vorbild. Meine kleine, große Schwester.
Meine Lulu.
Sie ist anderthalb Köpfe kleiner als ich und hat rotblonde, dicke Haare, die bis zur Taille reichen. Ihre Augen sind grau-blau und ihr Gesicht offen und bildhübsch. Sie hat einen supernetten Freund, von dem sie sich nicht auf der Nase herumtanzen lässt. Sie verschlingt Krimis und anspruchsvolle Romane und hört den ganzen Tag Harry-Potter-Hörbücher.
"Obwohl" sie erst sechzehn ist, hat sie einen eigenen Stil, kleidet sich in süße Blusen und Cordhosen oder Shorts, ihr Kleiderschrank ist mir lieber als mein eigener. Sie fährt jeden Tag nach Frankfurt auf meine "alte" Schule, wo sie beliebt und erfolgreich ist, die Isreal- und die Philosophie-AG freiwillig besucht und in einer netten, links-alternativen-Szene herumschwirrt.
Sie hatte schon immer die Gabe, geduldig zuhören tzu können und scheut es nie, ihre Meinung kundzutun (auch zu Themen wie meiner Essstörung oder T., wobei es immer wieder erstaunlich ist wie reif und differenziert sie mit dieser Thematik umgeht).
Ich bin häufig ein wenig neidisch auf sie, auch wenn ich ihr alles von Herzen gönne. Dennoch wünsche ich mir, wie sie einfach ich selbst zu sein, "dicke" Beine zu haben und daraus kein Lebenstrauma zu machen, sondern mich hübsch und wertvoll zu fühlen. Sie hat so viele Freunde (fast mehr männliche als weibliche) und schafft es irgendwie, die Balance zwischen ihren Kontakten und Zeit für sich selbst zu finden. In dieser "freien" Zeit liegt sie in ihrem "Schöner Wohnen"-Zimmer, futtert Schokolade oder Kekse und liest. Oder sie hängt mit mir rum, wir quatschen und blättern Modemagazine durch. Manchmal übernachte ich auch bei ihr, wenn ich Angst habe, in meinem eigenen Zimmer zu schlafen. Dann ist sie die große Schwester, welche, wenn sie um 1:00 nachts von der Arbeit (Theke in der Kneipe) zurückkommt, vorsichtig und leise die Heizung runterdreht und sich neben mich kuschelt. Sie gibt zwar wahnsinnig viel Geld für Kleidung aus, schafft es aber dennoch, zu sparen und mit ihrer Clique zum Hurricane-Festival zu fahren.
Wenn ich traurig bin, macht sie mir Tee und setzt sich in die Kälte zu mir, wenn ich bei einer Zigarette auf dem Balkon stehe und mich bemitleide. Sie legt eine DVD ein, Scrubs oder SATC, und lacht unbeschwert.
Als Kinder haben wir uns viel gestritten, heute passiert das nur noch in seltenen Momenten, und meistens liegt der Auslöser bei mir. Oder weil sie in der ganzen Wohnung eine Spur aus Kaffeetassen hinterlässt...
Aber die meiste Zeit sind wir ein Team, rollen mit den Augen über unsere Mutter, helfen uns gegenseitig bei Schulsachen und bürsten uns die Haare wie kleine Prinzessinnen.
Sie hat immer Zeit für mich.
Meine Schwester kann wahnsinnig gut und kreativ kochen und backen. Vor ihre Sprunggelenksverletzung war sie Handballspielerin in der Hessen-Auswahl, heute ist sie -nach eigenen Angaben- Couch-Potatoe. Obwohl das nicht stimmt: Sie macht ihren Mofa-Führerschein, ist Rettungssanitäterin und gut in Mathe.
Wenn ich sie nicht so gut kennen würde, könnte ich denken, dass sie perfekt ist. Hübsch, erfolgreich, beliebt. Nur weil sie nicht mit denselben seelischen Schäden herumläuft wie ich, heißt das lange nicht, dass sie keine Probleme hat. Die hat sie. Und ich würde mein Leben geben, um zu verhindern, dass es die selben werden wie meine. Dass ihr niemand wehtut. Und sie sich selbst am wenigsten.
Weil ich sie über alles liebe, meine Chaosnudel. Meine Freundin. Mein Vorbild. Meine kleine, große Schwester.
Meine Lulu.
Montag, 25. Februar 2013
Sonntag, 24. Februar 2013
Titellos.
Getrieben und hektisch. Ich räume auf, lerne wie bekloppt, mache Gymnastik, hungere, renne mit meiner Schwester durch Frankfurt (ohne etwas zu kaufen), durchkämme Jobbörsen, schmeiße Dinge weg, putze, verbanne den Fernseher aus meinem Leben. Führe lange Gespräche mit meiner Mutter, meiner Schwester, versuche "nützlich" zu sein, gehe Einkaufen, erstelle lange Wunschlisten auf Amazon. Mein Handy ignoriere ich, es liegt irgendwo versteckt in meinem Zimmer.
Um nicht zu spüren, wie sehr ER fehlt.
Um nicht seine Stimme hören zu müssen.
Um nicht seine SMS lesen zu müssen (warum habe ich es getan?) - Ich bring mich um.
Aber du hast mich doch rausgeschmissen!
Am ersten Tag nur Tränen, Krämpfe, Angst.
Gestern Familienausflug zu Opa, Kreutzworträtsel, Gedichjtinterpretationen, Sehnsucht.
Heute nur Leere und Trauer, die ich mit Aktionismus zu übertünchen versuche.
Die ganze Zeit: Selbsthass, Scham, Vorwürfe. Und eine wundervolle, viel zu wundervolle Familie.
Um nicht zu spüren, wie sehr ER fehlt.
Um nicht seine Stimme hören zu müssen.
Um nicht seine SMS lesen zu müssen (warum habe ich es getan?) - Ich bring mich um.
Am ersten Tag nur Tränen, Krämpfe, Angst.
Gestern Familienausflug zu Opa, Kreutzworträtsel, Gedichjtinterpretationen, Sehnsucht.
Heute nur Leere und Trauer, die ich mit Aktionismus zu übertünchen versuche.
Die ganze Zeit: Selbsthass, Scham, Vorwürfe. Und eine wundervolle, viel zu wundervolle Familie.
Montag, 18. Februar 2013
Masterplan.
Es ist gar nicht so sehr das
„dünn“-sein, das mich reizt.
Ganz im Gegenteil, es ist
nervenaufreibend, von jedem angesprochen zu werden auf den
vermeintlich eklatanten Gewichtsverlust; die sorgenvollen Blicke, die
wütenden Äußerungen ertragen zu müssen und vor allem das
schlechte Gewissen denen gegenüber, die ich liebe und denen offenbar
viel an meinem Gesundheitszustand liegt.
Nicht, dass es mir persönlich nicht
gefällt, dünner zu sein – ich finde es fabelhaft. Das
Wahnsinnsgefühl, beim Gehen nicht die Oberschenkel aneinander reiben
zu spüren, der Stolz, in Jeans und T-Shirt gut auszusehen ohne den
Bauch einziehen und die Beine mit langen Cardigans verhüllen zu
müssen. Es macht mir sogar Spaß, mich absichtlich „dicker“
wirken zu lassen indem ich unvorteilhafte Sachen trage.
Der große Reiz ist allerdings das
Hungern selbst. Leer zu sein, Schwindel und geschärfte Wahrnehmung,
sich zu kasteien.
Ich weiß, wer das liest mag denken
„Was will sie eigentlich, sie hungert jetzt gerade mal zwei
Wochen“, aber ich habe extrem viel abgenommen in der Zeit, viel
mehr als damals, wahrscheinlich weil ich meinen Körper jetzt besser
kenne.
Ich weiß, wer das liest mag wütend
werden (und ich kann es keinem Leser verdenken) dass ich mich
freiwillig in diese Hölle zurückbegebe.
Irgendwo weiß ich auch, dass es
idiotischer Scheißmist ist, was ich mache. Aber hält mich das davon
ab? Nein.
Mein Plan sieht wie folgend aus: Noch ein paar Kilos verlieren, bis ich bei 50 kg bin, und dann langsam wieder mehr essen, sodass mein Stoffwechsel sich umstellen kann (momentan ist er auf maximal 300 kcal am Tag geeicht, was ich zwar regelmäßig unter größter Mühe für einen Tag auf 500 steigere, um ihm „Anreize“ zu geben). Dann würde ich ein bisschen zunehmen, sagen wir bis 52/53 kg, und dieses Gewicht dann halten. Und das möchte ich wirklich!
Natürlich finde ich mich „schöner“ mit weit unter 45 kg, aber wenn ich etwas gelernt habe in den vergangenen Jahren dann ist es das: Was ich schön finde, interessiert eh kein Schwein und treibt mein Umfeld in den Wahnsinn. Was ich vermeiden möchte, wegen mir hat meine Familie (und hat T.) schon genug gelitten.
Aber so ein hübscher BMI von 17,2; damit könnte ich mich abfinden. Ich würde vorsichtig und kontrolliert gesunde und auch ungesunde Dinge essen, etwa 1200-1400 kcal am Tag (also etwas weniger als den Grundumsatz, aber dafür viel Fett-Kalorien wie Butter, Öl und Schokolade) und wäre dünn, aber nicht mager.
Mein Plan sieht wie folgend aus: Noch ein paar Kilos verlieren, bis ich bei 50 kg bin, und dann langsam wieder mehr essen, sodass mein Stoffwechsel sich umstellen kann (momentan ist er auf maximal 300 kcal am Tag geeicht, was ich zwar regelmäßig unter größter Mühe für einen Tag auf 500 steigere, um ihm „Anreize“ zu geben). Dann würde ich ein bisschen zunehmen, sagen wir bis 52/53 kg, und dieses Gewicht dann halten. Und das möchte ich wirklich!
Natürlich finde ich mich „schöner“ mit weit unter 45 kg, aber wenn ich etwas gelernt habe in den vergangenen Jahren dann ist es das: Was ich schön finde, interessiert eh kein Schwein und treibt mein Umfeld in den Wahnsinn. Was ich vermeiden möchte, wegen mir hat meine Familie (und hat T.) schon genug gelitten.
Aber so ein hübscher BMI von 17,2; damit könnte ich mich abfinden. Ich würde vorsichtig und kontrolliert gesunde und auch ungesunde Dinge essen, etwa 1200-1400 kcal am Tag (also etwas weniger als den Grundumsatz, aber dafür viel Fett-Kalorien wie Butter, Öl und Schokolade) und wäre dünn, aber nicht mager.
Ich wäre (und bin es jetzt schon) um
einiges selbstbewusster im Auftreten. Mein Gesicht ist zierlicher und
damit erträglicher. Meine Größe ist nicht so schwer zu ertragen,
wenn ich dünn bin.
All das ist krank, aber realistisch zu
erreichen und gibt mir Kraft für die alltäglichen Quälereien.
Donnerstag, 14. Februar 2013
Sonntag, 10. Februar 2013
Kalte Luft (Trigger?).
Ich laufe und laufe und bewege mich nicht von der Stelle.
Die Luft in meinem Kopf ist diesig und kalt.
Meine Mutter sagt: Ich sehe, dass du schon wieder so dünn bist, Maus. Ich mache mir Sorgen.
T. sagt: Du wiegst doch keine 57 kg mehr?!
Ich sage: Leute, schaut mich an. Ich bin nicht dünn. Und ich bin zwanzig. Und ein Arschloch.
Meine Unterarme sind blutig, rau und voller Rillen. Das Blut will gar nicht mehr trocknen.
Egal, scheißegal.
Denn: Er wird mir nie wieder vertrauen, ich schlage mit Fäusten auf meinen Kopf ein bis ich ein Veilchen habe.
Er sagt: Ich weiß, dass du nicht deine Freundin in Leipzig besuchen willst. Du triffst dich dort mit S. oder R. und willst dich von denen durchficken lassen.
Ich schreie und weine, er hat keinen blassen Schimmer wie unendlich weit ein solcher Gedanke von meinem Zustand entfernt ist. Ich sage, dass ich keinen Kontakt mehr mit diesen Männern habe, was zu 100% der Wahrheit entspricht. Aber er glaubt mir nicht. Ich sage, dann fahre ich nicht nach Leipzig. Er sagt, klar, weil du dich mit diesem Idioten treffen wolltest. Und selbst wenn nicht, wirst du dort jemanden kennenlernen und mich betrügen und verlassen.
Nein.
Nein, niemals, ich will doch nur ihre Wohnung sehen, ihre erste eigene Wohnung und sie ist meine einzige und beste Freundin und-
Wenn das rauskommt, brüllt er, dass du mich wieder verarschst, dann sehen wir uns nie wieder.
Ich heule.
Er glaubt mir nicht, meint, er hätte in meinen Augen gesehen dass ich dort jemanden treffen wollte, um fremdzugehen.
Meine Stimme überschlägt sich: Ich bringe mich jetzt um, wenn du das denkst. Ich schneide meine Scheiß-Brüste ab und meine Klitoris und dann werden wir ja sehen, ob ich Sex haben will.
Im Badezimmer schließe ich mich ein und versenke erstmal Raierklingen in meinem linken Handgelenk.
Es blutet immer noch.
Mageninhalt: 30g Almased. Geiles Leben, echt.
Die Luft in meinem Kopf ist diesig und kalt.
Meine Mutter sagt: Ich sehe, dass du schon wieder so dünn bist, Maus. Ich mache mir Sorgen.
T. sagt: Du wiegst doch keine 57 kg mehr?!
Ich sage: Leute, schaut mich an. Ich bin nicht dünn. Und ich bin zwanzig. Und ein Arschloch.
Meine Unterarme sind blutig, rau und voller Rillen. Das Blut will gar nicht mehr trocknen.
Egal, scheißegal.
Denn: Er wird mir nie wieder vertrauen, ich schlage mit Fäusten auf meinen Kopf ein bis ich ein Veilchen habe.
Er sagt: Ich weiß, dass du nicht deine Freundin in Leipzig besuchen willst. Du triffst dich dort mit S. oder R. und willst dich von denen durchficken lassen.
Ich schreie und weine, er hat keinen blassen Schimmer wie unendlich weit ein solcher Gedanke von meinem Zustand entfernt ist. Ich sage, dass ich keinen Kontakt mehr mit diesen Männern habe, was zu 100% der Wahrheit entspricht. Aber er glaubt mir nicht. Ich sage, dann fahre ich nicht nach Leipzig. Er sagt, klar, weil du dich mit diesem Idioten treffen wolltest. Und selbst wenn nicht, wirst du dort jemanden kennenlernen und mich betrügen und verlassen.
Nein.
Nein, niemals, ich will doch nur ihre Wohnung sehen, ihre erste eigene Wohnung und sie ist meine einzige und beste Freundin und-
Wenn das rauskommt, brüllt er, dass du mich wieder verarschst, dann sehen wir uns nie wieder.
Ich heule.
Er glaubt mir nicht, meint, er hätte in meinen Augen gesehen dass ich dort jemanden treffen wollte, um fremdzugehen.
Meine Stimme überschlägt sich: Ich bringe mich jetzt um, wenn du das denkst. Ich schneide meine Scheiß-Brüste ab und meine Klitoris und dann werden wir ja sehen, ob ich Sex haben will.
Im Badezimmer schließe ich mich ein und versenke erstmal Raierklingen in meinem linken Handgelenk.
Es blutet immer noch.
Mageninhalt: 30g Almased. Geiles Leben, echt.
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