Ich habe wahnsinnige Kopfschmerzen und einen unangenehmen
Geschmack im Mund (eine Mischung aus Zigaretten, Cola Zero und Milka-Cookies),
liege mit meinem von T. reparierten Laptop im Bett und sehe The Big Bang
Theory. Eigentlich wollte ich ein Lernheft bearbeiten, aber meine Kopfschmerzen
machen intellektuelle Anstrengungen unfruchtbar.
Heute Nacht ist T. im Flur zusammengebrochen
(Kreislaufkollaps plus Medikamente plus Alk) und hat sich offenbar die Nase
gebrochen.
Wir hatten Sex (vorher natürlich) und die Veränderung meines
Körpers von Modelmaßen zu unförmiger Kleidergröße 38 binnen einer Woche scheint
ihm nicht aufgefallen zu sein (ich hatte ein Nachthemd an), oder ihn nicht zu
stören. Wobei letzteres unwahrscheinlich ist, ich weiß ja wie er andere Frauen
wahrnimmt und beurteilt. Dieser Mann ist ein großes Mysterium für mich.
Ich werde nie begreifen wie er es so weit kommen
lassen konnte – außer wir gehen davon aus, das er den Keim der Depression und
der Neigung zum Suchtmittelmissbrauch schon von Geburt an in sich trug und
dieser wie ein Virus bei Psycho-Immunschwäche immer wieder ausbricht. Und was
seine „Liebe“ zu mir angeht, die ich einfach schlicht nicht verdient
habe: Ich werde es nie begreifen.
Es ist nur leichter für mich, sie zu akzeptieren, wenn ich
mir zumindest einreden kann, „okay“ zu sein.
„Okay“ ist undifferenziert für: dünn, genügsam, leistungsstark, unabhängig in
finanzieller Hinsicht, altruistisch und so weiter. Klar, das klingt nach großer
Anstrengung, ist es aber gar nicht. Wenn ich nur ordentlich hungere, bekomme
ich die anderen Eigenschaften sozusagen als Bonustracks gratis obendrauf. Kennt
ihr das? Die Gleichung ist relativ simpel: HUNGERN (= dünner sein) bewirkt einen
Energiekick, welcher mich befähigt effizienter zu haushalten (zum Beispiel mit
Geld, Nahrungsmitteln, Erwartungen und Forderungen an / von anderen). Und es
ist leichter, mich zurückzunehmen, hilfsbereit zu sein.
Scheinbar sind in meinem Geist die Art und Weise der
Nahrungsaufnahme und mein Auftreten nach außen untrennbar miteinander
verknüpft. Vielleicht sollte ich besser sagen „ineinander verknotet“. Sobald
ich fresse, bin ich maulig, fordernd, laut, werfe unendlich viel Geld zum
Fenster raus, gehe meinem Umfeld auf den Sack, schneide mich, streite, bin
faul, müde und antriebslos.
Es gibt nur diese zwei Modi. Früher dachte ich, ich wäre
vielleicht bipolar und die Hunger-Phasen würden Manien entsprechen, aber das
ist Schwachsinn. Der Hunger-Aktivitäts-Modus ist genauso normal und Teil meiner
Selbst wie der Fress-Faul-Modus, das habe ich inzwischen akzeptiert.
Meine Therapeutin versucht mir weis zu machen, dass es normal ist, seine
Haltung zum Leben oder die Art, es zu führen, häufig ändert. Dass normale
Menschen zum Beispiel im Job anders funktionieren als privat...
Aber sein Essverhalten zwanghaft nach seinem Aktivitätsgrad
auszurichten beziehungsweise seinen Aktivitätsgrad vom Essverhalten diktieren
zu lassen, DAS ist nicht normal. Es ist bescheuert.
Total bescheuert ist auch, dass ich gerade in den
Fress-Phasen null Motivation habe, Sport zu betreiben, obwohl es gerade da
nötig wäre. Ich habe neulich bei
herzenswunsch einen ähnlichen Gedanken gelesen
und das hat mich nachdenklich gemacht: Im Prinzip wird ja immer empfohlen,
etwas einfach (EINFACH! Haha.) zu TUN, also anzufangen. Die Motivation käme
dann währenddessen. Man sollte sich zwingen, zum Beispiel zum Sport zu gehen,
und würde dann für die Überwindung mit neuer Kraft und Motivation belohnt. Nur:
Bei mir scheint das nicht zu funktionieren. Weiß nicht ob es an der Depression
liegt, an meinem Charakter oder woran auch immer – wenn ich nicht
will, kann
ich auch nicht. Blockade. Gilt auch für Lernen, Ausgehen, zum Teil, wenn es
besonders schlimm ist, auch für's Aufstehen morgens. Dann liege ich eine Stunde
lang da, mit voller Blase, Durst und dem Wissen, dass ich mein Venlafaxin
(Antidepressivum) einnehmen sollte, aber kann mich nicht dazu aufraffen.
Geschweige denn zu Rauchen, den Fernseher einzuschalten oder Kaffee zu kochen.
Natürlich packe ich es dann irgendwann. Aber „belohnt“ mit „Motivation“ wird
mein Kampf dann nicht. Liegt das an mir? Sollte ich mich häufiger zwingen, mehr
Einfluss auf mein Handeln auszuüben versuchen?
Nach dem Prinzip: Ich gehe jetzt einfach ins Fitness und hoffe, dass ich
dadurch keine Essanfälle mehr habe?! Dem Prinzip: Ich stehe jetzt einfach um
halb acht auf, koche Kaffee, rauche eine und dann geht’s los mit Lernen, just
do it?!
Experimente können nicht schaden. Also fresse ich mich nochmal schön voll, gehe
dann ins Fitness und versuche morgen früh ein Lernheft fertig zu stellen.
Sorry, dass ich so lange brauche um einen Entschluss zu
fassen und das dann auch noch so ausführlich ausbreiten muss, aber wie man
unschwer erkennen kann sind die Assoziationsketten in meinem Gehirn wie Unkraut
und es hilft, sie mal schriftlich zu ordnen.
Edit 1: Ich gehe nicht ins Fitness, ich gehe Futter kaufen. (Stellt euch eine Tussi vor, die sich in den Kopf schießt)
Edit 2: Ich wurde von
melli getagged! Dankesehr... Ich soll 11 Dinge über mich sagen? Okay:
1. Ich stehe auf wesentlich ältere Männer, seit ich mit 13 für den Sänger von Depeche Mode (45)
geschwärmt habe.
2. Am liebsten trage ich "Chance" von Chanel und "Jil" von Jil Sander.
3. Meine Nägel sind im Moment bis auf die Haut abgekaut und -gerissen.
4. Mit 6 Jahren hatte ich meine erste Panikattacke, seitdem bin ich in Therapie (mit Unterbrechungen!).
5. Ich wirke wahnsinnig unsympathisch und arrogant, weil ich
krass unsicher bin.
6. Ich hatte schon mal eine Magensonde und eine Mandel-OP.
7. Ich bin mit meiner Wärmflasche verwachsen, oder kurz davor.
8. Ich finde Hipster-Kiddies immer ganz schlimm peinlich und laufe selber rum wie eines.
9. Ich habe mal einen Mofa-Führerschein gemacht und bin noch nie gefahren seitdem.
10.Ich hasse es, zu verlieren und kann Kritik nicht verkraften.
11.Ich verehre Ernest Hemingway und Vladimir Nabokov. Leider tot.