Dienstag, 16. April 2013

L e t h a r g i e.

Ich liege seit fünf Stunden auf meinem kleinen, weichen Bett, umgeben von lautem Vogelzwitschern, drapierten Tabakpäckchen, zerpflückten Büchern, blitzenden Haarnadeln und dreckigen Kaffeetassen, und existiere bloß.
Eigentlich ganz schön, nichts zu tun, auch wenn der Kopf eine Liste an Dingen bereithält, die man tun sollte.
Ich bekomme kaum einen Gedanken zu fassen, streife ihn höchstens mit den Fingerspitzen, treibe vor mich hin. Wenn Sonntag wäre, hätte ich nicht einmal ein schlechtes Gewissen dabei. Aber es ist fucking-Dienstag und ich bemerke meine Unlust, sich mit der stetig wachsenden to-do-Liste zu befassen, die irgendwo im Frontallappen meines Gehirns pulsiert.
Zum Sport gehen, Bewerbungen abschicken, Bankunterlagen sortieren, Telefonate führen, ein Paket mit den CDs meines Onkels zur Post bringen, wenigstens mal die Beine aus dem Bett heben.
Stattdessen wische ich in weitem Bogen um den dampfenden, spritzend-heißen Brei herum. Es riecht angebrannt, doch auch das tangiert mich nicht wirklich. Ich habe ein Laptop, Zigaretten, Cola zero und ein Handy. Erschreckend der Gedanke, dass ich wahrscheinlich noch tagelang so weiterlethargieren könnte.
Zum Essen würde ich mich aufraffen, ja. Um Menschen zu sehen. Vielleicht um eine DVD aus dem Wohnzimmer zu holen. Hin und wieder für Sex (vor allem, wenn er so ist wie heute Nacht).

Ah, ich vermisse meine Motivation. Schätze, sie ist morgen wieder da.

8 Kommentare:

  1. ich kenne diese momente auch. man hat eigentlich so viel vor, wäre da nicht dieser riesen kerl namens innerer schweinehund, den man erst verjagen muss. ich bin dann immer froh, wenn ich mich doch aufgerafft hab. diese rumhängerei macht einen ja auch nicht wirklich glücklich...

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  2. Hab ich in meinem neuen Post:)


    Hachja, das aufraffen und Überwinden etwas zu tun. Kenne ich zu gut, aber wenn man erst einmal aufgestanden ist, sich fertig gemacht hat und die Muskeln nicht mehr so müde sind, gehts auch wieder und im Nachinein bereut man nichts:)

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  3. Ganz ehrlich? So wie du deinen Körper beschriebst ist das toll. Ich würde so gerne und traue mich aber einfach nicht noch einen Schritt oder geschweige denn zwei Schritte weiter zu gehen. Vielleicht bald.
    Ich kann es nicht, mir Bilder anschauen wo ich dünner als jetzt bin, einfach aus dem Grund, weil ich dann unbedingt wieder dorthin will bzw. wieder gegen mich an kämpfe. Immer höher, weiter, dünner. Ich gehe solchen Triggern bewusst aus dem weg und lasse mich nicht mehr so kampflos und leicht runterziehen.

    Aber eine gewisse Sehnsucht kenne ich.
    Obwohl ich eigentlich ganz genau weiß, das es mir zu dem Zeitpunkt so so schlecht ging.

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  4. Ich halte fest die Däumchen, dass sie morgen wiederkommt!
    Ich weiß, es beruhigt das Gewissen nicht sonderlich, aber ich habe heute auch lediglich existiert. Abgesehen von ein paar schönen Minütchen mit meiner kleinen Schwester...im Zug existiert, in Omis Wohnzimmer existiert, am Tisch existiert. Und gegessen. Und ca. 3-4mal pro Minute versucht, nicht daran zu denken, dass ich jetzt zwischen meinen Freunden im Hörsaal sitzen und den Strafrechtler heimlich angieren könnte.
    Reallife-Satire trifft es garnicht schlecht. Stünde ein Diktiergerät in meinem Besitz, hätte ich statt einem Post, eine (sicherlich 30 minütige) Audiodatei auf den Blog geladen...Gatherings meiner Familie sind wirklich unmöglich zu beschreiben -.-'
    Meine beste Freundin war ein einziges Mal dabei (Geburtstagskaffee von meiner Mama) Weißt du, was sie hinterher zu mir gesagt hat? "Also dafür würde ich glatt Eintritt zahlen!"
    Aber wenn man selbst in der Manege sitzt und einem schmerzlich bewusst wird, ein Teil dieser Familie zu sein, dann fragt man sich minütlich, ob man nun lachen oder heulen sollte. Und heute war lediglich ein Bruchteil der Sippe zugegen. Es geht durchaus noch schlimmer...

    fühl dich gedrückt,
    morgen ist Motivationstag ;) das habe ich im Gefühl

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  5. Oh, vielen Dank :-) Ich weiß leider nicht, welche deiner zwei Namensvetterinnen auf Facebook Lulu ist - aber in beiden Fällen kannst du das Kompliment zurückgeben! Weiß sie von deinem Blog und hast du ihr von meinem Kommentar erzählt?
    Ich kenne das Gefühl, eine gigantische Checkliste vor mir ragen zu sehen, während ich noch im Bett liege und mich mit dem Nichtstun begnüge. Aber wer sagt denn, dass du das alles auf einmal erledigen musst? Nimm dir vor, jeden Tag einen kleinen Schritt zu gehen und belohne dich dafür mit noch mehr "Weiterlethargieren".
    Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden, Prioritäten setzen.
    Was sollte ich zuerst erledigen, was will ich zuerst erledigen? Was lässt sich aufschieben, was würde ich gerne aufschieben ("Alles" zählt nicht ;) ) ? Und dann die erste Bewegung ohne große Erwartungen wagen. Aufstehen, an den Pc setzen, Bewerbung weiterschreiben/verbessern/abschicken - 20min Maximum. Und so weiter und so fort. Ich liebe das Gefühl, nach einem vergammelten Wochenende endlich zum Supermarkt gegangen zu sein (meistens durch akute Kühlschranknot dazu gezwungen), man fühlt sich ein bisschen frischer und weniger verrottet. Vielleicht kannst du so auch die entspannte Zeit viel besser genießen. Anfangen ist alles!
    (Und ich wette, das alles weißt du sowieso selbst und das Alles-oder-Nichts-Prinzip kann einem dabei ein mieses Schnippchen schlagen - aber es tut doch hin und wieder gut, das Simple aus einem anderen Mund zu hören. Geht mir jedenfalls so.)
    Ich wünsche dir noch eine schöne, motivierte Restwoche, meine Liebe :-)

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  6. Nimm's nicht so tragisch. Solche Auszeiten sind auch mal Balsam für deine Seele :)

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  7. Dieses Gefühl, das du in deinem Post beschreibst habe ich ständig, dauherhaft und überall, leider. Manchmal packt mich der Tatendrang, gerade würde ich zum Beispiel gerne ein bisschen an meinen Klamotten herumschneiden, aber dann bin ich doch wieder zu demotiviert.

    Ich weiß nicht, ich fühle mich verraten.
    Dieser Freund, von dem ich immer geschrieben habe klaut mir eine meiner besten Freundinnen, verletzt damit ihren Freund, sie verletzt uns (also meine Freundesgruppe) indem sie ihn uns vorzieht und am Meisten mich. Sie sieht es nicht und mir tut das einfach nur sehr doll weh.
    Und wenn wir mit ihr reden, versteht sie es nicht.
    Sie zieht ihn vor, obwohl sie ihn erst kurz kennt.
    Ihr Freund leidet, wir alle sehen das, nur sie nicht.

    Ich habe ehrlich gesagt, gerade einfach nur Lust meinen Kopf gegen die Wand zu schlagen bis ich nicht mehr denken muss.
    Und ihn nicht mehr sehen muss.
    Heute haben sie sich zwei Tische von uns entfernt hingesetzt und ich musste seine Stimme hören, obwohl am anderen Ende der Mensa noch mehr frei war.
    Er hat gefragt, ob sie sich da hinsetzen wollen.
    Mit seinen manipulativen Spielchen kriegt er was er will.

    Ich mache mir zu viele Gedanken und mich selbst ganz kirre, außerdem schmerzt mein Körper weil ich zur Abwechselung in Sport mal mitgemacht habe.
    Ich denke, das wird sich regeln, aber ich fühle mich, als wäre ich aus dem zweiten Stock gestürzt und auf Beton aufgeschlagen.

    <3

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  8. So tage gibts..manchmal zieht sich das auch über mehrere Wochen ;D Aber ich denke mit dem Frühling und der Sommerlaufe kommt das auch wieder in die Gänge. Aber wenn man alles immer aufschiebt, wird es ja immer mehr und man hat erst Recht keine Lust sich aufzuraffen

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